Hier haben Sie das Wort

Hier haben Sie das Wort

Die von uns veröffentlichten Leserbriefe brauchen nicht die Ansicht der Redaktion wiederzugeben. Anonyme Zuschriften können grundsätzlich nicht berücksichtigt werden. Kürzun-gen behält sich die Redaktion vor.

Leserbrief von Rolf Lohmeyer, Pellworm
Leserbrief als Stellungnahme zu einem Leserbrief von Herrn Letter in der PIZ 12/78. Ich hoffe im Interesse des freien Wortes, daß dieses nicht der erste Leserbrief ist, der von einem Redaktionsmitglied geschrieben wird. Betroffen gemacht hat mich die Härte und Unsachlichkeit der Dis-kussion, die sich um eine Formulierung der Pellwormer Kurdirek-tors Herrn Wachsmuth aufgebaut hat. Er hatte über einen Kurgast gesagt: „Wenn er ans Denken gekommen wäre.. .44 So sehr ich verstehen kann, wenn einem Kurdirektor, nachdem er eine Saison lang mit Vorwürfen und Meckereien eingedeckt wurde, einmal der Kragen platzt, so können im Hinblick auf eine sinnhaft geführte Diskussion – und das ist meine These – Argumente nur Argumente zur Sache sein. Der Leserbrief von Herrn Letter in der Dezemberausgabe der PIZ, der in dem Rat gipfelt, Herrn Wachsmuth als Kurgeschäftsführer zu entlassen, ist aber eine Argumentation zur Person, besser gesagt eine Aggression gegen die Person von Herrn Wachsmuth (und eine Familie). Für mich ist es ein Widerspruch in sich, wenn wir Aggres-sion eskalierend mit Aggression bekämpfen wollen. Immerhin geht kulturelles Bemühen seit ein paar tausend Jahren dahin, Aggression in Richtung Altruismus zurückzunehmen.

