Category Archives: Jan. / Feb. 1979 Nr.19/20

Pro & Contra „Pidder Lüng“

Pro & Contra „Pidder Lüng“

In der November-Ausgabe berichteten wir über den geplan-ten Neubau einer Fähre der NPDG und über eine weitere neue Fähre des Schiffers Heinz von Holdt, die am 8. Dezember den Fährbetrieb aufnehmen sollte. Das die „Pidder Lüng“ bei der NPDG und ihrem Geschäftsfüh-rer Alfred Dethlefsen keine „großen Begeisterungsstürme“ hervorrief, ist verständlich.

Hatte doch die NPDG bisher ganz allein und manchmal auch ziemlich „selbstherrlich“ (Fahrplangestaltung, Unterstand usw.) agieren können. Kritik und Anregungen konnten oft abgetan werden, da man ohne Konkurrenz war, eine klare Monopolstellung hatte und diese auch ausnutzte (geschäft-lich gesehen – vielleicht verständlich).

Aber wie überall, wo die „Macht“ konzentriert ist auf eine Person und dieser es schwer fällt zu trennen zwischen privaten, geschäftlichen und kommunalen Interessen, hat man dann auch noch mit Repressalien zu rechnen.

Eine Unterstützung bekommt man dann nicht vom Bürqermeister und nicht vom Amtsvorsteher, da diese wichtigen Ämter leider alle in der Hand einer einzigen Person sind. Losgelöst von den Personen hätte sich diese Geschichte vor uns auch völlig „normal“ so abspielen können:

– Der Geschäftsführer der NPDG unternimmt alles, um die leidige Konkurrenz zu bekämpfen. Einmal, um für seinen Betrieb den größtmöglichen Gewinn zu erzielen und zum anderen, um die Monopolstellung zu hatten.

– Der Bürgermeister weiß zwar um die Verdienste der NPDG und ihres Geschäftsführers, weiß aber auch, daß eine bessere Verkehrsanbindung für Pellwormer und Gäste wichtig ist. Er bemüht sich darum, die beiden Konkurrenten an einen Tisch zu bringen (gemeinsame Fahrplangestaltung, Verkehrsver-bund usw.) da gleichzeitig für ihn feststeht, daß durch den neuen Betrieb a) zusätzliche neue Arbeitsplätze geschaffen werden und b) die Gemeinde auch steuerlich davon profitiert

– Das Amt Pellworm und damit der Amtsvorsteher (zuständig für den Hafen Pellworm) macht sich zwar Gedanken über eine Vergrößerung des Hafens, wird aber dem Besitzer der neuen Fähre, wenn dieser vorstellig wird, jedmögliche Unterstützung geben, um ihn durch den Paragraphen- und Vorschriftenwald zu helfen. Nun, auf Pellworm lief das ganze aber ein bißchen anders ab.

Dem Schiffer Heinz von Holdt kann man den Vorwurf nicht ersparen, daß er bei einem Geschäft dieser Größenordnung ziemlich „naiv“ vorging. Er verließ sich auf mündliche Zu- oder Absagen von mehr oder weniger kompetenten Leuten.

Da man aber weiß, daß gerade auf dem Behördenweg der Mensch „kaum“ noch eine Rolle spielt, sondern nur noch nach Verordnungen, Erlassen und Gesetzen entschieden wird (und dieses nicht nur auf Pellworm) hat man sich alles schriftlich geben zu lassen. Ausnahmen bestätigen auch hier nur die Regel.

Im Folgenden nun der Versuch einer Zusammenfassung von Beschlüssen und Meinungen, damit sich jeder selbst ein Bild über diese „unwürdige“ Auseinandersetzung machen kann.
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Nach Erscheinen eines Artikels in den HN (Husumer Nach-richten) von der Aussage ähnlich dem Artikel in der November- Ausgabe der PIZ, erschien am 30.10.78 in der HN der folgende Leserbrief:

„Bestimmt die schlechteste Lösung“
Die Artikel über den künftigen Schiffsverkehr ab Strucklah-nungshörn könnten den Eindruck erwecken, als wäre die NPDG erst nach Ankündigung der Konkurrenz durch die „Pidder Lüng“ – denn als solche ist sie gedacht und soll sie auch bedeuten – wach geworden und lasse deswegen einen größeren Neubau bei der Husumer Werft durchführen. Tat-sächlich wird diesetwegen schon seit 1976 verhandelt * 3.600.000 Mark sind für die kleine Reederei nun nicht einmal so kurz mit der linken Hand zu finanzieren.
Wie gut Wir daran taten, als Träger des öffentlichen Insel- Festland-Verkehrs schon lange vor Beratung und Verabschie-dung des Landeswassergesetzes 1971 zur Abschätzung des finanziellen Risikos die Konzessionierung – ähnlich wie im Personenbeförderungsgesetz – auch für Fährlinien zu fordern, zeigt sich jetzt. Ob mit oder ohne unser Dazutun ist diese Forderung in das Landeswasser-Gesetz eingeflossen, indem Errichtung und Betrieb einer Fähre genehmigungs-pflichtig sind.‘ Anderenfalls hätte das finanzielle Risiko des Verkehrsträgers gar, nicht eingegangen werden können, beträgt die investition für unseren Kleinbetrieb doch immerhin über fünf Millionen Mark, um den Verkehr ordentlich bewältiqen zu können. Ordentlicher Verkehr heißt in unserem Fall:
1. Vorhalten einer ausreichenden Fährkapazität auch für Spitzenzeiten,
2. Besorgung des Anschlußverkehrs vom Anleger in die Kreis-stadt und zur Bahnstation Husum durch den vertraglichen Ge-meinschaftsverkehr Autokraft/NPDG,
3. Bevorzugte Krankenbeförderung zu jeder Tag- und Nacht-zeit, auch außerhalb des Fahrplans,
4. Unentgeltliche Beförderung nach dem Gesetz für die unentgeltliche Beförderung von Kriegs- und Wehrdienstbe-Schädigten sowie von anderen Behinderten im Nahverkehr,
5. Annahme von Bundeswehrgutscheinen für Familienheim-fahrten und Dienstreisen zur Verrechnung mit dem Bundes-wehrverwaltungsamt,
6. Vertrag mit der Bundespost zur täglichen Postsachenbe-förderung,
7. Vertrag mit der Bundesbahn zur Stückgut-Flächenbedie-nung und des Haus/Haus-Gepäckverkehrs (für uns eine Defizit-Einrichtung),
8. Bevorrechtigte Transporte zur Abwehr von Katastrophen oder Beseitigung deren Schäden,
9. Vertragliche Beförderung von verendeten Tieren und Kon-fiskaten zur Tierkörperverwertung,
10. Vorhaltung und Besetzung des Güterschuppens für An- und Auslieferung von Stückgut und Entgegennahme von Beförderungsanmeldungen.
In Anbetracht des Umstandes, daß die Beförderungsentgelte vom Wirtschaftsministerium festgesetzt werden und die Mehr-einnahmen während der lukrativen Sommermonate die Defizi-te der verkehrsarmen Wintermonate ausgleichen müssen, führt das Abkassieren der Einnahmespitzen durch die Kon-kurrenz zu Verlusten, die bei Zulassung dieses Mitbewerbers von der öffentlichen Hand aufgefangen werden müssen oder aber zum Antrag der Entbindung aus der Verkehrsverpflich-tung führen müßte. Das wäre bestimmt die schlechteste Lösung. Geschäftsführung der Neuen Pellwormer Dampfschiffahrts-GmbH
Alfred Dethlefsen
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Am 20.11.78 erließ der Amtsvorsteher einen Verwaltungsakt in Form einer Festsetzung. Auszug aus der Bekanntmachung – über die Festsetzung der Hafengrenzen und der Benutzung im Hafen Pellworm.

§ 3 Ausschluß von Bauten und Flächen
Ausgenommen von der öffentlichen Nutzung innerhalb der in §§ 1 und 2 festgelegten Grenzen des Hafengebietes sind gemäß § 8 Hafenverordnung nachstehende Anlagen und Flächen:
1. Der Parkplatz an dem Rummeldeich unmittelbar ostwärts der Bunkerstation Martensen in Größe von 32,50 m Länge und 5,50 m Breite (rd. 179 qm), für den jeweiligen Besitzer von Blohms Gasthof.
2. die Bunkerstation der Fa. Karl Martensen, Pellworm,
3. die bebaute Parzelle19/5 (BlohmsGasthof) von und bis zur LIO 97 auf der Linie des hafenseitigen Böschungsfußes,
4. der hafenseitige Schleusenauslauf auf der Linie der ganzen Breite der Stirnseite des Hafenbeckens bis zur östlichen Straßengrenze der LIO 97,
5. drei Taxi-Parkplätze mit Zufahrt am Fähranleger,
6. die Anlagen der Neuen Pellwormer Darnpfschiffahrtsge-sellschaft (Wiegehaus, Viehverladerampe, Güterschuppen, Betonverladerampe mit Anschlußvorrichtungen zum Löschen von Heizöl sowie der gemeindlichen Verkehrsfläche nördlich des beweglichen Fähranlegers sowie der Liegekaie mit den Anlagen der NPDG (Wasser-, Strom-, Ölleitungen und den Viehanbindevorrichtungen).
7. Der bewegliche Fähranleger mit einer davor liegenden Wasserfläche in Größe von 40 x 11 m, einer Liegekale einschließlichderdavorliegendenWasserflächevon40x11m und ein Liegeplatz an der Südkaie in der Größe von 20 x 7 m (beginnend 65 m vom Schleusenmund).

§ 4 Inkrafttreten
Diese Festsetzung tritt am Tage nach ihrer Bekanntmachung in Kraft. Pellworm, den 20. November 1978 Amt Pellworm Amtsvorsteher örtliche Ordnungsbehörde Im Auftrage Delts
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Am 21.11.78 auf einer Zweckverbandssitzung auf Nordstrand wird Heinz von Holdt die Nutzung des Fähranlegers Struck-lahnungshörn unter der Voraussetzung gestattet, daß die NPDG nicht behindert wird. Die Entscheidung trifft der Hafenmeister. Keinem der Antragsteller – also weder der NPDG noch Heinz von Holdt – wird ein fester Liegeplatz zugestanden.
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Am 8.11.78 Leserbrief in den HN von Knud Knudsen.

