Gesichte des Ostersiels

Gesichte des Ostersiels
von Willhelm Petersen, Pellworm

Durch familiäre Überlieferungen, vornehmlich von Hans Peter-sen (1875-1965), versuche ich die Geschichte vom kleinsten Koog auf Pellworm (Ostersielkoogs) zurückzuverfolgen. Das alte Ostersiel hatte die Aufgabe, den Wester-Hunnen- und Süderkoog zu entwässern. Der Sielzug verlief in Verlängerung des jetzigen Sielzuges, vor den Wohnhäusern Maaß und Lucht „durch den Ostersielmitteldeich vor dem Wohnhaus 107 (heute Beneke), in den damaligen Hafenpriel. Der heutige Seedeich wurde 1798 vom Deichkommissar-Sievers gebaut. Der neue Koog wurde nach ihm gleverskoog genannt. Dies ist auch die katasteramtliche Bezeichnung. Erst in jüngerer Zeit sprechen wir vom, Ostersielkoog. Die Raumpazelle, die an der Westseite des Kooges an den Gärten entlang f ührt, diente vor der Bedeichung als Hafenbek-ken. Wenn man früher auf den Königsdeich (Seedeich vom Hafen bis Ostersielmitteldeich) stand, konnte man den dama-ligen Hafenpriel in Verlängerung der jetzigen Raumparzelle als Graben in der Ostersielhallig bis zum heutigen Hafenpriel verfolgen. Seit der Aufspülung vom Baggergut im Jahre 1946 ist die Spurverdeckt. Anton Momme Petersen (1840Z1915) hat als junger Bauer die alten Sturmpfähle, an denen die Schiffe angebunden wurden, aus der damaligen Rethparzelle ausgra-ben lassen. Die Häuser am westlichen Mitteldeich lagen vor der Eindei-chung am Außendeich. Auf dem südlichen Schenkel des drei-eckförmigen Kooges, dem Ostersielmitteldeich, lag der Oster-sielshof. Dieser Mitteldeich führte weit in das damalige Vorland hinaus. Dieses Vorland war ein Rest der großen zerschlagenen Insel Strand (1634). Es wurde im Laufe der Zeit von den Fluten abgebaut. Noch während meines Großvaters Kindheit war das Watt in der Ecke Seedeich- Junkershallig so tief, daß mein Urgroßvater dort mit seinen Kindern gebadet und die Schiffe von H. Kölln und D. Sellmer ganz in der Nähe des Steindeiches vor Anker liegen konnten. Man sah dort bei Ebbe das Kulturland, wie bei Rungholt oder Buphever. Die einzelnen Äcker und Wasserfurchen wären deutlich zu erkennen. In der damaligen Badeecke befand sich ein Brunnen von 1-1,5m Durchmesser, der aus Grassoden auf-gesetzt war. Bei der Sturmflut im Februar 1825 ist der Königs-deich übeschwemmt worden. 2 Häusergollen zusammenge-stürzt und das Ingut in der Südwestecke zusammengetrieben sein. Die flache Warft hebt sich noch heute von der ebenen Oberfläche der Fennen in der Nähe der alten Deichrampe ab. Am Ostersiel hat sich mit der Zeit vieles verändert. Hans Petesen konnte sich noch gut an seine Kindheit erinnern und wußte, wie es in den 80erJahren am Ostersiel ausgesehen hat. Am ganzen Ostersielmitteldeich gab es keine Gärten. Auf der südlichen Böschung standen kleine Hütten, die z. T. aus Seetank („Teek“) gebaut waren. In den jetzigen Obstgärten standen Strohdiemen. Vor dem Wohnhaus (alter Ostersielhof) standen sehr hohe Weidenbäume. Der Obstgarten wurde in den 80er Jahren angelegt, nachdem die Weiden beseitigt worden waren. An deren Stelle wurden Ulmen gepflanzt. Die Nachbarn rechts und links folgten diesem Beispiel. Sie pflanzten ebenfalls Ulmen vor ihren Häusern und legten Gärten an. So entstand allmählich die schöne Allee. Chrischen Eck (Petersen) säd ümmer: Winn twee junge’Lüd vun ene Enne no de anner Enne op unse Stroot spazeern, kammt se as verleefte Poor weller rut. Seit diesem Schnack heißt der Ostersielmitteldeich faßt nur noch „Liebesallee“. Literaturnachweis: Müller Fischer: Das Wasserwesen an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste.

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