Leserbrief von Herrn Schmidt
Das Gespräch der beiden Schwimmenden im Stehen
(Ein erdachtes Gespräch auf der Fahrt der Fähre zwischen PELLWORM und NORDSTRAND)
PELLWORMER: „Na, geht’s wieder heim?“
BESUCHER: ja, glücklicherweise! Das Wetter war ja grauenhaft dies Jahr!“
P.:“Nun, damit muß man rechnen hier bei uns! Aber dennoch , Sie haben sich hoffentlich erholt bei uns auf der Insel! Die Luft ist hier das, was einmalig ist, da mag es schneien, regnen oder die Sonne scheinen!“
B.: „Na, wissen Sie, das klingt ja wenig menschenfreundlich. Ich habe ja nichts gegen ein paar Regentage, vorausgesetzt, ich kann lange genug auf der Insel bleiben. Aber was die einmalige Luft‘ angeht… Grundgütiger Meeresgott! Mit dieser These kann man doch kaum noch einen Narren mit ins Freie locken!-
P.:Aber, aber! Wir haben keine Industrie, keine sonstwiegear-teten Abgase aus welchen Quellen auch immer. Die Schiffe und die Kutter, stören die Sie?“
B.: ja, wenn’s nur d i e wären! … Nein, die stören weiß Gott nicht! Ärgerlich sind die Kraftfahrzeuge aller Arten, die ihre Besitzer wie wertvolle Juwelen überall hinschleppen müssen! Ihr permanenter Gestank ärgert mich nur, weil man ja gerade im Urlaub diesem spezi-fischen Gestank, der dazu noch hochgiftig ist, entrinnen wollte.“
P.:“Na, das ist doch heute überall so: Denken Sie an WESTER-LAND, WYK auf FÖHR plus andere Nordseeinseln. Schließ-lich: NORDSTRAND mit seinem Damm zum Festland und Brücke zu uns,..“
B.: „Nun reden wir aber von PELLWORM! Ich bin an einem Tag vom Hafen zurück in mein Quarteier gelaufen, das in der Nähe der ,Neuen Kirche‘ lag. Es überholten mich oder begegneten mir rund 40 (!) Kraftfahrzeuge – ich ging also praktisch auf einer viel befah-renen Großstadtstraße – ich hätte also durchaus daheim bleiben können!“
P.:“Oh, je! Wie wollen Sie das denn ändern? Die Motorisierung ist ein Kind unserer Zeit, Millionen leben davon und dafür – wir können doch den Zeiger der Weltenuhr nicht zurückdrehen!“
B.: „Es g e h t ja auch nicht darum, sich an die Zeiger der Weltenuhr zu hängen. Es geht darum, wie einstens das Feuer zu b ä n d i g e n, nicht sich versklaven zu lassen! So könnte man auf dieser Insel sehr gut Gebote ‚aussprechen: Keine Kraftfahrzeuge auf der Insel bis auf wenige Ausnahmen!“
P. „Um des lieben Himmels willen! Das wäre der Ruin des Fremdenverkehrs auf der Insel, dersich gerade erst entwickelt. Die Bevölkerung geht ohnehin zurück! Wie sollen wir die Men-schen hier halten, wenn wir ihnen die Erzeugnisse des Fort-schritts nehmen? Wie sollen wir dann vor allem j u n g e Men-schen hier halten?“
B.:“Nun, es g i b t bereits Beispiele einer weitgehenden Beschränkung von Diesel- und Bezinmotoren auf den friesischen Inseln. Ich denke dabei an BORKUM und NORDERNEY,‘ auf denen schon in meiner Kinderzeit – in den dreißiger Jahren -j e d e r Kfz- Betriebverboten oder zumindest sehr stark eingeschränkt war. Selbstverständlich sollten lebenswichtige Dienste wie Ärzte, Polizei, Feuerwehr und andere lebenswichtige und gemeinschaftswichtige Dienste ausge-nommen sein! Die fahren ja auch nicht zum Vergnügen herum! Aber warum r e i t e t eigentlich kein Polizist mehr auf solcher Insel herum. Auch mit dem Rad könnte er fahren! In meiner Heimatstadt patroul-lieren Reiterstaffeln in den Forstgebieten, sind mit Funk ausgerüs-tet und nur die Diskussion darüber, sie abzuschaffen, entfachte einen Sturm der Entrüstung.“
P.: „Ich merke schon, Sie haben etwas gegen Autos!“
B.: Aber nein, ich hab‘ nur was dagegen, das die Menschheit einen so törichten Gebrauch davon macht! Denn alles andere, außer den lebenswichtigen Diensten, könnte sich, wenn nicht per Fahrrad oder Pferd, mit E 1 e k t r o f a h r z e u g e n, dann eben ein bissel langsamer, fortbewegen: Die autolosen Touristen vom Hafen in die Quartiere. die Gepäck-, Lebensmittel- und Warenbeförderung, kurz, man wüßte gleich auf diesen a b g a s 1 o s e n, fast 1 a u t 1 o s e n Gefährten: Nun bis du in PELLWOR M, einer Oase des Friedens, der Ruhe, der Sammlung…“
P.: „Wer soll denn das bezahlen?“
B.: „Das ist offenbar immer Eure erste Frage! Wo bleibt denn eigent-lich Eure – meiner Meinung zu t e u e r e – K u r t a x e? Das kann doch nicht alles zur Deckung des Badehaus-Defizits draufgehen! Und so gesehen, würde wohl mancher (so-rist) Murrende sein Schärf-lein geben, wenn die Finanzierung gemeinde-eigner Elektrofahr-zeuge auf der Insel der,reinen Umwelt’diente.“