Mit Sicherheit die schlechteste Lösung
Jeder Niedergang einer Demokratie begann damit, daß einzel-nen Menschen oder kleineren Randgruppen unter fadenschei-nigen Gründen ihre verbrieften Rechte genommen wurden, das Volk war hiervon scheinbar nicht betroffen, man sollte die Betonung auf scheinbar legen. Unsere jüngste Vergangenheit hat gezeigt, daß eine Demokratie mit allen Vorzügen und Nach-teilen nur Bestand haben kann, wenn man auch den kleinsten Anfängen, die diese Demokratie untergraben wollen, Einhalt gebietet.
Somit komme ich zum eigentlichen Zweck meines Briefes. Wie aus früheren Artikeln dieser Zeitung bekannt ist, hat der Schiffer Heinz v. Holdt die Absicht, eine Fährverbindung zwischen Nordstrand und Pellworm zu eröffnen. Diese Maßnahrne hat verständlicherweise nicht die Gegenliebe der Monopolinhaberin NPDG gefunden. Am 20. November nun verfügte der Amtsvorsteher von Pellworm, daß ab sofort der Fähranleger und außerdem 60 Meter Kaianlagen für die öffent-liche Nutzung gesperrt seien. Unbeteiligte und Uninformierte werden nun sagen, er wird seine Gründe gehabt haben, tatsächlich hatte er diese Gründe. Wenn man nämlich weiß, daß der Amtsvorsteher von Pellworm und der Geschäftsfüh-rer der NPDG identisch sind, wird wohl auch dem letzten Zweifler klar, was hier vor sich geht. Sollte eine solche Maßnahme rechtlich abgesichert sein, sollte nicht nur ich um unsere demokratischen Rechte bangen.
Knud Knudsen, Pellworrn
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Am 29.11. Leserbrief von Wolfgang Schilke in den HN

Heinz v. Holdt und die Fähre
Auf Pellworm gibt es zur Zeit ein Thema, über das jeder spricht: die neue Fähre „Pidder Lyng“ von Heinz v. Holdt. Jeder, der auf Pellworm lebt, kennt aus mehrfacher eigener Erfahrung die schlechte Verkehrsanbindung ans Festland. Jetzt soll diese Verkehrsanbindung durch die Fähre „Pidder Lyng“ verbessert werden.
Kein Verantwortlicher auf Pellworm, der für sich in Anspruch nehmen will, sich für die Belange der Bevölkerung einzuset-zen, kann gegen die neue Fähre von Heinz v. Holdt sein. Denn mit dieser Fähre steigt zwangsläufig die Zahl der Fährfahrten – eine Verbesserung der Verkehrsanbindung ist damit gewährleistet. Oder ist da. noch ein Haken? Ist diese Fähre deshalb nicht gut, weil sie nicht der NPDG gehört?
Ich, als Pellwormer FDP-Vofsitzender, erkläre dazu, daß diese Haltung dem Prinzip der sozialen` Marktwirtschaft einen „Schlag ins Gesicht“ versetzt. Zu diesem Schlag haben jetzt der Bürgermeister (CDU), gleichzeitig Amtsvorsteher und In Personalunion Geschäftsführer der NPDG, und der SPD- Kreistagsabgeordnete der Insel ausgeholt. Der eine durch eine wundersame Gesinnungswandlung; erst war er samt seiner Partei, wie er es Heinz v. Holdt selbst erklärte, für die neue Fähre. Heute ist er dagegen. Was könnte dahinter stecken … ? Hier ist die Pellwormer SPD aufgerufen, klar zu klären, ob sie in dieser Frage für die Pellwormer Bevölkerung eintritt, oder ob sie sich vor den Karren der Geschäftsinteressen der NPDG spannen lassen will.
Der Bürgermeister und Amtsvorsteher, der kraft Amtes aufge-fordert ist, sich für das Wohl der Pellwormer Bevölkerung einzusetzen, hat am 20.11.1978 (Heinz v. Holdt will am 7.12.1978 fahren) als Amtsvorsteher eine Verordnung erlas-sen. Die Stoßrichtung dieser Verordnung ist jedermann klar: die neue Fähre soll den beweglichen FähranlegerderGenlein-de (nicht Amt) nicht nutzen können.
Auszug aus der Verordnung: „Ausgenommen von der öffentli-chen Nutzung innerhalb der in ff 1 und 2 festgelegten Grenzen des Hafengebietes sind gemäß § 8 Hafenverordnung nachste-hende Anlagen und Flächen: 7. Der bewegliche Fähranleger mit einer davor liegenden Wasserfläche in Größe von 40 x 11 n‘ …“ Der Text dieser Verordnung sagt also folgendes* daß öffent-liche Nutzung am beweglichen Fähranleger ausgeschlossen ist. Der Amtsvorsteher scheint hier ein juristisches Eigentor geschossen zu haben. Als Amtsvorsteher untersagt er sich als Geschäftsführer der NPDG, mit seinen Fähren den bewegli-chen Anleger zu benutzen. Denn nach dem Grundsatz der Gesetzesgleichheit kann dieses Verbot ja nicht nur Heinz v. Holdt treffen, sondern ebenfalls die Fähren der NPDG. Der ‚ Pellwormer Amts- und Gemeindeverwaltung scheint dieses Thema so heiß zu sein, daß eine“Maulkorbverfügung“ herhalten mußte. Allen Mitarbeitern ist es untersagt worden, sich zu dem Thema“Fähre“ zu äußern. Ich, als FDP-Vorsitzender, stelle mich eindeutig hinter Heinz v. Holdt und fordere die Pellwormer Gemeindevertretung auf, einen Beschluß zu fassen, der klar macht, daß der Pellwormer Hafen für alle da ist, nicht nur für die NPDG.
Wolfgang Schlike, Vorsitzender des FDP-Bezirksverbandes Pellworm
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Am 5.12. Leserbrief von Alfred Dethlefsen in den HN

Von keiner Sachkenntnis getrübt
Mit Interessiertheit habe ich die von keiner Sachkenntnis getrübte Äußerung von Knud Knudsen gelesen. Wenn Knud Knudsen seinem Schwager Heinz von Holdt so tatkräftig im Rahmen der Famillenhilfe unter die Arme greifen will, dann wäre er gut beraten, sich künftig das durchzulesen, worüber er schreibt. Sollte ihm dann das nötige Verständnis fehlen, die Rechtslage zu überblicken – was ja durchaus keine Schande ist -, ist es immer noch besser sich bei Fachleuten beraten zu lassen, die auch von der Materie etwas verstehen.
Alfred Dethlefsen Amtsvorsteher von Pellworm
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Am Leserbrief der SPD in den HN

Nicht vor Karren spannen lassen
Zu dem Leserbrief in der Ausgabe vom 29.11.1978 von Wolfgang Schilke, Vorsitzender des FDP- Bezirksverbandes Pellworm, muß der SPD- Ortsverein Pellworm folgendes feststellen:
1. Der SPD-Ortsverein Pellworm und der SPD – Kreistagsabge-ordnete Andreas Jensen verwehren sich entschieden gegen die Behauptungen, daß die SPD sich vor den „Karren der Geschäftsinteressen der NPDG spannen lassen will“ und der SPD – Kreistagsabgeordnete „eine wundersame Gesinnungs-wandlung durchgemacht hat“.
2. SPD-Vorstand und -Fraktion beschäftigen sich bereits in mehreren Sitzungen mit der Situation im Hafen Pellworm, zuletzt in einer Sitzung am 27.11.1978.
3. Mit Datum vom 29.11.1978 beantragten alle drei Mitglieder der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung Pellworm (An-dreas Jensen, Heinz Lützen, Kurt Palmhoff) und ein Gemein-devertreter der Wählergemeinschaft Pellworm beim Bürger-meister der Gemeinde Pellworm gemäß § 34 der Gemeindeordnung für Schieswig-Holstein eine öffentliche Gemeinde-vertretersitzung zum nächstmöglichen Termin, nach Möglich-keit zum 6.12.1978, 20 Uhr, mit folgendem Beratungsgegen-stand: „Information und Debatte über die Situation im Hafen Pellworm sowie Beschlußfassung zum Antrag von Herrn Heinz von Holdt auf Benutzung des Fähranlegers im Hafen Pellworm -für sein Fährschiff“.
4. Diese beantragte Gemeindevertretersitzung ist bereits zwischenzeitlich vom Herrn Bürgermeister der Gemeinde Pellworm zum 6.12.1978 um 20 Uhr in der Schankwirtschaft von Johannes Jensen, mit dem o.a. Tagesordnungspunkt einberufen worden. Während dieser öffentlichen Sitzung kann jeder interessierte Einwohner sich eingehend über alle anste-henden Probleme, auch rechtlicher Art, informieren. Die Bürger wären gut beraten, an dieser Sitzung als Zuhörer teilzunehmen, um aus erster Hand wichtige Informationen zu erhalten. Es ist nur zu hoffen, daß durch diese Sitzung die Unklarheiten, Gerüchte, Halbwahrheiten und rechtlichen Unkenntnisseaus-geräumt und in Zukunft diese Angelegenheit ohne den polemi-schen Stil des Herrn Schlike diskutiert werden kann.
5. Außerdem stellen wi rfest, daß der bei der Gemeindewahl im Frühjahr 1978 in Pellworm von der Bevölkerung nicht gewählte FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Schilke für die Zukunft gut beraten wäre, sich vor der Abfassung von „polemischen Leser-briefen“ über die rechtliche Wertung einer Angelegenheit vorher genauestens zu informieren.
6. Die SPD Pellworm kann für die Bürger der Gemeinde Pell-worm nur hoffen, daß beide Reedereien, sowohl die NPDG als auch Heinz von Holdt durch die erhofften steigenden Fracht-raten bestehen bleiben und nicht ein ruinöser Wettbewerb, der letztlich zu Lasten der Pellwormer Bevölkerung eintreten würde, stattfindet.
SPD-Ortsverein Pellworm, der Vorstand Heidrun Albrecht, Schriftführerin

 

