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Date: 20.03.10 Time: 09:40:18 User online: 7 Heute: 68 Gestern: 187 Gesamt: 12391 |
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INSEL-ZEITUNG
Studio Pellworm
2251 PELLWORM
04844/687
Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
Erwin Fiera
Wilhelm Gohde
Philipp Goedeking
Sönje Hansen
Angelika Leners
Rolf Lohmeyer,
Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Bernd Thornsen
Johann Wilsterman
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Sturmfluten
über Pellworm
Sturmflut über Pellworm
Im ersten christlichen Jahrtausend war Nordfriesland
ein großes Moorgebiet, das von einigen Geestinseln durchsetzt war.
Die Inseln waren von Germanenstämmen bewohnt, von denen die Ambronen
ein besonders kriegerischer Haufe war. Wir kennen die Rudimente dieser
Inseln unter den Namen Amrum, Föhr und Sylt. In die dazwischen gelegenen
Moore drangen um die Jahrtausendwende die Friesen ein. Das Meer überschwemmte
immer wieder diese Moorgebiete und zwang die Bewohner zu ständigem
Kampf mit der Nordsee. Die Kämpfe verliefen oft tragisch, weil die
Mittel zu jener Zeit nicht ausreichten, sich und das bewohnte Land vor
dem Meere zu schützen.
Eine der großen Katastrophen war die Flut von 1362,
die als Manndränke in die Geschichte dieses Landes eingegangen ist.
Der Name sagt alles. Mehrere tausend Menschen sind in den Fluten ertrunken.
Die zweite große Manndränke brach 1634, mitten im dreißigjährigen
Kriege über Nordfriesland herein. An die 9000 Menschenleben waren
zu beklagen. Die große Flut trennte die Insel Strand in zwei Teile.
Das heutige Nordstrand ist ein Bruchstück, Pellworm das andere. Die
eigenständige Geschichte von Pellworm beginnt also im Unglücksiahr
1634. Sie ist die Geschichte der Sturmfluten und die Geschichte der Wunden,
die sie der Insel geschlagen haben. Und es ist die Geschichte der Menschen,
die immer wieder mit Zähigkeit und Ausdauer ihre Deiche gegen das
Meer errichteten, ausbesserten und verstärkten, bis in die heutige
Zeit.
Während nach 1634 Nordstrand durch holländische Hilfe wieder
aus den Fluten erstand, haben die Pellwormer selbst das Verdienst, ihre
Insel gerettet zu haben.
Wir möchten nachstehend eine chronologische Obersicht über die
Sturmfluten geben. Sie wird das Ausmaß des Widerstandes erkennen
lassen, den die Pellwormer Bevölkerung der See entgegensetzte, um
ihre Insel zu bewahren.
1634 Eine schwere Sturmflut trennt Nordstrand von der "Pellwormer
Harde", dem Kernstück des heutigen Pellworm. Die nach dem Chronisten
HEIMREICH im Kirchspiel Pellworm "eingerissenen 5 Wahlen (behielten)
bis fast um Fastnach des folgenden 1635sten Jahres ihren Lauf." In
dreijähriger Arbeit gelang es den Pellwormern den Großen Koog,
den nördlichen Teil des Alten Kooges, den Mittelsten Koog, den Kleinen
Koog und den Wester neuen Koog notdürftig einzudeichen und sie der
Insel wieder hinzuzufügen.
1635 Obwohl der Pellwormer Deich denselbigen Sommer gutermaßen repariert
und also aufgeführet wurde", brachen "die im Frühling
geschlossenen Wahlen durch die im Oktober gegangene Flut wieder durch"
(HEIMREICH). Es gibt keine Aufzeichnungen über Sturmfluten um die
Jahrhundertwende. Lediglich HEIMREICH berichtete:
A (anno) 1697 auf Basilii Tag ist ein sehr heftiger Sturm entstanden und
eine hohe Wasserflut erfolget, dadurch die Deiche in den Marschländern
übel zugerichtet sind, und waren sonderlich die Pellwormer, weil
ihre Deiche den dritten Teil niedriger als jetzt sich befinden ..."
1698 oder 1699 HEI'MREICH hebt auch hier die Insel Pellworm besonders
hervor, die bei "einer hohen Wasserflut abermals in nicht geringer
Gefahr eines Durchbruchs gewesen ist."
1701 nach HEIMREICH hat diese Flut keine schweren Deichschäden auf
Pellworm verursacht.
1703 HEIMREICH berichtet, daß "bey einem gräulichen Ungewitter
und sehr heftigem Nordwestwinde eine hohe Wasserfluth, und zwar von den
erwähnten die höchste ergangen ist. Auf Pellworm sind große
Löcher in den Deich gespülert und durch Wegreißung vieler
Erde die Deiche ganz schmal und dünn geworden, daß selbige
an etlichen Stellen mit einem Stock haben durchstochen werden können."
