Category Archives: OKt. 1978 Nr.16

Dat Slachterhus an de Nordermitteldiek

Alte Gebäude auf Pellworm

Dat Slachterhus an de Nordermitteldiek
Peter Ewers, geboren im Jahr 1824, ist durch die Wanderschaft von Eckernförde hier nach Pellworm -für immer geblieben. Nachdem er hier in verschiedenen Räumlichkeiten seine Schlachterei ausübte, das Fleisch außer Haus verkaufte, gelang es ihm, das jetzige Schlachterhaus zu erwerben. Damals hatte es ein anderes Aussehen als heute.
Mit der Schlachterei war damals noch nicht viel zu verdienen, da die meisten Einwohner selbst schlachteten. Das alte Haus Schlachter Ewers vor 1920 Nebenbei wurde Viehhandel betrieben; Altmaterialien, Tierfelle und Wolle wurden aufgekauft.
Aus der Ehe mit seiner Frau ging der Sohn Heinrich, geboren am 22.3.1849, hervor. Nachdem dieser die Schule verlassen hatte, arbeite er bei seinem Vater und heiratete seine Frau Margareth G, geb. Jürgensen (wohnhaft Johanneshörn) am 8.4.1852. Etwa zu diesem Zeitpunkt übernahm er die Schlach-terei von seinem Vater. Aus dieser Ehe gingen neun Kinder her-vor, von denen der alte Heinrich Ewers (Hausschlachter), Grüner Deich, 91 Jahre alt wurde.
Der Sohn Peter, geboren am 27.4.1875, hat im Jahre 1905 die Schlachterei übernommen, nachdem er seine Anna, geborene Schuhmacher als Frau nach Hause führte.
In diesem Neubau hat Peter Ewers noch bis 1936 die Schlach-terei geführt. Nachdem der Sohn Heinrich seine Frau Anni, geb. Back, geheiratet hatte, übernahm er das Geschäft. Die Schlachterei wurde mit einem Kühlraum ausgestattet, weicher Haus im Johannshörn (Hörnhus), jetzt abgebrochen mit Motoren antrieb betrieben wurde, da zu der Zeit noch kein Strom auf der 1 nsel war. In den Kriegsjahren mußte Frau Ewers mit ihrem Schwiegervater die Schlachterei führen, welches mit den kleinen Rationen auf Lebensmittelkarten nicht ganz einfach war. Nachdem ihr Mann glücklich aus Krieg und Gefangenschaft heimkehrte und die Währungsreform hinter uns lag, ging es mit der Schlachterei bergauf. Bis 1968 hat Heinrich Ewers mit seiner Frau tatkräftig die Schlachterei geführt. Danach übernahm sein Peter und seine Frau Renate das Geschäft und die Eltern gingen auf Altenteil. Leider verringerte sich die Bevölkerung auf unserer Insel in den letzten 20Jahren um 600 Personen. Nach dazu wurde 1973 ein Vivomarkt mit Fleischladen gebaut, weiches sich zum Nachteil der Schlachterei auswirkte. Da sich zu der Zeit eine gute Stellung bei der Nordfleisch anbot, entschloß sich Peter Ewers, diese Stellung anzunehmen. Die Schlachterei, welche in Händen der fünften Generation lag, wurde im September 1973 geschlossen. Dies wurde natürlich von vielen Pellwor-mern bedauert. Es ist allerdings kein Einzelfall. Durch die Großmärkte und Kaufhäuser haben schon viele Klein- und Mittelbetriebe ihre Pforten schließen müssen. Jetzt ist das „Schlachterhus“ am Nordermitteldeich in privater Hand. Au dem Altenteil wünscht die PIZ dem Schlachtermeister Hein-rich Ewers und Frau noch viele schöne und gesunde Jahre auf der Heimatinsel Pellworm.

