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Pellworm, den 04.09.2010 - 05:23 Uhr

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Nickels Liermann

Wer Nickels Liermann kennt, der weiß, daß es schwierig ist, in einem sachlichen Artikel seine urwüchsige Persönlichkeit zu erfassen. Man muß ihm beim Punsch gegenübersitzen und seinen Erzählungen, und Döntjes lauschen, sich von seinem Seemannsgarn umgarnen lassen oder ihm beim Singen und Vortragen von selbstgedichteten Versen erleben, um ihn etwas kennenzulernen. (Kostproben sind die Gedichte Seehundsjagd' und 50 Johr Pellwormer Fischervereen') Nickels Liermann wohnt auf der Tammwarft. Er war es, der im Juni 1950 das Heck der Ormen Friske auf der Höhe von Süderoog? und Norderoogsand entdeckte, jenes Nachgebaute Wikingerschiff, mit dem 15 junge schwedische Sportler den Tod fanden. Nachdem er damals durch einen Zeitungsbericht vom Auslaufen des Wikingerschiffes erfahren hatte und kurz darauf ein großes Unwetter losbrach, hatte er noch zu seiner Frau gesagt: "Wenn dat man gut gahn hett, de hem jüst dat Swore Weller mit op de Nack krägen Drei Tage später stieß er dann beim Krabbenfang auf den traurigen Überrest der Ormen Friske, konnte aber nichts anderes mehr tun als das Wrack zu bergen. Es steht heute noch in seinem Garten.
Mit Wind, Wetter, Wasser und ihn umgebender Tierweit kennt Nickels sich aus wie kaum ein anderer. Er wurde am 14. Juni 1905 auf Pellworm geboren; sein Vater war der weithin bekannte Halligbriefträger Heinrich Liermann, der bis ins hohe Alter sein Amt ausübte und es dann an seinen Enkel Heini Liermann weitergab. Nickels war sein ganzes Leben auf dem Wattenmeer zu Hause, als Fischer und als Seehundsjäger (Unser Bild zeigt ihn mit einem geschossenen Seehund auf Süderoog, in den dreißiger Jahren, umringt von Jungen, die Herrmann Neuton Paulsen aus aller Welt hier zusammenführte.). Heute ist Nickels Liermann Ehrenmitglied des Fischervereins und Jagdaufseher für die Seehundsiagd im Jagdbezirk Schleswig?Holstein/Watt, Abschnitt Pellworm, und weiß manches Wissenswerte zu berichten. So ergab die Juli?Zählung dieses Jahres einen Bestand von ca. 1700 Seehunden an der Schleswig?Holsteinischen Küste, davon ca. 450 Jungtiere. Auf den Außensänden vor Pellworm wurden 6 Jungtiere an den Schwanzflossen markiert, um ihre Wanderung zu verfolgen. Heute werden nur noch kranke Tiere abgeschossen, und zwar ausschließlich auf den Sandbänken, damit erkrankte Tiere auch deutlich erkannt werden. Schon seit einiger Zeit grassiert eine Krankheit unter diesen in anderen Gegenden selten gewordenen Tieren, die durch Vereiterungen und kahle Stellen im Fell erkennbar ist. Naturschützer vermuten, daß die veränderten Umweltbedingungen Ursache dieser Seehundskrankheit sind: Flaschen und andere Gegenstände, an denen die Tiere sich auf den Sänden verletzen, Touristenschiffe, die die verletzten Tiere zwingen, die Sandbank vorzeitig zu verlassen, so daß die Wunden nicht verheilen können u.ä. Nickels Liermann hat zu den gesamten Veränderungen in der heimischen Tierwelt seine eigenen, auf lebenslange Erfahrung beruhenden Theorien. Und wer Gelegenheit hat, ihm im Strandcafe', das heute von seinem Sohn Heini Liermann geführt wird mal einen Abend zuhören, der wird diesen Abend so schnell nicht vergessen.
G.S.



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