1717 Ober die Weihnachtsflut berichtet HEIMREICH, daß "die
Köge überschwemmt wurden, weil aber die Deiche in gutem Stande
sich befunden und die Einbrüche bei fallendem Wasser oder zur Ebbzeit
erstlich geschehen, hat es in etlichen Kögen nicht 3 bis 4 Fuß
gestanden."
1718 Zwei Monate nach der Weihnachtsflut brach eine neue Flut über
die Insel herein. Unser Chronist berichtet: "Nach dem Einsetzen von
Tauwetter entstand den 23. 11. 1718 ein entsetzliches Ungewitter, indem
der Wind mit regnitem Wetter den ganzen Tag von südsüdwesten
gewehet, sich des Abends nach dem Westen und Nordwesten gewandt und mit
ganz starkem Wehen anhielt." Das Wasser stieg ..bei offenem Lande
und eingerissenen Wehlen viel höher" (als bei der Weihnachtsflut).
Bei dieser Flut wurden die "Verbesserungen der Deiche, welche über
10O Rtr. (Reichstaler) gekostet, wieder ruinieret und viel ärger."
An der Westküste war "alles Land mit großen Eisschollen
übersetzt, daß nichts als Eis und Wasser zu sehen gewesen ist
und das Eis an Örtern über 2 Menschen hoch auf dem Lande gelegen."
1719 trat neuer Flutschaden auf. Das Wasser war "etwa 8 Tage nach
Martini (Mitte November) fast bis auf den Kamm des Deiches gestiegen,
der wegen Mangel an Langstroh und Deckung übel zugerichtet"
wurde. Bereits vor dieser Flut müssen einige Fluten aufgetreten sein,
denn aus einer Kostenaufstellung geht hervor, daß 140.660 Cour (=56.700
Taler) zur Wiederherstellung der Deiche aufgewendet werden mußten.
1720 Über eine Sturmflut im Herbst sagt eine Verfügung des Amtshauses,
daß "in dem letztern harten Sturm die Deiche um dem Lande Pellworm
sehr beschädigt und an verschiedenen Stellen in Landesgefahr sich
befinden." Über die Sylvesterflut am 31.XII.1720 sagen die "Besonderen
Nachrichten von Nordstrand", daß ganz Pellworm überschwemmt
wurde.
1729 wurde Pellworm von einer Sturrnflut heimgesucht, die den mittelsten
Teil der Insel fast gänzlich überschwemmt. Darüber berichtet
der Husumer Amtmann in Verwaltungsdeutsch, daß die Landschaft Pellworm
die Rückstände der "vorigen Jahres?Land?Gelder und regulierten
Restanten Termine des desolaten Zustandes wegen" noch nicht abtragen
könne.
1743 im April berichtet der "Immissionseinnehmer" JUEL an den
König, daß die Pellwormer Deiche durch mehrere Sturmfluten
des Jahres 1743 stark gelitten haben. An 10 Stellen waren die Deiche "von
oben bis auf die Sohle und der Breite nach in der halben Wagenspur ab?
und weggeschlagen."
1744 trat wiederum eine Sturmflut auf und verschlimmerte die Lage der
Insel. In einer Resolution vom März 1745 wird den Pellwormern "in
Ansehung des erlittenen Deichschadens und dessen Wiederherstellung"
ein Aufschub für die aus dem Vorjahre noch schuldigen Dematgelder
gewährt, "ohne daß jedoch der Solidums Verbindlichkeit
damit präjudiziert wurde."
1751 Am 11. September brach eine schwere Sturmflut über Pellworm
herein. Der Pellwormer Landschreiber WRAGE berichtet an das Amtshaus:
"Nicht nur der Utermarken ? mit dem Großen Norder Koege ganz
und ein Teil vom Kleinen Koege überschwemmet, sondern auch der Teich
(Deich) umb gantz Pellworm überhaupt Kammgestürzet und bis zu
Brust an vielen Ohrten Land gefährlich eingehauen worden. Wenn durch
den Fleiß der "TeichVerständigen und anderer Leute in
den gefehrlichsten Teich?Brüchen dem bereits einrauschenden Wasser
durch gefüllte Säcke, vorgedeckte Segel und Bepfählungen
nicht Einhalt geschehen wäre?, hätten alle übrigen Kööge
dieses Landes ... eine allgemeine Überschwemmung des ungestümen
Meeres verleiden müssen."
1752 Aus einem Schreiben des Amtshauses in Husum ist erkenntlich, daß
die Pellwormer Deiche, aufgrund der Sturmflut vom 5. November, gefährlich
mitgenommen wurden. Die schweren Deicharbeiten des vorausgegangenen Jahres
wurden größtenteils vernichtet. Das Land könnte leicht
verloren gehen, wenn den niedergeschlagenen Bewohnern nicht geholfen würde.
R.L. wird fortgesetzt in der Septemberausgabe.
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