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Dann am 6.12.78 auf Antrag der SPD-Fraktion (Andreas Jensen, Heinz Lützen, Kurt Palmhoff) und eines Mitgliedes der Wählergemeinschaft (Heinz Clausen) eine öffentliche Ge-meindevertretersitzung mit folgendem Beratungsgegenstand: Informationen und Debatte über die Situation im Hafen Pell-worm sowie Beschlußfassung zum Antrag Heinz von Holdt auf Benutzung des Fähranlegers im Hafen Pellworm für sein Fähr-schiff. Einstimmiger Beschluß: Heinz von Holdt darf den Fähranleger zum Laden und Löschen benutzen.
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hn. Pellworm/Nordstrand. Die neue Pell-wormer Fähre Pidder Lüng» nimmt heute (15.) den Fährverkehr zwischen den Inseln Nordstrand und Pellworm auf. Die Fähre legt erstmals um 10 Uhr im Nordstrander Hafen Strucklahnungshörn ab. Um den Be-trieb dieser von dem Pellwormer Reeder v. Holdt in Dienst gestellten Fähre war es – wie mehrfach berichtet – auf der Insel zu politischen Querelen gekommen.
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Endlich alles gut – das war die Meinung vieler Pellwormer -doch weit gefehlt. Jetzt ging es erst richtig los. Die Behinderungen zwischen den beiden Kontrahenten dauern an. Mannschaften und Kapitäne werden (ob sie wollen oder nicht) mit hineingezogen. Die Anzeigen häufen sich. Gleichzeitig wird aber jetzt auch die Auseinandersetzung zur Sache auf die private Ebene verlegt. Das alte Spielchen um Jemanden „kaputt zu machen“.
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Am 14.12.78 Frage an Alfred Dethlefsen:
Ist es richtig, daß Sie durch Ihren Anwalt bei Wolfgang Schilkes vorgesetzter Dienststelle vorstellig wurden?
Seine Antwort: „Ja, das stimmt. Ich werde gegen Schilke alle strafrechtlichen oder zivilrechtlichen Möglichkeiten aus-nutzen.
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Frage an Wolfgang Schilke:
Die SPD spricht ihnen ab, daß sie sich vor Abfassung Ihres Leserbriefes über die rechtliche Angelegenheit informiert hätten. „Wenn die Pellwormer SPD mir den Rat gibt; mich vor der Abfassung eines Leserbriefes über die rechtliche Wertung einer Angelegenheit genauestens zu informieren, dann kann ich nur sagen, genau das habe ich getan (auch die Pellwormer SPD?). Ich gebe gerne die Meinung des Rechtsanwaltes wieder, der natürlich nicht über Recht oder Unrecht entscheidet, dies steht bekanntermaßen nur den Gerichten zu. Meinung des Rechtsanwaltes: Denn durch § 3 Ziffer 7 ist grundsätzlich auch die NPDG von der öffentlichen Nutzung des beweglichen Fähranlegers ausgeschlossen, es sei denn, das Recht zur Sondernutzung wird ihr ausdrücklich zugestan-den.‘ Dies ist bekanntermaßen nicht geschehen. Ich habe erfahren, daß der Amtsvorsteher sich an meine vorge-setzte Dienststelle gewandt hat (ich bin Polizeibeamter). Daraufhin habe ich mich an Uwe Ronneburger, den Landes-vorsitzenden meiner Partei, gewandt, der mir zugesagt hat, die Angelegenheit rechtlich zu prüfen und danach gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten.
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Frage an Knud Knudsen
Sie haben es abgelehnt, in den „HN“ auf den Leserbrief von Alfred Dethlefsen zu antworten. Warum? „Eigentlich erübrigt sich diese Frage. Wenn Sie nämlich den Zusammenhang kennen, der zwischen meinem Leserbrief und der Festsetzung des Amtsvorstehers besteht, und wenn Sie dann den Antwortbrief von Dethlefsen gelesen haben, muß Ihnen doch klar werden, daß ich auf einen solchen, von keiner Sachlichkeit getrübten Brief, nicht antworten kann. Dethlefsen geht in keinem Punkt auf meine Kritik ein, statt dessen versucht er, in seinem relativ kurzen Pamphlet, mich der Dummheit zu bezichtigen. Tatsächlich muß ich zugeben, daß ich nicht sehr klug bin, aber ich habe meinen gesunden Menschenverstand, ebenso wie ein gesundes Rechtsempfinden. Deshalb habe ich auf diese Fest-setzung nicht mit Sachkenntnis, sondern emotional reagiert. Wenn Dethlefsen in seiner Eitelkeit gekränkt ist, und auf sachliche und belegbare Kritik mit solchen persönlichen Anwürfen reagiert, so ist das seine Sache.“

Pidder Lüng

Pidder Lüng

Der Amtmann von Tondern, Henning Pogwisch,
Schlägt mit der Faust auf den Eichentisch:
Heut fahr ich selbst hinüber nach Sylt,
Und hol mir mit eigner Hand Zins und Gült..
Und kann ich die Abgaben der Fischer nicht fassen,
Sollen sie Nasen und Ohren lassen,
Und ich höhn ihrem Wort:
Lewwer duad üs Slaav.

Im Schiff vorn der Ritter, panzerbewehrt,
Stützt sich finster auf sein langes Schwert.
Hinter ihm, von der hohen Geistlichkeit,
Steht Jürgen, der Priester, beflissen, bereit.
Er reibt sich die Hände, er bückt den Nacken.
Der Obrigkeit helf ich, die FrevIer packen,
In den Pfuhl das Wort:
Lewwer,duad üs Slaav.

Gen.Hörnum hat die Prunkbarke den Schnabel gewetzt,
Ihr folgen die Ewer, kriegsvolkbesetzt.
Und es knirschen die Kiele auf den Sand,
Und der Ritter“der Priester springen ans Land,
Und waffenrasselnd hinter den beiden
Entreißen die Söldner die Klingen den Scheiden.
Nun gilt es, Friesen:
Lewwer duad üs Slaav.

Die Knechte umzingeln das erste Haus,
Pidder Lüng schaut verwundert zum Fenster heraus.
Der Ritter, der Priester treten allein
Ober die ärmliche Schwelle hinein.
Des langen Peters starkzählige Sippe
Sitzt grad an der kargen Mittagskrippe.
jetzt zeige dich, Pidder:
Lewwer duad üs Slaav.

Der Ritter verneigt sich mit hämischem Hohn,
Der Priester will anheben seinen Sermon.
Der Ritter nimmt spöttisch den Helm vom Haupt
Und verbeugt sich noch einmal: Ihr erlaubt,
Daß wir euch stören bei euerm Essen,
Bringt hurtig den Zehnten, den ihr vergessen
Und euer Spruch ist ein Dreck:
Lewwer duad üs Slaav.

Da reckt sich Pidder, steht wie ein Baum:
Henning Pogwisch, halt deine Reden im Zaum.
Wir waren der Steuern von jeher frei,
Und ob du sie wünschst, ist uns einerlei.
Zieh ab mit deinen Hungergesellen,
Hörst du meine Hunde bellen?
Und das Wort bleibt stehn:
Lewwer duad üs Slaav.

Bettelpack, fährt ihn der Amtmann an,
Und die Stirnader schwillt dem geschienten Mann:
Du frißt deinen Grünkohl nicht eher auf,
Als bis dein Geld hier liegt zu Hauf.
Der Priester zischelt von Trotzkopf und Bücken,
Und verkriecht sich hinter des Eisernen Rücken.
0 Wort, geh nicht unter:
Lcwwer duad üs Slaav.

Pidder Lüng starrt wie wirrsinnig den Amtmann an,
Immer heftiger in Wut gerät der Tyrann,
Und er speit in den dampfenden Kohl hinein.
Nun geh an deinen Trog, du Schwein.
Und er will, um die peinliche Stunde zu enden,
Zu seinen Leuten nach draußen sich wenden.
Dumpf dröhnts von drinnen:,
Lcwwer duad üs Slaav.

Einen einzigen Sprung hat Pidder getan,
Er schleppt an den Napf den Amtmann heran,
Und taucht ihm den Kopf ein, und läßt ihn nicht frei,
Bis der Ritter erstickt ist im glühheißen Brei,
Die Fäuste dann lassend vom furchtbaren Gittern,
Brüllt er, die Türen und Wände zittern,
Das stolzeste Wort:
Lewwer’düad üs Slaav.

Der Priester liegt ohnmächtig ihm am Fuß,
Die Häscher stürmen mit höllischem Gruß,
Durchbohren den Fischer und zerren ihn fort,
In den Dünen, im Dorf rasen Messer und Mord.
Pidder Lüng doch, ehe sie ganz ihn verderben,
Ruft noch einmal im Leben, im Sterben
Sein Herrenwort:
Lewwer duad üs Slaav!

Kunst am Bau

Eine Seite für Jugendliche in der PIZ

Kunst am Bau

Aufgrund einer Ausschreibung wurde die Kieler Künstlerin Naht-Krüger beauftragt, die Eingangsfront des Schulpavillon mit dem Bild „Netze im Wind“ zu bemalen. Frau Gertraude Nath-Krüger, geboren 1939 in Stettin, ist seit 1964 freischaffende Künstlerin in Kiel und Berlin. Aufgrund ihrer Werke hat sie sich in der Malerei einen Namen gemacht, und kam in die engere Wahl, den Auftrag für „Kunst am Bau“ an der Pellwormer Schule zu bekommen. Unserer Meinung nach hätte man die 5.000 DM auch für einen nützlicheren Zweck ausgeben können. Außerdem muß bemängelt werden, daß das Bild nicht maßstabgetreu vom Entwurf auf die Wand übertragen wurde. Der Entwurf gefiel den meisten Schülern besser als das Resultat. Es rnuß aber gesagt werden, daß die Künstlerin, verursacht durch das Wetter, schlechte Arbeitsbedingungen vorfand. Wie wir erfahren haben, soll Frau Nath-Krüger im Frühjahr das Bild vervollständigen. Eine entschei-dende Verbesserung wird aber kaum mehr möglich sein. Um noch einmal auf die Finanzierung zurückzukommen: wir baten das Amt um genaue Auskunft. Aber auch nach mehrmaliger Anfrage bekamen wir keine eindeutige Antwort. Jetzt stellt sich uns natürlich die Frage, ob das Amt Pellworm überhaupt bereit war, uns genauere Informationen zu geben. Demnächst auf dieser Seite Im März werden wir über die Schulgesetze berichten

