Category Archives: Jun. 1978 Nr.12

Pellwormer Trachtengruppe

Pellwormer Trachtengruppe

Ostern 1977 stellte sich die Pellwormer Trachtengruppe anläßlich der Eröffnung des „Studio Pellworm“ der Öffentlichkeit vor. Die Tracht, die nach Unterlagen des Kopenhagener Nationalmuseums rekonstruiert wurde ? aus den Unterlagen des Nationalmuseums geht hervor, daß acht Teile der Tracht von einem Föhringer Kaufmann 1770 von Pellworm gekauft wurden ?, besteht aus: Mütze (auch Kappe oder Haube), das Material ist Samt, die Farbe ist weinrot, ein schwarzes Samtband (mit eingewirkten Blumenmotiven) umschließt die Mütze, verheiratete Frauen tragen (trugen) unter der Mütze ein weißes Seidentuch; Jacke (auch Wammes oder Futterhembde) ist aus Seide, der braune Grundton wird durch hellere eingewirkte Motive unterbrochen, ein schwarzes Samtband umschließt die Jacke, einem schwarzen Brusteinsatz (Latz); Rock, der Grundton des Rockes ist rotbraun mit eingewebten helleren Blumenmotiven; einer schwarzen Schürze; rotbraunen Strümpfen; schwarzen Holzschuhen und verschiedenen Schultertüchern. Der Schnitt entspricht der damaligen Halligtracht.
Der Schmuck besteht aus der Brustkette mit Medallien, auf denen persönliche Motive dargestellt sind; einer Schürzenschnalle, ebenfalls mit einem persönlichen Motiv und insgesamt sechs Ärmelknöpfen. Schon im Mai 1977 gründeten die Frauen ? Barbara Cornilsen, Ingeborg Jensen, Ingeborg Petersen, Anna Schilke ? die Pellwormer Trachtengruppe. Im Herbst stellt die ?Gruppe einen Antrag auf Bezuschussung an die Stiftung für Kultur? und Erwachsenenbildung des Kreises Nordfriesland. Der Antrag wurde genehmigt und der Zuschuß in Höhe von 800 DM auf das Konto der Trachtengruppe überwiesen. In der Saison 1977 führte die Gruppe drei Verkaufsveranstaltungen durch. Von den Einnahmen wurden Schürzen? und Rockstoffe für weitere Trachten gekauft. Eine Postkarte wurde ebenfalls erstellt und ist in den Pellwormer Geschäften erhältlich. Über die Grenzen der Insel hinaus wurde die Gruppe bekannt, als sie von dem Hamburger Künstler Harald Haack zu dessen Ausstellungseröffnung mit Bildern über Pellworm eingeladen wurde. Nebenbei betätigte sich die Gruppe in der „Hochhuth – Galerie“ als Werber in Sachen Fremdenverkehr für Pellworm. Am Pfingstsonntag 1978 feierte die Trachtengruppe mit einem Verkaufsbasar ?? ebenfalls im „Studio Pellworm“ ? „Geburtstag“. Alle 270 Artikel waren selbstgefertigt, sie boten einen großen Querschnitt aus dem kunstgewerblichen Bereich. Es herrschte ein buntes Treiben. Im „Studio“. Dieüber300 Besucher des Basars bildeten denäußeren Rahmen der „Geburtstagsfeier“, die zu einem Höhepunkt der bisherigen Arbeit der Gruppe wurde. Henry Smorra erklärte dann auch abschließend zum Verkaufsbasar in seinem „Studio Pellworm“, daß die Gruppe einen hohen Maßstab in Sachen Basar gesetzt hätte.
Eine weitere Großveranstaltung ist bereits geplant. Inder Freizeithalle wird eine Moden?und Frisurenschau mit anschließendem Tanzabend veranstaltet. Die Mitglieder der Trachtengruppe würden sich freuen, wenn weitere Frauen der Gruppe beitreten würden; wie schon erwähnt, die Stoffe liegen bereit.

