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Pellworm, den 04.09.2010 - 06:29 Uhr

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Date: 04.09.10
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Die Pellwormer Wasserversorgung

Die Vorgeschichte Die Wasserversorgung ist seit Jahrhunderten ein Problem für unsere Inseleinwohner gewesen. Oft war es sehr schwierig, genügend Wasser für den Haushalt und für das Vieh heranzuschaffen. Man nahm es seit alters her aus den Wasserspeichern, den Kuhlen. Das Kuhlenwasser besteht zu einem Teil aus Grundwasser, zum anderen Teil aus Regenwasser. Nicht selten war es salzig und für den Gebrauch wertlos. Manchmal mußte man das Wasser von abgelegenen Stellen heranschaffen. In solchen Fällen wurde z.B. ein Waschtag für die Hausfrau ein wahres Problem. Das tägliche Wasserschleppen nahm viel Arbeit und Zeit in Anspruch, besonders im Winter, wenn das Vieh in den Ställen stand. In der trockenen Sommerszeit war das Wasser in den Kühlen knapp und zum Teil unsauber und konnte nur nach gründlicher Reinigung als Trinkwasser verwendet werden. Man fügte dem Wasser Alaun hinzu und ließ es einige Zeit im Behälter stehen, damit sich der Schmutz auf dem Boden absetzte. Auch bei der Viehhaltung wirkten sich schlechte Wasserverhältnisse zum Nachteil aus. Die Tiere erkrankten leicht und verloren an Gewicht. Für den häuslichen Gebrauch bevorzugte die Bevölkerung das Regenwasser, welches allerdings nur in kleinen Mengen zur Verfügung stand. Das Regenwasser von den Strohdächern verbrauchte man nicht als Trinkwasser, weil dieses nicht besonders schmackhaft ist. Im 19. Jahrhundert schafften sich einige Pellwormer als erste Modernisierung eine Pumpe an, mit der das Wasser von den Kühlen unmittelbar zum Verbrauchsplatz befördert werden konnte. Dieses war schon ein bedeutender Fortschritt, doch damals eine kostspielige Anschaffung und nicht für jeden erschwinglich. Nachdem 1. Weltkrieg bekamen viele Häuser und Scheunen eine Hartbedachung. Dadurch ergab sich die Möglichkeit größere Mengen Regenwasser aufzufangen und in Bassins zu speichern. Dieses Wasser hatte im Gegensatz zu dem der Strohdächer keinen unangenehmen Geschmack. Es floß vom Dach durch die Dachrinne in einen Filter, wo es durch Kieselsteine und gereinigtem Koks vom groben Schmutz getrennt und dann weiter in das Bassin geleitet wurde. Trotz dieser Verbesserungen kam es nach längeren Trockenperioden oft zu Engpässen in der Wasserversorgung. Viele Bassins wurden leer und viele Kühlen drohten auszutrocknen. Besonders problematisch war der trockene Sommer 1959. Die Pellwormerwaren gezwungen, Wasser vom Festland heranzuschaffen. Große Schuten beförderten laufendfrisches Trinkwasser. Vom Hafen aus brachte man das Wasser mit großen Behältern und Tonnen zu den einzelnen Verbrauchsstätten. Der Bedarf konnte längst nicht voll gedeckt werden. Deshalb galt es, mit der "kostbaren Flüssigkeit" äußerst sparsam umzugehen. In diesem trockenen Jahr mußten zahlreiche Familien sogar ihre Wäsche auf dem Festland waschen lassen. In strengen Wintern mit starker Eisbildung war auch der Seeweg unterbrochen. Zur Behebung des Wassermangels in dem sehr kalten Winter 1962/63 war für den Notstandfall sogar der Transport von Trinkwasser mit Flugzeugen und Hubschraubern vorbereitet worden. Eine nachhaltige Verbesserung der Pellwormer Wasserversorgung erschien nun unumgänglich.

Der frühere Bürgermeister Wulff hat sich um die Wasserversorgung besonders verdient gemacht. Er setzte sich immer wieder dafür ein, daß Pellworm durch eine "Pipeline" mit Wasser versorgt werden müßte. Im strengen Winter 1962/63 gelang es ihm den damaligen schleswig?hollsteinischen Ministerpräsident Dr. Lembke auf die Insel herüberzuholen. Der Ministerpräsident sah ein, daß die Wasserverhältnisse nicht mehr zeitgemäß waren und versprach deshalb sofortige Abhilfe. Die Pellwormer ließen jetzt nicht mehr locker, bis das Problem der Wasserversorgung gelöst war.

Das Stadium der Planung Um die Insel Pellworm nun langfristig mit gutem Wasser zu versorgen, gab es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Man konnte das an Ort und Stelle vorhandene Grundwasser mit Hilfe von Entsalzungsanlagen aufbereiten. Eine zweite Möglichkeit war der Anschluß an eines der zentralen Wasserversorgungsnetze auf dem Festland mit Hilfe einer Transportleitung durch das Wattenmeer. Für die Entsalzung des Wassers kamen 3 Verfahren in Frage: das Ausfrierverfahren, das Verdampfungsverfahren und die Elektrodialyse. Für den vorliegenden Bedarfsfall war die Elektrodialyse noch da günstigste Verfahren. Die kalkulierten Jahresausgaben lagen aber dennoch zu hoch. Der Anschluß an die Festlandsversorgung mit Hilfe von Leitungen durch das Wattenmeer stellt trotz höherer Baukosten die wirtschafstliche Lösung dar. Die Möglichkeit, solche Leitungen zu bauen, ist gegeben, seit der Rohre aus Hartpolyäthylen mit geeigneten Rohrverbindungen hergestellt werden, die entweder eingespült oder mit entsprechender Beschwerung auch frei verlegt werden können. Ein freie Verlegung schied aus folgenden Gründen aus:

1. An den Kreuzungsstellen mit den der Schifffahrt als Fahrwasser dienenden Wattströmen besteht die Gefahr, dass die Leitung durch notankernde Schiffe abgerissen wird. 2. An den Uferrändern der Wattströme kann die Leitung b( starkem Eisgang abgeschert werden. Pellworm 3. In starken Wintern treten im Wattenmeer Wassertemperaturen zwischen ?21 und ?31 C auf. Das Süßwasser in die Leitung würde einfrieren, sobald der Durchfluß eine Augenblick zur Ruhe kommt. Ständiger Durchfluß kann nicht garantiert werden, weil eine Unterbrechung durch Betriebsstörungen im Festlandsnetz nicht ausgeschlossen werden kann. 4. Auf allen Wattstrecken finden wir zahlreiche Hoch? und Tiefpunkte und Gefällstrecken, die wesentlich stärker geneigt sind als das erforderliche Druckliniengefälle in die Leitung. An diesen Stellen besteht die Gefahr von Betriebsstörungen durch Luftansammlungen. Solche Gefahren könnten nur durch verstärkten Pumpbetrieb mit extrem hohen Fließgeschwindigkeiten und entsprechend große Förderungen bewältigt werden. 5. Durch Veränderungen in den Wattströmen könnte di Transportleitung an einigen Stellen mit Sand überdec~ werden und an anderen Stellen frei im Wasserhänger Dabei bestünde die Gefahr, daß die Leitungen durch de Druck der Strömungen abgerissen werden. Aus diesen Gründen blieb nur die Wahl, die Leitung einzuspülen. Diese Methode hat man z.B. für eine Durchquerung vo Flüssen mit Kabeln oder Gas? und Wasserleitungen verwand Das Einspülverfahren hat sich bis jetzt gut bewährt und kar deshalb auch beider vorliegenden Ausbaustrecke Pellworm Festland zum Zuge. Es galt jedoch zum ersten Male, einoffene Wattenmeer zu durchqueren. Es waren sowohl höhe gelegene Wattflächen als auch tiefe Wattströme zu überwinden.
Ein weiteres schwieriges Problem war das der Linienführung. Hier gab es hauptsächlich 3 Alternativen. Um die günstigste Möglichkeit herauszufinden, ließ man das Wattengebiet wischen Pellworm und dem Festland eingehend untersuchen. Aus Sicherheitsgründen plante man für die Wattenmeerstrecke eine Doppelrohrleitung.. Um die erforderliche Wassermenge von 850 Kubikmeter täglich in den auf Pellworm vorgesehenen Speicherbecken fördern zu können, waren PE?hart?Rohre mit einer lichten Weite von 100 mm erforderlich.

Alternative 1

Die erste Lösung plante den Anschluß an das Versorgungsnetz des Wasserversorgungsverbandes "Uthlande" auf Nordstrand. Dieser Verband erhält sein Wasser vom Wasserwerk der Stadt Husum. Bei der ersten Lösung bereitete die "Norderever" die größten Schwierigkeiten. Dort, wo die Wasserleitung die "Norderhever" überqueren würde, ist der gewaltige Wattenstrom 2 km breit und etwa 20?22 m tief. Der Tidenhub trägt hier rund 3 m. Die Tidenströmungen verursachen im sandigen Untergrund des Strombettes starke Sohlenverlagengen. Um die Gefahr, daß die Leitung freigespült wird, einzuschränken, hätte man große Verlegetiefen wählen müssen. Diese wären auch kaum erreichbar gewesen und hätten einen zu hohen Kostenaufwand erfordert.

Alternative 2

Die zweite Lösung sah vor, Pellworm an das Versorgungsnetz es Wasserbeschaffungsverbandes "Nord" anzuschließen. Die Wasserleitung sollte vom Cecilienkoog über die Hallig Nordstrandischmoor nach Pellworm führen. Die Verlegung der Leitung zwischen dem Festland und Nordstrandischmoor bot keine besonderen Schwierigkeiten, da dieses Wattengebiet hoch hegt und von keinen tieferen Prielen durchflossen wird. Anders ist jedoch die Strecke zwischen Nordstrandischmoor und dem Pellwormer Seedeich. Auch hier ist die "Norderhever" das größte Hindernis. Der Wattenstrom hat hier etwa eine Tiefe von 15 m. Bei einer Untersuchung des Untergrundes stellte man fest, daß in etwa 15,5 m Tiefe eine 2?3 m dicke Tonschicht folgte. Die Tonschicht hätte mit der Leitung unterfahren werden müssen. Die schlechte Spülfähigkeit des Tones erforderte wegen der da durch bedingten geringen Fortschrittsgeschwindigkeit so hohe Verlegekosten, daß auch diese Möglichkeit aufgegeben werden mußte.

Alternative 3

Die dritte Lösung verbindet Pellworm ebenfalls mit dem Versorgungsnetz des Wasserbeschaffungsverbandes "Nord". Die Leitung führt vom Sönke?Nissen?Koog durch das Deichvorland der Hamburger Hallig. Von dort gelangt die Leitung nach Überquerung des nördlichsten Armes der "Norderhever" und des "Rummelloch?Ost" zur Nordostspitze unserer Insel. Nach eingehenden Untersuchungen des Wattengebietes zwischen der Hamburger Hallig und Pellworm und nach sorgfältiger Abwägung aller Vor?undNachteile musste die Alternative lll als die günstigste angesehen werden. (Fortsetzung folgt)



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