Mit dem Eisboot unterwegs

Mit dem Eisboot unterwegs

Der Winter ist ein harter Mann, kernfest und auf die Dauer, sei h Fleisch fühlt sich wie Eisen an, er scheut nicht süß noch sauer. … So heißt es in einem alten Gedicht, welches wir in der Schule – jedes Jahr aufs Neue lernen mußten. – Unsere Insel hat diesen Frost und die strengen Winter mit viel Eis und Schnee in der Vergangenheit recht oft zu spüren bekommen. Die Einwohner haben es erlebt und überlebt. – Im vorigen Jahr-hundert wurde daher mit dem Monat November die planmäßi-ge Dampfschiffahrt eingestellt, weil der Raddampfer keine Eisbehinderungen bezwingen konnte. Es wurde nur noch unregelmäßig bei offenem Wetter gefahren. Die Post wurde dann einige Male in der Woche an den Hattstedter Deich gebracht und die ankommende Post abgeholt. Von Husum aus wurde sie mittels Pferdefuhrwerk dorthin geschafft. Gelegent-lich wurde dann auch mal ein Passagier mitgenommen. Der Schiffer Dethlef Selmer vom Ostersiel, dessen Tochter im Dezember 1978 im hohen Alter von 98Jahren ierstarb, machte viele Jahre die Fahrten mit seinem Segelschiff. Er hatte sich ganz darauf eingestellt und erhielt auch dann in den Jahren eine k16ine Entschädigung, wenn er nicht gebraucht wurde. Die Pellwormer Kaufleute waren mit der Bevorratung recht-zeitig auf den Winter eingestellt und lagerten die notwendigen Güter vor dem Frost ein.
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das Eisboot.
Ein ca. 6 Meter langes, geklinkertes Boot, offen, ohne Verdeck. Leicht und dennoch stark gebaut, ähnlich der finni-schen Akjas. Es mußten immer 5-6 Mann zum Ziehen durch die Eiswüste und zum Rudern über die Norderhever darin Platz finden. Die Dampfergesellschaft war für die Beförderung der Post verantwortlich und stellte auch das Boot. – Die Postsa-chen waren in Ledertaschen, sogenannte Felleisen, verpackt und wurden möglichst nach Nordstrand in die Nähe des Erich-sen Hofes – zwischen Strucklahnungshörn und Norderhafen – gebracht. Manchmal kamen die Nordstrander den Männern von Pellworm entgegen und dann wurde die Post auf dem Eise getauscht. – Klappte dies manchmal nicht, infolge Eistrift ‚ so kam es wohl auch mal vor, daß die Besatzung auf Südfall landete und dann wurden die Felleisen umgehängt und zu Fuß nach Nordstrand marschiert und dort die Post ausgetauscht. Von der Insel ging nicht viel Post weg, aber vom“festen Wall“ mußte doch allerhand mitgebracht werden. Zuerst die Brief-post, möglichst die neueste Zeitung oder das Husumer Wochenblatt, wie es damals noch hieß.Wenn es nichtallzu kalt war, etwas Hefe für die Bäcker und für den Arzt Medizin * -Gelegentlich wurde auch noch manchmal ein eiliger Passa-gier auf eigene Verantwortung mitgenommen.

Wie ging nun so eine Fahrt vor sich?
Normalerweise hat man versucht vom Kraienhörn – Vogel-koje – Richtung Nordstrand zu kommen. Aber es glückte nicht immer. Ebbe und Flut sind auch noch in der Eiswüste des Wattenmeeres zu Hause und es kam vor, daß das Boot bis Heversteert oder bis Süderoog runter trieb, um dann doch noch, aber später, die Hallig Südfall zu erreichen. Aus dem halbrunden Giebelfenster des alten Kapitänshauses am Hafen konnte meine Großmutter mit einem langen Fernrohr beob-achten, wenn die Männer die Halligwarft raufgingen. Manch7 mal wurde auch noch ein Korb am Fahnenmast aufgezogen zum Zeichen, das die Besatzung über Nacht dort blieb und die Nordstrander dann mit der Post rüber kamen.
In der Zeit gab es noch kein Telefon oder Telegraf. Man kann sich vorstellen, wie die Angehörigen – Frauen und Kinder -wohl gebangt haben, wenn Nebel aufkam. In diesem Falle wurde mittels Nebelhörner Signal geblasen. – Drei Töne am Süderoog, zwei Töne am Tammensiel und ein Ton an der Vogelkoje. – So kamen sie immer wieder gut, wenn auch manchmal naß und durchfroren zur Insel zurück. Waren sie zu weit vom Hafen gelandet, wurde ein Boot zu der Familie Clausen-Hermann und später Nicolai geschickt, die dann die Sachen mit dem Fuhrwerk zur Post brachten. Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf der Insel „Dat lesboot is werrerdor“. Nach etwa zwei Stunden konnte man dann die Post vom Postamt am Hafen abholen, egal wie spät es inzwischen geworden war.

Was waren diese Eisbootfahrer eigentlich für Menschen?
Meistens altgediente Männer der Marine. Wie konnte es sonst sein, daß einige dieser beher’zten Leute ihre Heuer für den Winter aufgaben, um hierzu Hause die Eisbootfahrten gegen ganz geringe Entlohnung mitmachten. Sie standen auf Abruf bereit

Wie geht es nun heute vor sich mit der Postver-sorgung im Winter?
Seit 1928 hat das Flugzeug und gelegentlich auch mal ein Hubschrauber den Eisnotdienst übernommen. Sollten in Zukunft Schwierigkeiten mit der Versorgung auftreten, wird eine private Fluggesellschaft den Notdienst übernehmen. Pellworm hat ja einen Außenlandeplatz, der mit Ausnahmege-nehmigung benutzt werden darf.

Wo ist das letzte Eisboot-geblieben?
Es hatte bis etwa 1932 im Güterschuppen gelegen und wurde dann praktisch an Sönke Petersen von Oland verschenkt. Er mußte damals zwei Fahrten als Matrose mit nach Husum machen und erhieltesals Lohn dafür. Nach Umbau und Einbau eines Motors hat es den Halligleuten noch bis zum Sturm 1962 gedient. Es ist damals weggetrieben und wie Sönke darüber berichtet, ist bisher nichts davon gefunden worden. Heute noch sei ein Dank diesen tapferen und beherzten Männern gesagt.

Aus dem Kreis-Blatt für den Kreis Husum

Aus dem Kreis-Blatt für den Kreis Husum

Aus dem Kreis-Blatt für den Kreis Husum Sonnabend, den 9. Oktober 1915 Die durch den Krieg bedingte Knappheit an Petroleum bringt es mit sich, daß im kommenden Winter nur etwa 1/5 der in normalen Jahren zur Verfügung stehenden Petroteumsmenge an die Bevölkerung wird abgegeben werden können. Es liegt daher in deren dringendem Interesse, sich sobald als mög-lich der Beschaffung von Ersatzbeleuchtungsmitteln zuzuwenden. Gas- und elektrisches Licht stehen namentlich In kleineren Städten und auf dem platten Lande sowie insbesondere den unbemittelten Bevölkerungskreisen nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Der allgemeinen Verwendung von Acetylen-Tischlampen steht vor allem der Umstand hindernd im Wege, daß im kommenden Winter auch Karbid nur in beschränkter Menge im Handel erhältlich sein wird. überdies sind mit den Acetylen-Tischlampen bei nicht sehr sorgfältiger Ausführung und un-zweckmäßiger Behandlung der Lampen eine Reihevon Mängeln,ja sogarGefahren verbunden. Trag-bare Acetylen-Lampen eignen sich somit vorzugsweise nur für Außenbeleuchtungen, wo diese Mängel nicht so sehr hervortreten. Für Innenbeieuchtungen sollte daher im kommenden Winter zum Ersatz des Petroleums soviel wie irgend möglich das Spiritus-Glühlicht verwendet werden. Namentlich von den wohlhabenden Bevölkerungskreisen darf erwartet werden, daß sie von der Benutzung von Petroleumiampen absehen, damit das Petroleum den Minderbemittelten überlassen werden kann. Es ist deshalb von behördlicher Seite dafür gesorgt worden, daß sowohl Spiritus als auch geeignete Spiritusbrenner zum Auswechseln gegen Petroleumbrenner zu Beginn des Winters vorhanden sein werder. Den Vertrieb dieser Spiritusbrenner hat eine unter Mitwirkung und Aufsicht der obersten Reichs- und Staatsbehörden gebildete Vertriebsgesellschaft in Berlin, Leipziger Straße 2. Die Brenner lassen sich auf jede Petroleumlampe ohne weiteres oder durch Einschaltung eines Füll-stückes ausschrauben. Sie haben eine annähernd dreimal so große Lichtstärke, wie ein gewöhnlicher 14 Linien-Petroeumbrenner. Ihr Spiritusverbrauch beträgt etwa 1/12 Liter in der Stunde, so daß sich die Betriebskosten bei den gegenwärtigen Preisen des Brennspiritus von 60 Pfennig fürdas Literauf5 Pfennig für die Brennstunde stellen. Die Brenner werden an die Bevölkerung zum festgesetzten Preise von 4 Mk. abgegeben; die Zubehör-teile, wie Glühstrumpf, Zylinder, Füilkännchen und Füllstück kosten etwa 1,25 Mk. Die Splritus-Glüh-licht-Kriegsgesellschaft wird die Kleinhändler, die ihre Brennervertreiben, verpflichten, den Einheits-preis von 4 Mk. für den Brenner sowie angemessene Preise für die Zubehörteile Innezuhalten, deren besonders gute Beschaffenheit gewährleistet wird. Die Gemeindebehörden sind angewiesen worden, die Einwohnerschaft zu veranlassen, Bestellungen auf Brenner bei ihnen anzumelden. Sie werden dieAufträge der Kriegslicht- Gesellschaft übermitteln. Da sich bei größeren Sammelbestellungen der Bezugspreis vermindert, so werden die Gemeindebe-hörden infolge des Unterschiedes zwischen dem Bezugs- und dem Einheitsverkaufspreis in der Lage sein, nachweislich Unbemittelten die Brenner billiger oder auf Abzahlung gegebenenfalls auch ganz kostenlos zu überlassen.

W.S.

Aus Pellwormer Familienchroniken und Stamm- und Ahnentafeln

Aus Pellwormer Familienchroniken und Stamm- und Ahnentafeln

von Hermann Petersen
(aus Nordfriesisches Jahrbuch, 1972)

Die Flutkatastrophe vom 3. zum 4. Februar 1825 war für die Pellwormer das erschütterndste Ereignis des vorigen Jahrhunderts. Anschaulich haben uns darüber der begüterte Mühlenbesitzer und Erste Ratmann von 1810-1847 Boy Novock Friedrichsen sowie Friedrich Knudt Tedsen be-richtet; Julius Peterssen geht ebenfalls darauf ein: „Als 1825 am 3. Fe-bruar die Sturmflut kam, da konnte mein Großvater Matthias Peterssen schon den Deichbruch konstatieren, ohne etwas gesehen zu haben als im Sielzug steigendes, von West nach Ost drängendes Wasser. Noch in dersel-ben Unglücksnacht ließ er durch einen der Knechte einen Eimer Wasser heraufholen, schmeckte das Salzwasser und erklärte daraufhin mit Recht den Seinen: es müsse ein Deichbruch geschehen sein. Sofort sind dann Sicherheitsmaßregeln ergriffen worden, um durch einen improvisierten Notdeich die große Süßwasserkuhle im Osten des Hofes zu sichern. Es ge-lang auch, zumal in der Nähe der Hofstelle die Überschwemmung nur teilweise war, denn die Mittelrücken der Äcker ragten Trocken aus der Flut empor. In den Kögen sah es allerdings umso schlimmer aus, hier ging das Wasser über die Heckpforten hinweg.“