Anna Schilke

Alte Gebäude auf Pellworm

Alte Gebäude auf Pellworm

Alte Gebäude auf Pellworm Eine der schönen alten Postkarten von Pellworm mit dem Panorama der Alten Kirche vor Jahrzehnten. Rechts das Kossatzsche Hau Dieses Haus wird bald nicht mehr stehen. Der Deich muß verstärkt werden, und im Zuge der Deichverstärkung soll das Haus weichen. Nach alten Aufzeichnungen soll dies Haus im 17./18. Jahrhundert Pastorat gewesen sein. (Um 1750 wurde dann das Pastorat dort errichtet, wo es auch heute steht.) Im obigen Haus wurden zwei Wohnungen ausgebaut, in denen dann vorwiegend Kirchendiener wohnten. Zu Anfang unseres Jahrhunderts lebten Johannes und Emma Michaelsen, sowie Bernhard Petersen und Frau Anna (Eltern von Hein Maler) in diesem Haus. 1919 zogen dann August Friedrichsen (Fischer) und Frau Anna, geb. Sorgenfrei, hier ein. August Friedrichsen starb im Jahre 1931, seine Frau mußte 5 Kinder allein großziehen und arbeitete nebenbei fast 30 Jahre in Blohm’s Gasthof. Die Familie Michaelsen zog aus Altersgründen nach dem 2. Weltkrieg zu ihren Kindern. Eine der Friedrichsen?Töchter heiratete, und das frischgebackene Ehepaar Kossatz wohnte dann hier. 1956, nach der Holland?Katastrophe, verstärkte man auch auf Pellworm den Deich, und ca. 6 m des Hauseswurden abgerissen, dafür auf der Ostseite ca. 4 m wieder angesetzt. Nun also wird dieses Haus zum zweiten Mal von Deichverstärkungsmaßnahmen betroffen und diesmal ganz abgerissen. Die Familie Kossatz weiß jetzt noch nicht, wo sie dann wohnen wird.

R.B.

Wir stellen vor

Wir stellen vor

Leve Leser‘ Wi vun de PIZ hern nu een poor Lüüt vun de Halligen ansnakt, un frocht, ob se nich bl unse Insetzeitung mitmaken wulln. Toletzt gehören de Halilgen ja ok to dat Amt Peltworm. Nu hern sick von de Hooge, Langeness un Oland poor Lüüt entsloten, uns af un to mul een poor Berichte to schrieben un to schicken. Op de Halll ls je ok allerhand los, un wi hoffen, dat ok vune annern Halligen Berichte komen. No een korde Diskussion hem wi en de Redaktion doröver afstimmt un sin to dat Ergebnis komen, dat de „Hallig Siet“ de beste Nom för düsse Siet is. Nu wünschen wi dat düsse Siet bi unse Leser een beten Anklang finnen delt.

Onkel Hannes

Wer kennt ihn nicht, den originellen, immer freundlichen und zu einem Witz aufgelegten Hooger Briefträger, der mit seinem gelben Dreirad von Warft zu Warft rast. Allein seinetwegen ist es wert, eine Reise nach Hooge zu unternehmen, doch gibt es außer der unvergleichlichen, konstant guten Laune noch viele andere interessante Dinge über ihn zu berichten:

Johannes Markus Both wurde am 24.12. (!) 1924 als zweiter von zehn Geschwistern auf Seegarden auf Pellworm geboren, wo seine Eltern heute noch leben. Nach seiner Schulzeit ? es gab damals nur zwei große Klassen, die „kleine Schule“ (Grundschule) bei Lehrer Hinrichsen und die „große Schule“ bei Lehrer Balzer ? fing er im Tilly (Pellworm) eine Lehre bei Ernst Boysen als Hufbeschlagschmied an, mußte jedoch bei Anton Jensen fortsetzen, weit Boysen zum Militär eingezogen wurde. 1942 wurde Hannes Soldat und kam als Panzerfahrer in Rußland an die Front, wo er bis 1948 Kriegsgefangener war. Danach hat er erst einmal zwei Jahre lang auf dem elterlichen Bauernhof mitgearbeitet, bevor er unter der Postassitentin Jante Mide“ auf Pellworm als Zusteller eingestellt wurde. Schon damals war eines seiner vielen Hobbys dier?Musik, und so spielte er als Schlagzeuger mit den Brüdern Uwe und Jürgen und mit Herbert Petersen des öfteren zum Tanz. Über sein Schlagzeug „Marke Eigenbau“ und die damit bestrittenen Veranstaltungen ließen sich einige Bände von Geschichten zusammenstellen, jedenfalls baute er sich diese Wundermaschine aus einem Waschkessel, aus der Kartusche einer Feldhaubitze, aus Kreissägenblättern, Fahrradklingeln, Mopedhupen, Schiffsglocken, Teilen einer Milchzentrifuge und vielen anderen Dingen zusammen und spielt noch heute darauf wie ein junger Gott. Als er dann mal nach Hooge zum Musikmachen kam, lernte er ein Mädchen namens Anni Petersen kennen, und den Rest kann man sich eigentlich denken. Wie der Zufall es dann wollte, wanderte zu der Zeit der damalige Hooger Briefträger Otto Thomsen nach Amerika aus und Hannes, nicht träge, ließ sich sofort vom neuen Postassistenten Herrmann Meesenburg nach Hooge versetzen. Da die Halligen und zum Teil auch Inseln damals noch keinen Strom vom Festland bekamen, war man auf einen Generator oder noch besser auf eine Windturbine angewiesen, mit der Akkus zum Betreiben von Radio und Lampen geladen wurden. Im Anfertigen und Entwickeln dieser Windräder war Hannes Spezialist, und schon bald verkaufte er das erste Windrad, welches übrigens die Stellung der Rotorblätt,~r automatisch der Windstärke anpaßte, an den Lehrer Blume auf Nordstrandischmoor. Hannes hatte damals seine erste Turbine von seinem Pellwormer Onkel Johann Wilstermann (Historiker und Redaktionsmitglied) geschenkt bekommen.

Als weitere Nebenberufe muß man bei Hannes noch folgende aufzählen: Maler, Friseur (Putzbüdel), Kirchendiener (zwanzig Jahre lang hat er die Hooger Glocken geläutet), Schlosser, Modellbauer, Gärtner und Rosenzüchter (wegen der Sturmfluten mußteer in seinem Garten mehrmals von vorne anfangen) und nicht zuletzt Kunstmaler (oder haben Sie schon einmal einen orginelleren Hooger Sonnenaufgang gesehen?). Wo wir gerade beim Aufzählen der Berufe sind: seine Frau Annie hat sich eineinhalb Jahre lang in Kiel zur Hebamme ausbilden lassen und ist seit 1957 Hebamme und Gemeindeschwester auf Hooge. Wenn Hannes in 10 Jahren pensioniert wird, will er solange die Gesundheit mitmacht auf Hooge bleiben, und allen, die noch nach Hooge kommen und ihn noch nicht kennen, kann man das nur wünschen. Wenn Sie übrigens mal bei Hannes anrufen, wundern Sie sich nicht, wenn er sich mit „Major Braun, Baracke 3“ meldet, denn ein Spaßvogel ist er allemal.

K.v.S.

Lokales kurz belichtet

Lokales kurz belichtet

Wusten Sie schon….

Neuerdings kommt hinzu, daß die landwirtschaftlichen Be= triebe infolge der Elektrifizierung und des Mangels an Arbeitskräften dazu übergehen, das erzeugte Futtergetreide selber zu schroten; dies engt die Existenzbasis der Windmühlen weiter ein.‘ Diese genannten Punkte sind es vornehmlich, die es den Windmühlen nicht mehr gestatten, ihre Bedeutung und ihren Platz wie früher im Kreislauf der bäuerlichen Gemeinschaft einzunehmen. Aber auch andere Faktoren sind an dem Mühlensterben beteiligt: Da ist zunächst einmal die unberechenbare Natur= kraft, der Wind! Wenn er benötigt wird, ist er vielmals nicht da, und wenn er da ist, muß er genutzt werden. Es wird sich heute kein Arbeiter, auch kein Windmüller selbst mehr finden, der bereit wäre, seine Lebensführung dem Winde anzupassen, von diesem bestimmen zu lassen und damit Feierabend sowie Sonn= und Feiertage der Windmühle zu opfern.

