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Pellworm, den 29.07.2010 - 18:34 Uhr

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Date: 29.07.10
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Aus Pellwormer Familienchroniken und Stamm- und Ahnentafeln

von Hermann Petersen
aus dem Nordfriesichen Jahrbuch 1972

IV Die Sturmfluten des 17. Jahrhunderts hatten eine ziemliche Umschichtung in der Zusammensetzung der: Bevölkerung zur Folge; so man Bauer wurde veranlaßt, seinen Hof aufzugeben, andere traten an s Stelle. Zu den Zugewanderten gehörten die Harrsens, deren Stammtafel der Amts- und Gemeindevorsteher Bernhard J. Harrsen (1864-1951) zusammengestellt hat. Carl Harcksen - so nannte sich die Familie damals kam als erster dieser Sippe nach Pellworm-, er starb 1728 am Tilli. Sohn Hinrich Harcksen, Hausmann am Nordermitteldeich, erreichte ein Alter von 84 Jahren. Er heiratete mit 65 Jahren zum zweitenmal, zeugte erneut vier Kinder und ging mit 79 Jahren die dritte Ehe ein. Sehr bald stellten die Harrsens neben dem Ratmann auch den Kirchenjuraten, der mit dem Pastor die kirchlichen Vermögensverhältnisse führte. Die Harrsens zogen oft wieder fort, manche nach den USA und, obwohl eine Auswanderung nach dem Norden bei den Pellwormern selten vorkam, ein Harro Harrsen vor mehr als 100 Jahren auch nach Herning in Jütland und seine Söhne, die in Kopenhagen studierten, brachten es in Dänemark zu angesehenen Stellungen. Bernhard J. Harrsen erwarb nach 1900 Waldhusenhof mit seiner geschlossenen Hofform (Gaard), wie er nur einmal auf der Insel zu finden ist (Fr. Schmidt, Gr. Koog). Erfreulicherweise hat sich Bernhard J. Harrsen auch im Ruhestand weiter mit der Genealogie befaßt und den Stammbaum des Landesbevollmächtigten Jacob Dethlefsen erarbeitet. Im Vorwort heißt es: "Zum Gedächtnis der Verstorbenen, im besonderen zu Ehren meiner lieben Mutter Johanna Marie, geb. Dethlefsen." Jacob Dethlefsen ist 1763 in Ost-Langenhorn geboren worden und schon in jungen Jahren nach Pellworm gekommen. Seine Frau Martha Cosmus holte er von Nordstrand. Die Cosmus hatten ihr eigenes Familienwappen, eine umkränzte Kugel - die ) Weltkugel, das Weltall versinnbildlichend - mit einem Kreuz. Jacob Dethlefsen erwarb den Hof, der sich noch heute im Besitz der Familie befindet von Gerd Jensen. Sein Sohn Dethlef Dethlefsen (1796-1849) erbte die Stelle und vergrößerte sie. Die Höfe auf Pellworm sind heute kleiner als vor 140 Jahren, als zum Waldhusenhof 108 ha, als zu Seegarden 64 ha gehörten und als Martin Andresen (kein Verwandter der Andresens vorn "Langeland") bis zu 250 ha bewirtschaftete. (Über Martin Andresen vgl. Marcus Petersens Artikel im Schleswig-Holsteinischen Biographischen Lexikon. Bd. 1, Neumünster 1970, S. 39.) 1970 gab es nach Angabe der Kreislandwirtschaftskammer in Husum auf Pellworm nur neun Betriebe über 40 ha. Dethlef Dethlefsen erlebte schwere Krisenjahre: den dänischen Staatsbankerott 1813, vor allem aber das Flutjahr 1825 mit seinen Folgen. Karl Hansen erzählt in seiner "Chronik von Pellworm" davon, "wie der reich begüterte Landmann Dethlef Dethlefsen sich eines Tages im Winter auf den Weg zu Fuß nach Hooge über das Eis machte, um dort von den begüterten Schiffskapitänen 300 Mark Courant zu leihen. Unverrichteter Dinge kehrte er wieder heim und erklärte seiner