Weiteres aus der Hälfte des vorigen Jahrhunderts: „Mein Großvater Matthias Peterssen stand als Ratmann Boy Novock Friedrichsen, dieser markanten Persönlichkeit, nahe. Die beiden hatten in Husumer Bekann-tenkreisen den Spottnamen die beiden Apostel‘. Dies mochte einerseits herkommen von ihrer Stellung in den insularen Verhältnissen, anderer-seits war der Name äußerlich veranlaßt durch das feierliche Aussehen der beiden alten Herren, die auch darin ihre konservative Gesinnung offenbarten, daß sie zu einer Zeit, wo lang in den Nacken wallendes Haar und Kniehosen mit weißen Strümpfen, Schuhen mit großen Silberschnal-len längst außer Mode gekommen waren, dennoch festhielten an der alten Tracht bis zum Ende ihres.Leberis.“ Anders der im gleichen Alter stehende Martin Andresen: „Schon früh vertauschte er, der neuen Mode gemäß, die zu Stulpenstiefeln getragenen Manchesterhosen mit der langen Hose und kurzen Haartracht.“

Wie wohnte damals ein wohlhabender Pellwormer Bauer und Ratmann? „Das Wohnhaus von Großvater Matthias Peterssen war ein langgestreck–ter, schmaler Bau, über dem Eingang inmitten der Front befand sich der übliche Turragiebel. Wenn man zur Hau3tür hereintrat, so kam man zu-nächst- in eine große, halbdunkle Halle mit altersgebräuntem Gebälk. Der Haustür vis-a-vis lag die alte, längst nicht mehr gebrauchte Feuerstelle, aufgemauert in der Art der alten holländischen Kamine mit breit vor-springender Wölbung. Links vom Eingang lagen zwei größere Zimmer, von denen das nach Westen belegene äußerste Zimmer der sogenannte Pesel war, zu dem man aus dem Vorderzimmer hinunterstieg auf meh-reren Stufen. In beiden Zimmern waren die Wände bis zur Hälfte holzgetäfelt, es fehlte nicht der alte eiserne Einlegerof en mit den biblischen Geschichtsbildern als Relief und den blanken Messingknäufen, ferner die Alkoven oder sogenannten Wandbettstellen, sauber geschnitzt an Tür und Gesims. Rechts und links vom Ofen standen die beiden großen Lehnstühle in Eiche gearbeitet mit vorzüglichem Schnitzwerk. Rücken und Sitz waren überzogen mit gepreßtem, braunem Utrechter Samt. Über die Lehne legte sich ein geschnitzter Eschenzweig. Es fehlte schließlich auch nicht die alt-holländische Wanduhr. Da gab es außerdem Schränke und an zwei Seiten des Zimmers sich entlangziehende Wandbänke mit entsprechenden Tischen davor. Aus dem Pesel ging es durch einen dunklen Gang wieder aufwärts nach der Kammer in der Nordwestecke des Wohnhauses. Von da aus kam man durch eine schmale Speisekammer in die große, geräumige Küche, die mit drei Fenstern nach Norden lag. Aus der Küche führte wieder eine Tür in die Vorhalle. Nördlich von der Halle befand sidh die Mägdekam-mer. Rechts vom Haupteingang lag der große Saal, vier Fenster in der Längsseite nach Süden und drei Fenster in der Breitseite nach Osten, ein respektabler Raum, der, abgesehen von familiären Festlichkeiten, auch benutzt wurde wegen seiner Größenverhältnisse zur Abhaltung des Dings und der übrigen Ratsversammlungen. Auch hier waren die Wände in ‚/3 Höhe getäfelt und der Rest mit Delfter Kacheln ausgelegt. Es war eine gewiß kostbare, aber auch recht haltbare Wandbekleidung. n diesem Raum fehlten die bekannten friesischen Alkoven mit ihrem Schnitzwerk. Er war lediglich Festsaal. Nach Osten gelegen, schloß sich ihm ein schma-les Schlafzimmer an, von dem man durch einen schmalen und dunklen Gang kam, der geradeaus zur Vorhalle führte und rechts ab nach Norden in den Seitenflügel einmündete. Dieser nach Norden sich lang erstreckende Seitenflügel enthielt den großen Vieh- und Pferdestall. Im Stalle selbst war ein Schlafraum für die Knechte. Von der Vorhalle des Wohnhauses führte die breite, aber wegen ihrer Steilheit recht unbequeme Treppe zum Kornboden hinauf. Die Treppe selbst war verdeckt.

Freiliegend, ostwärts vom Hauptgebäude lag die , Scheune, dgl. die Schmiede, die ebenfalls zum Hof gehörte. Wenn mein Vater, Ratmann Andreas J. Peterssen, früher wohl mit einem gewissen Stolz zu erzählen pflegte, daß er in dieser Schmiede gelernt‘ habe, beim alten Hufschmied Eisennägel zu schmieden, so soll dies Kunststück nicht angezweifelt werden, wenn es vielleicht auch mehr eine jugendliche Kraftprobe bedeutete an Hammer und Amboß als Kunstwerk.

Das Haus von Matthias Peterssen war somit ein geräumiges und wohn-liches Haus. Es hat noch gestanden ‚bis Anfang der 70er Jahre dieses [des 19.] Jahrhunderts. Zuletzt ist viel daran herumgeflickt worden, bis schließ-lich mein Schwager, Harmann Tedsen, das ganze Wohnhaus einreißen mußte und stattdessen einen schönen Neubau aufführen ließ.“ Die Pellwormer trugen keine Trachten wie die Frauen auf den Halligen und den nördlichen Geestinseln. Wenn wir uns die alten Fotoalben an-schauen, die wir als Anlage zu den Chroniken betrachten wollen, so dür-fen wir mit Recht sagen, daß das Äußere der Bekleidung durchaus an-spricht. Es sind Aufnahmen aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhun-derts, einige kurz nach 1860 aufgenommen. Die Ehefrauen stehen oder sitzen neben ihren Männern. Wir -bewundern noch heute ihre Kleider aus schwerer Atlasseide mit einem weißen Kragen, mit Stickereien an den Ärmeln und einem breiten Gürtel. Etliche Unterröcke weiten und stützen den Rock, an dessen Saum des öfteren ein Volant läuft. Mit einer goldenen Brosche oder Kette, einer goldenen Uhrkette am Gürtel schmücken sie sich. Auf dem Kopf tragen sie Kompotthütchen‘, die durch Spitzen verziert sind, die auf den Nacken herabfallen. Bei anderen Frauen finden wir die taillierte, lang geschnittene, über den weit gekräuselten Rock fallende Bluse; sie hat als Abschluß einen Volant, von denen wir im unteren Rock-teil, der bis an die Knöchel reichte, mehrere stufenartig zwischen Samt-spitzen angebracht finden. Die Männer tragen an Festtagen den Gehrock, die Weste ist bis zum Hals zugeknöpft, nur in der oberen Hälfte ein wenig geöffnet, so daß das weiße Leinen hervorscheint. Auf der Weste liegt die goldene Uhrkette, häufig mit einem Medaillon. Ein gepflegter Kranz- oder Backenbart und Schnurrbart gehören dazu. Wir wissen, daß sie nicht eine solche Fülle von Kleidungsstücken hatten wie wir heute, aber sie kauften gute Ware, die jahrzehntelang, ja ein ganzes Leben hielt. Im Jahre 1835 betrug die Einwohnerzahl der Insel 1753 (Verzeichnis der am 1. 2. 1835 vorhandenen Volkszahl der Landschaft Pellworm; Memorial Prot. Dd. 5 (le), S. 220-266). Im großen und ganzen lebten auf der Insel die Familien, die auch heute anzutreffen sind; darunter finden wir auch einige ungewöhnliche Namen: Einmal Ecklundt (in der Harrsen-Stamm-tafel) und Simmelundt, deren Vorfahren aus Schweden eingewandert sind, und zum andern Liermann; aus dieser Familie stammt Heinrich Liermann, der als Halligpostbote weit über Pellworm bekannt, ist und zahlreiche Leute übers Watt vom Schütting nach Süderoog geführt hat. Es fehlen aber auch noch Familien, die wir dann später in den Chroniken genannt finden: Both aus der Seestermühler Marsch, Evers aus Eckernförde, Marcus Herr-mann aus Bredstedt, Jebsen aus dem nördlichen Nordfriesland, Kölln aus Elmshorn und die beiden Kapitäne Selmer und Wilstermann. Vergessen wollen wir nicht aus der Zeit um die Jahrhundertwende den ersten Fischer Wilhelm Balzukat, einen Ostpreußen (und das war schon etwas Besonderes). Karl Hansen erzählt in der Pellworrner Chronik mit viel Humor von den Anfängen in diesem Gewerbe. Andererseits sind auch die männlichen Linien von zwei seinerzeit führenden Männern, Boy Novock Friedrichsen und Martin Andresen, heute ausgetorben. Als der Letzt-genannte 1870 starb, schrieb (vermutlich) der sehr befähigte Kaufmann Johann M. Lorenzen, der ihm in den letzten Jahren der Amtstätigkeit eine tüchtige Bürohilfe war, folgenden Nachruf
„Von dem Wester-Ohrstedter Deichgrafen Martin Andresen. Am 15. 1. starb im Kirchspiel Tönning der vormalige Deichgraf von Pellworm, Martin Andresen. Bei seinem Tode können wir nicht unterlassen, die Ver-dienste dieses im 83. Lebensjahre dahingeschiedenen Greises hervor-zuheben. Er war in seinen jungen Jahr sehr tätig beim Deichbau auf der Insel Pellworm. Seine Erfahrung verwandte er erfolgreich bei der Über-schwemmung, die im Februar 1825 die Insel betraf. Andresen war die rechte Hand des verdienten Deichinspektors Petersen und hat die schlim-rnen Jahre auf Pellworrn mitgemacht, in denen das Land wertlos War und niemand es, der schweren Deichlasten wegen, haben wollte. Doch Andresen war mutig. Er faßte zuerst an, und da ihm das Land gegeben wurde, arbeitete er sich bei Fleiß und Sparsamkeit die schweren Jahre hindurch. Viele folgten bald seinem Beispiel. Er erlebte die Freude, seinen Sohn Detlef Andresen als Deichkommissar zu sehen, doch ein früher Tod rief diesen aus seiner Laufbahn. In seinem Alter verkaufte Martin An-dresen seine Hofstelle auf Pellworin und kaufte einen Hof in Eiderstedt. Auf den Westinseln lebt das Andenken an den wackeren Deichgrafen Andresen in dankbarer Erinnerung fort.“

Es gab derzeit fast nur kinderreiche Familien. Groß war die Sterblichkeit der Kinder; so heißt es oft in den Büchern: „gleich nach der Nottaufe gestorben“ oder „im Graben ertrunken“. Die Frauen erreichten meistens nicht das Alter der Männer. Welcher Schmerz liegt in einer Wendung wie: „Mit ihrem geborenen Kind zusammen beerdigt.“ Groß waren die Ge-fahren durch Epidemien und andere ansteckenden Krankheiten. Die Ärzte um 1835 kannten noch nicht das Serum, das Behring gegen die Diphtherie erfand, noch unbekannt waren die Lehren des Wiener Arztes Semmel-weis, des Retters der Mütter‘, man, wußte noch nichts vom Rhesusfaktor. Die Lebenserwartung lag 1835 in Deutschland um 35 Jahre – 1970 um 70 Jahre; 1835 lag die Säuglingssterblichkeit bei 25 Prozent- heute rech-nen wir mit 2 Prozent. Es kam häufig vor, daß der Mann mehrfach heira-tete; ich bringe ein Beispiel aus meiner Familie. Mein Großvater Andreas Jacob Peterssen war dreimal verheiratet:

a) in erster Ehe mit Margarete, geb. Andresen, Tochtef des genannten Martin Andresen; 6 Kinder, davon zwei als Kleinkinder, zwei als Jugendliche gestorben.

b) in zweiter Ehe mit Johanna, geb. Melfsen, Witwe des genannten Detlef -4 Andresen auf Seegarden (mit sieben Kindern im Alter von 1 bis 15 Jah-ren); 1 Kind, mit drei Jahren gestorben

c) in dritter Ehe mit Christine A., geh. Backsen, Tochter des Landes-gevollmächtigten Hinrich Harro B.; 3 Kinder.

