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Pellworm, den 29.07.2010 - 18:39 Uhr

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Die Pellwormer Wasserversorgung

Der Bau der Wasserleitung durch das Wattenmeer

a) Die Leitung Festland ? Pellworm Nach Abschluß aller Planungsarbeiten und nach Sicherstellung der Finanzierung konnte im Sommer 1964 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Ausbaustrecke vom Sönke?Nissen?Koog bis zum Pellwormer Seedeich teilt sich in zwei Bauabschnitte auf. Auf der 5,1 km langen ersten Teilstrecke vom Sönke?Nissen?Koog bis zum Amaturenschacht auf der Hamburger Hallig besteht die Leitung aus Asbestzementrohren. Im Amaturenschacht befinden sich Absperrvorrichtungen und Entlüfter. Außerdem hat man für jeden Strang der von dort weiterführenden Doppelrohrleitung aus PE?hart?Rohren Wasserzähler und Druckschreiber Z,. u r Betriebskontrolle eingebaut. Der zweite Bauabschnitt liegt zwischen der Hamburger Hallig und dem Pellwormer Seedeich und hat eine Länge von 9,9km. Vom Pellwormer Seedeich führt die Leitung zu den Reinwasserbehältern der Pumpstation. Die Druckverhältnisse im Festlandnetz reichen aus, um den maximalen Tagesbedarf ohne Druckerhöhung in 24?stündigem Betrieb einspeisen zu können. In der Doppelrohrleitung haben wir Fließgeschwindigkeiten, die zwischen 0,5 und 0,7m/sec. liegen. Auf der Strecke durch das Wattenmeer mußten Hoch? und Tiefpunkte vermieden werden, weil hier keine Entlüftungsventile eingebaut werden können. Nur zwischen dem Rummelloch?Ost< und dem ~,Strand" hat die Leitung einen Hochpunkt, weil beide Wattströme mit einer Oberdeckung von 5?6 m unterfahren werden mußten.
Solche Tiefen waren zur Einschränkung des Freispülrisikos nötig. Diese Tatsache bringt jedoch keine Nachteile, weil die Gefällstrecke beim "Strand" zum Schacht auf der Hamburger Hallig entlüftet werden kann. Die Gefällstrecke vor dem "Rummelloch?Ost~< hat eine Neigung von 0,2%. Sollten sich hier in der Leitung Luftblasen bilden. so werde diese vom Wasser mittransportiert und können aus dem Entlüftungsventil im Schacht auf Pellworm wieder austreten. Der Bauabschnitt 1 zwischen dem Festland und der Hamburger Hallig wurde zuerst fertiggestellt. Die 'Verlegearbeiten verzögerten sich einige Male, weil bei anhaltenden Westwinden das Vorland und die Baugruben überfluteten. Sonst gab es beim Bauabschnitt 1 keine besonderen Schwierigkeiten. Größere Probleme brachte die Ausbaustrecke 2 zwischen der Hamburger Hallig und Pellworm.
b) Das Einspülverfahren und die Geräte: Die Leitung durch das Wattenmeer wurde von der Hamburger Firma Harmstorf mit Hilfe des von ihr entwickelten Spezialverfahrens eingespült. Bei diesem Verfahren verwendet man ein Einspülschwert, das aus einem Spülstutzen mit mehren Kanälen besteht, die Druckwasser zu den vorne und unten am Schwert angebrachten Spüldüsen leiten. Hinter dem Spülstutzen befindet sich im Schwert ein Führungskanal, in dem die flexiblen Hart?Polyäthylenrohre aus der senkrechten in die waagerechte Lage umgelenkt werden. Das Einspülschwert wird bei ausreichender Wassertiefe in der Regel von einem quer zur Spülrichtung liegenden Trägerschiff an Stahlseilen gehalten. Auf dem Trägerschiff befinden sich die Pumpen für das notwendige Druckwasser und schwere Winden, mit denen Einspülschwert und Schiff überein voraus verankertes Zugseil vorwärts bewegt werden. Während der Einspülung bringt da aus den Spüldüsen austretende Druckwässer den Untergrund in Bewegung und verflüssigt ihn soweit, daß das Schwert durch einen schmalen Schlitz im Boden gezogen werden kann Die Rohre gleiten durch den Führungskanal und verlassen a seiner Rückseite das Schwert. Unmittelbar hinter diesem verfestigt sich der Boden wieder über den Rohren, so daß sie nicht aufschwimmen können. Die Firma Harmstorf war gezwungen, bei der Verlegung der Leitung nach Pellworm drei verschiedene Gerätegruppen als Träger für das Einspülschwert sowie zur Unterbringung der nötigen Arbeitsmaschinen, Winden und Pumpen einzusetzen. in den tiefen Wattströmen wie z.B. im "Strand" und im >~Rummelloch?Ost" mußte wegen des Seegangs und der Tidenströmungen ein großes Verlegeschiff eingesetzt werden. Zur Querung der von kleinen Prielen durchzogenen Wattflächen musste wegen der geringen Wassertiefen ein flachgehendes Ponfongerät das Einspülschwert übernehmen. Die Verlegung auf den hohen Sandplatten war nur möglich mit Hilfe eines von der Firma neu entwickelten Trägergerätes, das auf Rollen vorwärtsbewegt wird und daher unabhängig von der Wassertiefe eingesetzt werden kann. Beim Einsatz dieses Gerätes müssen die Maschinen und Pumpen auf einem besonderen Ponton untergebracht werden. Die Zugwinde befindet sich dabei auf einem zweiten, voraus verankerten Ponton. Trotz des Einsatzes dieser Spezialgeräte bereitet insbesondere die Verlegung auf den hohen Sandplatten Schwierigkeiten, weil auch hier verhältnismäßig große Einspültiefen erforderlich waren.