Frau, daß er einen so Gang nicht noch einmal machen werde, lieber wollte er Konkurs anmelden( Ein so begüterter Mann nicht kreditfähig! Diese Geschichte spricht eine sehr deutliche Sprache!" - Sein Sohn Anton Dethlefsen (gest. 1871 war der zuletzt bestellte Ratmann. Von den Dethlefsens wohnen noch viele auf Pellworm. Lassen wir noch einmal Bernhard J. Harrsen aus dem Vorwort zur Stammtafel sprechen: "Die Dethlefsens waren und sind im allgemeinen gewiß tüchtige Leute. Es ging und geht aber über Höhen und Tiefen. Während es manche zu geachteten Stellungen brachten (Ratleute, Gemeindevorsteher, Schiffskapitäne, Rechtsanwälte, Lehrer usw.), auch einige zu einem gewissen Wohlstand kamen, leben und lebten andere in bescheidenen Verhältnissen." Bernhard J. Harrsen brachte 1927 im Pellwormer Gemeindeblattt eine "Nachweisung über die Nachkommen der Maria Margarethe Harrsen, verw. Samuelsen, geb. Tetens auf Pellworm". Von 1708-1749 amtierte auf der Insel der Pastor Martin Tetens, dessen Frau Elisabeth Katharine die Tochter des Pastors Theodor Luther in Breklum war, von dem lange angenommen worden ist, er sei ein leiblicher Nachkomme des großen Reformators. Pastor Tetens' Enkelin Maria Margarethe (1770-1800) heiratete in erster Ehe Hieronimus Samuelsen; somit könnte man sagen, daß alle Pellwormer Samuelsens U. U. in verwandtschaftlicher Beziehung zu. D. Martin Luther stehen - allerdings sei nicht verschwiegen, daß es eine Streitfrage ist, ob der Breklumer Pastor Theodor Luther wirklich ein Ur-enkel Martin Luthers gewesen ist. Studienrat Dr. Jessen hat sie im Jahr-buch des Nordfriesischen Vereins 1924 positiv beantwortet, während Pastor Clasen im "Neuen Luther-Nachkommenbuch" (1958) die Ansicht vertritt, daß der Nachweis nach dem neuesten Stand der Forschung nicht erbracht sei.
Eine sehr lebendige Familiengeschichte hat die Familie Lucht, bearbei-tet von dem Flensburger Studienrat Dr. Wilhelm Koopmann, einem Schwiegersohn von Pastor Lucht in Kotzenbüll. Der Verfasser verzichtet auf die kurze und bündige wissenschaftliche Form und läßt viele Ange-hörige der Familie selbst erzählen, bringt dazu 13 Tafeln im Anhang. In einem Nachtrag zu seinem Buch vertritt er die Ansicht, daß die Luchts im späten Mittelalter aus dem Rheinland an der Besiedlung des Ostens teil-nahmen; einige blieben in Nordelbingen, wo ihre Nachkommen im heutigen Schleswig-Holstein überall als hoch und niedrig, reich und weniger be-gütert, als Gelehrte und Nichtstudierte anzutreffen sind. Seine Forschun-gen brachten Koopmann Ende der zwanziger Jahre nach Pellworm; er schreibt: "Nur einige Male hatten die Fäden nach Pellworm geführt. Im Telefonverzeichnis für Schleswig-Holstein, das ich auf alle Luchts unter-suchte, fand ich einen Peter und einen Franz Lucht auf Pellworm. Ich schrieb an beide und erhielt von Franz Lucht eine Antwort mit dem Be-merken, daß er eine "Chronik" der Luchts besitze und bereit sei, sie mir zur Verfügung zu stellen. Auf meine Bitte erhielt ich sie und fand, daß sie nur lücken- und fehlerhaft war. Für mich aber war es ein Bedürfnis, bald-möglichst nach Pellworm zu fahren. Bei Franz Lucht fand ich für vier Tage meines Dortseins freundliche Unterkunft, bei den Pastoren der bei-den Kirchen zu gründlicher Durchsicht der Kirchenbücher gastliche Auf-nahme, in all den Luchtfamilien herzliches