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Date: 29.07.10 Time: 18:24:01 User online: 5 Heute: 181 Gestern: 229 Gesamt: 8233 |
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INSEL-ZEITUNG
Studio Pellworm
2251 PELLWORM
04844/687
Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
Erwin Fiera
Wilhelm Gohde
Philipp Goedeking
Sönje Hansen
Angelika Leners
Rolf Lohmeyer,
Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Bernd Thornsen
Johann Wilsterman
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Bedauerlich
Seit dem 20. März 1978 war im Studio Pellworm auf Initiative
von Henry Smorra eine einmalige Ausstellung von schwarz?weiß Fotos
von Süderoog und großformatigen Farbfotos mit Pellwormer Motiven
angeboten worden. Die Arbeiten stammen von Ulrich Mack, Hamburger Fotograf,
seit 1975 Professor an der Fachhochschule für Werbefotografie und
visuelle Kommunikation in Dortmund, langjähriger Mitarbeiter beim
"Stern" und anderen großen Zeitschriften. Mack hatte u.a.
vom "Stern" den Auftrag erhalten, für eine Serie, in der
bekannte Schriftsteller ihr "Paradies" schildern sollten, die
fotografische Illustration zu übernehmen. Siegfried Lenz, danach
befragt, nannte Pellworrn als sein Traumland. Pellworm soll angeblich
Handlungsort eines Teiles seines Romans "Die Deutschstunde"
sein.
Mack brachte Fotos, Aufnahmen von bestechender technischer Qualität,
und besonders die schwarz weiß Aufnahmen zeigen viel Einfühlungsvermögen
für die Landschaft, in der sie entstanden sind. Die "Stern"
Serie kam aus verschiedenen Gründen nicht zustande , die 'Fotos aber
waren da.
Mack hatte in der Zeit, die er für die Ausführung seines Auftrages
brauchte, persönliche, langsam wachsende Bindungen zu Pellworm, Süderoog
und den Menschen dort bekommen. Alle gezeigten Insel? und Halligbilder
sind so ganz anders als die mit denen Ulrich Mack bekannt geworden ist:
seine Kriegsbilder vom 6Tage?Krieg in Israel, seine erschütternden
Bilddokumente aus Vietnam und seine herrlichen Pferdeaufnahmen aus Kenia,
die ihm dann den Beinamen (Nökernam) "Horse Mack" eintrugen.
Die Anzahl der ausgestellten Fotos ? ungefähr drei Dutzend ? 'ist
relativ klein, aber die Auswahl ist so treffend, daß Einheimische
sich sofort mit dem Gezeigten identifizieren.
Es ist bedauerlich, daß Macks Arbeiten jetzt auf dem Wege nach London
in die "Photographers Gallery" sind und danach für ein
Jahr überall in der Welt gezeigt werden und nicht als ständiges
Anschauungsmaterial in Nordfriesland verblieben sind.
Obwohl zur Eröffnung der Mack Ausstellung sehr rechtzeitig ? also
terrninkalender freundlich ? maßgebliche Persönlichkeiten aus
dem öffentlichen Leben Nordfrieslands eingeladen waren, fand kein
einziger den Weg in's Studio Pellworrn auf diese schöne Insel. So
konnte die Ausstellung mit den Mack?Fotos nur im Kreise von interessierten
Insulanern und Feriengästen eröffnet werden. Beginnend mit dem
Empfang Macks bei seiner Ankunft im Pellwormer Hafen bis hin zur Eröffnungsfeier
waren das, außergewönlich rege Interesse und die überaus
zahlreiche Beteiligung der Bürger Pellworms festzustellen. Bedauerlicherweise
bleibt jedoch festzustellen: die Inselprominenz glänzte durch Abwesenheit.
Mack äußerte während der launigen Vorstellung seiner Person,
daß es Arroganz wäre, seine Bilder im Studio Pellworm zum ersten
Mal und als einzigem Ort in der Bundesrepublik auszustellen. Manchem ?
so auch mir ? mag diese Äußerung vielleicht seltsam und auch
verletzend gegen die Anwesenden und den Veranstalter Henry Smorra vorgekommen
sein. Aber im Rückblick hatte Mack recht mit seiner Bemerkung: es
zeugt von einer beachtlichen Ignoranz der sogenannten "wichtigen
Leute" als Kultur und Politik des Kreises Nordfriesland, eine so
einmalige Ausstellung nicht zur Kenntnis zu nehmen.
Wenn ihr Terminkalender für eine Fahrt nach Pellworm wirklich keinen
Platz hatte, so wäre es doch wohl der Bedeutung dieser Ausstellung
angemessen gewesen, wenn z.B. in Schulen auf dem Festland auf diese Arbeiten
aufmerksam gemacht worden wäre, um jungen Menschen die Schönheit
ihrer nordfriesischen Heimat auf diese Weise vor Augen zu führen
und damit vielleicht den einen oder anderen für's Fotografieren zu
interessieren. Die Mack?Fotos sind keine "Knipsbilder" sondern
Meisterwerke in Farbe und schwarz?weiß, mit denen er sich in aller
Welt nicht nur in Fachkreisen einen Namen gemacht hat. Es ist unglaubwürdig,
wenn auf der einen Seite über die Sorge um die "sterbende Insel
Pellworm" gesprochen wird, andererseits aber auf die begrüßenswerte
Initiative, eine solche Ausstellung nach Pellworm zu holen, von den maßgeblichen
Leuten nicht die geringste Reaktion festzustellen ist. Da kommt dann der
Verdacht hoch, daß die Sorge um Pellworm nur ein Lippenbekenntnis
ist und so mancher Kommunalpolitiker und auch der Landrat es eher vorziehen,
sich auf dörflichen Ringreiterfesten und ähnlichen Veranstaltungen
sehen und feiern zu lassen. ? Bedauerlich ?? und hoffentlich keine böse
Absicht.
Helga Brandes
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