F. P.

HIER HABEN SE DAS WORT

HIER HABEN SE DAS WORT

Leserbrief von Nico Wachsmuth, Kurgeschäftsführer Antwort auf den Leserbrief des Herrn Norbert B. Spangen-berg in der Augustausgabe der PIZ.
Herr Spangenberg macht es sich etwas zu einfach über die Leistung der Pellwormer Kurverwaltung zu urteilen. Es bedarf hier einiger Korrekturen und Aufklärungen und nehme deshalb zu den einzelnen Punkten wie folgt Stellung: 1. Pellworm eifert nicht dem Stil der benachbarten Inseln nach. Wir gehen unseren eigenen Weg, den Fremdenverkehr sinnvoll weiterzu-entwickeln. Auf Pellworm finden Sie keine Hochhäuser und keine überfüllten Strände. Mit Recht behaupte ich: Der Charakter dieser Insel wurde erhalten und wir werden ihn weiterhin erhalten. 2. Pellworm wird jährlich von 60 % Stammgästen besucht. 95 % der Buchungen erfolgen bis spätestens Mai. Ein geringer Prozentsatz reist kurzfristig an. Mit Informationen (Pellworm – Magazin) sind die Urlauber versorgt, wenn sie ihren Urlaub antreten. Das Quartier ist bekannt. Nicht einmal 0,5 % aller Gäste reisen unverhofft (auf „BLAUEN DUNST“) an. Das sind ca. 400 Personen im Jahr. Der Aufwand für ein Informationsbüro ist zu hoch. 3. Der Weg zur Kurverwaltung war immer ausgeschildert. Leider wurden die jetzigen Schilder verspätet geliefert, so daß die Anbringung erst zu Beginn der Hauptsaison erfolgen konnte. Diese endgültige Ausschilderung müßte eigentlich reichen. 4. Daß der Inselplan am Hafen steht ist doch nicht zu übersehen. Wer aus diesem Plan nicht die gewünschten Informationen herauslesen kann, soll sich bei der nahegelegenen Kurverwaltung erkundigen. 5. Eine überdachte Wartehalle muß noch geschaffen werden, das sehe ich ein. Hier hat die Gemeinde sich bereits mit der zuständigen Reederei in Verbindung gesetzt. 6. Die Anschrift im Magazin ist auf Seite 8 abgedruckt und auf der Rückseite (Inselkarte) ist der Standort angezeigt: Im Planquadrat H (Tammensiel/ Hafen) finden Sie… Zustellungsschwierigkeiten durch die Post hat es bisher nicht gegeben. 7. Der offizielle Fahrplan hängt auf Nordstrand-Hafen, den Schiffen und für jedermann ersichtlich am Güterschuppen der Reederei aus. Im Pellworm-Magazin ist der Fahrplan abgedruckt. Gäste und Tagesausflügler, die unangemeldet auf die Insel kommen, können das Magazin bereits auf der Fähre erhalten. Die ortskundige Besatzung erteilt die gewünschten Informationen. 8. Die Kurverwaltung-Zimmervermittlung ist in wenigen Minuten vom Schiff aus erreichbar. Eine Hotelübersicht mit freien Betten ist m.E. nicht erforderlich und organisatorisch kaum durchführbar. Diese Übersichten sind innerhalb von Minuten überholt. Dann beginnt erst der Ärger. Ich bin jetzt im 9. Jahr als Verantwortlicher des Kurbetriebes tätig, es hat noch weder ein Quartier bekommen und wenn die Insel noch so besetzt war. 9. Die Unterstellung, an der Bratwurst-Bude mehr Informationen zu erhalten wie auf der Kurverwaltung, ist mir einfach zu primitiv. Es lohnt sich nicht, darauf einzugehen. 10. HerrSpangenberghatin13.Iahren4verschiedeneStandorteder Kurverwaltung erlebt. Herr Spangenberg irrt, es waren nur drei. 1975 zog die Kurverwaltung in eigene Räumlichkeiten. Körperbehinderte reisen meistens mit Familienangehörigen, die dann für sie den Weg zur Kurverwaltung machen. Wo es in Einzelfäl-len anders war, sorgten die Vermieter sich um diese. 11. Wenn Sie, sehr geehrter Herr Spangenberg, während Ihrer 13 Aufenthalte ans Denken gekommen wären, so hätten Sie erkennen müssen, daß man von einem Naturschauspiel allein doch nicht so recht satt wird. Es muß hier einmal gesagt werden, daß viele Pellwormer Bürger nur durch den Fremdenverkehr ihre Existenz auf der Insel halten können. Die Abwanderungszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Sie wollen doch wohl nicht behaupten, daß die Gemeinde -Kurverwaltung- den organisierten Fremdenverkehr auf Pellworm praktiziert. Da müssen Sie schon Damp 2000 nennen. Die Entwicklung des Fremdenverkehrs bis zum heutigen Stand ist über mindestens 20 Jahre erfolgt. Beteiligt waren in erster Linie Privat-leute. Aus dem Boden gestampft wurde