P.: „Das hört sich ja alles sehr wunderbar an! Aber ich fürchte, daß unser Gespräch im Stehen allenfalls, zumal wenn wir großes Glück haben, mal irgendwie in der ,Saurengurkenzeit‘ in der PIZ erscheint und vielleicht, wenn wir Glück haben ein zweites Mal, ’nen bißchen Staub aufwirbelt – aber dann for-miert sich die Front der Blechärnen, denn es geht ja an ihr, lieb-stes Kind.
B.: ja, eben:das liebste Kind! Aber es ist ja ,wenn man offenen Auges über die Insel wandert, schon kein liebstes Kind‘ mehr! Es ist ein Götze, der stinkt! Warum z. B., läßt man ganze Schwärme von übel-riechenden Blechkolonnen quer über die Insel rollen, um zum (fast einzigen) Versorgungsladen zu kommen? Warum wurde der VIVO-Laden am Hafen, der die kleineren Lebensmittelgeschäfte absterben läßt, ausgerechnet dort plaziert? So z w i n gt man doch dieTouristen zu aufwendigen Versorgungsfahrten, denn es gibt am anderen Ende der Insel keine ähnlichen Versorgungsquellen. Schon hier könnte man den interinsularen Verkehr entzerren: Durch die Anlage von drei oder mehreren Filialien, die man außerhalb der Saison, die ja weiß Gott nicht lang ist, schließen könnte. Was hat man sich dabei eigentlich gedacht? Vermutlich nichts: Man hat’s dem Spiel der Kräfte überlassen und nennt das Ganze:,Freie Marktwirtschaft‘! Das hat jenes negative Ergebnis, das wir alle heute sehen können! Da rasen denn ganze Familien in ihren Blechkisten über Land, verpesten die Umwelt und suchen – meist verbiestert – (wie daheim) nach einem Parkplatz, um schließlich mit laufendem Motor (Vater im Auto, Mutter mit Kindern und leeren Einkaufstaschen in den Laden stür-zend) v o r dem Supermarkt stehen zu bleiben. Das wird um so ärger, da die Abfertigung an der Kasse extrem langsam ist. Bei dem Gebrauch von Elektrokarren ergäbe sich eine fühlbare Ent-lastung dieser Lage. Endlich stellte sich eine Rückentwicklung der menschlichen Solidarität ein: Nachbarn, Landsleute und gemein-same Bewohner von Feriendomizilen könnten gemeinsam oder für-einander einkaufen.
P.:“Puh, das war ja arg! Das ist ja eine programmatische Erklä-rung zum Tourismus der Zukunft! Ob da die NORDSTRAN-DER oder HUSUMER mitmachen? Sie müßten ja die parken-den Pkw aufnehmen! Aber noch ein Wort zur Kurtaxe! Sie ist im allgemeinen nicht so hoch und erbringt nicht soviel, wie immer angenommen. Zudem hat die Gemieinde- ohne ihre Elektrowagen, Pferde und Fahrräder – genug Ausgaben!“
B: „Das kann ich mir vorstellen! Wenn in alleine an das Debakel mit dem Schwimmbad denke! Doch das habe ich schon angeschnitten. Wurde denn überhaupt, ob Inseltouristik oder Schwimmbad, jemals, eine Markwirtschaftliche Analyse erstellt? Offenbar nicht! Daher die Pleite, solcher Einrichtungen, die Parallelen zu Vorgängen in meiner Heimatstadt hat: Bauen auf blauen Dunst hin, gehts in die Hose, – dann zahlt es die Gemeinde, – also der Steuerzahler!
P: zu Ihrem Plan der abgasfreien Luft habe ich noch etwas hinzuzufügen! Es gibt ja noch Leute die nicht die Luft verschmutzen. Der größte der Teil der Landbefölkerung fährt ja noch mit dem Fahrrad.
B: Und die Jugendlichen, die knattern bereits per Hilfsmotor…..
P: „Sollen die Menschen denn nun alle per pedes latschen? Das ist doch nun wirklich realitätsfremd.“
B: „Nein, ich habe den Gesichtspunkt bereits angedeutet: Reitpferde stünden der Insel nicht schlecht zu Gesicht und Zugpferde vor leichte Karren, denn schließlich ist Pellworm eine Marschenbauern-Insel. Ganz abgesehen von der Atraktion „PELLWORM DIE PFERDEINSEL“ dies ist auch unter den Gesichtspunkt des Baus des Tidefreien Hafens zu sehen“.
P: „Na da kommen doch noch mehr Touristen, sollen wir die gleich durch ein Fahrverbot vergraulen?“
B. „Das ist eben eine >FRage der Gewöhnung, wie bei anderen Inseln auch, die haben auch keine finazielen Verluste. Im Gegenteil: Dies wäre ein MArkenzeichen der besonderen Art.“
P: „Na sie lassen ja wenigstens einen guten Faden an uns.“ Aber….
B: „Solcher Fäden gibt es viele! Sehen Sie, ich könnte ja nun heimfahren und sagen: Ich fahre nicht mehr auf diese Kuhinsel! Sie bietet nichts und stinkt zudem noch wie bei uns an der Straßenkreutzung! Stattdessen rede ich mit Ihnen, einen mir Wildfremden, über Inselprobleme. Denn es tut mir wirklich leid, wenn Sie so ins tourischtische Dunkel tappen.
P: „Ich suche immerzu, während wir hier sprechen, den Grund, sich so über die Insel zu erregen! Ist es Abneigung, Liebe, oder was…“
B: „Wahrscheinlich mein Lieber, die Sehnsucht nach einem Paradies.“
——————————————————————————–

