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Pellworm, den 29.07.2010 - 18:27 Uhr

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Alte Gebäude auf Pellworm

"De groote Teepott"

"De groote Teepott" Die älteren Pellwormer und auch unsere Gäste wissen, was mit dem "Teepott" gemeint ist, aber etwas Genaues gibt es nur vom Erzählen. Das Haus, wie es früher war, besteht nur noch zur Hälfte, der eigentliche" Große Teetopf" ist umgebaut. Er liegt an der Südwestecke, dem "Untjehörn". (Der Name Untjehörn ist einmalig, Lillencron schreibt von der "Insel Untjehörn", womit die Insel Pellworm gemeint war).

Soweit sich heute noch feststellen lässt, bestand seit etwa 1800 in dem Osttell des Hauses die Gastwirtschaft oder, wie man damals sagte, die Krügerei von lpke Nissen, immer eine Einkehrwirtschaft für Deichbevollmächtigte und Deicharbeiter, die namentlich vor den Unbillen der Witterung Schutz suchten. Bei den Deichschauen waren hohe Herrschaften hier zu Gast. ?Heißer Tee war immer da, weil der Teetopf auf den Teewärmer, der mit "Ditten" beheizt war, schrummelte. Köm war immer reichlich im Hause, weil nach einer Verordnung dieser nur in Gastwirtschaften in kleineren Mengen als 1/4 Anker = 9 Ltr. verkauft werden durfte. In den damaligen Hökereien durfte nicht unter dieser Menge verkauft werden. Der Verkauf in kleineren Mengen war den Krügereien vorbehalten. Der Sohn von 1 pke Nissen Broder und seine Frau Lene übernahmen wohl ca. 1865 die Wirtschaft und den Landbetrieb von den Eltern. Broder muß als junger Mensch wohl mal schwer krank gewesen sein. Im Jahre 1851 schreibt der Schullehrer Johann Lorenzen an den Doktor Ywersen auf Pellworm einen Brief, dass er die Nacht gewacht hätte und der kranke Broder sehr unruhig war und wild geredet hätte. Die Eltern baten den Arzt so bald wie möglich, je eher desto lieber, nach ihrem Sohn sehen zu wollen. 5 km zu Fuß über Schmeerhörn.

Die Anwohner an den Deichen fanden ihren Broterwerb zum größten Teil durch Schafzucht und hatten Heu in den Pütten, soweit diese schon bewachsen waren. Feuerung lieferte der Strand, und dann gab es noch"Schapsscholen" ? getrockneter Schafdung, ein herrliches Brennmaterial. Nachfolger von Broder und Lene waren der Sohn Julius Nissen und seine Frau Frauke, die von "Lüttmoor" stammte. (Nordstrandischmoor).
Julius war in seinen jungen Jahren in Amerika gewesen als Tischler. In der Gaststubewareben noch der "GroßeTeetopf" und ein durch Uhrwerk betriebenes Relief (Schiffe bewegten sich und eineWindmühle lief). Seinen Lebensabend verbrachte er bei seiner Tochter Henriette, die mit Jens Kiesewein verheiratet war. Kiesewein wohnte am Junkersmitteldeich. Erwar Postschaffner und in den 20ger Jahren auch Telegraphenarbeiter. Nun wieder zur Gastwirtschaft.
Am 17. Juni 1851 sucht lpke Nissen beim Königlichen Ministerium in Flensburg um die Verlängerung der KrügereiConcession nach. Er betont ausdrücklich, dass er die unter dem 9.9.1839 allerhöchst unentgeltlich von dem Hochseeligen dänischen König Christian dem Achten verliehene Concession gerne auch unentgeltlich verlängert haben.möchte. Zur Hauptsache wurde damals Teepunsch ausgeschenkt. Sieben Pünsche für eine Mark, und dann gab es noch eine Zigarre gratis. ? Zucker gab es damals wenig, nur Hutzucker, und so lag es nahe, die Pünsche mit Sirup oder auch Bienenhonig zu süßen.
Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges stand der Teepott gleich im Brennpunkt an der Front. Der erste Tag wird so geschildert: Pioniere bauten an der Innenseite des Deiches einen Unterstand ? Baracken kamen später. Da aber der Bunkerkalt und feucht war und so keinen rechten Schutz bot, lag es nahe, bei Lene von deTeepotterstmal das eingenommene Lösegeld, welches die Fuhrwerke, die bisher oben auf dem Deich gefahren waren und nun wegen der"militärischen Lage" nicht mehr dort fahren konnten, in warmen Teepunsch umzusetzen. Um die Mitternachtszeit holt man Stroh in die Schenkstube, breitete es auf dem Boden aus und ging zur Ruhe. Lene zog sich mitten in der Stube aus und ging ins Lukebett. Noch war es friedlich. Viele Geschichten gibt's vom Teepott. Ober das Barackenleben der Inselwache berichten wir noch einmal extra.

I.W.



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