hier nichts. Erst in den Jahren 1969-1973 hat die Bettenzahl sich auf 2.000 gesteigert. Ein weiterer Anstieg wurde bisher nicht erreicht, da viele Vermieter aus Alters-gründen ausgeschieden sind. Die abgängigen Betten können nur mühsam durch Neubauten aufgefangen werden. Hätten die Verantwortlichen in der Gemeinde für die Entwicklung keine Schwerpunkte gesetzt, wären noch mehr Pellwormer auf das Festland verzogen, da ein lohnender Nebenerwerb aus dem Fremdenverkehr für die Existenz auf der Insel ausschlaggebend ist. Wir hätten dann nicht die jetzigen über 100 Zweitwohnungen, sondern vielleicht bereits 150. Die Wohnungseinheiten von auswärts würden bald überwiegen. Diese Entwicklung wollen wir nicht, dafür haben die Pellworm-Urlauber volles Verständnis. Zu dieser Überzeugung bin ich nach vielen Gesprächen mit Gästen gekommen, die von der Kurverwaltung und dem Fremdenverkehrsverein anläßlich des 10. Aufenthalts in der Gemeinde begrüßt und geehrt wurden. Gerade dieser Gästekreis erkennt die Leistungen der Kurverwaltung -Gemeinde- an. Für Anregungen und Verbesse-rungsvorschläge hatten wir immer ein offenes Ohr. Im Rahmen der Möglichkeiten haben wir realisierbare Vorschläge durchgeführt wie z.B. Vergrößerung und Ausbau der Strände mit Treppen, Duschen, Toiletten, Kinderspielgeräte, Sandkästen, Einrichtung eines FKK- Strandes und von zwei Hundestränden, Schaffung eines großen Veranstaltungsraumes (Freizeithalle) Hallenbad, Kurmittelabtei-lung – viele Anregungen stecken heute im Pellworm-Magazin und im Veranstaltungsplan. Es fällt mir nicht schwer, zu der Feststellung zu kommen, daß es mit der Leistung der Pellwormer Kurverwaltung gar nicht so traurig ist. Traurig ist, daß ein Kurgast, der bereits 13 Jahre seinen Urlaub auf Pellworm verbracht hat, nicht den Weg zur Kurverwaltung oder zum Gespräch am „Runden Tisch’* gefunden hat, um die vielen kleinen Probleme vor Ort durchzusprechen. Wir lassen uns nicht von dem eingeschlagenen Weg in der Fremden-verkehrsentwicklung abbringen und werden bemüht sein, den Charakter der Insel zu erhalten und für den Erholungssuchenden attraktiv zu gestalten.
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Leserbrief von Dr. Gertraude Ils, Freiburg
In der Januar-Nummer der Insel-Zeitung, die wir bei unserem jetzigen Aufenthalt in Pellworm in die Hände bekamen, wurde über Edlefsens Hotel am Hafen und die jeweiligen Besitzer berichtet. Wir haben in den Sommerferien 1953 und 1954 mit unseren Kindern in Edlefsens Hotel gewohnt. Dabei passierte folgender Dialog: Mein Marfh: „Frau Edlefsen, so wie Sie habe ich mir immer eine Nordfriesin vorgestellt, so groß und blond, blauäugig, in die Ferne, übers Meer blickend, platt-dütsch snackend mit den Bauern und Viehhändlern!“ Frau Edlefsen lachend:“0 mei, i bi aus’m Schwarzwald, wisset Sie!“ Großes Erstaunen und Gelächter. Sie hatte im Kriege ihren späteren Mann in einem Schwarwälder Lazarett kennengelernt, wo sie als Schwester tätig war, war ihm nach Pellworm gefolgt und hatte sich in Sprache und Lebensform voll angepaßt. 20 Jahre Später erzählen mein Mann und ich in einer Freiburger Weinstube unserem Nachbar diese Geschichte. Er: „0, des sich a Schwedemaidli! Im Dreißigjährigen Krieg lag oben im Schwarzwald ziemlich lange ein schwedisches Regiment, alles blonde Kerls, und das hat seine Spuren hinterlassen. Immer wieder gibts blonde Schwedemaidli unter unserer sonst meist schwarzhaarigen und kleinwüchsigen Schwarzwälder Bevölkerung.“ Wie wir jetzt erfahren haben, ist Frau Edlefsen mit Mann und Kindern, nachdem Edlefsens Hotel wegen der Deichvergrößerung abgerissen werden mußte, in ihre Schwarzwälder Heimat zurückge-kehrt. Wir wollen sie mal besuchen.
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Leserbrief von Nico Wachsmuth, Pellworm
Nicht in Ordnung Ich finde es sehr bedauerlich, daß Frau Brandes sichdie Mitarbeit bei der PIZ zu eigen macht, um Leserbriefe in der selben Ausgabe gleich in der „Luft zu zerreißen.“ Damit hat sich die PIZ – Redaktion einen schlechten Dienst erwiesen, das ist nicht in Ordnung, meine Damen und Herren!

