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Date: 20.03.10 Time: 09:40:37 User online: 7 Heute: 68 Gestern: 187 Gesamt: 12391 |
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| Impressum Arbeitskreis
INSEL-ZEITUNG
Studio Pellworm
2251 PELLWORM
04844/687
Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
Erwin Fiera
Wilhelm Gohde
Philipp Goedeking
Sönje Hansen
Angelika Leners
Rolf Lohmeyer,
Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Bernd Thornsen
Johann Wilsterman
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PELLWORM
- eine Rentnerinsel
Was sind nun die Gründe für den unverhältnismäßig
hohen Bevölkerungsschwund? Pellworm hat a) eine natürliche Abwanderung
durch kleine Geburten? und hohe Sterbeziffern, die zusammenhängt
mit b) einer überdurchschnittlichen Abwanderung junger Leute. Nahezu
jeder Pellwormer Schüler, der mit 15, 16 oder 17 Jahren die Haupt-
oder Realschule beendet, muß notgedrungen erst einmal zum Festland,
wenn er eine weiterführende Schule besuchen oder eine Lehre antreten
will. Nach der Lehre oder einer andersweitigen Ausbildung verbleiben die
meisten auf dem Festland, weil auf Pellworm kaum Arbeitsplätze zur
Verfügung stehen. Ein Blick auf die Pellwormer Erwerbsstruktur macht
deutlich, daß der Arbeitsmarkt nicht gerade vielfältig ist:
Der Hauptanteil der Pellwormer Erwerbstätigen lebt von der Landwirtschaft
(49,3%). Im Zuge der bundesweiten Entwicklung der Technisierung und Konzentration
der Landwirtschaft ging wie überall die Zahl der landwirtschaftlichen
Betriebe auch auf Pellworm zurück. Gab es 1949 noch 164 Haupter werbsbetriebe,
so sind es heute noch 80 (Nebenerwerbsbe triebe 1945: 50 ? 1976: 26).
Da wie überall nicht nur die An zahl der Höfe selbst, sondern
auch der dort beschäftigten Personen aufgrund von Technisierung abnahm,
war die Abwanderung und Suche nach anderen Erwerbsmöglichkeiten eine
logische Folge. Inselspezifische Probleme ? Schwierigkeiten, einen anderen
Arbeitsplatz zu finden, finanzielle und eventuell persönliche Probleme
(Partnersuche!) beim Verbleib auf der Insel beschleunigten dann die Abwanderung.
Wenn man also bedenkt, daß fast die Hälfte der Pellwormer Bevölkerung
von dem Erwerbszweig Landwirtschaft lebt und nur weitere 37,9% von Dienstleistungs
- und anderen Versorgungsbetrieben und gar nur 12,8% vom produzierenden
Gewerbe, so läßt sich ermessen, daß hier kaum Möglichkeiten
für Jugendliche bestehen, einen Ausbildungs? oder Arbeitsplatz zu
bekommen. Die Anzahl dieser Betriebe läßt sich in der jetzigen
Situation kaum vergrößern, im Gegenteil, sie nimmt ab; und
selbst die wenigen Lehrherren, die einen Ausbildungsplatz zur Verfügung
stellen können, müssen inselbedingt mit durchaus beachtlichen
Schwierigkeiten rechnen. Der Besuch der Berufsschule in Husum erfordert
oft von den Auszubildenden ein Fernbleiben von zwei, in schlimmsten Fällen
sogar drei Tagen, wenn die Fährverbindung besonders ungünstig
ist. Ein Überblick über die vorhandenen Betriebe und Erwerbsmöglichkeiten
macht deutlich, daß es sich hier ? zieht man die Größe
der Insel in Betracht ? hauptsächlich um Klein? und Familienbetriebe
handelt.
Es gibt auf Pellworm (1976):
1 Landwirtschaftliche Genossenschaft
1 Landhandelsbetrieb mit Schweinemast
2 Bauhandwerksbetriebe
3 Schlosserei- und Landmaschinenwerkstätten
3 Bäckereien
8 Gastwirtschaften mit Bettenvermietung
1 Sattler und Innenausstatter
1 Möbel- und Textilhandel
7 Gemischtwarenläden
1 Kleinbusunternehmen
4 Kutterf ischer
1 Küstenmotor -Frachtschiffe
1 Sandfischer
1 Verkehrsbetrieb
Weitere wenige Siellen bei den beiden Sparkassen, der
Post, der Schule, der Gemeinde, Kurzentrum u.ä. oder beim Marschenbauamt
runden das hiesige Erwerbsbild ab.
Der durch die oben beschriebene Erwerbsstruktur beschleunigte Bevölkerungsschwund
bedingt natürlich Konsumrückgang und dieser logischerweise wieder
Betriebsauflösung. Dieses wiederum bedeutet auch in Zukunft wieder
weniger Arbeitsplätze, und so ergibt sich ein zwangsläufiger
Kreislauf. Im letzten Winter waren 44% der Versicherungspflichtigen auf
Pellworm arbeitslos. (Allerdings suchten durchaus einige Pellwormer Betriebe
Gesellen oder Aushilfskräfte, fanden jedoch auf Pellworm niemanden
und stellten schließlich auswärtige Bewerber ein).
