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Date: 19.03.10 Time: 12:39:05 User online: 6 Heute: 96 Gestern: 180 Gesamt: 12232 |
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INSEL-ZEITUNG
Studio Pellworm
2251 PELLWORM
04844/687
Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
Erwin Fiera
Wilhelm Gohde
Philipp Goedeking
Sönje Hansen
Angelika Leners
Rolf Lohmeyer,
Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Bernd Thornsen
Johann Wilsterman
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Nickels Liermann
Wer Nickels Liermann kennt, der weiß, daß
es schwierig ist, in einem sachlichen Artikel seine urwüchsige Persönlichkeit
zu erfassen. Man muß ihm beim Punsch gegenübersitzen und seinen
Erzählungen, und Döntjes lauschen, sich von seinem Seemannsgarn
umgarnen lassen oder ihm beim Singen und Vortragen von selbstgedichteten
Versen erleben, um ihn etwas kennenzulernen. (Kostproben sind die Gedichte
Seehundsjagd' und 50 Johr Pellwormer Fischervereen') Nickels Liermann
wohnt auf der Tammwarft. Er war es, der im Juni 1950 das Heck der Ormen
Friske auf der Höhe von Süderoog? und Norderoogsand entdeckte,
jenes Nachgebaute Wikingerschiff, mit dem 15 junge schwedische Sportler
den Tod fanden. Nachdem er damals durch einen Zeitungsbericht vom Auslaufen
des Wikingerschiffes erfahren hatte und kurz darauf ein großes Unwetter
losbrach, hatte er noch zu seiner Frau gesagt: "Wenn dat man gut
gahn hett, de hem jüst dat Swore Weller mit op de Nack krägen
Drei Tage später stieß er dann beim Krabbenfang auf den traurigen
Überrest der Ormen Friske, konnte aber nichts anderes mehr tun als
das Wrack zu bergen. Es steht heute noch in seinem Garten.
Mit Wind, Wetter, Wasser und ihn umgebender Tierweit kennt Nickels sich
aus wie kaum ein anderer. Er wurde am 14. Juni 1905 auf Pellworm geboren;
sein Vater war der weithin bekannte Halligbriefträger Heinrich Liermann,
der bis ins hohe Alter sein Amt ausübte und es dann an seinen Enkel
Heini Liermann weitergab. Nickels war sein ganzes Leben auf dem Wattenmeer
zu Hause, als Fischer und als Seehundsjäger (Unser Bild zeigt ihn
mit einem geschossenen Seehund auf Süderoog, in den dreißiger
Jahren, umringt von Jungen, die Herrmann Neuton Paulsen aus aller Welt
hier zusammenführte.). Heute ist Nickels Liermann Ehrenmitglied des
Fischervereins und Jagdaufseher für die Seehundsiagd im Jagdbezirk
Schleswig?Holstein/Watt, Abschnitt Pellworm, und weiß manches Wissenswerte
zu berichten. So ergab die Juli?Zählung dieses Jahres einen Bestand
von ca. 1700 Seehunden an der Schleswig?Holsteinischen Küste, davon
ca. 450 Jungtiere. Auf den Außensänden vor Pellworm wurden
6 Jungtiere an den Schwanzflossen markiert, um ihre Wanderung zu verfolgen.
Heute werden nur noch kranke Tiere abgeschossen, und zwar ausschließlich
auf den Sandbänken, damit erkrankte Tiere auch deutlich erkannt werden.
Schon seit einiger Zeit grassiert eine Krankheit unter diesen in anderen
Gegenden selten gewordenen Tieren, die durch Vereiterungen und kahle Stellen
im Fell erkennbar ist. Naturschützer vermuten, daß die veränderten
Umweltbedingungen Ursache dieser Seehundskrankheit sind: Flaschen und
andere Gegenstände, an denen die Tiere sich auf den Sänden verletzen,
Touristenschiffe, die die verletzten Tiere zwingen, die Sandbank vorzeitig
zu verlassen, so daß die Wunden nicht verheilen können u.ä.
Nickels Liermann hat zu den gesamten Veränderungen in der heimischen
Tierwelt seine eigenen, auf lebenslange Erfahrung beruhenden Theorien.
Und wer Gelegenheit hat, ihm im Strandcafe', das heute von seinem Sohn
Heini Liermann geführt wird mal einen Abend zuhören, der wird
diesen Abend so schnell nicht vergessen.
G.S.
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