Das letzte Handläuten

Das letzte Handläuten

Am 15. August wurde die Glocke an der neuen Kirche das letzte Mal mit der Hand geläutet. Dann demontierte Kurt Dose, Küster von „Hlekark“ seit 1956, den Glockenstrang. Fortan wird die Glocke von einem Elektromotor bewegt: Knopfdruck genügt. Sicher, der Küster hat es jetzt leichter als vorher: anstatt die Armmuskeln zu betätigen, braucht er jetzt nur den Zeigefinger zu bewegen. Er muß. nur den Schalter kippen, der den Motor mit elektrischer Energie versorgt, der seinerseits die Glocke zum Schwingen bringt. Moderne Zeiten auch im Turm der neuen Kirche? Natürlich! Es geht kein Zeitalter zuende, aber ein bißchen Wehmut entsteht. Immerhin waren es 22 Jahre, die Kurt Dose am gleichen Strang gezogen hat. – Obrigens, der Glockenstrand hängt, kunstvoll aufgeschossen, immerhin ist Pellworm eine Insel, auf der man mit Tauwerk umgehen kann, in Kurt Doses Privatwohnung: zur Erinnerung.

R. L.

Michael Tretbar

Wir stellen vor

Interview mit Michael Tretbar

PIZ: Herr Tretbar, wie sind Sie nach Pellworm gekommen, ist das Zufall oder haben Sie sich hierhin beworben?
M.T.: Eigentlich mehr Zufall. Da ich erst die 1. Staatsprüfung absolviert habe, kann ich mich an keiner speziellen Schule bewerben. Allerdings habe ich mich im Kreis Nordfriesland beworben, weshalb ich mit der Möglichkeit auf eine Insel zu kommen, rechnen mußte.
PIZ: Kannten Sie die lnsel vorher?
M.T.: Als ich die Benachrichtigung von meiner Berufung nach Pellworm bekam, habe ich erst einmal – ich hoffe das ist keine Beleidigung für die Pellwormer -auf einer Karte nachsehen müssen, wo die Insel überhaupt liegt.
PIZ: Sie sind ja nun erst kurz hier – was ist Ihr erster Eindruck von der Insel?
M.T.: Wasser, Wind, Regen, furchtbar schmale Straßen – und ausschließlich freundliche und hilfsbereite Menschen.
PIZ: Der Winter steht vor der Tür – haben Sie etwas Angst, daß es hin und wieder etwas einsam wird?
M.T.: Ich glaube, daß man sich in einer großen Stadt eher einsam fühlen kann als auf einer Insel. Außerdem bin ich gern ab und zu allein, obwohl ich im Augenblick gar nicht so recht glauben kann, daß
PIZ: Können Sie sich vorstellen, hier länger als ein Jahr zu leben?
M.T.: Da müssen Sie die Schüler nach einem Jahr einmal fragen, ob die mich noch haben wollen!
PIZ: Wo wohnten Sie vorher?
M.T.: In Flensburg, wo ich auch studiert habe
PIZ: Haben Sie vorher schon an einer anderen Schule unterrichtet?
M.T.: Abgesehen von einigen wenigen Praktika habe ich an noch keiner Schule unterrichtet. Pellworm ist also meine erste Stelle.
PIZ: Welche Fächer unterrichten Sie auf Pellworm?
M.T.: Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Religion
PIZ: Haben Sie ein ganz bestimmtes Neigungsfach?
M.T.: Eigentlich die beiden Fächer, die ich studiert habe -Deutsch und Geschichte -. Dabei besonders den Bereich Literatur innerhalb des Faches Deutsch.
PIZ: Was tun Sie besonders gern, wenn Sie nicht in der Schule sind?
M.T.: Arn liebsten verreise ich in alle möglichen Länder. Da das aber leider während der Schulzeit nicht so ohne weiteres möglich ist, beschäftige ich mich bis zu den nächsten Ferien mit den mitgebrach-ten Fotos der letzten Reise oder mit dem Planen der nächsten Reise. Außerdem lese ich gerne in meiner freien Zeit und würde gerne Tennis spielen
PIZ: Gibt es etwas, was Sie äußerst ungern tun?
M.T.: Ja, wenn ich über etwas reden muß, was mich gar nicht interessiert oder – noch schlimmer – wenn ich etwas sagen muß, was ich gar nicht glaube
PIZ: Sie unterrichten u.a. Deutsch. Haben Sie einen Lieblingsautor?
M.T.: Unzählige. Besonders aber vielleicht den Franzosen Albert Camus, und dann Heinrich von Kleist und Heinrich Mann und von den jetztigen Schriftstellern Max Frisch und Christa Wolf und, und, und …
PIZ: Verstehen Sie Platt?
M.T.: Na, dat geit noch nicht so gut!
PIZ: Wie alt sind Sie eigentlich?
M.T.: Ich werde dieses Jahr noch 25
PIZ: Sie führen auf Pellworm ja nun ein Junggesellenleben. Können Sie kochen?
M.T.: Aber natürlich! Besonders aus der Dose. Außerdem gibt es ja Gaststätten. Keine Angst: verhungern werde ich kaum!
PIZ: Haben Sie hier schon den Pharisäer probiert?
M.T.: Nein, aber ich lasse mich gerne einladen!
PIZ: Wir wünschen Ihnen einen recht typischen Pellwormer Winter – mit Sturm und gemütlichen Abenden! es einsam werden wird. Vielen Dank für das Interview!

