Arbeitsplätze oder nicht?

Arbeitsplätze oder nicht?

Wie es meistens überall vor einer bevorstehenden Wahl geschieht, hat auch Kiel ein großzügiges Programm für die Ar-beitsplatzbeschaffung in Schleswig-Holstein und in der Hauptsache für uns hier an der Westküste aufgestellt. Es wäre ja sehr schön, wenn alle dafür Verantwortlichen in Stadt und Landes unter dem Motto „Gleiches Recht für alle“ durchführen würden. Dies schein mi raber gar nicht der Fall zu sein, denn der Herr Kreisverwaltungsdirektor Werner Hühne versucht gerade In diesen Wochen, zum Teil schon bestehende, zum Teil noch zu besetzende Arbeitsplätze aus der Welt zu schaffen. Wie schon in meinem Leserbrief von Anfang Januar berichtet, hat sich Heinz von Holdt eine Personen- und Frachtfähre für die Verbindung Pellworm-Nordstrand gekauft. Weil die Verkäufe-rin, Frau Both, die jetzige „Pidder Lüng“ noch als Nutzungs-schiff verkaufen konnte, war sie In der Lage, sich auf einer deutschen Werft eine neue Fähre mit Staatszuschüssen bauen zu lassen und dadurch Arbeit zu schaffen. Genauso mußte nun Heinz von Holdt, weil die neuen Bestimmungen der See-Berufsgenossenschaft und des Germanischen Lloyds es ver-langten, Hunderte von Arbeitsstunden bei der Werft in Wischhafen bezahlen.
Kam dieser Tribut, den Frau Both und Heinz von Holdt der deutschen Wirtschaft leisteten, von der verkehrten Seite, Herr Hühne? Oder paßt es nicht in Ihr Konzept, daß das frühere Argument, die Versorgung der Insel sei nicht sichergestellt und deshalb der Ruf nach dem Staat gerechtfertigt, nicht mehr stichhaltig ist? Sollte dem aber nicht so sein, müßten Sie doch die „Pidder Lüng“ als rettenden Engel an Ihre christliche Brust genommen und in den Himmel gehoben haben, anstatt die „Pidder Lüng“ zu dem, von uns al Kinder so sehr gefürchteten, Teufel schicken zu wollen. Wir haben den Streit nicht angefangen und wollen ihn auch dar nicht.‘ Wenn wir aber zum Kampf um unser Recht herausgefor-dert werden, treten wir ihn an, und zwar mit allen Mitteln, die uns das Recht erlaubt. Wir stehen hier tatsächlich vor der Frage: Für wie einschüchterungsbereit, für wie ängstlich und für wie dumm halten Herr Hühne und seine Freunde von der CDU, soweit sie sich mit ihm solidarisch erklären, uns eigentlich?Jedenfalls werden wir nicht zulassen, daß ein Landsmann von uns mit seinem, von vielen Pellwormern und Freunden herbei- gewünschten, Unternehmen über die Klinge springen muß, weil eine von unseren Groschen mit finanzierte Privatgesell-schaft das Monopol wieder an sich reißen will, Ich verweise in diesem Zusammenhang auf den sehr interes-santen und aufschlußreichen Leserbrief von Herrn Mody, Hollingstedt, wo es sich um einen ähnlich gelagerten Fall handelte (Muschelentsandungsanlage). Wir wollen keine Millionen Steuergelder als Staatszuschuß für die neue Fähre der NPDG, die dann, wie Herr Hühne v. Holdts Rechtsbeistand gegenüber andeutete, in die roten Zahlen fahren könnte. Wenn wir aber als Kreisbürger schon mal, ohne unser Wissen, nun Mitinhaber einer Fährgesellschaft geworden sind, möchten wir auch restlos über deren Finanzlage unterrichtet werden. Wir werden deshalb nicht Ruhe geben, bis wir nicht nur die angeblich roten Zahlen, sondern die Zahlen in allen Schattierungen von schwarz-weiß-rot, über grün und gelb vor uns in der Sonne glitzern sehen.Die Pellwormer wissen, daß nach Einbeziehung der „Pidder Lüng“ in den Tideverkehr die Versorgung der Insel ausrei-chend gesichert ist, zumal jede Fähre nach Vertiefung von Hafen und Priel mindestens eine Tour mehr fahren kann. Bisher wurden der „Pidder Lüng“ und den Personen, die sich für sie einsetzten, nur Steine In den Weg gelegt. Ja, unser Herr Delfs von der Amtsverwaltung wollte von Holdt noch weis-machen, daß auch ein Rechtsanwalt an den jetzigen Praktiken im Pellwormer Hafen nichts ändern kann. Meine persönliche Meinung hierzu: Herr Delfs sollte sich zuerst bei uns ein wenig umsehen und nicht nach so kurzer Zeit schon so tun als ob, er weiß ja noch gar nicht, ob er überhaupt auf das richtige Pferd gesetzt hat.Auch wenn Herr Delfs zehn, statt wie er angibt drei, Semester Jura studiert hätte, würde er das Grundgesetz, das jedem Bürger freie Berufsentfaltung garantiert, nicht ändern können. Freuen Sie sich jedoch, Herr Delfs, über Ihre drei Semester, Sie wissen gar nicht, wie schwer wir Insulaner es im Augenblick haben, ohne Jurastudium auskommen zu müssen. Dieses kleine Territorium, Pellworm und Husum, wo unser Recht schon wieder, oder noch immer, wie es scheint, jenseits der Grenzen liegt, haben wir auf unserer Suche nach diesem bis nach den Landtagswahlen ausgeklammert. Wir haben auch dahinter noch ein schönes Stück Bundesrepublik. Freilich werden wir auch in Kiel das hohe „C“ überspringen müssen, weil unsere Melodie von Recht und Freiheit auch dort Ohrensausen hervorruft. Letztlich werden wir aber sicher in Bonn in Erfahrung bringen können, ob die Fähranleger vor den Inseln Pellworm und Nordstrand wirklich ein Geschenk des Bundes an die NPDG sind, wie einige zu glauben scheinen.
Anton Knudsen Tammensiel 2251 Pellworm

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