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Date: 29.07.10 Time: 18:34:49 User online: 6 Heute: 182 Gestern: 229 Gesamt: 8234 |
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INSEL-ZEITUNG
Studio Pellworm
2251 PELLWORM
04844/687
Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
Erwin Fiera
Wilhelm Gohde
Philipp Goedeking
Sönje Hansen
Angelika Leners
Rolf Lohmeyer,
Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Bernd Thornsen
Johann Wilsterman
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Aus Pellwormer Familienchroniken
und Stamm- und Ahnentafeln
von Hermann Petersen
aus dem Nordfriesichen Jahrbuch 1972
IV Die Sturmfluten des 17. Jahrhunderts hatten eine ziemliche
Umschichtung in der Zusammensetzung der: Bevölkerung zur Folge; so
man Bauer wurde veranlaßt, seinen Hof aufzugeben, andere traten
an s Stelle. Zu den Zugewanderten gehörten die Harrsens, deren Stammtafel
der Amts- und Gemeindevorsteher Bernhard J. Harrsen (1864-1951) zusammengestellt
hat. Carl Harcksen - so nannte sich die Familie damals kam als erster
dieser Sippe nach Pellworm-, er starb 1728 am Tilli. Sohn Hinrich Harcksen,
Hausmann am Nordermitteldeich, erreichte ein Alter von 84 Jahren. Er heiratete
mit 65 Jahren zum zweitenmal, zeugte erneut vier Kinder und ging mit 79
Jahren die dritte Ehe ein. Sehr bald stellten die Harrsens neben dem Ratmann
auch den Kirchenjuraten, der mit dem Pastor die kirchlichen Vermögensverhältnisse
führte. Die Harrsens zogen oft wieder fort, manche nach den USA und,
obwohl eine Auswanderung nach dem Norden bei den Pellwormern selten vorkam,
ein Harro Harrsen vor mehr als 100 Jahren auch nach Herning in Jütland
und seine Söhne, die in Kopenhagen studierten, brachten es in Dänemark
zu angesehenen Stellungen. Bernhard J. Harrsen erwarb nach 1900 Waldhusenhof
mit seiner geschlossenen Hofform (Gaard), wie er nur einmal auf der Insel
zu finden ist (Fr. Schmidt, Gr. Koog). Erfreulicherweise hat sich Bernhard
J. Harrsen auch im Ruhestand weiter mit der Genealogie befaßt und
den Stammbaum des Landesbevollmächtigten Jacob Dethlefsen erarbeitet.
Im Vorwort heißt es: "Zum Gedächtnis der Verstorbenen,
im besonderen zu Ehren meiner lieben Mutter Johanna Marie, geb. Dethlefsen."
Jacob Dethlefsen ist 1763 in Ost-Langenhorn geboren worden und schon in
jungen Jahren nach Pellworm gekommen. Seine Frau Martha Cosmus holte er
von Nordstrand. Die Cosmus hatten ihr eigenes Familienwappen, eine umkränzte
Kugel - die ) Weltkugel, das Weltall versinnbildlichend - mit einem Kreuz.
Jacob Dethlefsen erwarb den Hof, der sich noch heute im Besitz der Familie
befindet von Gerd Jensen. Sein Sohn Dethlef Dethlefsen (1796-1849) erbte
die Stelle und vergrößerte sie. Die Höfe auf Pellworm
sind heute kleiner als vor 140 Jahren, als zum Waldhusenhof 108 ha, als
zu Seegarden 64 ha gehörten und als Martin Andresen (kein Verwandter
der Andresens vorn "Langeland") bis zu 250 ha bewirtschaftete.