c) Die Bauarbeiten: Am 13. Mai 1964 begannen die Arbeiten im Wattenmeer. Zunächst führte man umfangreiche Probespülungen durch, um die Bodenverhältnisse für die Verlegung zu erforschen und danach Größe und Anstellwinkel der Druckwasserdüsen am Spülrohr einzurichten. Am 18. Juni 1964 erfolgte die Verlegung der ersten Rohre. Die verwendeten HartPolyäthylenrohre wurden auf Trommel in Längen von 600 m je Stück auf Schuten angeliefert. An den Verlegestellen wurden sie ausgeschwommen und verankert. Bei starkem Wind traten dabei Schwierigkeiten auf. Die Rohre verwickelten sich ineinander und knickten ab. In Solchen Fällen mußte mann die Rohrlängen auf 300 m verkürzen. Die einzelnen Rohrenden verband man durch elektrische Muffenschweißung in seewasserbeständiger Ausführuqg.2Auf der Strecke Hamburger Hallig?Pellworm befinden sich 58 solcher Verbindungen. Im großen und ganzen gesehen ging die Verlegung zügig voran. Die Arbeiten wurden lediglich von einigen Schlechtwettertagen und von einer Ostwindperiode mit außergewöhnlich niedrigen Wasserständen unterbrochen. In der gesamten Bauzeit waren 25 Stilliegetage zu verzeichnen. Die auftretenden Sturmtage wurden, von den seetüchtigen eingesetzten Mannschaften, Schiffen und Geräten der Firma Harmstorf gut überstanden. Nur während der Sturmflut am 17.November 1964 schlug ein Ponton leck und ging unter. Dieser konnte jedoch sofort wieder gehoben und repariert werden.Am 30. November 1964 verlegte man vor dem Pellwormer Seedeich die letzten Meter der Doppelrohrleitung. Anfang Dezember wurden dann die Durchfluß und Druckproben abgenommen, so daß nach dem Spülen und Entkeimen der Leitung die Wasserversorgung der Insel Pellworm aufgenommen werden konnte. Die ca. 10 km lange Doppelrohrleitung zwischen der Hamburger Hallig und Pellworm beanspruchte eine Zeit von 166 Tagen. Die Kosten fürdie Bauabschnitte l+2 befiefen sich auf rund2,185Mill. DM. Davon kostete die 10 km lange Doppelrohrleitung 1,750 Mill. DM. Hiervon entfielen 1,275 Mill. DM auf die Verlegekosten. Die Finanzierung der Maßnahme erfolgte im Rahmen des Programms Nord zu den allgemein gültigen Bedingungen für die Finanzierung von ländlichen Wasserversorgungen.Die Planung und die Bauleitung für die Trinkwasserleitung durch das Wattenmeer führte das Marschenbauamt Husum aus.

d) Das "Richtfest" Bevor die Mannschaft der Firma Harmstorf ihren Arbeitsplatz im nordfriesischen Wattenmeer verließ, wurde sie noch einmal zu einer Abschiedsfeier nach Pellworm eingeladen. Am 3. Dezember 1964 wurde die kleine, aber gewichtige Flotte der Firma Harmstorf feierlich eingeholt. Nachdem die "MS Langeneß" alle Offiziellen am Unternehmen Wasserleitung nach Pellworm" von ?Strucklahnungshörn abgeholt hatte, steuerte das Schiff auf die Flotte Harmstorf zu. Es gab eine Begrüßung mit Heulen und Schiffssirenen. Die ganze Flotte war bis über die Toppen geflaggt. Die Flotte der Firma Harmstorf wurde dann bei der schwierigen Einfahrt in den Pellwormer Hafen von der "Langeneß" gezogen. In Blohms Gasthof war bereits alles für das "Richtfest" vorbereitet worden. Es war zugleich die Abschiedsstunde für die Firma Harmstorf. Sie verließ ihren Arbeitsplatz, nachdem sie die Doppelrohrleitung fertiggestellt hatte und das Wasser auf Pellworm aus der Leitung plätscherte. Dem damaligem Vorsitzenden des Wasserbeschaffungsverbandes >Nord" Ingwersen und dem damaligen Bürgermeister Wulff wurde das erste Wasser in einem Weinkelch serviert. Hierzu freute sich Kulff besonders. Dieser Tag war immerhin die Krönung eines Werkes, das er in jahrelangem Ringen mit den Behörden fast schon zu seiner eigenen Sache gemacht hatte. Auf dieser Abschiedsfeier stattete Wulff namens der Gemeinde PellwormderBesatzungseinen6esonderenDankab.~>Gerade wir auf der lnsel wissen, was es bedeutet, monatelang draußen auf der See und dann auch noch Tag und Nacht und bei Wind und Wetter zu arbeiten", sagte Wulff. Auch der damalige Regierungsbaudirektor Puls vom Marschenbauamt Husum sprach der bauausführenden Firma eine besonderen Dank aus.



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