G.S.

Aus Pellwormer Familienchroniken und Stamm – und Ahnentafeln

Aus Pellwormer Familienchroniken und Stamm – und Ahnentafeln

von Hermann Petersen

1.
Pellworm war bis zur „zweiten Manndränke“ vom 11. Oktober 1634 ein Teil Altnordstrands. Seitdem ist es eine Insel für sich geblieben, deren Be-wohner es nach der Katastrophe aus eigenen Kräften fertigbrachten, inner-halb von 50 Jahren ihre Deiche wiederherzustellen. Erst nach weiteren 250 Jahren ist ein neuer Koog im Vorland Buphever gewonnen worden (1938). Es hat nach 1634 nicht an Sturmfluten gefehlt, die das erstaunliche Werk jener Menschen im 17. Jahrhundert ernstlich bedrohten: z. B. die Weihnachtsflut von 1717, die Flut am 25. Februar 1718 mit überaus hohem Wasser, die Sturmjahre 1791-1796 und schließlich die große Flut vom 3./4. Februar 1825, bei der Pellworm zum letzten mal überschwemmt wor-den ist.
Es sind im 18. Jahrhundert harte Jahre für unsere Ahnen gewesen; die Deichbrüche stürzten sie in Schulden und Elend. Jeder Besitzer, der nicht in der Lage war, seinen Deichabschnitt in Ordnung zu halten, mußte Hab und Gut aufgeben. Die Protokolle etwa aus dem Jahr 1721 berichten davon, wie man nach dem Spadelandsrecht gegen Lorenz Thomsen verfuhr, weil er seinen Deichverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte: Seine Güter wurden beschlagnahmt und er selbst auf die Wache gebracht, damit er nichts beiseite schaffen konnte (L. C. Peters (Hrsg.), Heimatbuch Nord-friesland, Husum 1929, S. 568). Ein grausames Gebot: „De nich will dieken, mutt wieken“, aber ein notwendiges Erfordernis! Wohl konnte der Bauer selbst den Spaten oder Rüffel in den Deich stecken; nach 1718 mußte aber jeder, der sein Land losschlagen wollte, zuvor einen Eid leisten, daß ihm die Erhaltung der Deiche unmöglich sei.
Wir sind durch eine fortgeschrittene Technik im 19. und in diesem Jahr-hundert weiter gekommen, doch sind die Gefahren immer noch nicht ge-bannt. Bedenken wir, daß die Insel bis auf den Bupheverkoog unter MThw liegt, ja z. T. sogar unter NN! Die Sturmkatastrophe des Jahres 1953, die den Niederlanden entsetzlichen Schaden zufügte, mahnte uns, die Pellwor-mer Deiche um 2 Meter zu erhöhen – und unsere Insel überstand vor zehn Jahren, am 16./17. Februar 1962, die bisher höchste Sturmflut gegen die Küsten der südlichen Nordsee. 1953 war es unser Landsmann Dr.-Ing. E. h. Johann M. Lorenzen, damals der Präsident der Wasser- und Schiffahrts-direktion in Kiel, der anläßlich eines Heimatabends in Blohms Gasthof eindringlich auf die Gefahren durch den Heverstrom hinwies; es wäre heute noch verwegen zu sagen: „Trutz, Blanke Hans!“
Pellworm ist 37 kM2 groß und wird von 1700 Menschen bewohnt, deren Familien dort zum großen Teil 200 Jahre und länger leben. Es gibt erfreu-licher weise manche Familienchroniken, Stamm- und Ahnentafeln, anhand derer einiges über etliche Familie berichtet werden soll, vorher ist es aber nötig, von der kommunalen Selbständigkeit vor der preußischen Zeit ein wenig anzudeuten.