Des weiteren ist das Siechen und Sterben der Windmühlen eine Folge der allzu großen und teuren Reparaturen. Es ist erwiesen?, daß der Windbetrieb wegen der überteuerten Unterhaltungskosten etwa dreimal so teuer arbeitet wie der mit künstlicher Energie. Ein Windmüller, der seine Windmühle nicht als einen Teil seiner selbst empfindet, der in Sturmnächten nicht stündlich um sie bangt, der nicht auf eine lang= jährige Tradition als Windmüllerfamilie zurückblickt, wird kaum noch den Mut aufbringen, seine Windmühle zu erhalten, sofern er wirtschaftlich überhaupt dazu in der Lage wäre.

Das Verschwinden der Windmühlen ist eine Folge ihrer Unrentabilität. Der Kreis Eiderstedt zum Beispiel, dessen Landschaftsbild vor dem Kriege noch von dreizehn Windmühlen geziert wurde, zählt ihrer heute keine einzige mehr. Der Kreis Husum hat noch zwei Windmühlen in Betrieb; in anderen Kreisen, Süderdithmarschen ausgenommen, wird dies nicht viel anders sein. Die Erhaltung der wenigen noch betriebsfähigen Mühlen wird nur dann m8glich sein, wenn die öffentliche Hand mithilft; sie sollte es sich angelegen sein lassen, die noch wenigen betriebsfähigen und gerade für unseren Küstenstreifen charakteristischen Windmühlen als Baudenkmäler und Kulturgüter zu erhalten. Unsere Pellwormer Mühlen

Vor der Sturmflut 1634 mögen sechzig Windmühlen dem „Strandt“ zugehört haben, davon wurden am‘?1?L. Öktober acht= und zwanzig „weggetrieben“. In der Pellw6rmer Harde standen immerhin auch vierzehn Mühlen; die Karteneinzeichnung läßt es deutlich erkennen, daß es sich hier vorwiegend um Bockmühlen handelte; die Holländermühlen werden erst mit den holländischen Deichbauinigenieuren, und hier namentlich mit dem vorbenannten Jan Adrianz Leegliwather, nach hier gekommen sein. Windmühlen standen um 1634:

1 . eine zweiflügelige am Süderkoogsweg, nahe Klara Meesenz burgs Haus,
2. auf dem Seedeich am Untiehörn,
3. am Schmerhörn nahe Magda Lorenzens Haus,
4. am Schütting nahe Heinrich Diedrichsens Haus,
5. am Tammwarfsweg,
6. nahe der Gurde, wenn nicht gar auf der Warft,
7. an der Westermühle, der kleine Wall wird von den Anwohnern heute noch „Möhlenknost“ genannt,
8. etwa ?1 km westlich von Johannishörn, diese ist sicher mit ausgedeicht oder 1634 weggetrieben (der alte Jan Frie Ronnebeck hat dort noch die Fundamente und dazwischen= liegende Mühlensteine gefunden, heute ist alles verschlickt),
9. wo die Nordermühle steht,
10.. im Garten vor Johs. Clausen Bruhn,
11. auf dem Mitteldeich nahe Karl Kochs Haus,
12. bei Lewe Martensens Haus,
13. am Junkersmitteldeich nahe Peter Cornilsens Haus und
14. am Ostertilli, wo die jetzige Tilliühle steht.