Bedingt sind diese Prozesse nicht zuletzt durch den tideabhängigen
Verkehr. Verkehrsmöglichkeiten sind innerhalb der Tide von 12,5 Stunden
nur innerhalb einer Zeit von 5,5 Stunden über MThW möglich.
Zwar soll die Fahrzeit auf 9 Stunden je Tide erhöht werden durch
Ausbaggerung der Fahrrinne, was einen Kostenaufwand von 700000 DM bedeuten
würde, aber noch sind die Kompetenzstreitigkeiten zwischen Bund,
Land und Europäischer Gemeinschaft nicht beigelegt. Daß diese
sehr wünschenswerte und notwendige Erweiterung der Fahrzeit bestimmte
berufliche (und natürlich auch persönliche) Schwierigkeiten
bedeuten kann, steht außer Frage. Die wirtschaftlichen Nachteile
für Gemeinde, Betriebe und Einzel haushalte sind jedoch auch bei
erweiterter Fahrzeit nicht aus der Welt geschafft. Durch die schlechte
Verkehrsauslastung der drei Fährschiffe in den Monaten außerhalb
der Saison entsteht eine Fahrgeld? und Frachtenbelastung gegenüber
den Festlandslinien von bis zu 400%. Die unterbrochene Transportkette
bedeutet eine Belastung für die Landwirtschaft für Produktionsmittel
zur Insel und Produkte zum Festland an Schifffracht und Umschlag von 115,?
DM ? je Hektar. Die Lebenshaltungskosten sind bis zu 25% höher als
auf dem Festland, die Hochbaukosten bis zu 30%, die Tief? und Straßenbaukosten
bis zu 120%! Der Preis für 1 t Teersplitt bspw. beträgt auf
dem Fest land 40,? DM, auf Pellworm 90,? DM. Diese insgesamte wirtschaftliche
Benachteiligung trägt ganz sicher auch zum Entschluß bei, die
Insel zu verlassen. (Eine kleine persönliche Bemerkung am Rande:
Ein Zahnarztbesuch ist oft eine kleine Weltreise: man quält sich
im Winter nachts um 4 Uhr aus den Betten, fährt um 5 Uhr nach Nordstrand,
erreicht gegen 6.30 Uhr Husum, wartet, bis dort die Wartezimmer geöffnet
werden, "erleidet' eine fünfminütige Behandlung, wartet
bis 17 Uhr oder 18 Uhr auf die Fähre und kommt abends im Dunkeln
wieder auf Pellworm an. Der persönliche Preis für 5 Minuten
Zahnarzt: erhebliche Kosten (Fähre, Bus, Mahlzeiten) und ein ganzer
"verlorener" Tag, wenn man nicht wichtige Dinge in Husum zu
erledigen hat).
Für die Gemeinde hat die ständig zunehmende Abwanderung natürlich
steuerliche Nachwirkungen. Durch Betriebsauflösung schwindet die
Gewerbesteuer: Niedrige Einwohnerzahlen und hohe Steuerkraftzahlen je
Einwohner bedingen niedrige Schlüsselzuweisungen. Die durch Wegzug
oder Tod frei werdenden Wohnungen werden Zweitwohnungen für Großstädter,
was außer der Grundsteuer keinerlei positive Auswirkungen auf die
Steuerkraft der Gemeinde hat. Die Zahl der Zweitwohnungen ist innerhalb
von wenigen Jahren von 30 auf über 100 angestiegen, wofür die
Gemeinde erhebliche kommunale Leistungen gewährleisten, muß,
ohne nenneswerte Vorteile zu genießen. Die Einführung einer
Zweitwohnungssteuer ist darum im Gespräch. (Übrigens profitieren
auch die hiesigen Gewerbebetriebe kaum von den Zweitwohnungsinhabern:
a) sind die Wohnungen nur einen kleinen Teil des Jahres belegt und b)
wird vieles aus guten Gründen vom Festland mitgebracht, was man ?
teurer ? auch hier kaufen könnte). Weitere Nachteile, die die Gemeinde
in Kauf nehmen muß: Der Unterhaltsaufwand für 49 km Straßen
bedingt aufgrund hoher Frachtenbelastung für Material unverhältnismäßig
hohe Kosten. Außerdem hat das Amt Pellworm außer den für
alle Festlandsämter generell feststehenden Aufgaben aufgrund der
geographisch bedingten Struktur eines Insel? und Halligamtes einen über
das übliche Maß hinausgehenden Verwaltungsaufwand. Vergleicht
man die steuerlichen Daten und Ausgaben mit anderen Festlandsgemeinden,so
ergibt sich folgendes Bild (1976):
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