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Date: 29.07.10 Time: 18:28:59 User online: 6 Heute: 182 Gestern: 229 Gesamt: 8234 |
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INSEL-ZEITUNG
Studio Pellworm
2251 PELLWORM
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Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
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Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Bernd Thornsen
Johann Wilsterman
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SEEGAARDEN
Ein geschichtlicher Überblick über das frühere
adlige Gut Seegaarden in Vergangenheit und Gegenwart Bearbeitet von Karl-Frierich
Krohn, 1954, Pellworm
Vermerke: Die Orginalarbeit ist eine Prüfungsarbeit und befindet
sich im Archiv des Aufbauzuges der Hermann Neton Paulsen Schule auf Pellworm.
Gez. Karl Fr. Krohn 1954. Angaben stammen zum großen Teil aus dem
Archiv der Gemeinde Pellworm. Verzeichnis der Unterlagen befindet sich
bei der Redaktion und auf Seegaarden.
Wann die Niedere Gerichtsbarkeit aufgehoben wurde, ist nicht
ersichtlich. Man kann nur darauf schließen, daß der Landvogt
Klinker das Seegaarden- Archiv am 10.9.1836 an den konstitierten Landvogt
Dr. Stemann in Husum abgegeben hat, und damit die Aufhebung erfolgt sein
dürfte. Die Rechte der "Gutsherrlichen?Niederen Gerichtsbarkeit"
(Patrimonial?Gerichtsbarkeit) wurden erst 1879 in Deutschland aufgehoben.
Mein Urgroßvater mütterlicherseits, Johann Both,
kaufte 1862 das frühere adlige Gut Seegaarden mit 133 Demat Grundfläche
(66,5 ha) für cirka 14.000 Bankthaler (ca. 42.000 DM). Er trat den
Besitz 1863 an. Die in Raa bei Elmshorn, dem Herkunftsort meines Urgroßvaters,
auf seinem dortigen Besitz stehende Scheune wurde in Raa abgebrochen.
Das gesamte Material wurde nach hier gebracht und wieder als Anbau zu
den stehenden, vorhandenen Gebäuden aufgebaut, wodurch das Gebäude
die Hufeisenform erhielt. Später ließ mein Großvater,
Otto Both, einen Speicher anbauen als Verlängerung des westlichen
Flügels. Dieser war im Laufe der Zeit sehr baufällig geworden
und stürzte in der Nacht vom 10. zum 11. Februar 1948 bei einem Orkan
ein. Der jetzige Besitzer Max Both ließ den zusammengebrochenen
Speicher ganz abbrechen und benutzte das gewonnene Material zur Renovierung
und zum Ausbau der alten Scheune.
Über dem Einfahrtstor der alten aus Raa nach hier gebrachten
Scheune war ein alter eichener Balken mit der geschnitzten Inschrift:
"Habe deine Lust an dem Herrn, er wird dir geben, was dein Herz wünscht.
Psalm 374'
Außerdem die Namen: "Johann Both und Anna Elsabe von Döhren";
das Wort Anno und die Jahreszahl 1819." Dieser Inschriftbalken wurde
bei einer Verbreiterung und Erhöhung des Scheunentores auf Veranlassung
des jetzigen Besitzers entfernt und ist leider nicht mehr aufzufinden
und in Verlust geraten.
Mein Urgroßvater und Großvater bauten die Gebäude
so aus, wie sie im großen und ganzen noch heute bestehen. Da aus
der Zeit des Gutserwerbs keinerlei Risse und Zeichnungen hier vorhanden
sind, kann ein Grundriß nur nach Erzählungen rekonstruiert
werden. Eine beim Gut befindlich gewesene Zugbrücke deutet darauf
hin, daß Seegaarden ein festes Haus oder eine Burg gewesen ist.
Der jetzige Hofgarten wurde von meinem Großvater Otto Both angelegt,
nachdem Teile des Burggrabens zugeschüttet worden sind. Auch die
über den Graben führende Zugbrücke an der Südwestecke
wurde erst zu dieser Zeit abgebrochen und durch einen Damm ersetzt, der
noch heute die Zufahrt bildet.
Der südliche Flügel des Gesamtgebäudes, heute
Wohnflügel, ist wohl der älteste Teil des Hauses und die Stelle
der alten Kapelle. Zu bemerken ist, daß die Außenwände
eine Stärke von 75 cm teilweise 100 cm haben. Ställe und Scheune
haben typisch holsteinischen Charakter. Die Keller des Süd?Flügels
sind massiv gewölbt. Nach Erzählungen meiner verstorbenen Großmutter
befanden sich früher noch mehrere Gewölbe unter dem alten Bau.
Diese hat mein Großvater. zuschütten lassen. Es wurden auch
Andeutungen darüber gemacht, daß von diesen zugeschütteten
Gewölben ein unterirdischer Gang zur Gurde geführt haben soll.
Außerdem befinden sich bei den Gebäuden im Südwesten und
Nordwesten je ein großer ausgemauerter Brunnen. Der erstere steht
mit dem sogenannten "Sood" im Garten in Verbindung, der ein
letzter Teil des alten Burggrabens ist.
Bei den alten Gebäuden befand sich als alter Zeit noch ein Backhaus,
in dem auch Schweineställe untergebracht waren. Dies Backhaus wurde
von dem jetzigen Besitzer Max Both wegen Baufälligkeit abgebrochen
und da für ein neuer großer Backofen in der Küche des
Wohnhauses eingebaut.
Tritt man durch den Eingang in das Haus, so fällt einem die ungewöhnliche
Höhe der Räume auf, ebenso die breiten und großen Fenster.
Einige schöne und alte Türen ?aus Eichenholz sind nach ihrer
Machart Barockstil und dürften um diese Zeit bereits in dem Hause
vorhanden gewesen sein. Jedenfalls waren sie bei Übernahme des Gutes
im Jahre 1863 bereits im Hause. ?Ein alter massiver Eichenschrank befindet
sich in der Eingangsdiele und dürfte nach der Arbeit aus dem Anfang
des 18. Jahrhunderts stammen. Auch waren noch einige alte Truhen aus dem
17. Jahrhundert vorhanden. Eine eichene Truhe mit Schnitzereien und eingelegter
Arbeit und dem Namen "Marx Both" befindet sich bei meinem Onkel
Jens Both bei der Neuen Kirche. sie stammt von meinem Ur? Urgroßvater
Marx Both, der 1814 von den Russen in der Schlacht in Raa bei Elmshorn
erschlagen wurde.
Im Jahre 1953 wurde bei Erneuerung eines Abflußrohres in der Nordwest?Ecke
des Hauses ein irdener Topf gefunden. Dieser stammt aus dem 15. Jahrhundert.
Daher kann man auch den Schluß ziehen, daß die Entstehung
des Gutes um 1473 erhärtet wird. Der Topf befindet sich bei dem heutigen
Besitzer Max Both. Die Angaben über das Alter des Topfes sind vom
Direktor des Nissenhauses, Herrn Dr. Wohienberg bestätigt. Die jetzige
Größe des Hofes beträgt nur noch 74 Demat. Der Besitz
ist durch Erbteilung auf diese Fläche herabgegangen, so daß
heute nur noch eine mittlere Bauernwirtschaft betrieben wird.
Im Jahre 1953 hat der jetzige Besitzer für drei seiner Kinder drei
Siedlungshäuser errichten lassen, die vom Hafen aus auf Seegaarden
Grund vor dem eigentlichen Hof am Kirchensteig liegen.
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