Nur? von wenigen Mühlen ist noch etwas bekannt. Als ältester Besitzer der Windmühle im Garten von Johs. Clausen gilt der Ratmann Boy Novock Friedrichsen; dieser war seinerzeit wohl einer der reichsten Bürger Pellworms und als letzter zopftragender Ratmann bekannt. Er gab seiner Tochter einen Hof und die Mühle als Mitgift in die Ehe, der nachmalige Besitzer verkaufte die Mühle für damals 7000 Mark und eine Fenne, die heute noch die „Möhlenfenn“ genannt wird. Kurz vor dem Verkauf war in dieser Mühle noch ein fürchterliches .Unglück passiert, was auch vielleicht zu dem Verkauf bei. getragen hat: Der Geselle hatte aus der Luke mit einem Sack den zurück kommenden Schulkindern gewinkt. Der in der Nähe der sich schnell drehende „Kliiver“ (die senkrecht laufende Holzwelle des Schälsteins) hatte den Sack erfaßt, und weil der Geselle den Sack um Hand und Arm geschlungen hielt, wurde er von dieser Welle bis zum Eintritt des Todes herumgeschleudert. Vorbenannte Mühle wurde 1868 weiter. verkauft an den Müller Meesenburg am Ostertilli und wurde dort auf dem Mühlenberg aufgebaut, wo sie jetzt noch als Windmühlenleichnam diese Gegend verunziert.

Bei dem Ausbau der alten Schrotgänge aus der Tilli Mühle kam dort ein aus einem alten Grabstein gehauener Mühlenstein, der als Bodenstein Verwendung gefunden hatte, an den Tag, Dieser Stein trägt das Jahreszeichen 1611; wem er gehört hat, ist nicht ausfindig zu machen, auch nicht an Hand der alten Wappen, wovon das eine drei Fische, das andere vielleicht eine Spindel(?) darstellen könnte. In den Stein ist der Spruch

„HIOB AM XIX –
ICK WEET DAT MIEN ERLÖSER LEWET UND HE WERDT
MI HERNAAMALS UT DER ERDEN UPWECKEN…“

eingehauen. Dieser alte Mühlstein hat nun an der Nordwand der Neuen Kirche seinen Platz gefunden. Die Norder Mühle hat nicht immer zu der jetzigen Hof. stelle gehört. Bis etwa zur Mitte des vorigen Jahrhunderts gehörte sie zur Hofstelle von Dethlef Dethlefsen (auf dem Deich), welche damals Eigentum eines Jensen (Vorfahren des Kapitäns P.Jensen, Tilli) war. Dieser hat dann die Mühle an die jetzige Hofstelle verkauft. Diese Mühle mag an die dreihundert Jahre alt sein; das ist daraus zu schließen, daß sie auf der Karte nach a634 auf der gleichen Stelle eingezeichnet ist und ihr Bauwerk genau denen der ersten holländischen Windmühlen gleicht.

Altes Brauchtum:
Die Windmühlen nahmen vor 1900 einen besonderen Platz im ländlichen und bäuerlichen Gemeinwesen der Dörfer und be= sonders auch der Inseln ein, waren sie es doch, die das tägliche Brot ermahlten, und es ist wir in guter Erinnerung, daß den alten Müllern eine besondere Art anhaftete, vom Brot zu sprechen, und daß sie kein abfälliges Wort über das tägliche Brot duldeten. Eben diese Einstellung zum Brot und das Wissen um die Gewalt der entfesselten Elemente mögen unsere Altvordern dazu bewogen haben, der NorderMühle den Spruch „GOTT MIT UNS“ voranzustellen. Viele Mühlen fragen Frauennamen, aber auch Namen wie Fortuna“, „Aurora“ sind gebräuchlich. Viel altes Brauchtum grulicher und heiterer Art sind mit den Bauwerken der Windmühlen verbunden; dabei kommt der Flügelstellung eine besondere Bedeutung zu; Mühlenflügel werden eben nicht willkürlich und zufällig ge= stellt, auch heute noch nicht! Die Arbeitsstellung wird dadurch angezeigt, daß das Kreuz kurz vor dem Durchschlag steht, wobei zu beachten ist, daß Windmühlen, von vorn gesehen, immer nach links drehen.

Die Feierabendstellung wurde zu der Zeit, als die Mühlen noch Triebsegel hatten, durch das geradegestellte Kreuz an= gedeutet. Bei einem Trauerfall in der Nachbarschaft oder im Müllerhaus wird das Kreuz in die Trauerschere gestellt. Es ist dies ein schrägliegendes Kreuz, wobei der linke Flügel über dem Geländer des Zwickstells hängt. Bei einem Trauerfall im Müllerhaus zeigt sich die Mühle einen vollen Monat in der Trauerschere, bei einem Trauerfall in der weiteren Familie eine Woche, in der Nachbarschaft bis zum Tage nach der Beerdigung. Selbstverständlich ist, daß die Mühle bei der Vorbeifahrt eines Leichenzuges angehalten wird und die Trauerschere zeigt.