Verständnis. Zu einem Ge-burtstag, der wie gewohnt ein echter Luchtfamilientag auf Pellworm war, wurde ich abends eingeladen, wobei ich die meisten dortigen Luchts von heute auf einmal kennenlernte. Eines Tages sagte mir der Pastor von der Alten Kirche, ganz in der Nähe, im "Kloster", einer alten Häuserreihe, wohne eine Frau Paulsen, geb. Lucht, die habe eine alte Luchtchronik in ihrem Besitz. Ich fuhr in der Mittagspause natürlich sofort mit meinem Rad zu ihr, und vertrauensvoll reichte das 73jährige liebe Mütterchen mir die sorgsam gehütete Urkunde, die von ihrem Großvater begonnen, von ihren Eltern und schließlich von ihr selber fortgeführt war bis 1927": 1757 wurde Heinrich Lucht aus Lunden in Dithmarschen zum Organisten der Alten Kirche mit ihrer 1711 gebauten Arp-Schnitger-Orgel gewählt. Sein Sohn Heinrich war bereits Ratmann und Landesbevollmächtigter. Ein zweiter Sohn, Peter Lucht, mag der erste Pellwormer gewesen sein, der auf ein Lehrerserninar ging (zunächst in Kiel, dann Tondern) und nach Pellworm nicht zurückgekehrt ist; eine Tatsache, die sich bis heute oft wiederholt hat: die jungen Leute bleiben nach ihrer Berufsausbildung auf dem Festland. (Eine Ausnahme bildete Karl Hansen, der als jüngster Sohn des Pastors Heinrich Hansen, des Verfassers der zweiten Pellwormer Chronik, bei der Alten Kirche aufwuchs und später jahrzehntelang als Pastor an der Neuen Kirche tätig war.) Die Pellwormer Luchts gehen alle auf den Organisten Heinrich Lucht zurück. Das Familienwappen ist in den Farben Blau und Gold gehalten. Der Schild zeigt auf blauem Feld drei gelbe Rosen. Der auf dem oberen Schildrand ruhende Helm trägt als Zier fünf fächerartig grup-pierte Pfauenfedern. Die vom Helm nach beiden Seiten ausschwingenden und den Schild einrahmenden Decken zeigen wieder die Farben Blau und Gelb.
Es sei hier auch noch vermerkt, daß 80 Jahre später als Heinrich Lucht Mareus Schulze (1824-60) als Organist und Küster an der Alten Kirche wirkte, der Stammvater der Familie Schulze. Es folgte der Organist, Küster und Lehrer Johann Heicksen (1822-1874), dessen Nachkommen in den Familien vom Land- und Gastwirt Julius Levsen und Gastwirt Martin Blohm noch leben. Heicksen trat 1866 mit 44 Jahren in den Ruhestand (aus politischen Gründen? Er ist in Soholm aufgewachsen.) und übernahm eine der vielen Schankwirtschaften, die es damals auf der Insel gab. Interessant ist für uns die Frage: Wie unterhielten sich früher die Pell-wormer untereinander? Bis zur Flut von 1634 war Pellworm wie die übri-gen Teile Altnordstrands rein friesisch-sprachig. Danach wurde das Friesi-sche auf Pellworm endgültig bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts von einem recht eigenständigen, immer noch vom Friesischen und beson-ders auch von der Sprache niederländischer Einwanderer geprägten Nie-derdeutsch verdrängt, das gewiß endlich einer näheren und umfangreichen Untersuchung wert wäre! (Zum Thema vgl. L. C. Peters und die Sprachen-karte von Albrecht Johannsen: Heimatbuch Nordfriesland, Husum 1929, S. 376 und Anhang; Karl Hansen, Wie spricht man auf der Insel Pellworm: Monatshefte "Schleswig-Holstein", 3/1966, Neumünster, S. 69 L; Hans Chr. Nickelsen, Anmerkungen zu den ältesten nordfriesischen Sprachdenkmä-lern: Friesisches Jahrbuch/Nordfriesisches Jahrbuch, Bredstedt 1970, S. 172-188.)