Das Nordstrander Landrecht von 1572 ist in mittelniederdeutscher Spra-che von Herzog Johann dem Älteren als Landesherrn verordnet worden, wurde aber später im allgemeinen in einer von dem Chronisten Anton Heimreich (1626-1685) angefertigten hochdeutschen Übersetzung gebraucht. Es garantierte auch den Pellwormern ein eigenes Recht. (Zum Text und dem ganzen Fragenkomplex s. Kurt Boysen, Das Nordstrander Landrecht von 1572, Quellen und Forschungen zur Gesch. Schlesw.-Holsteins, Dd. 54, Neurnünster 1967.) – Die vier von ihresgleichen vorgeschlagenen und vorn vorgelf Der P12 Amtmann in Husum ernannten Pellwormer Ratmänner, und zwar zwei Zielsel durchweg wohlhabende und angesehene Bauern aus jedem Kirchspiel, doch i sowie drei Ratmänner von den Halligen als Beisitzer bildeten zusammen einige das Pellwormer Ding-Gericht, das unter freiem Himmel oder im Kirch- andere spielskrug der Alten Kirche abgehalten wurde. Das Amt des Landesvor-stehers endete mit dem Tode; er konnte es auch aufgeben, wenn er meinte, seinen Pflichten aus Altersschwäche oder krankheitshalber nicht mehr nachkommen zu können. Er leistete beim Antritt den Eid, daß er nicht nach Gunst, Freundschaft oder Feindschaft richten noch zu Recht helfen wolle, sondern einem jeden, er sei arm oder reich, einheimisch oder ausheimisch, Recht nach seinem höchsten Verstande verspreche. Das Gerichtsbuch führte der Landschreiber, der daneben noch andere wichtige Aufgaben zu erfüllen hatte und ein studierter Mann war.
1704 baten die Pellwormer den Herzog, er möge auf der Insel die vier Gevollmächtigten, die es seit langem gab, wählen lassen; dem wurde ent-sprochen. Die Aufgabe der Landesbevollmächtigten war es, u. a. die Land- schaftsrechnungen mit aufzustellen, Einnahmen und Ausgaben der Harde zu überwachen und darauf zu achten, daß die Landschaft in Einklang mit ihren Rechten und Privilegien verwaltet wurde. Als kommunales Kontroll- organ überprüften sie auch, ob die Ratmänner ihr Amt regelmäßig verwal-teten. So beschwerten sich die Bevollmächtigten 1645 darüber, daß die Rat- männer sich die Freiheit von der Bezahlung außerordentlicher Abgaben anmaßten (Boysen, Landrecht von 1572, S. 20 f.).
Für die wichtigen Angelegenheiten, die mit dem Deichwesen zusammen- hingen, waren der Deichgraf und mehrere Deichrichter bestimmt. Sie ach- teten darauf, daß alle Deiche – mit den Mitteldeichen -, alle Siele und Schleusen in gutem Stand gehalten wurden, daß der Anwachs des Vor- landes gefördert, das Watt erhöht und die Gewalt der schädlichen Ströme gebrochen wurde. (Durch ein Landesgesetz von 1971 ist diese alte Aufgabe der Selbstverwaltung aller Marsch- und Küstengemeinden auf den Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten übertragen woden. Für Nord-friesland hat der Minister diese Aufgabe an seine nachgeordnete Behörde, das Marschenbauamt (Wasserwirtschaftsamt) Husum, delegiert.) – Am Rande sei noch das Reskript des Gottorfer Herzogs Johann Adolf von 1595 vermerkt. Danach verbot er dem Adel sowie den Anverwandten jeglichen Grundbesitz in den durch ihre Fruchtbarkeit bekannten Marschdistrikten, also auch auf Altnordstrand, wo das adlige Gut Seegarden hierdurch be- troffen war, auf dem vorübergehend die v. Meinstorfs saßen.