Aber auch zu freudigen Anlässen, so bei Hochzeiten, Geburten im Mutterhaus und in der Nachbarschaft, zeigt die Mühle eine besondere Freudenschere, nämlich das Andreaskreuz. Bei jedem Hochzeitszug, der vorbeikam, wurde diese Schere gezeigt, wobei der Müller, mit einem Mehlsack bewaffnet, vom Zwickstell dem jungen Paare zuwinkte. Dabei soll es vorgekommen sein, daß der Sack so stark staubte, daß die Pferde mit dem Brautwagen durchgingen. War früher eine Gemeindevertretersitzung auf Vorbehalt einberufen, so war von vornherein vereinbart, daß, würde die Sitzung aus irgendeinem Grunde nicht stattfinden, die Windmühle mittags an dem betreffenden Tage eine vereinbarte Stellung einzunehmen hätte, wodurch dann jeder orientiert war.

In der Mühle kamen früher viele Leute zusammen, seien es Kunden oder solche, die Neuigkeiten erfahren wollten. Es wurde dann viel Unterhaltung fröhlicher Art geführt. War ein= mal ein leichtgläubiges Opfer gefunden, wurden die unwahrscheinlichsten Lügengeschichten fabriziert und mit der ernstesten Miene aufgetischt. Der leichtgläubige Weitererzähler wurde von den zweifelnden Zuhörern wohl gefragt: Wurde es in der Mühle erzählt? und er wußte, was davon zu halten war.Die Zeit der Windmühlenromantik neigt sich ihrem Ende zu. Mit dem Abbruch eines jeden dieser Zeugen aus alter Zeit verschwindet auch ein Stück Heimat und Heimatgeschichte, unbemerkt geht auch ein Stück unserer selbst mit.

Viele Redewendungen, die mit den bodenständigen Mühlen im engeren oder weiteren Sinne zuammen hängen sind dem alltäglichen Sprachgebrauch der ländlichen Bevölkerung entzogen. Wer weiß zum Beispiel von den Jüngeren noch um die Maßeinheiten früherer Zeiten, die den Gewichtseinheiten vorausgingen. Ich erinnere mich noch, daß im ersten Viertel dieses Jahrhunderts nun nicht etwa 25 Pfund Hühnerfutter, Schweineschrot oder Mehl verlangt wurden, sondern immer die alte Maßeinheit“Schipp4″ was in der Gewichtseinheit aber immer 12,5 kg bedeutete. Dieses aus der dänischen Zeit stammende Hohlmaß (dän. „Skjeppe“, friesisch: „Skep“) war ein Achtel „Tünn“. Weil aber das Hohlmaß der vollen „Tünn“ = 8″Schipp“zum Einmessen von Getreide und auch Kartoffeln zu unhandlich war,’war das Hohlmaß „Halw?Tünn“ (ca. 0,7 hl) üblich, es stand auf jedem Bauernhof auf dem Kornboden. Ob es auf Pellworm noch irgendwo diese Tonne gibt? Noch zur dänischen Zeit wurde das Gewichtsmaß „Pfund“ eingeführt, daß unter den Preußen durch das metrische Maßsystem „Kilogramm“ abgelöst wurde. Nebenbei darf noch erwähnt werden, daß vom Hohlmaß“Schipp“ auch die hier üblichen Landflächenmaße abgeleitet wurden. So war ein „Saat „Land (6 Saat = ein Demat) die Fläche, die für ein „Schipp“ Saatgetreide ausreichte. (Nebenbei ist ein Demat kein halber Hektar, wie oft angenommen wird, sondern 4.930 qm.)