(Über Martin Andresen vgl. Marcus Petersens Artikel im Schleswig-Holsteinischen
Biographischen Lexikon. Bd. 1, Neumünster 1970, S. 39.) 1970 gab
es nach Angabe der Kreislandwirtschaftskammer in Husum auf Pellworm nur
neun Betriebe über 40 ha. Dethlef Dethlefsen erlebte schwere Krisenjahre:
den dänischen Staatsbankerott 1813, vor allem aber das Flutjahr 1825
mit seinen Folgen. Karl Hansen erzählt in seiner "Chronik von
Pellworm" davon, "wie der reich begüterte Landmann Dethlef
Dethlefsen sich eines Tages im Winter auf den Weg zu Fuß nach Hooge
über das Eis machte, um dort von den begüterten Schiffskapitänen
300 Mark Courant zu leihen. Unverrichteter Dinge kehrte er wieder heim
und erklärte seiner Frau, daß er einen so Gang nicht noch einmal
machen werde, lieber wollte er Konkurs anmelden( Ein so begüterter
Mann nicht kreditfähig! Diese Geschichte spricht eine sehr deutliche
Sprache!" - Sein Sohn Anton Dethlefsen (gest. 1871 war der zuletzt
bestellte Ratmann. Von den Dethlefsens wohnen noch viele auf Pellworm.
Lassen wir noch einmal Bernhard J. Harrsen aus dem Vorwort zur Stammtafel
sprechen: "Die Dethlefsens waren und sind im allgemeinen gewiß
tüchtige Leute. Es ging und geht aber über Höhen und Tiefen.
Während es manche zu geachteten Stellungen brachten (Ratleute, Gemeindevorsteher,
Schiffskapitäne, Rechtsanwälte, Lehrer usw.), auch einige zu
einem gewissen Wohlstand kamen, leben und lebten andere in bescheidenen
Verhältnissen." Bernhard J. Harrsen brachte 1927 im Pellwormer
Gemeindeblattt eine "Nachweisung über die Nachkommen der Maria
Margarethe Harrsen, verw. Samuelsen, geb. Tetens auf Pellworm". Von
1708-1749 amtierte auf der Insel der Pastor Martin Tetens, dessen Frau
Elisabeth Katharine die Tochter des Pastors Theodor Luther in Breklum
war, von dem lange angenommen worden ist, er sei ein leiblicher Nachkomme
des großen Reformators. Pastor Tetens' Enkelin Maria Margarethe
(1770-1800) heiratete in erster Ehe Hieronimus Samuelsen; somit könnte
man sagen, daß alle Pellwormer Samuelsens U. U. in verwandtschaftlicher
Beziehung zu. D. Martin Luther stehen - allerdings sei nicht verschwiegen,
daß es eine Streitfrage ist, ob der Breklumer Pastor Theodor Luther
wirklich ein Ur-enkel Martin Luthers gewesen ist. Studienrat Dr. Jessen
hat sie im Jahr-buch des Nordfriesischen Vereins 1924 positiv beantwortet,
während Pastor Clasen im "Neuen Luther-Nachkommenbuch"
(1958) die Ansicht vertritt, daß der Nachweis nach dem neuesten
Stand der Forschung nicht erbracht sei.
Eine sehr lebendige Familiengeschichte hat die Familie Lucht, bearbei-tet
von dem Flensburger Studienrat Dr. Wilhelm Koopmann, einem Schwiegersohn
von Pastor Lucht in Kotzenbüll. Der Verfasser verzichtet auf die
kurze und bündige wissenschaftliche Form und läßt viele
Ange-hörige der Familie selbst erzählen, bringt dazu 13 Tafeln
im Anhang. In einem Nachtrag zu seinem Buch vertritt er die Ansicht, daß
die Luchts im späten Mittelalter aus dem Rheinland an der Besiedlung
des Ostens teil-nahmen; einige blieben in Nordelbingen, wo ihre Nachkommen
im heutigen Schleswig-Holstein überall als hoch und niedrig, reich
und weniger be-gütert, als Gelehrte und Nichtstudierte anzutreffen
sind. Seine Forschun-gen brachten Koopmann Ende der zwanziger Jahre nach
Pellworm; er schreibt: "Nur einige Male hatten die Fäden nach
Pellworm geführt. Im Telefonverzeichnis für Schleswig-Holstein,
das ich auf alle Luchts unter-suchte, fand ich einen Peter und einen Franz
Lucht auf Pellworm. Ich schrieb an beide und erhielt von Franz Lucht eine
Antwort mit dem Be-merken, daß er eine "Chronik" der Luchts
besitze und bereit sei, sie mir zur Verfügung zu stellen. Auf meine
