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Pellworm, den 04.09.2010 - 06:07 Uhr

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Date: 04.09.10
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Sturmfluten über Pellworm
Sturmflut über Pellworm

Im ersten christlichen Jahrtausend war Nordfriesland ein großes Moorgebiet, das von einigen Geestinseln durchsetzt war. Die Inseln waren von Germanenstämmen bewohnt, von denen die Ambronen ein besonders kriegerischer Haufe war. Wir kennen die Rudimente dieser Inseln unter den Namen Amrum, Föhr und Sylt. In die dazwischen gelegenen Moore drangen um die Jahrtausendwende die Friesen ein. Das Meer überschwemmte immer wieder diese Moorgebiete und zwang die Bewohner zu ständigem Kampf mit der Nordsee. Die Kämpfe verliefen oft tragisch, weil die Mittel zu jener Zeit nicht ausreichten, sich und das bewohnte Land vor dem Meere zu schützen.

Eine der großen Katastrophen war die Flut von 1362, die als Manndränke in die Geschichte dieses Landes eingegangen ist. Der Name sagt alles. Mehrere tausend Menschen sind in den Fluten ertrunken. Die zweite große Manndränke brach 1634, mitten im dreißigjährigen Kriege über Nordfriesland herein. An die 9000 Menschenleben waren zu beklagen. Die große Flut trennte die Insel Strand in zwei Teile. Das heutige Nordstrand ist ein Bruchstück, Pellworm das andere. Die eigenständige Geschichte von Pellworm beginnt also im Unglücksiahr 1634. Sie ist die Geschichte der Sturmfluten und die Geschichte der Wunden, die sie der Insel geschlagen haben. Und es ist die Geschichte der Menschen, die immer wieder mit Zähigkeit und Ausdauer ihre Deiche gegen das Meer errichteten, ausbesserten und verstärkten, bis in die heutige Zeit.
Während nach 1634 Nordstrand durch holländische Hilfe wieder aus den Fluten erstand, haben die Pellwormer selbst das Verdienst, ihre Insel gerettet zu haben.
Wir möchten nachstehend eine chronologische Obersicht über die Sturmfluten geben. Sie wird das Ausmaß des Widerstandes erkennen lassen, den die Pellwormer Bevölkerung der See entgegensetzte, um ihre Insel zu bewahren.
1634 Eine schwere Sturmflut trennt Nordstrand von der "Pellwormer Harde", dem Kernstück des heutigen Pellworm. Die nach dem Chronisten HEIMREICH im Kirchspiel Pellworm "eingerissenen 5 Wahlen (behielten) bis fast um Fastnach des folgenden 1635sten Jahres ihren Lauf." In dreijähriger Arbeit gelang es den Pellwormern den Großen Koog, den nördlichen Teil des Alten Kooges, den Mittelsten Koog, den Kleinen Koog und den Wester neuen Koog notdürftig einzudeichen und sie der Insel wieder hinzuzufügen.
1635 Obwohl der Pellwormer Deich denselbigen Sommer gutermaßen repariert und also aufgeführet wurde", brachen "die im Frühling geschlossenen Wahlen durch die im Oktober gegangene Flut wieder durch" (HEIMREICH). Es gibt keine Aufzeichnungen über Sturmfluten um die Jahrhundertwende. Lediglich HEIMREICH berichtete:
A (anno) 1697 auf Basilii Tag ist ein sehr heftiger Sturm entstanden und eine hohe Wasserflut erfolget, dadurch die Deiche in den Marschländern übel zugerichtet sind, und waren sonderlich die Pellwormer, weil ihre Deiche den dritten Teil niedriger als jetzt sich befinden ..."
1698 oder 1699 HEI'MREICH hebt auch hier die Insel Pellworm besonders hervor, die bei "einer hohen Wasserflut abermals in nicht geringer Gefahr eines Durchbruchs gewesen ist."
1701 nach HEIMREICH hat diese Flut keine schweren Deichschäden auf Pellworm verursacht.
1703 HEIMREICH berichtet, daß "bey einem gräulichen Ungewitter und sehr heftigem Nordwestwinde eine hohe Wasserfluth, und zwar von den erwähnten die höchste ergangen ist. Auf Pellworm sind große Löcher in den Deich gespülert und durch Wegreißung vieler Erde die Deiche ganz schmal und dünn geworden, daß selbige an etlichen Stellen mit einem Stock haben durchstochen werden können."