Am längsten haben sich wohl die mit den Mühlen zusammenhängenden Kinderlieder im Volksmund erhalten, wenn oftmals auch nicht in vollem Umfang, hier wohl in seinen Anfängen das bekannteste Schoßlied:

Lied kann leider aus Qualitätsgründen nicht von unseren Scannern erkannt werden!

Mühlen und mit diesen zusammenhängende Redewendungen und damit auch ein Stück des Bewußtseins, was diese früher dem ländlichen Raum bedeuteten. Der Zahn der Zeit nagt an beiden. Ungewollt und unbemerkt geben wir damit ein Stück unserer selbst auf!

Lokale Nachrichten

Lokale Nachrichten

In der Zeit vom 2. August bis 7. September finden im Studio wieder Gitarrenkurse statt. Geleitet werden sie wie auch im letzten Jahr von Gert Alsleben. Anfängerkurs: In 10 Stunden werden die wichtigsten Griffe und Schlagtechniken erlernt (natürlich anhand von Liedern)! Fortgeschrittenenkurs? In 10 Stunden sollen verschiedene Zupftechniken erlernt werden (Folk, Rock, Blues). Notenkenntnisse wären gut, sind aber nicht Voraussetzung. Die Kurse kosten 40 DM, die Hälfte der Gebühr sollte bei Anmeldung bezahlt werden.
G.S.


Wie verlautet, wird im Rahmen der Alten – und Seniorenbetreuung für den Sommer und Herbst des Jahres ein umfangreiches Programm im Anton Heimreich Haus geplant. Sie werden darüber in der nächsten Ausgabe ausführlich erfahren.
J.W.

Haben Sie das gewußt ? – Wir nicht!

Haben Sie das gewußt ? – Wir nicht!

Aus dem Buß- und Verwarnungsgeldkatalog zum Abfallbeseitigungsgesetz – Schrottauto kann bis zu 1.000 DM kosten. Jeder Autofahrer kennt den Verwarnungskatalog, er weiß, daß verbotenes Parken mit Verkehrsbehinderung mit 20 DM und verbotenes Parken in „zweiter Reihe“ mit 30 DM geahndet wird. Wer kennt aber schon den Buß? und Verwarnungskatalog zum Abfallbeseitigungsgesetz. Bei den Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung handelt es sich meistens um „Formal verstoße“. Bei den Verstößen gegen das Abfallbeseitigungsgesetz wird die Gesundheit der Menschen gefährdet und ihr Wohl befinden beeinträchtigt, Nutztiere, Vögel, Wild und Fische gefährdet, Gewässer, Boden und Nutzpflanzen schädlich beein flußt, schädliche Umweiteinwirkungen durch Luftverunreinigungen oder Lärm herbeigeführt. Deshalb ist es auch logisch, daß die Geldbuße bzw. das Verwarnungsgeld wesentlich höher liegt. Wer außerhalb einer dafür bestimmten Abfallbeseitigungsanlage Einzelstücke kleineren Umfangs, wie z.B. Radio, Fernseher, BUT Koffer, Matratze, Kinderwagen, Stuhl, Bilderrahmen lagert oder ablagert, z. B. durch Wegwerfen, Liegenlassen, Vergraben, muß mit einem Bußgeld bis zu 150 DM rechnen. Bei Altreifen wird ein Bußgeld bis zu 1000 DM angedroht; bei PKW bis zu 1000 DIVI; bei Sperrmüll bis 1500 DM; bei Bauschutt ebenfalls bis zu 1500 DM. Wer Gegenstände des Hausmülls, wie z.B. Zigarettenschach tel, Pappbecher, ?teller, Taschentuch, Inhalt eines Aschen bechers, Obst? und Lebensmittelreste (Bananenschale etc.) wegwirft, muß mit einem Verwarnungsgeld von 10 DM rechnen. Bei mehreren Gegenständen unbedeutender Art bzw. Gegen ständen von gewisser Bedeutung wie z.B. Zeitung, Illustrierte, Plastikbeutel, Tasche, Sack, Plasktikflasche, Verpackungsma terial, Schachtel, Karton, Geschirr, Kochtopf, Blechdose, Klei dungsstück liegt die Höhe des Verwarnungsgeldes bei 20 DM. Auf eine Bestimmung des Landschaftspflegegesetzes sollte noch hingewiesen werden. In der Zeit vom 1. März bis zum 30. September ist es verboten, Knicks, Hecken, lebende Zäune, Bäume, Gebüsch der Röhrigbestände zu roden, abzuschnei den, abzubrennen oder auf andere Weise zu zerstören oder die Bodendecke auf Wiesen, Feldrainen, unqenütztem Gelände, an Hecken oder Hängen oder in oben genannten Gegenständen Wieder Gitarrenkurse im Studio abzubrennen. Bis 1000 DM ist hier die Bußgeldandrohung.