2.
Welche Familien unserer Vorfahren mögen Zeugen etwa der Flut von 1634, des Einsturzes vom Turm der Alten Kirche im Jahr 1611 oder gar der ersten Manndränke von 1362 gewesen sein? Propst Julius Peterssen (1863 bis 1936), der die Peterssen-Chronik geschrieben hat und mütterlicherseits zur Backsen-Familie gehörte, neigt zu der Ansicht, daß die Backsens schon zur Zeit des Untergangs von Rungholt (1362) hier lebten; er vermutet, daß sie sogar bis :ins 12. Jahrhundert zurück nachweisbar sind. Er stützt sich dabei auf die Angaben in der „Nordfresischen Chronik“ von Anton Heim- reich (1666 in erster, 1668 in zweiter Auflage in Schleswig erschienen; die zweite Aufl. ist von Nik. Falek 1819 in Tondern neu herausgegeben wor-den); Heimreichs Frau war eine geborene Backsen, und er zeigte deshalb an dieser Familie ein besonderes Interesse. Julius Peterssen nimmt weiter an, daß ein Backsen und ein Levens das Stalleramt auf Altnordstrand bekleidet haben, das nur den Landeingesessenen zustand. Der Staller galt als der unmittelbare Vertreter des Landesherrn. – Von dem Staller Levens besitzt die Alte Kirche aus der Mitte des 15. Jahrhunderts als Geschenk eine kupferne Taufe und einen Abendmahlskelch. Leidee tappen wir in der Pellwormer Familienforschung für die Zeit vor 1700 meist im dunkeln, weil die Kirchenbücher aus der Neuen Kirche nur bis 1715 zurückreichen – das Pastorat ist in dem Jahr mit wertvollen Auf -zeichnungen abgebrannt – und bei der Alten Kirche erst ab 1750 vorhan-den sind; wir wissen hier nichts über den Verbleib der Papiere aus frü-herer Zeit. Erwähnt wird in der Harrsen-Stammtafel im 18. Jahrhundert der Hofbesitzer Lewe Backsen auf Edenswarf, der Elisabeth Harrsen hei-ratete. Jedenfalls steht fest, daß die Backsens dort seit Generationen wohnen.

3.
Eine der ältesten nachzuweisenden Pellwormer Familien sind die Tedsens. Der Deichgraf Friedrich Knut Tedsen (1854-1928), der ungewöhn-lich große Kenntnisse in der Familienkunde besaß, hat uns seine Stamm-tafel überliefert. Ich gebe sie sehr gekürzt wieder, um daran auch zu zei-gen, wie sich die Familiennamen bis 1800 änderten. Man griff in patrony-mischer Namengebung auf den Vornamen des Vaters zurück und hing die Endung -sen =- Sohn daran, wie es weitgehend auch sonst im Herzogtum Schleswig und darüber hinaus im Norden üblich war. 1. Gen.: Rickmer Martensen, 1688 aus Eiderstedt nach Pellworm gekommen, 2. Gen.: Knut Rickmersen, Hausmann bei der Alten Kirche, 3. Gen.: Ratmann Tede Knutzen (1699-1764), 4. Gen.: Ratmann und Landesgevollmächtigter Knut Tedzen (1742-82), 5. Gen.: Ratmann Friedrich Knudt Tedsen (1776-1847), Gen.: Deichgraf Anton Theodor Siegfried Tedsen (1819-97), Gen.: Amtsvorsteher Hermann Tedsen (1845-1910) und sein Bruder Deichgraf Friedrich Knut Tedsen (1854-1928). Es ist einleuchtend, daß die frühere Änderung des Stammnamens von Generation zu Generation die Ahnenforschung erschwert. Durch eine Verf-ügung von 1771 erfolgte die Einführung von beständigen Geschlechts-namen, die nach gewisser Zeit auch bei uns beachtet wurde. Zur Familiengeschichte der Tedsens noch eine kleine Episode, erzählt om Glogauer Gerichtspräsidenten Hermann Jüngst in seinem Bericht aus ein „Lebenslauf des Deichgrafen Martin Andresen“ (1787-1870), seines Großvaters: „Im Sommer 1825 stattete der dänische König der Insei einen esuch ab, ihm zu Ehren gaben die Pellwormer in der Landvogtel ein Fest-essen und anschließend einen Festball. Das Silbergerät für die Festtafel stellte Friedrich Knudt Tedsen, und Friedrich VI. forderte seine Frau, die als Schönheit galt, zum Ehrentanz auf.“ Der eben genannte Martin Andre-sen vermählte sich in zweiter Ehe mit der Tochter Friedrich Knudt Ted-sens, der nur ungern sein Ja-Wort gab, sah er doch in seinem Schwieger-sohn einen „Emporkömmling und Eindringling vom Festland“