Diese „Halbgeschwister“ haben sich gut verstanden. Ein besonders herz-liches Verhältnis bestand zu Dora Andresen (vgl. 2. Ehe). Ich sehe noch ihre sauber geschriebenen, lebhaft erzählten Briefe. Unverheiratet schlug sie sich vor 1900 als Direktrice eines Hamburger Weißwarengeschäfts gut durchs Leben und bekannte offen ihre demokratische Einstellung.

Bisher haben wir noch nichts über die Schulen vernommen; darüber berichtet uns Herman Jüngst: „Seine Schulausbildung hat der Großvater Martin Andresen um 1800 in der Dorfschule Wester-Ohrstedt und auf Pellworm erhalten, er erzählte von dem Lehrer, daß er ein altes Unikum gewesen sei: En lüttje krumme Schnieder mit sin Zippelmütz, der beim Unterricht gesponnen hatte; das Surren des Spinnrades habe manchmal angehalten werden müssen, um der energischen Anwendung des Lineals Platz zu machen. Rechnen hätte er den Schülern beigebracht, aber DE~lItSch unddeutsche Geschichte dürften zu kurz gekommen sein. Was der Groß- vater in Deutsch, Deutschkunde und Schreiben gekonnt habe, dürfte er der Bibel, dem Gesangbuch und dem pastoralen Unterricht, nicht zuletzt dem späteren Selbststudium aus Büchern und den Akten seiner Landschaft in der Deichkommune, dem Umgang mit dem Landschreiber, den Deich-inspektoren und anderen gebildeten Menschen verdankt haben. In Schrift-sachen an Behörden bediente sich der Großvater, als Deichgra’f späterhin unter Selbstfertigung der Gerichtsentwürfe, stets eines im Deutschen besser ausgebildeten Schulgehilfen.“ Weil Martin Andresen wußte, was eine gute Schulbildung wert war, schickte er seinen Sohn Detlev auf die Bauschule in Kiel, einen zweiten auf die Lateinschule in Husum und an-schließend auf die technische Schule in Hamburg; andere Kinder wurden nach Föhr gebracht, und vorübergehend hielt er einen Hauslehrer. Uns ist ebenfalls bekannt, daß Friedrich Knudt Tedsen und’seine spätere Frau schon vor 1800 Husumer Schulen besuchten.

Es gab derzeit auf Pellworm sieben einklassige Schulstellen: Alte Kirche, Schütting, Waldhusen, Nordermitteldeich, Tammensiel, Westertilli und Neue Kirche. „War die Schülerzahl zu groß für einen Lehrer, so mußte er einen Hilfslehrer anstellen, den er selbst zu beköstigen und zu entlohnen ~hatte. Die Hilfslehrer waren in der Regel junge Leute, die von den ordent-lichen Lehrern theoretisch und praktisch auf den Lehrerberuf vorbereitet wurden und bekamen selbstverständlich nicht viel. Mitunter mußten auch „,die größeren Schüler einspringen und den Kleinen an Hand der früher gebräuchlichen Tabellen das Lesen beibringen.“ (Bernhard J. Harrsen im Pellwormer Gemeindeblatt 1935/5.) Vergessen bei den meisten sind die L h er aus dieser Zeit Friedrich Gudemann und Simon August Meier, die noch als Autodidakten an der Alten Kirche unterrichteten und deren Nachkommen mit mir zur Schule gegangen sind.

Nur wenig können wir unseren Unterlagen über die politischen Span-nungen in der Zeit von 1800-1864 entnehmen. Die jungen Leute dienten beim Militär, so Martin Andresen als Infanterist in Kopenhagen, wo er als Unteroffizier entlassen wurde. Nach 1825 brauchten die deichpflichtigen Grundbesitzer nicht Soldat zu werden. Bernhard J. Harrsen schreibt 1934 zur damaligen wirtschaftlichen Lage im Dethlefsen- Stammbaum: „Die Zeit vor 100 Jahren war doch sicher viel, viel trostloser als heute. Zwei Drittel der Bauernhöfe gerieten in Konkurs. Die Ländereien waren so gut ‚wie wertlos. Das Gut Seegarden wurde 1829 im Konkursverfahren verkauft für 300 Mark Kourant.“ – Ich habe den Eindruck, daß man die Beamten vori auswärts nicht ablehnte. So schenkte der Landschreiber 0. F. von Linstow Andreas J. Petersen anläßlich seiner Versetzung ein apartes silbernes Rahm-Service – „Zum Andenken“ ist darin eingraviert – über das wir uns heute noch freuen.

VI „Mit der preußischen Annektion von 1867 verlor die Insel ihre alte kom-munale Selbständigkeit auf Grund des Nordstrander Landrechts und wurde eine einfache preußische Landgemeinde mit etlichen Sonderrechten, die mit der neuen preußischen Landgemeindeordnung von 1892 ebenfalls hin-fällig wurden. Sie transit gloria mundi! So endete die eigenartige Ver-fassung. Im September 1867 hob das Staatsgesetz das alte Dinggericht der sieben Ratmänner auf. Man fragt sich unwillkürlich, wie sich eine solche uralte Form völliger Selbstverwaltung solange hat halten können mit den weitgehenden Vorrechten auch in Kirchen- und Schulangelegenheiten der Insel. Erklärlich wird es vielleicht durch die abgeschlossene insulare Lage. Außerdem hat sich die dänische Regierung in der bestehenden Selbstverwaltung der Kommunen stets konservativer gestellt allerlei Son-derrechten gegenüber als z. B. die preußische Verwaltungspraxis, die mit Vorliebe auch auf dem Gebiet uniformiert.“ So schrieb Julius Peterssen kurz vor 1900; sicherlich mögen auch andere so gedacht haben. Vergleichen wir dagegen auch eine jüngere Stellungnahme, wenn auch auf die Ver-hältnisse in Eiderstedt bezogen; Manfred Jessen-Klingenberg im „Nord-friesischen Jahrbuch 1965“, S. 52: „Eine neue Zeit begann, in der auch die Eiderstedter Selbstverwaltung, die nur von einer dünnen Schicht von Grundbesitzern getragen wurde, einer neuen Ordnung Platz machen mußte. Es wäre denen, die dem preußischen Staat vorwerfen, er habe „die Fähigkeit zur selbstverant-wortlichen Ordnung der staatlichen Angelegenheit“ verkümmern lassen, und die nur „mit tiefer Trauer“ auf das Verlorene zurückblicken, vieles entgegenzuhalten. Hier sei nur gefragt, ob die Alteiderstedter Selbstver-waltung bei einer Fortdauer des Gesamtstaates oder nach Errichtung eines Eiderstaates erhalten geblieben wäre. Die Vorgänge um die Jahreswende 1863/64 geben eher eine negative Antwort.“ Der Kieler Historiker schreibt zum selben Thema an anderer Stelle (Monatshefte „Schleswig-Holstein“, Oktober 1967, S. 257 ff.): „Die Formen der Verwaltung und Rechtsprechung waren 1867 vielenorts reformbedürftig. Schließlich mußte die Selbstver-waltung, wo es überhaupt eine solche gab, liberalisiert- werden, so daß breitere Bevölkerungskreise Anteil an ihr hatten, wenn sie den geistigen, politischen und sozialen Bedingungen der neuen Zeit‘ angepaßt sein und damit funktionsfähig sein sollte.“ – Das wird vor 100 Jahren auch für die Pellwormer Verhältnisse zutreffen. Und vor diesem Hintergrund sei noch einiges aus meinen Familienalben von Pellwormern aus dem vorigen Jahr-hundert erzählt.

Wir finden das Bild des Kammerrats Muhl, geb. in Bergenhusen. Aus der Pellwormer Chronik wissen wir, daß er als Detlev Andresens Nach-folger 1853 seinen Posten als Deichkommissar auf Pellworm antrat, in diesem Amt seine ganze Kraft einsetzte und für das Deichwesen Großes geleistet hat. Er erwarb die Warf mit dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Deichgrafen Martin Andresen, also des Vaters seines Vorgängers Detlev Andresen. Als Junge stand ich dann und wann vor seinem Denkmal auf dem Friedhof der Neuen Kirche, einer gebr6chenen Säule. Von meinem Vater, der mir viel und gern von alten Zeiten erzählte, wußte ich, daß damit angedeutet werden sollte, er sei im besten Mannesalter aus dem Leben gerissen worden.

Der Dichter Detlev von Lilieneron, der als kommissarischer Hardesvogt vom März 1882 bis September 1883 auf Pellworm tätig war und im Hause Muhls wohnte, schlug während dieser kurzen Zeit keine Wurzeln. Als Hardesvogt hatte er richterliche und Verwaltungsaufgaben, hatte auf jeden Fall die Interessen der Obrigkeit wahrzunehmen. Hermann Jüngst schreibt von ihm: „Er soll wenig Interesse für sein Amt gezeigt haben. Bei seiner künstlerischen Veranlagung war ihm der Bürodienst verhaßt. Er soll zu Johann M. Lorenzen, der 29 Jahre Landschaftssekretär war, gesagt haben: „Machen Sie das Geschäftliche, ich verstehe davon nichts.“ Der Pellwor-mer Teepunsch mag ihm lieber gewesen sein.“ In der Lucht-Chronik findet sich eine Notiz,’daß Friedrich Martensen, der inzwischen Muhls‘ Haus -das heutige Liliencronhaus – besaß, eng mit ihm befreundet war.

