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| Pellworm, den 05.02.2012 - 14:49 Uhr | ||||||||||||||||||||||||||
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Lokales kurz belichtetWusten Sie schon.... Neuerdings kommt hinzu, daß die landwirtschaftlichen Be= triebe infolge der Elektrifizierung und des Mangels an Arbeitskräften dazu übergehen, das erzeugte Futtergetreide selber zu schroten; dies engt die Existenzbasis der Windmühlen weiter ein.' Diese genannten Punkte sind es vornehmlich, die es den Windmühlen nicht mehr gestatten, ihre Bedeutung und ihren Platz wie früher im Kreislauf der bäuerlichen Gemeinschaft einzunehmen. Aber auch andere Faktoren sind an dem Mühlensterben beteiligt: Da ist zunächst einmal die unberechenbare Natur= kraft, der Wind! Wenn er benötigt wird, ist er vielmals nicht da, und wenn er da ist, muß er genutzt werden. Es wird sich heute kein Arbeiter, auch kein Windmüller selbst mehr finden, der bereit wäre, seine Lebensführung dem Winde anzupassen, von diesem bestimmen zu lassen und damit Feierabend sowie Sonn= und Feiertage der Windmühle zu opfern. Des weiteren ist das Siechen und Sterben der Windmühlen eine Folge der allzu großen und teuren Reparaturen. Es ist erwiesen?, daß der Windbetrieb wegen der überteuerten Unterhaltungskosten etwa dreimal so teuer arbeitet wie der mit künstlicher Energie. Ein Windmüller, der seine Windmühle nicht als einen Teil seiner selbst empfindet, der in Sturmnächten nicht stündlich um sie bangt, der nicht auf eine lang= jährige Tradition als Windmüllerfamilie zurückblickt, wird kaum noch den Mut aufbringen, seine Windmühle zu erhalten, sofern er wirtschaftlich überhaupt dazu in der Lage wäre. Das Verschwinden der Windmühlen ist eine Folge ihrer Unrentabilität. Der Kreis Eiderstedt zum Beispiel, dessen Landschaftsbild vor dem Kriege noch von dreizehn Windmühlen geziert wurde, zählt ihrer heute keine einzige mehr. Der Kreis Husum hat noch zwei Windmühlen in Betrieb; in anderen Kreisen, Süderdithmarschen ausgenommen, wird dies nicht viel anders sein. Die Erhaltung der wenigen noch betriebsfähigen Mühlen wird nur dann m8glich sein, wenn die öffentliche Hand mithilft; sie sollte es sich angelegen sein lassen, die noch wenigen betriebsfähigen und gerade für unseren Küstenstreifen charakteristischen Windmühlen als Baudenkmäler und Kulturgüter zu erhalten. Unsere Pellwormer Mühlen Vor der Sturmflut 1634 mögen sechzig Windmühlen dem "Strandt" zugehört haben, davon wurden am'?1?L. Öktober acht= und zwanzig "weggetrieben". In der Pellw6rmer Harde standen immerhin auch vierzehn Mühlen; die Karteneinzeichnung läßt es deutlich erkennen, daß es sich hier vorwiegend um Bockmühlen handelte; die Holländermühlen werden erst mit den holländischen Deichbauinigenieuren, und hier namentlich mit dem vorbenannten Jan Adrianz Leegliwather, nach hier gekommen sein. Windmühlen standen um 1634: 1 . eine zweiflügelige am Süderkoogsweg, nahe Klara
Meesenz burgs Haus, Nur? von wenigen Mühlen ist noch etwas bekannt. Als ältester Besitzer der Windmühle im Garten von Johs. Clausen gilt der Ratmann Boy Novock Friedrichsen; dieser war seinerzeit wohl einer der reichsten Bürger Pellworms und als letzter zopftragender Ratmann bekannt. Er gab seiner Tochter einen Hof und die Mühle als Mitgift in die Ehe, der nachmalige Besitzer verkaufte die Mühle für damals 7000 Mark und eine Fenne, die heute noch die "Möhlenfenn" genannt wird. Kurz vor dem Verkauf war in dieser Mühle noch ein fürchterliches .Unglück passiert, was auch vielleicht zu dem Verkauf bei. getragen hat: Der Geselle hatte aus der Luke mit einem Sack den zurück kommenden Schulkindern gewinkt. Der in der Nähe der sich schnell drehende "Kliiver" (die senkrecht laufende Holzwelle des Schälsteins) hatte den Sack erfaßt, und weil der Geselle den Sack um Hand und Arm geschlungen hielt, wurde er von dieser Welle bis zum Eintritt des Todes herumgeschleudert. Vorbenannte Mühle wurde 1868 weiter. verkauft an den Müller Meesenburg am Ostertilli und wurde dort auf dem Mühlenberg aufgebaut, wo sie jetzt noch als Windmühlenleichnam diese Gegend verunziert. Bei dem Ausbau der alten Schrotgänge aus der Tilli Mühle kam dort ein aus einem alten Grabstein gehauener Mühlenstein, der als Bodenstein Verwendung gefunden hatte, an den Tag, Dieser Stein trägt das Jahreszeichen 1611; wem er gehört hat, ist nicht ausfindig zu machen, auch nicht an Hand der alten Wappen, wovon das eine drei Fische, das andere vielleicht eine Spindel(?) darstellen könnte. In den Stein ist der Spruch "HIOB AM XIX - eingehauen. Dieser alte Mühlstein hat nun an der Nordwand der Neuen Kirche seinen Platz gefunden. Die Norder