Artikel in den Husumer Nachrichten am 15.3.1979

Artikel in den Husumer Nachrichten am 15.3.1979 Pellwormer FDP fordert Rücktritt von Bürgermeister Dethlefsen (CDU)

Kontroversen um zweite Fähranbindung schlagen Immer noch Wellen
hn. P e l l w o r m. Der Pellwormer FDP-Vorsitzende Wolf-gang Schilke hat in der letzten Jahreshauptversammlung des örtlichen FDP-Verbands den Rücktritt des Insel-Bürgermeisters Alfred Dethlefgen (CDU) gefordert, der im Zusammenhang mit der auf Pellworm von privater Seite In Dienst gestellten zweiten, Fährverbindung zum Festland unter Beschuß geraten war. Wie mehrfach berichtet, war DethIefsen öffentlich vorgeworfen worden, seine Bürgermeister-Funktion und seinen Amtsvorsteher- Posten, für das Amt Pellworm dazu mißbraucht zu haben, seine Interessen als Geschäftsführer der Neuen Pellwormer Dampf- Wolfgang,Schilke erklärte im Verlauf der Versammlung, daß aus der Bericht-erstattung der HN“ bekannt sei, daß Dethlefsen am 8. Dezember 78 während einer Gemeindevertretersitzung erklärt habe, seit dieser Zeit von der Gemeinde Pellworm von der Sachbearbeitung in ,Hafenangelegenheiten , entbunden zu, sein. Fest. stehe aber, daß Dethlefsen in seiner Eigenschaft als Amtsvorsteher eine Ordnungsverfügung gegen. den Inhaber, der zweiten Fähre, Heinz,von Holdt noch am 8. 12. 1978, *also zwei Tage darauf, er-lassen habe. Mit dieser Verfügung sei von Holdt die Inbetriebnahme seines, Fähr-schiffe untersagt worden. Dethlefsen ha-be die sofortige Vollziehung, der Verfügung angedroht und das öffentliche Inter-esse damit begründet, er müsse einen Wettbewerbsnachteil für die NPDG verhindern. Im Auftrage des Amtsvorstehers sei der leitende Verwaltungsbeamte Delfs, tätig geworden. Schilke berichtete weiter, daß Anton Knudsen, der mehrfach Leserbriefe in den HN veröffentlichte, mitgeteilt habe, daß Dethlefsen, eine einstweilige Verfügung gegen Teile eines Leserbriefes vom 8. Ja-nuar 1979 beantragt habe. Das Amtsge-richt Husum habe das Ansinnen Deth-lefsens kostenpflichtig , zurückgewiesen. Das Landgericht Flensburg jedoch habe in der Berufung am 23. 2.179 untersagt, folgende Behauptungen zu wiederholen: Der Pellwormer Bürgermeister Al-fred Dethlefsen räumt die Benutzung des Fähranlegers nur den Fähren der von ihm vertretenen Gesellschaft ein, der Bürgermeister Dethlefsen unter-nahm am 7. 12. alles mögliche, um die Inbetriebnahme der Fährlinie zu verhindern, der Bürgermeister Dethlefsen behin-dert böswillig einen Pellwormer Bürger beim – Aufbau einer Existenz. Das Gericht legte ‚Schilke zufolge fest, daß Dethlefsen binnen einer Frist von 4 Wochen bei, dem zuständigen Gericht Klage in der Hauptsache zu erheben hat. Wichtig, so Schilke, seien hier die Gründe. Das, LG Flensburg habe gesagt „Der Antragsgegner hat In einem Leserbrief in ,den Husumer Nachrichten vom 8. Januar 1979 unter anderem die aus dem Tenor er-sichtlichen Behauptungen aufgestellt. Dem gegen über hat der Antragssteller ,dargelegt, daß er mit den im Leserbrief behandelten Vorfällen hinsichtlich des Fährbetriebes des Herrn von-Holdt in der Zeit von Ende, November. bis Dezember 1978 weder in der Eigenschaft als `Bürger-meister noch als Amtsvorsteher befaßt gewesen sei. Der Antragsteller hat seine Behauptung durch eine eidesstattliche Versicherung des Amtmannes Delfs glaub-haft gemacht.