Hans Heiden Bergedorf
Pellwormer hinter den Deichen, auch dort darf die Demokratie nicht weichen! Weichen muß der Amtsvorsteher! Rücktritt für Alfred Dethlefsen
——————————————————————————–

Eva Hummel Geesthacht
Eine ausgezeichnete Zeitung: Sie haben bei Ihrem Bericht über die „Pidder Lüng“ nur eins vergessen, den Geschäftsführer, Bürgermeister und Amtsvorsteher aufzufordern zurückzutreten!
——————————————————————————–

Martha Schmode Hamburg
Die beste PIZ die es je gab! Herrn Knudsen und Schilke eine eins, Herrn Dethlefsen eine sechs, Rücktritt!
——————————————————————————–

v. Hummel Bramfeld
Aufgrund Ihrer Zeitung an uns Leser, zu Ihrer Aufmachung der PIZ Stellung zu nehmen, ich möchte folgendes sagen:Machen Sie weiter so, bleiben Sie weiter so. Das sogenannte heiße Eisenwird sich, so hoffe ich und auch viele andere Gäste und Erholungssuchende, wieder abkühlen. Es ist wohl Zufall, daß Sie das wunderbare Gedicht „Pidder Lüng“ gebrachrt haben. Warum liest Herr Dethlefsen die PIZ nicht? Ist er schon zu alt? Ja dann würde ich Ihm den Rat geben, in Rente zu gehen. Die Amtsgeschäfte sollten rujig in junge Hände gelegt werden. Denn es war immer schon so, daß alles sich erneuern muss. Auch die Insel braucht junge Menschen. Neue Ideen. Wir, die Ihre Insel als heile Welt sehen wollen, möchten aber nicht die Zeit von 1935 zurück haben! Darum möchten wir der Pidder Lüng und ihren Streitern immer gute Fahrt wünschen.
——————————————————————————–

Adam Kraft Bamberg
Ihre Zeitung hat eine gute Mischung von Aktualitäten und geschichtlichen Dingen gefunden. Wenn ich ein Lob verteilen darf (eine Zeitung freut sich doch immer über ein Lob), es ist glänzend gelungen. Mich bedrückt beim lesen der Zeitung eine Frage, wie kann eine Amtsperson wie Herr Dethlefsen so handeln? Gleichzeitig war ich glücklich, als ich las, daß sie auch Männer wie Herrn Knudsen und Herrn Schilke auf der Insel haben. Über den Leserbrief der SPD, deren Wähler ich bin, kann ich nur betreten schweigen. Ein Bravo der Pellwormer FDP, die sich für die Belange eines einzelnen Bürgers eingesetzt hat. Wenn ich den Pellwormern einen Rat geben darf, danken sie es dieser Partei bei den Landtagswahlen im April, ich würde wenn ich es könnte tun. Erschüttert war ich über die Antwort des Herrn Dethlefsen auf den Leserbrief des Herrn knudsen. Meine Reaktion: kopfschütteln, kopfschütteln. Mir drängt sich die Frage auf, wie stark ist die Klebe an dem Stuhl des Herrn dethlefsen?

Schreibe einen Kommentar