Bitte erhielt ich sie und fand, daß sie nur lücken- und fehlerhaft
war. Für mich aber war es ein Bedürfnis, bald-möglichst
nach Pellworm zu fahren. Bei Franz Lucht fand ich für vier Tage meines
Dortseins freundliche Unterkunft, bei den Pastoren der bei-den Kirchen
zu gründlicher Durchsicht der Kirchenbücher gastliche Auf-nahme,
in all den Luchtfamilien herzliches Verständnis. Zu einem Ge-burtstag,
der wie gewohnt ein echter Luchtfamilientag auf Pellworm war, wurde ich
abends eingeladen, wobei ich die meisten dortigen Luchts von heute auf
einmal kennenlernte. Eines Tages sagte mir der Pastor von der Alten Kirche,
ganz in der Nähe, im "Kloster", einer alten Häuserreihe,
wohne eine Frau Paulsen, geb. Lucht, die habe eine alte Luchtchronik in
ihrem Besitz. Ich fuhr in der Mittagspause natürlich sofort mit meinem
Rad zu ihr, und vertrauensvoll reichte das 73jährige liebe Mütterchen
mir die sorgsam gehütete Urkunde, die von ihrem Großvater begonnen,
von ihren Eltern und schließlich von ihr selber fortgeführt
war bis 1927": 1757 wurde Heinrich Lucht aus Lunden in Dithmarschen
zum Organisten der Alten Kirche mit ihrer 1711 gebauten Arp-Schnitger-Orgel
gewählt. Sein Sohn Heinrich war bereits Ratmann und Landesbevollmächtigter.
Ein zweiter Sohn, Peter Lucht, mag der erste Pellwormer gewesen sein,
der auf ein Lehrerserninar ging (zunächst in Kiel, dann Tondern)
und nach Pellworm nicht zurückgekehrt ist; eine Tatsache, die sich
bis heute oft wiederholt hat: die jungen Leute bleiben nach ihrer Berufsausbildung
auf dem Festland. (Eine Ausnahme bildete Karl Hansen, der als jüngster
Sohn des Pastors Heinrich Hansen, des Verfassers der zweiten Pellwormer
Chronik, bei der Alten Kirche aufwuchs und später jahrzehntelang
als Pastor an der Neuen Kirche tätig war.) Die Pellwormer Luchts
gehen alle auf den Organisten Heinrich Lucht zurück. Das Familienwappen
ist in den Farben Blau und Gold gehalten. Der Schild zeigt auf blauem
Feld drei gelbe Rosen. Der auf dem oberen Schildrand ruhende Helm trägt
als Zier fünf fächerartig grup-pierte Pfauenfedern. Die vom
Helm nach beiden Seiten ausschwingenden und den Schild einrahmenden Decken
zeigen wieder die Farben Blau und Gelb.
Es sei hier auch noch vermerkt, daß 80 Jahre später als Heinrich
Lucht Mareus Schulze (1824-60) als Organist und Küster an der Alten
Kirche wirkte, der Stammvater der Familie Schulze. Es folgte der Organist,
Küster und Lehrer Johann Heicksen (1822-1874), dessen Nachkommen
in den Familien vom Land- und Gastwirt Julius Levsen und Gastwirt Martin
Blohm noch leben. Heicksen trat 1866 mit 44 Jahren in den Ruhestand (aus
politischen Gründen? Er ist in Soholm aufgewachsen.) und übernahm
eine der vielen Schankwirtschaften, die es damals auf der Insel gab. Interessant
ist für uns die Frage: Wie unterhielten sich früher die Pell-wormer
untereinander? Bis zur Flut von 1634 war Pellworm wie die übri-gen
Teile Altnordstrands rein friesisch-sprachig. Danach wurde das Friesi-sche
auf Pellworm endgültig bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts von
einem recht eigenständigen, immer noch vom Friesischen und beson-ders
auch von der Sprache niederländischer Einwanderer geprägten
Nie-derdeutsch verdrängt, das gewiß endlich einer näheren
und umfangreichen Untersuchung wert wäre! (Zum Thema vgl. L. C. Peters
und die Sprachen-karte von Albrecht Johannsen: Heimatbuch Nordfriesland,
Husum 1929, S. 376 und Anhang; Karl Hansen, Wie spricht man auf der Insel
Pellworm: Monatshefte "Schleswig-Holstein", 3/1966, Neumünster,
S. 69 L; Hans Chr. Nickelsen, Anmerkungen zu den ältesten nordfriesischen
Sprachdenkmä-lern: Friesisches Jahrbuch/Nordfriesisches Jahrbuch,
Bredstedt 1970, S. 172-188.)