Ut oole Tieden

Ut oole Tieden

Ock een Andenken.
Sünke von Oland ist wiet bekannt, hee fohrt väl Kurgäste. De weern op hooge See un dat fung fix an to weihn. Dat geen all düchtig hen und heer und op un daal. Jeder Kurgast kann dat nich aff, owerSünke hett sien Spaß doran, wennaalsien Gästeson beeten Keesig umdeNääswarn. – Nu seetdoreen dicke Fru, desickstarkföhlt. Semeent:“ach hättenwirdochvon dieserReise Qkmit ein richtiges Andenken!“ Sünke’kichert, un as jümmers weet he Rat. As de Fru sick son beeten öwer Bord lähnen deit, haut he ehr mitsien schmerige Hand een op deAcherenne, datopehrfeinewitteKleedsienfief Fingers schön to sehn weern. So, seegtSünketode Fru, dorhemmseeeenfeineAndenkenvon mie.
F. P.

Datt’s de Wohrheit!
Johann Eck weer möl von twee feine Stadtdamen, de vör ein Heck to de Fenn stunnen, frogt worn ob se öwer de Fenn lopen kunnen. Die Tiere waren tüchtig am Brüllen. „Ach sagen Sie Herr Eck, die0chsen tun uns doch nichts, wenn wir über die Weide gehen?““Nä, “ säh Johann, „up Pellworm is dat keen Mood, dat een Oss de annern wat deiht!“
F. P.

Wir gratulieren

Wir gratulieren

Am 15.9. hatte Anton Knudsen seinen 76ten Geburtstag
Am 1.10. wurde Heinrich Ewers, Schlachtermeister, 71
Silberne Hochzeit feierten Julius Thomsen und Frau Mariechen, geb. Knudsen,
am 2.10. Am 4.10. wurde Heinrich Kölln 80 Jahre alt
81 Jahre alt wurde Andreas Peterssen am 9.10.
Maria Hellmann wurde am 10.10. 85 Jahre
Am 5.11. wird Magda Schmidt 80 Jahre alt

Brandbombe geborgen

Brandbombe geborgen

Im Großen Koog auf Pellworm wurde eine englische 250-lbs-Brandbombe aus dem letzten Krieg gebor-gen. Die Anfang Mal 1945 niedergegangene Bombe lag seither etwa 2 Meter unter der Erdoberfläche. Ein Spezialtrupp aus Kiel ortete die Brandbombe, die jetzt von einer anderen Kieler Gruppe freigelegt wurde. Es wurden Metallringe über die Bombe gelegt, um ein Zusammenfallen des Erdreiches zu verhindern. Nach etwa 48 Stunden war die Bombe geborgen und konnte nach Kiel abtransportiert werden. W.S.

W.S.

Bewegung macht Spaß!

Bewegung macht Spaß!

Jazz/Beatgymnastik für jedermann (Schüler/ Schülerinnen/Frauen/Männer) jeden 2. Montag 19.00 – 20.15 Uhr in der Turnhalle. Beginn: 2. Oktober, weiter gehts dann nach den Herbstferlen am 30. Oktober, 13. November, 27. November usw.

G.S.

Lokales kurz Belichtet

Lokales kurz Belichtet

Wußten Sie schon …
daß gewisse Pellwormer Demat und Hektar nicht unterscheiden können?
daß Süderoog in diesem Jahr schon ca. 30mal Land unter hatte?
daß die PIZ ab Januar wieder weiß wird?
daß in den letzten „Winter“monaten verhältnismäßig viele Blätter an den Bäumen hingen?
daß alle vierbeinigen Pellwormer (Pensionsvieh) froh sind, wieder auf der Insel zu sein?