Von dem Flensburger Kaufmann Matthias Meesenburg besitzen wir einen Stammbaum seiner Familie aus dem Jahr 1907, von dem Künstler Richard Eckener im Steindruckverfahren ausgeführt. Wir stellen fest, daß bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Mitglieder der Familie auf Pellworm ansässig waren, und unter ihnen stand schon sehr bald Jo-hann Otto Meesenburg als Ratmann in führender Stellung. Daß Detlef Meesenburg der Besitzer der Tillimühle war, entnehmen wir der Harrsen- Stammtafel. Verweilen wir ein wenig bei Matthias Meesenburg (1860 bis 1941), der auf einem kleinen landwirtschaftlichen Besitz im Süderkoog mit acht Geschwistern aufwuchs. Seine Mutter war eine geborene Winter von Südfall. Wie damals üblich, mußte er sich nach seiner Konfirmation allein durchbeißen. Er kam in die Manufakturwarenlehre nach Bredstedt, begann dann verhältnismäßig früh seinen Aufstieg aufgrund seiner großen Befä-higungen; 1889 gründete und betrieb er ein Manufakturwarengeschäft in Flensburg und pflegte besonders die Verbindungen nach dem Norden, wo er in vielen dänischen Provinzstädten Filialen errichtete. 1919 übernahm er mit seinem ältesten Sohn eine der ältesten Eisenwarenhandlungen Deutschlands; später trat sein Sohn Heinrich in die Firma ein, der heute noch als Senior tätig ist. Außerdem bestehen zwei Filialen mit Eisenwaren und Hausrat in Niebüll und Schleswig. Mit 140 Mitarbeitern zählt die Firma Meesenburg in ihrer Struktur und ihrer Größe zu den maßgeblichen Be-trieben ihrer Branche im norddeutschen Raum.
Der Stammbaum deutet darauf hin, daß die Meesenburgs hierher nach Norden zugezogen sind. Als erster wird der Schneider Johann Meesenburg in Hollingstedt 1665 genannt. Es fällt übrigens auf, daß Matthias Meesen-burg im allgemeinen nur die Geburts- und Sterbedaten, nicht Beruf und Titel angibt. Ich könnte mir denken, daß das für diesen weitblickenden Mann unbedeutend war; er sah in seinem Gegenüber nur den Menrehen. Noch erwähnt sei hier sein Neffe Lorenz Meesenburg "ut de Stikkelbeer-fenn". Er gehörte zu den wenigen Pellwormern, die ihren Weg nach Osten nahmen. Er ließ sich als Schiffsmakler in Riga nieder, floh in den Wirren der russischen Revolution nach Malmö, begann dort wieder als Schiffs-makler und war lettischer Konsul. Von ihm wissen wir, daß er gern das Meesenburg-Wappen benutzte: Eine rote Greifenklaue auf goldenem Grund. Das silberne Visier ist geschlossen und ist zu beiden Seiten mit einer rot-goldenen Decke mit Blättern darauf versehen. Auf dem Helm sehen wir einen offenen roten Flug. - Zur Meesenburg-Familie gehören auch der schon genannte Johann M. Lorenzen, Kiel, und sein Bruder, der Regierungsveterinärrat Dr. Peter Lorenzen in Frankfurt.



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