Von dem Flensburger Kaufmann Matthias Meesenburg besitzen wir einen Stammbaum
seiner Familie aus dem Jahr 1907, von dem Künstler Richard Eckener
im Steindruckverfahren ausgeführt. Wir stellen fest, daß bereits
in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Mitglieder der Familie
auf Pellworm ansässig waren, und unter ihnen stand schon sehr bald
Jo-hann Otto Meesenburg als Ratmann in führender Stellung. Daß
Detlef Meesenburg der Besitzer der Tillimühle war, entnehmen wir
der Harrsen- Stammtafel. Verweilen wir ein wenig bei Matthias Meesenburg
(1860 bis 1941), der auf einem kleinen landwirtschaftlichen Besitz im
Süderkoog mit acht Geschwistern aufwuchs. Seine Mutter war eine geborene
Winter von Südfall. Wie damals üblich, mußte er sich nach
seiner Konfirmation allein durchbeißen. Er kam in die Manufakturwarenlehre
nach Bredstedt, begann dann verhältnismäßig früh
seinen Aufstieg aufgrund seiner großen Befä-higungen; 1889
gründete und betrieb er ein Manufakturwarengeschäft in Flensburg
und pflegte besonders die Verbindungen nach dem Norden, wo er in vielen
dänischen Provinzstädten Filialen errichtete. 1919 übernahm
er mit seinem ältesten Sohn eine der ältesten Eisenwarenhandlungen
Deutschlands; später trat sein Sohn Heinrich in die Firma ein, der
heute noch als Senior tätig ist. Außerdem bestehen zwei Filialen
mit Eisenwaren und Hausrat in Niebüll und Schleswig. Mit 140 Mitarbeitern
zählt die Firma Meesenburg in ihrer Struktur und ihrer Größe
zu den maßgeblichen Be-trieben ihrer Branche im norddeutschen Raum.
Der Stammbaum deutet darauf hin, daß die Meesenburgs hierher nach
Norden zugezogen sind. Als erster wird der Schneider Johann Meesenburg
in Hollingstedt 1665 genannt. Es fällt übrigens auf, daß
Matthias Meesen-burg im allgemeinen nur die Geburts- und Sterbedaten,
nicht Beruf und Titel angibt. Ich könnte mir denken, daß das
für diesen weitblickenden Mann unbedeutend war; er sah in seinem
Gegenüber nur den Menrehen. Noch erwähnt sei hier sein Neffe
Lorenz Meesenburg "ut de Stikkelbeer-fenn". Er gehörte
zu den wenigen Pellwormern, die ihren Weg nach Osten nahmen. Er ließ
sich als Schiffsmakler in Riga nieder, floh in den Wirren der russischen
Revolution nach Malmö, begann dort wieder als Schiffs-makler und
war lettischer Konsul. Von ihm wissen wir, daß er gern das Meesenburg-Wappen
benutzte: Eine rote Greifenklaue auf goldenem Grund. Das silberne Visier
ist geschlossen und ist zu beiden Seiten mit einer rot-goldenen Decke
mit Blättern darauf versehen. Auf dem Helm sehen wir einen offenen
roten Flug. - Zur Meesenburg-Familie gehören auch der schon genannte
Johann M. Lorenzen, Kiel, und sein Bruder, der Regierungsveterinärrat
Dr. Peter Lorenzen in Frankfurt.
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