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Pellworm, den 17.03.2010 - 08:04 Uhr

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Date: 17.03.10
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Wildwachsende Heilkräuter auf Pellworm

Die Kamille - Matricaria Chamomilla L
war früher in Süd- und Osteuropa und in Vorderasien beheimatet und hat sich inzwischen in ganz Europa eingebürgert. Das einjährige etwa 30 cm hohe Kraut wächst auch in Pellworm an Straßenrändern und an Feldrainen. Oft ist Saatgut mit Kamillensamen vermengt. Die Folge ist, daß ganze Felder mit Kamille durchsetzt sind. Von solchen Feldern, die es auch auf Pellworm gibt, steigen Wolken des charakteristischen aromatischen Geruchs auf. Der Aufenthalt in einer solchen Duftwolke kommt dem Aufenthalt in einem Inhalatorium gleich.
Die nordischen Völker haben die Kamille dem Sonnengott Baldur zugeordnet. Die mit weißen Randblüten bestickte, gelbe Blütenscheibe galt als Sonnsymbol. Die Sonne heilt und die Kamille heilt. "Heilen" ist auch das Wort, das die meisten Menschen mit dem Namen Kamille verbinden. Und in der Tat haben die Pharmakologen herausgefunden, daß diese Meinung zu recht besteht. Die Kamille ist also eine der bedeutendsten Heilpflanzen, deren Inhaltsstoffe in vielen präfabrizierten Medikamenten enthalten sind.
Die Kamille gehört zu der großen Familie der Korbblüter (=Kompositen). Sie hat einen aufrechten, krautartigen, meist ästigen Stengel, der mit 2?3fach fiederteiligen Blättern besetzt ist und einzelne, halbkugelige Blüten mit hohlem Blütenboden und eigentümlichem, aromatischem Geruch. Der hohle Blütenboden unterscheidet sie von der Hundskamille.
Als Bestandteile der Kamille gelten organische Säuren, darunter verschiedene Ölsäuren, Lävulose, Apigenin, Umbelliferon, Dioxykumarin, Phytosteron, Harze, ein Alkaloid und Glykoside. Der wichtigste, arzneilich wirksame Inhaltsstoff ist aber das aetherische Kamillenöl, das der Pflanze den Duft verleiht, und dessen blau gefärbte Fraktion, das Azulen.
Die Kamille hat eine schweißtreibende, beruhigende, eampfstillende, erweichende und desinfizierende Wirkung. Außerdem regt sie Wundränder zu schnellerer Abheilung an. Aufgrund dieser Wirkungen wendet man die Kamille in Aufgüssen zu Spülungen der Augen, der Ohren, der Nase, des Rachens und des Darmes an. Azulene sind in vielen Magenmitteln enthalten. Darum eignet sich der Aufguß von Kamille auch zu Rollkuren bei Magenschleimhautentzündungen und bei Magengeschwüren. Der Aufguß wird hergestellt, indem man die Menge getrockneter Kamillenblüten, die man mit drei Fingern greifen kann, mit siedendem Wasser übergießt und fünf Minuten ziehen läßt. Anschließend wird durchgeseiht. Für eine Rollkur braucht man zwei Tassen Kamillenaufguß. Man wartet, bis der Aufguß lauwarm geworden ist, legt sich auf ein Bett und trinkt den "Kamillentee" im Liegen. Dann legt man sich fünf Minuten auf den Bauch, fünf Minuten auf die linke Seite, fünf Minuten auf den Rücken und fünf Minuten auf die rechte Seite. Auf diese Weise benetzt der Kamillenblütenaufguß alle Magenwände. Nicht nur Magenkranke, sondern auch Gesunde mit nervösem Magen sollten diese Rollkur durchführen.
Zum Sammeln von Kamille braucht man einen luftdurchlässigen Beutel (keine Plastiktüte) und eine kräftige Schere. Man geht von Pflanze zu Pflanze und schneidet nur die Blütenköpfe ab. Man trocknet sie an luftigem Orte, auf sauberem Papier ausgebreitet. Jeden Tag sollten die Blütenköpfe gewendet werden. Das Sammeln von Kamillenblüten ist mühsam, aber es lohnt sich.
R. L.



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