1717 Ober die Weihnachtsflut berichtet HEIMREICH, daß "die Köge überschwemmt wurden, weil aber die Deiche in gutem Stande sich befunden und die Einbrüche bei fallendem Wasser oder zur Ebbzeit erstlich geschehen, hat es in etlichen Kögen nicht 3 bis 4 Fuß gestanden."
1718 Zwei Monate nach der Weihnachtsflut brach eine neue Flut über die Insel herein. Unser Chronist berichtet: "Nach dem Einsetzen von Tauwetter entstand den 23. 11. 1718 ein entsetzliches Ungewitter, indem der Wind mit regnitem Wetter den ganzen Tag von südsüdwesten gewehet, sich des Abends nach dem Westen und Nordwesten gewandt und mit ganz starkem Wehen anhielt." Das Wasser stieg ..bei offenem Lande und eingerissenen Wehlen viel höher" (als bei der Weihnachtsflut). Bei dieser Flut wurden die "Verbesserungen der Deiche, welche über 10O Rtr. (Reichstaler) gekostet, wieder ruinieret und viel ärger." An der Westküste war "alles Land mit großen Eisschollen übersetzt, daß nichts als Eis und Wasser zu sehen gewesen ist und das Eis an Örtern über 2 Menschen hoch auf dem Lande gelegen."
1719 trat neuer Flutschaden auf. Das Wasser war "etwa 8 Tage nach Martini (Mitte November) fast bis auf den Kamm des Deiches gestiegen, der wegen Mangel an Langstroh und Deckung übel zugerichtet" wurde. Bereits vor dieser Flut müssen einige Fluten aufgetreten sein, denn aus einer Kostenaufstellung geht hervor, daß 140.660 Cour (=56.700 Taler) zur Wiederherstellung der Deiche aufgewendet werden mußten.
1720 Über eine Sturmflut im Herbst sagt eine Verfügung des Amtshauses, daß "in dem letztern harten Sturm die Deiche um dem Lande Pellworm sehr beschädigt und an verschiedenen Stellen in Landesgefahr sich befinden." Über die Sylvesterflut am 31.XII.1720 sagen die "Besonderen Nachrichten von Nordstrand", daß ganz Pellworm überschwemmt wurde.
1729 wurde Pellworm von einer Sturrnflut heimgesucht, die den mittelsten Teil der Insel fast gänzlich überschwemmt. Darüber berichtet der Husumer Amtmann in Verwaltungsdeutsch, daß die Landschaft Pellworm die Rückstände der "vorigen Jahres?Land?Gelder und regulierten Restanten Termine des desolaten Zustandes wegen" noch nicht abtragen könne.
1743 im April berichtet der "Immissionseinnehmer" JUEL an den König, daß die Pellwormer Deiche durch mehrere Sturmfluten des Jahres 1743 stark gelitten haben. An 10 Stellen waren die Deiche "von oben bis auf die Sohle und der Breite nach in der halben Wagenspur ab? und weggeschlagen."
1744 trat wiederum eine Sturmflut auf und verschlimmerte die Lage der Insel. In einer Resolution vom März 1745 wird den Pellwormern "in Ansehung des erlittenen Deichschadens und dessen Wiederherstellung" ein Aufschub für die aus dem Vorjahre noch schuldigen Dematgelder gewährt, "ohne daß jedoch der Solidums Verbindlichkeit damit präjudiziert wurde."
1751 Am 11. September brach eine schwere Sturmflut über Pellworm herein. Der Pellwormer Landschreiber WRAGE berichtet an das Amtshaus: "Nicht nur der Utermarken ? mit dem Großen Norder Koege ganz und ein Teil vom Kleinen Koege überschwemmet, sondern auch der Teich (Deich) umb gantz Pellworm überhaupt Kammgestürzet und bis zu Brust an vielen Ohrten Land gefährlich eingehauen worden. Wenn durch den Fleiß der "TeichVerständigen und anderer Leute in den gefehrlichsten Teich?Brüchen dem bereits einrauschenden Wasser durch gefüllte Säcke, vorgedeckte Segel und Bepfählungen nicht Einhalt geschehen wäre?, hätten alle übrigen Kööge dieses Landes ... eine allgemeine Überschwemmung des ungestümen Meeres verleiden müssen."
1752 Aus einem Schreiben des Amtshauses in Husum ist erkenntlich, daß die Pellwormer Deiche, aufgrund der Sturmflut vom 5. November, gefährlich mitgenommen wurden. Die schweren Deicharbeiten des vorausgegangenen Jahres wurden größtenteils vernichtet. Das Land könnte leicht verloren gehen, wenn den niedergeschlagenen Bewohnern nicht geholfen würde.

R.L. wird fortgesetzt in der Septemberausgabe.



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