Zum Pellworm der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gehörte der langjährige Organist. und Lehrer der Neuen Kirche von 1860-99 Ernst F. Peters, der seine letzten Ruhejahre dort verbrachte, wo sich einst die Landvogtei befand. Es ist dies durchaus kein Einzelfall, daß ein Lehrer bis zu seiner Pensionierung und darüber hinaus sein Leben lang auf Pell-worm verblieb. Von seinen 15 Kindern heirateten drei Töchter auf Pell-worm. Sein Schwiegersohn Detlev Mäckelmann war über vier Jahrzehnte an der Norderschule tätig und brachte es trotz seines kleinen Gehalts fer-tig, seine vier Söhne von der Insel aus als Lehrer ausbilden zu lassen. Der andere Schwiegersohn Hans H. Börensen, Lehrer und Organist an der Alten Kirche, schenkte uns 1908 die erste Pellwormer Chronik, und sein Enkel Boy Novock Clausen, der letzte aus Peters‘ Geschlecht auf Pellworm,. ist der Besitzer seines väterlichen Hofes.

In meinem Familienalbum finde ich ebenfalls das Bild des Landschafts-arztes von 1907-27, Dr. Otto Spangenberg. Er wuchs als Lehrersohn in Kassel mit fünf Geschwistern auf, die es alle im Leben zu etwas brachten. Wohl nur wenigen hat er davon erzählt, daß er erst nach dem theolo-gischen Staatsexamen das Medizin-Studium. begonnen hatte, was ihm eine Schwester ermöglichte. Ich sehe ihn noch, wie er bei jedem Wind und Wet-ter über die Insel radelte, um seine Patienten aufzusuchen. Zu Fuß ging es los bei stärkstem Sturm und in stockfinsterer Nacht. Dazu kamen die Besuche auf den Halligen Hooge und Süderoog. Er kannte zwei Dezennien lang keinen Urlaub; selten verließ er Pellworm für ein oder zwei Tage, um an Ärztetagungen teilzunehmen. Als Nachbarskind und Spielkamerad seines mir gleichaltrigen einzigen Sohnes Otto lernte ich das Doktorhaus kennen, stand vor seiner ausgewählten, großen Bibliothek und durfte am musikalischen Leben der Familie teilhaben. Die „Frau Doktor“ war Lei-terin des Vaterländischen Frauenvereins, maßgebend bei den Wohltätig-keitsveranstaltungen und Kirchenkonzerten. Es war für die Insel schon etwas Ungewöhliches, daß der elfjährige Otto vor dem Ersten Weltkrieg durch eine Pariser Erzieherin französischen Hausunterricht erhielt. Nach-dem Spangenberg die Insel verlassen hatte, starb er bald in Kassel, seine Frau kurz vor Ende des letzten Krieges in Königsberg; sein Sohn Otto fiel im Osten. Nur ein einziger Enkel, Jürgen Spangenberg, lebt in der DDR.

Die Einverleibung Schleswig-Holsteins durch Preußen 1866 brachte die allgemeine Wehrpflicht mit sich. Hermann Tedsen nahm am Krieg 1870/71, Peter Lucht aus dem Johann-Heimreichs-Koog, der im Seebatail-Ion in Wilhelmshaven diente, an den Auseinandersetzungen um 1900 in China teil. Viele junge Pellwormer verbrachten zwei bis drei Jahre als Soldat in preußischen Garnisonen, einige bei den Garderegimentern in Berlin, so mein Vater Hermann M. Peterssen und Hans Petersen-Oster-siel bei den „Maikäfern“. Viele Aufnahmen in Uniform in den alten Alben deuten darauf hin, daß sie nicht ungern beim Militär dienten; sie kehrten zum großen Teil mit der Überzeugung vom Wert der militärischen Er-ziehung zurück. Doch viel Leid brachten die beiden Weltkriege- Es fielen im ersten 64, im zweiten lag die Zahl höher – dazu etwa 30 Vermißte. Selbst eine Pelwormerin verlor noch 1945 mit ihrem 16jährig en Sohn das Leben bei einem Bombenangriff auf Neumünster.

Wenden wir uns nach diesen deprimierenden Ereignissen wieder den Schulen Pellworms zu. Vor 100 Jahren gab es drei zweiklassige Schulen – bei der Neuen Kirche, dem Norden und dem Siel – sowie zwei ein-klassige – bei der Alten Kirche und dem Schütting. Es unterrichteten durchweg seminaristisch ausgebildete Lehrkräfte. Der größte Teil der Kinder durchlief überfüllte Volksschulen. „Lehrer Sibbert am Schütting wußte z. B. -davon zu erzählen, daß er zeitweise 93 Kinder in der Schule hatte.“ (Nach Bernhard J. Harrsen im Pelw. Gemeindeblatt 1935/7.) Wenn wir uns in den Chroniken die Personen ansehen, die sie besuchten, ist es erstaunlich, was sie mit dem Fundament anfingen, wie sie sich später weiterbildeten; das gilt für diejenigen, die auf der Insel später eine füh-rende Stellung einnahmen, und ebenso für die, die sich auf dem Festland eine Existenz aufbauten.

Es gab wohl auch früh weitblickende Eltern, die für eine bessere Schul-bildung ihrer Kinder sorgten, allerdings war das eine finanzielle Angele-genheit; man kannte weder Schulgeld- noch Lernmittelfreiheit. Hermann Tedsen besuchte das Gymnasiüm in Rendsburg, auf dem seine beiden Urenkel hundert Jahre später das Abitur ablegten. Anton Tedsen dachte nicht nur an seine Söhne; seine beiden jüngsten Töchter schickte er auf die Husumer Töchterschule. Andere Jungen von der Insel besuchten in Husum das Hermann-Tast-Gymnasium, das von 1870-89 mit einem Real-zweig verbunden war. Julius Peterssen mag wohl der erste Pellwormer Abiturient der nach 1865 erneuerten Gelehrtenschule gewesen sein, Er-freulicherweise nahmen ihn kinderlose, finanziell gut gestellte Verwandte in der Schiffbrücke zu sich, und er verbrachte die Ferien mit ungewisser Verbindung nach Hause bei seinem Onkel im Bloomenkoog bei Fahretoft / Waygard. Anschließend studierte er Theologie an den Universitäten Leip-zig, Erlangen und Berlin. Der Student wechselte damals gern, um bedeu-tende Professoren und die Welt kennenzulernen. Interessant ist für mich seine Anstellungsurkunde als Propst in Bad Segeberg 1907; ein Zitat: „Wir berufen ihn dergestalt und also, daß Seiner Königlichen Majestät von Preußen der Hauptpastor und rirchenpropst Julius M. Peterssen unter-tänig, treu und hold und gewärtig sein, der Kirche und des Vaterlandes Bestes aus allen Kräften befördern, Schaden und Nachteil aber verhüten soll…“

Der Besuch von höheren Schulen nahm langsam zu, nicht nur der Gymnasien, auch der Oberre~Ischule und nach 1922 der Aufbauschule in Niebüll; langsam stieg damit die Zahl der Akademiker von der Insel. Ferner ließ sich eine Reihe von jungen Leuten als Volksschullehrer ausbil-den; der bis 1Ü5 mögliche Weg über die Präparande und das Lehrerse-minar war verhältnismäßig kurz und nicht so kostspielig. Daneben lief für die Bauernsöhne der Besuch von Landwirtschaftsschulen – als erster machte wohl Bernhard J. klarrsen an der ältesten unseres Landesteils in Kappeln davon Gebrauch – sowie von Bau- und Ingenieurschulen vor allem für junge Leute aus dem Handwerk, Einige wenige Eltern dachten an eine auswärtige berufliche Ausbildung für ihre Töchter; vor 1914 schickten sie sie auf das Lehrerinnenserninar, später auch auf die Handels-und Haushaltsschule und zur Vertiefung der Allgemeinbildung auf die Volkshochschule.

Bevor wir weitergehen, werfen wir noch einen Blick auf die Levsen- Stammtafel. Es ist auffällig, daß um 1900 junge Leute beiderlei Geschlechts sich so häufig christlich-sozialen Berufen zuwandten: als Schwester, Wochenpflegerin, Diakonisse, Missionsschwester der Liebenzeller Mission, Lehrerin am Frauengefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel, Prediger, Sekretär am Barmbecker Krankenhaus und Generalsekretär des CVJM. Offensichtlich spüren wir hier einen Einfluß von der Bewegung der In-neren Mission. Überhaupt bedeutete die Kirche im vorigen Jahrhundert und bis 1914 viel. mehr auf der Insel als heute. Hermann Jüngst bezeichnet Martin Andresen als einen „gottesfürchtigen Mann“. Julius Peterssen setzt seiner Familienehronik den Spruch aus Josua 24,15 voran: „Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“ Bernhard J. Harrsen gehörte als Abgeordneter zur verfassungsgebenden Landessynode. War es doch auch so, daß jeden Sonntag mindestens einer der Hausgemeinschaft am Gottes-dienst teilnahm, daß man gern jeden andern Sonntag zur Kirche ging. Die Abendmahlsfeier mit der vorangehenden Beichte nahm man ernst.

Die acht Dezennien, die wir an uns vorüberziehen ließen, werden im zunehmenden Maße von der Technik beherrscht, auch Pellworm blieb da-von nicht unberührt. Während das Festland bis 1865 nur mit Segelschiffen zu erreichen war, trat dann ein Raddampfer an deren Stelle, 1902 ein Dop-pelschraubendampfer und 1930 ein Motorschiff. Das Flugzeug überholte 1929 zum erstenmal zwischen Pellworm und Nordstrand die romantische, doch nicht ungefährliche Eisbootbeförderung, die ich noch im Januar 1924 unter Johann Nommensens Führung erlebt habe. Statt der bei nassem Wetter tiefgrundigen Kleiwege gab es um die Jahrhundertwende neue Chausseen. Der 1906 erbaute Leuchtturm hat manchem Seemann in stür-mischer Nacht geholfen. 1939 konnten 240 ha im neugewonnenen Buphe-werkoog besiedelt werden. Drei Jahre, später erreichte elektrischer Strom durch ein Seekabel von Nordstrand die Insel; vorbei war die Zeit der Petro-leumlampe. Es ist erfreulich, daß die Pellwormer in den Tagen des wirt-schaftlichen Aufstiegs ihre alten Baudenkmäler nicht vergaßen. Man reno-vierte, 1913/14 Chorraum und Apsis der Alten Kirche und 1939/40 das Altarblatt der Neuen Kirche, das nun wieder in den uralten liturgischen Farben Gold, Rot und Blau leuchtet; hierzu gehört auch, daß nach dem letzten Krieg die Arp-Schnitker-Orgel der Alten Kirche wieder ihren schönen Klang erhalten hat. Das Pastorat der Neuen Kirche wurde restau-riert und als Anton-Heimreich-Haus auch für kulturelle Aufgaben zur Verfügung gestellt.