Mühle hat nicht immer zu der jetzigen Hof. stelle gehört. Bis etwa zur Mitte des vorigen Jahrhunderts gehörte sie zur Hofstelle von Dethlef Dethlefsen (auf dem Deich), welche damals Eigentum eines Jensen (Vorfahren des Kapitäns P.Jensen, Tilli) war. Dieser hat dann die Mühle an die jetzige Hofstelle verkauft. Diese Mühle mag an die dreihundert Jahre alt sein; das ist daraus zu schließen, daß sie auf der Karte nach a634 auf der gleichen Stelle eingezeichnet ist und ihr Bauwerk genau denen der ersten holländischen Windmühlen gleicht. Altes Brauchtum: Die Feierabendstellung wurde zu der Zeit, als die Mühlen noch Triebsegel hatten, durch das geradegestellte Kreuz an= gedeutet. Bei einem Trauerfall in der Nachbarschaft oder im Müllerhaus wird das Kreuz in die Trauerschere gestellt. Es ist dies ein schrägliegendes Kreuz, wobei der linke Flügel über dem Geländer des Zwickstells hängt. Bei einem Trauerfall im Müllerhaus zeigt sich die Mühle einen vollen Monat in der Trauerschere, bei einem Trauerfall in der weiteren Familie eine Woche, in der Nachbarschaft bis zum Tage nach der Beerdigung. Selbstverständlich ist, daß die Mühle bei der Vorbeifahrt eines Leichenzuges angehalten wird und die Trauerschere zeigt. Aber auch zu freudigen Anlässen, so bei Hochzeiten, Geburten im Mutterhaus und in der Nachbarschaft, zeigt die Mühle eine besondere Freudenschere, nämlich das Andreaskreuz. Bei jedem Hochzeitszug, der vorbeikam, wurde diese Schere gezeigt, wobei der Müller, mit einem Mehlsack bewaffnet, vom Zwickstell dem jungen Paare zuwinkte. Dabei soll es vorgekommen sein, daß der Sack so stark staubte, daß die Pferde mit dem Brautwagen durchgingen. War früher eine Gemeindevertretersitzung auf Vorbehalt einberufen, so war von vornherein vereinbart, daß, würde die Sitzung aus irgendeinem Grunde nicht stattfinden, die Windmühle mittags an dem betreffenden Tage eine vereinbarte Stellung einzunehmen hätte, wodurch dann jeder orientiert war. In der Mühle kamen früher viele Leute zusammen, seien es Kunden oder solche, die Neuigkeiten erfahren wollten. Es wurde dann viel Unterhaltung fröhlicher Art geführt. War ein= mal ein leichtgläubiges Opfer gefunden, wurden die unwahrscheinlichsten Lügengeschichten fabriziert und mit der ernstesten Miene aufgetischt. Der leichtgläubige Weitererzähler wurde von den zweifelnden Zuhörern wohl gefragt: Wurde es in der Mühle erzählt? und er wußte, was davon zu halten war.Die Zeit der Windmühlenromantik neigt sich ihrem Ende zu. Mit dem Abbruch eines jeden dieser Zeugen aus alter Zeit verschwindet auch ein Stück Heimat und Heimatgeschichte, unbemerkt geht auch ein Stück unserer selbst mit. Viele Redewendungen, die mit den bodenständigen Mühlen im engeren oder weiteren Sinne zuammen hängen sind dem alltäglichen Sprachgebrauch der ländlichen Bevölkerung entzogen. Wer weiß zum Beispiel von den Jüngeren noch um die Maßeinheiten früherer Zeiten, die den Gewichtseinheiten vorausgingen. Ich erinnere mich noch, daß im ersten Viertel dieses Jahrhunderts nun nicht etwa 25 Pfund Hühnerfutter, Schweineschrot oder Mehl verlangt wurden, sondern immer die alte Maßeinheit"Schipp4" was in der Gewichtseinheit aber immer 12,5 kg bedeutete. Dieses aus der dänischen Zeit stammende Hohlmaß (dän. "Skjeppe", friesisch: "Skep") war ein Achtel "Tünn". Weil aber das Hohlmaß der vollen "Tünn" = 8"Schipp"zum Einmessen von Getreide und auch Kartoffeln zu unhandlich war,'war das Hohlmaß "Halw?Tünn" (ca. 0,7 hl) üblich, es stand auf jedem Bauernhof auf dem Kornboden. Ob es auf Pellworm noch irgendwo diese Tonne gibt? Noch zur dänischen Zeit wurde das Gewichtsmaß "Pfund" eingeführt, daß unter den Preußen durch das metrische Maßsystem "Kilogramm" abgelöst wurde. Nebenbei darf noch erwähnt werden, daß vom Hohlmaß"Schipp" auch die hier üblichen Landflächenmaße abgeleitet wurden. So war ein "Saat "Land (6 Saat = ein Demat) die Fläche, die für ein "Schipp" Saatgetreide ausreichte. (Nebenbei ist ein Demat kein halber Hektar, wie oft angenommen wird, sondern 4.930 qm.) Am längsten haben sich wohl die mit den Mühlen zusammenhängenden Kinderlieder im Volksmund erhalten, wenn oftmals auch nicht in vollem Umfang, hier wohl in seinen Anfängen das bekannteste Schoßlied: Lied kann leider aus Qualitätsgründen nicht von unseren Scannern erkannt werden! Mühlen und mit diesen zusammenhängende Redewendungen und damit auch ein Stück des Bewußtseins, was diese früher dem ländlichen Raum bedeuteten. Der Zahn der Zeit nagt an beiden. Ungewollt und unbemerkt geben wir damit ein Stück unserer selbst auf! >> zurück zum Inhaltsverzeichnis Inselzeitung Pellworm >>
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