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Pellworm, den 29.07.2010 - 18:37 Uhr

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Wir stellen vor

Johann Pütt und Dotje
Johann und Klara Hansen

Auch wer Johann Pütt persönlich nicht kennt, kennt sicher seinen unverwechselbaren Garten am Tilli, liebevoll dekoriert mit allerlei "Strandgut": bunte Bojen, Taue, eine Mühle auf einer 1. Weltkrieg?Mine, und derlei Fundsachen mehr. Genauso sentimental und bunt ist auch Jan Pütts Leben. Wenn Jan und seine Frau "Dotje" in Erinnerung kramen, wird ein ganz wesentlicher Blickwinkel Pellwormer Geschichte und Gegenwart lebendig: ein Fischerleben auf einer ansonsten vorwiegend von Landwirtschaft geprägten Insel. Unser Foto von Jan Pütt, von "Dotje" mit liebevollem Stolz herausgesucht ("Dat is Jan Pütt, wie he is"), macht vielleicht stärker als Worte deutlich, wie Jan und Dotje zu diesem Leben standen und stehen: Mit einer gehörigen Portion Durchhaltevermögen, Energie, Optimismus und Humor die sehr wechselvollen Zeiten zu meistern und ihnen ihre gute Seite abzugewinnen (, Dat wörn schon harde Tieden" seggt Dotje, "aber wi bereut keen Siünn. Wat hefft wie allns mokt un belevt. Dat wör schon alls god, so wie dat wer"). 1910 wurde Jan Pütt auf Pellworm geboren, seine 0,köpfige Familie wohnte "inne Pütt" (Bei den Pütten zw. Leuchtturm und Untjehörn). Damit hatte Johann seinen Namen weg. Die Schulbank an der neuen Kirche konntear in den schwierigen Kriegs? und Nachkriegsjahren nur sehr unregelmäßig drücken, als kleiner Knirps mußte er vielmehr all seine Cleverness einsetzen, Eßbares zu "organisieren", zum Beispiel Kommißbrot in der Baracke am "Teepott", wo sein Vater für die dort untergebrachten Soldaten als Koch tätig war. Nach seiner Konfirmation 1926 zog es ihn zur See, und er ließ sich auf dem Segelschiff "Sophie", das zwischen Husum, den Inseln und Halligen bis Sylt hinauf Fracht fuhr, den ersten rauhen Wind um die Nase wehen. Nach zwei Jahren Segelschifferfahrung heuerte er auf dem MotorbootvonJuke Brodersen an, das von der Hooger Fähre aus bereits damals Ausflugsfahrten in die Halligenwelt bis nach Wyk machte (18 Sommergäste konnte das Boot fassen). Gefischt hat er dann auf Fiete Nommsens Kutter "Columbus", ein Jahr später, 1929, schließlich auf der"Jordsand" des Wyker Conrad Bandixen. Geschichten, wie die von jenem Schiffsunglück, bei dem Bandixens Frau und Kind ertranken, er selbst 24 Stunden lang oben auf der Leine ausharrte, bis er gerettet werden konnte, vermitteln ein Bild von der Härte und Gefahr der Fischerei einer Zeit, in der heute übliche technische Hilfsmittel noch weitgehend fehlten. Noch im selben Jahr, 1920, heuerte Johann Pütt für einige Monate auf dem in Nordenhamm liegenden Frachter "Wilhelmine" an, mit dem er die Nord? und Ostsee durchkreuzte. 1930 fuhr er jedoch wieder auf einem Fischkutter, dem "Seehund" von Juke Brodersen, den er schließlich kaufte, jedoch sehr bald "anbinden" mußte, weil das Fischen mit nur einem Netz damals einfach zu wenig Verdienst einbrachte. 1933?34 fischte er darum mit Martin Pauisen (dem Bruder Hermann?Neuton Paulsens), ging dann aber mit seinem "Seehund" wieder selbständig auf Fischfang, bis sich ihm 1938?39 bei der Eindeichung des Bupheverkoogs eine bessere Verdienstmöglichkeit bot.

Das Jahr 1940 ist in Johann Pütts Leben durch zwei bedeutende Ereignisse gekennzeichnet: Seinen Gängen übers Eis zur Hamburger Hallig und der Beginn der Soldatenzeit. In dem harten Winter dieses Jahres holte er erstmals Post, Medizin, Stempelgelder und mancherlei Notwendiges mehr über das Eis nach Pellworm. Als er dann eingezogen wurde, fuhr er bis 1945 auf einem Minenräumboot ? Gefahren und Erlebnisse, von denen er kaum erzählt. Er geriet danach kurz in Gefangenschaft, und als Pellworm ihn dann endlich wiederhatte, heiratete er 1947 Dotje (Klara Hansen, geb. Rehling) und wohnte mit ihr am "Teepott". Der Winter 1947?48 brachte dann einige wohl nachhaltigsten Erlebnisse bei erneuten Botengängen übers zugefrorene Wattenmeer: Gefahrvolle Krankentransporte mit Schwester Magdalene, das Manövrieren über die nicht zugefrorene Hever, aber auch humorvolle Begebenheiten wie die Brammin suche, und immer wieder vergebliche Versuche zurückzukommen, Übernachtungen auf Südfall, und auch Erinnerungen wie folgende: Johann Wilstermann, Lampe schwenkend und mit heißem Punsch wartend auf dem Pellwormer Deich ? Bruchstücke eines Winters, der Johann Pütt und seinen Begleitern unvergessen bleiben wird. In der darauffolgenden Zeit fischte er wieder mit seinem "Seehund" fuhr zwischendurch 1950 auf dem alten Pellwormer Dampfer (Kapitän Petersen) zwischen Husum und Pellworm hin und her und wurde 1956 aus Krankheitsgründen Nentner. 1958 bezogen Dotje und er das Häuschen am Tilli, damals noch eine Holzbaracke, die sie schmuck herrichteten und ausbauten. Doch das Geld war knapp, ein Grund, sich nach neuen Verdienstmöqlichkeiten umzusehen. Mit einem Karren fuhren beide über die noch wenig ausgebauten Wege Pellworms und verkauften Fisch, Seifenwaren, Bürsten und derlei mehr. Da dies jedoch auch nicht sonderlich viel einbrachte, kam dann noch Obst und Gemüse hinzu. Sie kauften ein Pony und zogen nun mit Pferd und Wagen von einem Ende der Insel zum anderen. Johann Pütt machte schließlich auch noch einen Schrotthandel auf, Dotje arbeitete fünf Jahre lang bei der Meierei und ab 1965 dann bei der Pellwormer Dampfschifffahrtsgesellschaft, wo man sie heute noch im Büro des Dampferschuppens antrifft. Auch die Gäste werden sie kennen, sie organisiert die Fahrzeuganmeldungen etc.
Und was macht Johann Pütt heute? Natürlich fischt er, sucht Bernstein, werkelt an seinem Garten, räuchert Aale und und und... Es soll Gäste geben, die hauptsächlich wegen der Aalräucherabende in Johann Pütts Garten nach Pellworm kommen. Wir wünschen Johann und Dotje eines: daß sie ihre durch Erfahrungen gewachsene innere Heiterkeit bewahren.

G.S.



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