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Pellworm, den 29.07.2010 - 18:43 Uhr

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Date: 29.07.10
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Mehrheit in Diskussionsrunde: Priorität für Sicherungsdamm

Auf Peflworm ging es um die Frage "Pellwormer Damm ja oder nein?"

In einer Podiumsdiskussion Ende Januar im "Studio Pellworm" stellten sich die Vertreter der auf Pellworm wirkenden Parteien CDU, SPD, F.D.P. und der Wählergemeinschaft den Fragen einer zahlreichen sehr interessierten Zuhörerschaft zum Thema "Pellwormer Damm, ja oder nein".
Eingangs referierte Dr. Marcus Petersen, dessen im vorigen Herbst erschienenes Buch "Sturmflut" ? Die großen Fluten an den Küsten Schleswig?Holsteins und in der Elbe - in der Fachwelt großes Interesse erweckt.
Dr. Detlev Drenckhahn von der AGW konnte der Einladung aus terminlichen Gründen nicht folgen und hatte daher seine Stellungnahme ' schriftlich vorgelegt.
Die AGW räumt dem Bau eines Sicherungsdammes nach Pellworm - südliche Trasse von der Hamburger Hallig ausgehend - die vorrangige Priorität ein.
Die nördliche Trasse vom Hauke?Haien?Koog beginnend führt eine Flutraumvergrößerung der Norderhever herbei und schafft eine eng trichterförmig zulaufende Bucht, die wegen drohendem Buchtenstaus bei Sturmfluten nur einen niedrigen überströmbaren Damm zulässt.

Die große Lösung der Nordstrander Bucht Abdeichung wird von der AGW abgelehnt. Sie bedeutet einen schwerwiegenden Eingriff in das fischereibiologische und gesamtökologische Gefüge im NF- Wattenmeer und kann durch neue hydrodynamische Effekte die Sturmflutgefährdung von Pellworm, Nordstrand und Nordstrandischmoor verstärken.
Zudem sind morphologische Veränderungen in den Wattsockeln von Pellworm und Nordstrand zu befürchten, deren Ausmaße von keinem abgeschätzt werden können.
Dringend erforderlich sei der Ausbau der Deich- Schwachstellen (NO Nordstrand, Hattstedter Marsch) in der Nordstrander Bucht ggf. durch eine Vordeichung unter Erhaltung der Energie?Umwandlungszonen der großen Vorländer vor dem Sönke-Nissen-Koog und Cecilienkoog. Gleichzeitig seien die Deiche auf Pellworm zu erhöhen, um die Sturmflutgefährdung der Insel zu mindern.
Dr. Marcus Petersen schilderte den Teilnehmern die enorme Veränderung der Küsten in unserem Bereich innerhalb der letzten 70 Jahre.
Die Tiefe der Hever habe sich in diesem Zeitraum von 3?4 Meter auf jetzt teilweise 20?30 Meter ausgebildet. Dieser Entwicklung müsse unbedingt Einhalt geboten werden, um es nicht zu immer größeren Gefahren kommen zu lassen.
Im Jahre 1906 sei es beispielsweise noch möglich gewesen, die Hever zu Fuß zu überqueren. Bereits 1907 machte man sich Gedanken über den Bau eines Pellworm?Dammes. 1931 hat Dr. Petersen an Vermessungen in diesem Gebiet teilgenommen.
Der sichtbare Abbau der Watten betrage jährlich zwischen 20 und 30 Metern. Nach seinen Worten hält er die große Eindeichung nicht für zweckmäßig.

Der Bau von Tide - Kraftwerken in unserer Region sei unwirtschaftlich. Außerordentlich wichtig sei, das Einzugsgebiet der Hever zu verkleinern. Der Verlauf des Pellwormer Dammes habe sich etwa an die Linie der vom Festland zur Insel verlaufenen Wasserleitung zu halten und im stumpfen Winkel zum Festland anzuschließen.

Ein Sicherungsdamm ca. 1 Meter über MTH würde nach groben Schätzungen Petersens 30-40 Mio DM kosten. Die Kosten für einen hochwasserfreien Damm mit 1-2 km Oberlauf-Strecke koste etwa das 5- fache. Dieser befahrbare Damm ziehe Folgemaßnahmen nach sich - ca. 20 km Straßenbau, Eröffnung von Omnibus-Linien und sonstige straßenverkehrstechnische Maßnahmen.
Die nun folgende Diskussion wurde von 2 Jugendlichen des Arbeitskreises Wirtschaftslehre als Veranstalter geleitet und die Vertreter der politischen Gruppierungen zur Stellungnahme aufgefordert.

H. Clausen von der Wählergemeinschaft sprach sich für einen Sicherungsdamm aus. Zur Frage der Befahrbarkeit des Dammes wollte er keine bindende Aussage machen.

W. Schilke, F.D.P., sprach sich gleichfalls für einen Sicherungsdamm aus. Das sei schon aus wasserwirtschaftlichen Gründen unbedingt notwendig. Der Vorstand seiner Partei habe beschlossen unverzüglich eine Befragung der Bevölkerung durchzuführen, um dann zu einer eigenen Meinungsbildung zu kommen. Außerdem lege die F.D.P. großen Wert darauf in dieser Angelegenheit in Einklang mit den anderen politischen Gruppierungen zu handeln.

A. Jensen von der SPD sprach sich für den Bau eines Sicherungsdammes aus verkehrstechnischen und wasserwirtschaftlichen Gründen aus. Außerdem plädierte er für einen tidefreien Anleger über dem Ochsensand in Verbindung mit einem Tiefbett?Anleger an der "Fuhle Schlut".

Die CDU hatte keinen kompetenten Politiker entsandt. Als Mitglied dieser Partei sagte F. Petersen, aus wirtschaftlichen Gründen sei ein befahrbarer Damm günstiger, jedoch fremdenverkehrsmäßig seien die Folgen eher negativ zu sehen. Er hielt einen nicht befahrbaren Sicherungsdamm für erforderlich.

Aufgrund einiger Fragen und Stellungnahmen aus dem Zuhörerkreis betonte Marcus Petersen nochmals, daß er dem Bau eines Sicherungsdammes bei gleichzeitigen Deichverstärkungen unbedingte Priorität einräume. Auf Befragen äußerte. sich der Vertreter der Wählergemeinschaft für die Reihenfolge: Deichbau, anschließend Dammbau. Die Vertreter von F.D.P. und SPD sprachen sich für die Reihenfolge Deichverstärkungen, Eindeichung der Nordstrander Bucht, Dammbau aus, während sich F. Petersen der Meinung von Marcus Petersen anschloss.

Abgerundet wurde die sehr lebhafte, von großem Ernst für die Wichtigkeit der anstehenden Probleme getragene Diskussion durch Anregung aus der Zuhörerschaft, eine Kostenfolge Analyse für den Dammbau als Forschungsauftrag zu vergeben und sich einmal ernsthaft zu überlegen und mit allen Konsequenzen zu durchdenken, wie sich das Leben auf der Insel Pellworm entwickeln würde, wenn kein befahrbarer Damm gebaut wird. Die abschließende Anregung, ob zur Meinungsbildung eine Fragebogenaktlon durchgeführt werden solle, beantworteten alle politischen Vertreter außer dem der Wählergemeinschaft mit einem klaren Ja.

Bra



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