W.S.

Der Ponyhof

Der Ponyhof

die zünftige Gaststätte am Schütting, hat den Besitzer gewechselt und einen neuen Pächter. Der Betrieb ist aufgenommen und verspricht Gäste und Einheimische mit besten Speisen und Getränken zu bewirten.
i.w.

„Allens klor“

„Allens klor“

Denn auch der Feriengast, der die Insel liebt, versteht Maßnahmen, die der Erhaltung des winzigen Schutzes gegen das Meer dienen. Und schon bin ich beim „Dienen“. Es dient der Insel und dem Gast und sollte fertig sein, wenn letzterer kommt. Nicht, daß Schafe dem Gast beim Sonnenbad ins Gesicht blasen und was das Schaf notwendigerweise verliert, „ganz sinnig“ durch die Zehen quietscht. So geschehen Pfingsten 78, und nur, weil der Zaun noch nicht fertig war. „Allens klor“, seggt de Gast

Hans Torffstecher (Besucher der Redaktionssitzung am 23.5.)

Deich- und Strandpflege auf Pellworm. Warum?

Deich- und Strandpflege auf Pellworm. Warum?

Im April werden die Deichzonen, in denen Strandkörbe stehen sollen, eingezäunt. Nicht etwa, damit die Gäste weglaufen, sondern vielmehr, damit sie nicht von den Schafen belästigt werden u.a. Nun werden Sie fraqen: „Warum läßt man denn die Schafe am Deich grasen?“ Die Antwort ist schnell gegeben, 11e Schafe „pflegen“ den Deich. Erstens halten sie das Gras kurz, und zweitens treten die Schafe den Boden fest. Man könnte das Gras aber auch mähen, nur würde dadurch der Untergrund zu locker. Die Folge wäre, daß im Herbst, wenn Sturmzeit ist, Wind und Wasser den Deich anfressen können. Bei schweren Stürmen bestünde die Gefahr, daß der Deich sogar bricht, und davon sind die Inselbewohner nicht sehr angetan. Im Herbst werden die Zäune entfernt und die Löcher der Pfähle geschlossen. Nun noch ein paarWortezu den Strandkörben. Die Gäste werden vielleicht bemerkt haben, daß die Strandkörbe manchmals weitergerückt wurden. Das Weiterrücken hat den Zweck, das Gras am Leben zu erhalten. Würden nämlich die Strandkörbe immer an derselben Stellen stehen, müßte das Gras eingehen. Die Folgen wären ähnlich wie die oben beschriebenen. Wenn also Ihr Strandkorb plötzlich einige Meter weiter gestellt wurde, denken Sie nicht gleich an Rowdies oder Rocker! Es hat schon seine Richtigkeit.

Lokales kurz belichtet

Lokales kurz belichtet

Wusten Sie schon….

daß die Inselzeitung eine größere Verbreitung hat als der Stern? (Auf Pellworm natürlich!)
daß man auf Pellworm schon morgens um 11 sehen kann, wer nachmittags kommt?
daß die Enten auf Pellworm im Mai zu zweit flogen? (Auch andere Vögel!)
daß Besoffenen auf Pellworm die Gangerlaubnis entzogen werden kann?
daß man auf Pellworm den Wald vor lauter Bäumen noch sehen kann?
wer den ältesten VW auf Pellworm fährt? (23 Jahre!!! Gefahren von Herbert Petersen)
daß die Westerlandflüge von einer Pilotin geflogen werden?