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Pellworm, den 05.02.2012 - 15:21 Uhr

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Date: 05.02.12
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Bedauerlich

Seit dem 20. März 1978 war im Studio Pellworm auf Initiative von Henry Smorra eine einmalige Ausstellung von schwarz?weiß Fotos von Süderoog und großformatigen Farbfotos mit Pellwormer Motiven angeboten worden. Die Arbeiten stammen von Ulrich Mack, Hamburger Fotograf, seit 1975 Professor an der Fachhochschule für Werbefotografie und visuelle Kommunikation in Dortmund, langjähriger Mitarbeiter beim "Stern" und anderen großen Zeitschriften. Mack hatte u.a. vom "Stern" den Auftrag erhalten, für eine Serie, in der bekannte Schriftsteller ihr "Paradies" schildern sollten, die fotografische Illustration zu übernehmen. Siegfried Lenz, danach befragt, nannte Pellworrn als sein Traumland. Pellworm soll angeblich Handlungsort eines Teiles seines Romans "Die Deutschstunde" sein.
Mack brachte Fotos, Aufnahmen von bestechender technischer Qualität, und besonders die schwarz weiß Aufnahmen zeigen viel Einfühlungsvermögen für die Landschaft, in der sie entstanden sind. Die "Stern" Serie kam aus verschiedenen Gründen nicht zustande , die 'Fotos aber waren da.
Mack hatte in der Zeit, die er für die Ausführung seines Auftrages brauchte, persönliche, langsam wachsende Bindungen zu Pellworm, Süderoog und den Menschen dort bekommen. Alle gezeigten Insel? und Halligbilder sind so ganz anders als die mit denen Ulrich Mack bekannt geworden ist: seine Kriegsbilder vom 6Tage?Krieg in Israel, seine erschütternden Bilddokumente aus Vietnam und seine herrlichen Pferdeaufnahmen aus Kenia, die ihm dann den Beinamen (Nökernam) "Horse Mack" eintrugen. Die Anzahl der ausgestellten Fotos ? ungefähr drei Dutzend ? 'ist relativ klein, aber die Auswahl ist so treffend, daß Einheimische sich sofort mit dem Gezeigten identifizieren.
Es ist bedauerlich, daß Macks Arbeiten jetzt auf dem Wege nach London in die "Photographers Gallery" sind und danach für ein Jahr überall in der Welt gezeigt werden und nicht als ständiges Anschauungsmaterial in Nordfriesland verblieben sind.
Obwohl zur Eröffnung der Mack Ausstellung sehr rechtzeitig ? also terrninkalender freundlich ? maßgebliche Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben Nordfrieslands eingeladen waren, fand kein einziger den Weg in's Studio Pellworrn auf diese schöne Insel. So konnte die Ausstellung mit den Mack?Fotos nur im Kreise von interessierten Insulanern und Feriengästen eröffnet werden. Beginnend mit dem Empfang Macks bei seiner Ankunft im Pellwormer Hafen bis hin zur Eröffnungsfeier waren das, außergewönlich rege Interesse und die überaus zahlreiche Beteiligung der Bürger Pellworms festzustellen. Bedauerlicherweise bleibt jedoch festzustellen: die Inselprominenz glänzte durch Abwesenheit. Mack äußerte während der launigen Vorstellung seiner Person, daß es Arroganz wäre, seine Bilder im Studio Pellworm zum ersten Mal und als einzigem Ort in der Bundesrepublik auszustellen. Manchem ? so auch mir ? mag diese Äußerung vielleicht seltsam und auch verletzend gegen die Anwesenden und den Veranstalter Henry Smorra vorgekommen sein. Aber im Rückblick hatte Mack recht mit seiner Bemerkung: es zeugt von einer beachtlichen Ignoranz der sogenannten "wichtigen Leute" als Kultur und Politik des Kreises Nordfriesland, eine so einmalige Ausstellung nicht zur Kenntnis zu nehmen.
Wenn ihr Terminkalender für eine Fahrt nach Pellworm wirklich keinen Platz hatte, so wäre es doch wohl der Bedeutung dieser Ausstellung angemessen gewesen, wenn z.B. in Schulen auf dem Festland auf diese Arbeiten aufmerksam gemacht worden wäre, um jungen Menschen die Schönheit ihrer nordfriesischen Heimat auf diese Weise vor Augen zu führen und damit vielleicht den einen oder anderen für's Fotografieren zu interessieren. Die Mack?Fotos sind keine "Knipsbilder" sondern Meisterwerke in Farbe und schwarz?weiß, mit denen er sich in aller Welt nicht nur in Fachkreisen einen Namen gemacht hat. Es ist unglaubwürdig, wenn auf der einen Seite über die Sorge um die "sterbende Insel Pellworm" gesprochen wird, andererseits aber auf die begrüßenswerte Initiative, eine solche Ausstellung nach Pellworm zu holen, von den maßgeblichen Leuten nicht die geringste Reaktion festzustellen ist. Da kommt dann der Verdacht hoch, daß die Sorge um Pellworm nur ein Lippenbekenntnis ist und so mancher Kommunalpolitiker und auch der Landrat es eher vorziehen, sich auf dörflichen Ringreiterfesten und ähnlichen Veranstaltungen sehen und feiern zu lassen. ? Bedauerlich ?? und hoffentlich keine böse Absicht.

Helga Brandes




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