Die acht Dezennien, die wir an uns vorüberziehen ließen, werden im zunehmenden Maße von der Technik beherrscht, auch Pellworm blieb da-von nicht unberührt. Während das Festland bis 1865 nur mit Segelschiffen zu erreichen war, trat dann ein Raddampfer an deren Stelle, 1902 ein Dop-pelschraubendampfer und 1930 ein Motorschiff. Das Flugzeug überholte 1929 zum erstenmal zwischen Pellworm und Nordstrand die romantische, doch nicht ungefährliche Eisbootbeförderung, die ich noch im Januar 1924 unter Johann Nommensens Führung erlebt habe. Statt der bei nassem Wetter tiefgrundigen Kleiwege gab es um die Jahrhundertwende neue Chausseen. Der 1906 erbaute Leuchtturm hat manchem Seemann in stür-mischer Nacht geholfen. 1939 konnten 240 ha im neugewonnenen Buphe-werkoog besiedelt werden. Drei Jahre, später erreichte elektrischer Strom durch ein Seekabel von Nordstrand die Insel; vorbei war die Zeit der Petro-leumlampe. Es ist erfreulich, daß die Pellwormer in den Tagen des wirt-schaftlichen Aufstiegs ihre alten Baudenkmäler nicht vergaßen. Man reno-vierte, 1913/14 Chorraum und Apsis der Alten Kirche und 1939/40 das Altarblatt der Neuen Kirche, das nun wieder in den uralten liturgischen Farben Gold, Rot und Blau leuchtet; hierzu gehört auch, daß nach dem letzten Krieg die Arp-Schnitker-Orgel der Alten Kirche wieder ihren schönen Klang erhalten hat. Das Pastorat der Neuen Kirche wurde restau-riert und als Anton-Heimreich-Haus auch für kulturelle Aufgaben zur Verfügung gestellt.
Zur stärksten Änderung mag die eingerichtete Fährverbindung zwi-schen Pellworm und Strucklahnungshörn auf Nordstrand beigetragen haben, die mehrmals täglich hüben und drüben verbindet, und von Nordstrand können die Passagiere auf dem Landweg sofort weiter nach Husum fahren. Hierdurch und durch die einwandfreie Wasserversorgung hat sich auch von Jahr zu Jahr der Fremdenverkehr gesteigert.
Manches Gute ist aber auch verschwunden oder schwindet immer mehr, wie etwa der Sinn für die Geschichte. Wir wollen die Vergangenheit nicht verherrlichen und kennen das Wort: „Geschlechter kommen, Geschlechter gehen.“ Es lebten auch früher Menschen „mit Schuld und Fehle“. Trotz allem schlägt unser Herz für sie. Vergessen sollten wir nicht die Frauen und Männer, die sich um die Insel und ihre Familien Verdienste erwarben oder die einfach in der Stille Tag für Tag ihre Arbeit verrichteten. Sie verpflichten uns, geben uns Impulse und mahnen uns, das Erbe, das wir in uns tragen, zu erhalten und zu mehren: jeden in seinem Bereich, an seinem Ort.

Vorschau 1979

Vorschau 1979

Vorschau 1979 Die Landwirtschaftsschule Bredstedt lädt am 8.2. zu ein( Fahrt nach Bredstedt zum Thema „Gesunde Frischkost“. He, Sethe, Husum, spricht am 14.2. zum aktuellen Thema Europawahlen – Europa vor einem entscheidenden Schritt nach vorn Wir hoffen hiermit, den Mitgliedern Sinn und Zweck die Europawahlen zu verdeutlichen. Das Thema „Das Altmeistern“ von Herrn Dr. Gerhardt, Heide, geht uns alle an. Am 9.3.79. Frau Paysen spricht zum Thema „Werden wir Frauen unseren Aufgaben gerecht“ im April. Für Mai ist als Abschluß eine Tagesfahrt geplant.

Jahresbericht 1978 des Landfrauenverein Pellworm

Jahresbericht 1978 des Landfrauenverein Pellworm

Nach der Sommerpause begann die Winterarbeit der Land- frauen diesmal an einem Nachmittag mit gemütlichem Kaffee- trinken. Die Vorsitzende Emmy Jensen zeigte dabei Dias von den Vereinsreisen nach Friedrichstadt, Berlin und Föhr und vom Osterfest des Vereins. Der Dia-Vortrag von Herrn Greve über Wien wurde kurzfristig abgesagt. Dafür führte Herr Thies Martensen an Hand von Dias durch die verschiedenen Deich- bauarbeiten am Hafen und der Insel und ließ die verschiedenen Sturmfluten der vergangenen Jahre noch mal an uns vorbei- ziehen. An drei Nachmittagen zeigte Henry Smorra in einem Foto-Seminar, wie man besser fotografieren sollte.,Die Teil-nehmer waren mit Begeisterung dabei, um die gestellten Aufgaben nach der erlernten Theorie zu erfüllen. Bei dem Entwickeln und Vergrößern lernte man dann noch das Beste aus nicht gelungenen Motiven zu machen. Der Höhepunkt vieler Mitglieder war die Reise nach Wien und ins Berchtesgadener Land. Über Forchheim, bei Passau über die Grenze, an der Donau entlang, der Besichtigung des Klosters Melk mit seiner herrlichen Lage, mit seinen wertvollen Schätzen und der großen Bibliothek erreichte man Wien. Dort imponierte das Schloß Schönbrunn mit seiner prachtvollen Parkanlage und den reich ausgestatteten Räumen. Nach einem weiten Blick, über Wien vom Oberen Schloß Belvedere fuhr man durch die Stadt mit seinen vielen Kunstbauwerken. Auch vom Riesenrad und vom Donauturm betrachtete man Wien aus der Höhe. Durch den Wiener Wald, mit der intensiven Herbstlaubfärbung, dem Helenental, vorbei am Kloster Heile-genkreuz, dem Thermalbad Baden mit den Kuranlagen, dem Weinanbaugebiet Gumboldtskirchen verbrachten die Teil- nehmer einen Abend beim Heurigen in Grinzing. Nach der Besichtigung einer Winzergenossenschaft in Krems und der Ingrid Fedders Weinprobe fuhr man links an der Donau, rechts die Wein- gärten durch die Wachau, am Traunsee entlang, machte Station im Jagdschloß Fuschl, durchs Salzkammergut nach Berchtesgaden.Tief beeindruckt waren alle von der Fahrt über den Königsee mit der Echowand und der Wailfahrtskapel-le St. Bartolomä. Ein Spaziergang durch den Zauberwald am Hintersee mit der Wimbachklamm wird keiner vergessen. Leider blieben die Berge im Nebel verborgen, aber vielleicht Ist das ein Grund noch einmal dort hinzufahren. Nach3.800km Fahrt erreichte man nach zehn ereignisreichen Tagen Pellworm. Zahlreich waren die Mitglieder im festlich geschmückten Saal zur Adventsfeier erschienen. Heinz Ladiges las plattdeutsche Erzählungen von Rudolf Kinau und Emmy.Jensen trug Gedichte von Rudolf Tarnow vor. Dazwischen erklangen Adventsweisen vom Gesangsverein und aus dem plattdeut-schen Gesangbuch sang man gemeinsam Weihnachtslieder. Am 8. Januar 1979 ist wieder der Bastelnachmittag für den Basar zugunsten der Kindergartenarbeit, wie jeden Monat am ersten Montagnachmittag. Die Jahreshauptversammlung ist am 11.1.1979. Anschließend zeigt Emmy Jensen die Dias der Wienreise.

TSV-Ball

TSV-Ball

Das Aktiven-Fest der Erwachsenen verlief auch dieses Jahr wieder in fröhlichster Atmosphäre. Am 16. Dezember traf man sich in der Hooger Fähre, um dort eine Nacht lang miteinander zu klönen, zu tanzen und zu trinken. Heinke Petersen hatte wieder den musikalischen Rahmen übernommen, sie ist inzwi-schen ein As auf diesem Gebiet, mit einem untrüglichen Gespür für die richtige Musik zur richtigen Zeit. Die Volkstanz-gruppe des TSV eröffnete den Ball mit einigen schwungvollen Tänzen und dann schwofte man bis weit nach Mitternacht. Der TSV spendierte zwischendurch seinen Mitgliedern eine kräf-tige Mahlzeit, damit keiner vorzeitig schlappmachte. Alles in allem – ein runder Abend. Die Jugendlichen und Kinder des TSV können sich auf ihr‘ Fest noch freuen – sie sind in der Faschingszeit an der Reihe. G. s.

Günter Skrodzki

Günter Skrodzki

Ende September waren für einige Tage die Maler Günter Skrodzki und Bruno Kirstein auf Pellworm. Günter Skrodzki, der seit 1960 mehr als 1800 Werke schuf, hat neben seinen Plastiken und Ölbildern für Aquarelle eine besondere Vorliebe. Obwohl er im gegenst.Inds losen Expres-sionismus ausgebildet wurde, verfolgt er seit Jahren konse-quent eine eigene Linie, die er selbst als zeitlos, gegenständ-lich und absolut bezeichnet. Neben ständigen Ausstellungen in der Galerie Malkate in Sahrendorf/Norderheide und in der Galerie Wilsede im Naturschutzpark Lüneburger Heide wurden Skrodzkis Arbeiten in den letzten Jahren u.a. in Essen, Hamburg, Hannover, Frankfurt, Kiel und Berlin ausgestellt. 1975 konnte er den lwerschen Hof in Hattstedt erwerben. Dort wurde ein Lebenstraum verwirklicht. Wohnung, Werkstatt, Galerie mit einer Austellungsfläche von neuerdings 400 qm und ein Cafä zur Entspannung der Besucher wurde unter einem Reetdach vereinigt. Bruno Kirstein wurde 1939 in Königsberg geboren und wuchs in Niedersachsen auf. Nach dem Studium derArchitek-tur arbeitete er u.a. alsBauingenieur. Doch bald befriedigte ihn dieseArbeit nichtmehr, daersichzu seh * ranpassen mußte. Seit 8 Jahren arbeitet er nun als freier Maler. Ähnlich wie Skrodzki beschäftigt er sich vor allem mit Ölbildern und Aquarellen. Auch er besitzt eine eigene Galerie, einen Haubarg in Eider-stedt, in dem er eigene Arbeiten ausstellt. Beide Maler arbeiten hauptsächlich in Norddeutschland und reisen so auch oft auf den Inseln und Halligen herum. Als Hauptgrund dafür gaben sie die günstigen Lichtverhältnisse durch die Reflektion des Wassers an. Das Motiv ist also nicht die Hauptsache. Der Maler versuchte Landschaften.für sich zu verarbeiten. Besonders betonten Skrodzki und Kirstein, daß die Gesell-schaft sich mehr um ihre Künstler bemühen sollte und sie risicht als Außenseiter, „Verrückte“ oder Spinner abstempeln sollte. Günter Skrodzki in seinen Atelier