“ Anton Knudsen selber sei froh – so Schilke weiter – über diesen Verlauf, denn in einem ordentlichen Verfahren könnten, Zeugen vernommen , werden, die bislang nicht gehört werden konnten. Schilke erklärte dann‘, Heinz von HoIdt habe eine einstweilige Verfügung erwirkt, die ihm gestatte, den beweglichen Fähr-anleger auf Pellworm zu benutzen. Den Pellwormern sei das bekannt. Bekannt sei auch, daß der Nordstrander Bürgermeister Willi Hansen das Fehlverhalten“ ‚ w’ie er es ausdrückte, der NPDG-Fähren im, Konkurrenzkampf gegen die „Pidder Lüng“ im Hafen Strucklahnungshörn hart kritisiert habe. Kritisch habe sich auch der Nord- strander Amtsvorsteher Toll geäußert. Schilke erklärte abschließend, in dieser politischen Angelegenheit müßten alle Fakten auf den Tisch gelegt werden. In diesem Zusammenhang erinnerte er an einen eigenen Leserbrief in den HN“, in dem er auf die Schwachstellen der seiner- zeitigen Festsetzung des Amtsvorstehers Dethlefsen hingewiesen hatte. Er gab dann noch eine, Stellungnahme eines Rechtsanwaltes bekannt: „Nur durch ein Versehen faßte der Amtsvorsteher die Festsetzung fehlerhaft, so daß das Anlege und Verladeverbot an dem Anleger ku-rioserweise. auch die von ihm selbst ver-tretene NPDG betraf, was- er aber sicher-lich nicht beabsichtigt hatte, denn die NPDG benutzte . ihre bisherigen Liege- und Anlegestellen trotz der, Verordnung „ch nach dem 20. 11. 1978 unbeanstandet weiterhin. Diese – unbeabsichtigte -verunglückte Festsetzung machte die Pell-wormer und sonstige Öffentlichkeit auf die massiven Eingriffe des Amtsvorste-hers in die Freiheit der Häfen aufmerk-sam. Schilke sprach schließlich noch, einen Hubschraubertransport am‘ 6, 1..1979 von Pellworm nach Nordstrand an. Viele Pell-wormer, so Wolfgang Schilke, seien em-pört gewesen, als sie hörten und sahen, daß für den. Flug, der im Rahmen des Ka-tastrophenalarms durchgeführt wurde, Fährfahrkarten von der NPDG und von Heinz von Holdt entwertet worden seien. Schilke dazu: Die Reederei von Holdt gab auf Anfrage bekannt, daß sie keine An-ordnung zur Entwertung der Karten ge-geben hatte,. Die Pellwormer FDP fragte dazu: Wer hat die Maßnahme angeordnet?
——————————————————————————–Artikel in den Husumer Nachrichten am.23.3.1979 Eine Lanze für Alfred Dethlefsen.
hn. Pellworm. Die Vorsitzenden. der in dem Pellwormer Gemeindeparlament vertretenen Parteien, Friedrich N. Edlefsen (CDU), Andreas Jensen (SPD) und Heinz Clausen (WGP), gaben folgende Pressemitteilung, heraus: „Alle Pellwormer Gemeindevertreter (ohne Bürgermeister Dethlefsen) haben sich auf einer interfraktioriellen Sitzung getroffen – und die angeblichen Angriffe der Pellwormer FDP‘ besprochen. Alle Gemeindevertreter sind der Auffassung, daß Bürgermeister Alfred Dethletsen an-läßlich seiner Amtsführung kein Vorwurf gemacht werden kann. Einstimmig wurden die von Schilke aus-gesprochenen Verunglimpfungen zurück-gewiesen. Insbesondere4 wenn sie von einer Gruppe kommen, die sich vor einem Jahr vergeblich um Einzug in die Ge-meindevertretung Pellworm bemühte. Die FDP-Pellworm‘ erhielt nicht das ‚ Ver-trauen der Bürger. Die legitimierten Volksvertreter sehen keinerlei Anlaß, Forderungen in bezug auf Rücktritt des Bürgermeisters näherzutreten. Wolfgang Schilke als FDP-Vorsitzender‘ wäre bes-ser beraten, statt alten polemischen Kaf-fees immer wieder versuchen aufzuwär-men, sachlich für Pellworm zu arbeiten und sich nicht weiter ins politische Abseits zu stellen. Das dem Bürgermeister einstimmig ausgesprochenene Vertrauen auf der Gemeindevertretersitzung der Gemeinde Pellworm vom 6. 12. 1978 bleibt uneinge-schränkt aufrechterhalten.“

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