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| Pellworm, den 07.02.2012 - 05:47 Uhr | ||||||||||||||||||||||||||
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Aus Pellwormer Familienchroniken und Stamm- und AhnentafelnBis 1700 kann der Gemeindevorsteher Hans Petersen seiner in Heftform gefaßten Stammtafel der Familie Boy Petersen zurück-gehen. - Auf der,ersten Seite findet sich die interessante und seltene Karte von Pellworm, die H. v. Linstow gezeichnet hat. Ich bin froh darüber, eine Ausführung mit den hübschen Bildmotiven zu besitzen: der Bauer mit dem Viergespann vor dem Pflug, die Ernte, der Fischer und die alte Salvator- Kirche. (Vgl. Abb.) Auf der Karte werden wir daran erinnert, daß am Oster-Tilli auf der jetzt unbewohnten "Landschreiberwarf" die Land-schreiberei - von 1867-1896 das Amtsgericht - und daß auf Lewe Mar-tensens Wohnsitz die Landvogtei, später die Wohnung des Amtsrichters, zu finden waren. Von 1815-64 gehörte zum Dinggericht der sieben Ratmän-ner ein Landvogt, ein vom dänischen König bestellter Beamter, der in be-stimmten Fällen, wenn das Nordstrander Landrecht keine Auskunft gab, das Jütische Recht (Jydske Lov) heranzuziehen hatte und der in Prozeß-sachen alleine entschied. Blättern wir weiter im Buch über die Petersens, sehen wir noch einmal den seit Generationen im Besitz der Familie befindlichen Hof Hans Peter-sens am Ostersiel, der heute nach der Flurbereinigung inmitten seiner Ländereien liegt und modern eingerichtet ist. "Rüm Hart, klar Kimming!" setzt Hans Petersen auf den Umschlag und kann, wie so viele andere Pell-wormer, für seine Familie mit Genugtuung feststellen, daß "die Abstam-mung aus einem alten Friesengeschlecht erwiesen isV. Viele von den Petersens blieben auf Pellworm, andere verzogen nach dem Festland bis "über den großen Teich" nach den Vereinigten Staaten. "Es handelt sich hier nicht um einen Stamm, der von jeher mit großen Glücksgütern geseg-net gewesen ist. Viele Zweige haben sich im vergangenen Jahrhundert aus kleinen Anfängen heraus zu einem gewissen Wohlstande emporgearbeitet." (Hans Petersen) Bemerkenswert ist der Anhang mit den Ahnen der Großeltern Hans Petersens mütterlicherseits und der seiner Großmutter väter-licherseits. Ziehen wir die anderen Stammtafeln hinzu, so finden wir im 18. Jahrhundert manche noch heute vorkommenden Stammnamen: Andre-sen, Cornilsen, Fedders'en, Hansen, Jacobsen, Jensen, Levsen, Lorenzen, Nicolaysen, Niemann, Nommensen. Daß die Levsens damals schon Insula-ner waren, entnehmen wir ihrer eigenen Stammtafel, einer Arbeit von Dr. rer. pol. Peter-Harro Levsen in Rottweil a. Neckar. Sehen wir uns auch einmal die Vornamen aus dem 18. Jahrhundert nach unseren Unterlagen an; z. T. kennen wir sie heute kaum noch: Anthony, Arwest, Backe, Boy, Broder, Cort, Edlef, Hieronimus, Iven, Jens, Knudt, Lewe, Momme, Mumeke, Nis, Ocke, Thay, Thede - Abel, Eicke, Engel, Gotje, Ingeburg, Metta, Nomke, Söster, Stiemke, Trinke, Vollig. Über Paul Lohmann Clausen (1752-95) auf Pellworm und seine Nach-kommen hat der Sohn Hans Petersens, Ltd. Regierungsbaudirektor Dr.-Ing. Marcus Petersen, Kiel, geschrieben (mütterlicher- und väterlicherseits mit den Meesenburgs verwandt). Es ist eine umfassende Familienchronik, für die der Verfasser die Form der Nachfahrentafel gewählt hat. Viel Lesens-wertes bringt schon der erste Teil. Paul Lohmann Clausen war wie sein Vater Pellwormer Bauer. Die Sturmfluten und Deichbrüche des 18. Jahr-hunderts erlebte er mit seinen Söhnen, und auch sie haben die Katastro-phen schwer getroffen; allerdings hat sich danach z. B. sein Sohn Hans Friedrich Clausen vom Vorarbeiter am Außendeich zum Hofbesitzer von 46 ha (1831) und Landesgevollmächtigten emporgearbeitet. Dessen Sohn Friedrich Anton (1827-93) war Ratmann und Deichgraf, besaß drei Höfe und viel Bargeld. 1873 übernahm Nicolai Clausen, der letzte "Erste Rat-mann" Pellworms, als erster das Amt des preußischen Gemeindevorstehers. begann und noch nicht völlig abgeschlossen ist. Die zweiten und dritten Söhne suchten jenseits des Atlantiks eine neue Existenz, es folgten weitere Geschwister. Der Verfasser nennt als ersten Jacob J. Peterssen, der seinen Hof am Waldhusentief (heute Fritz Lucht) aufgab und sich in Helmville, Montana, eine Farm erwarb. Die meisten Pellwormer mögen um die Jahrhundertwende nach Übersee gefahren sein. Viele bewährten sich als tüchtige Farmer und auf und Kaufleute. Es ging allerdings nicht immer so, wie ein kleines Mädchen sagte: "Mein Bruder geht nach drüben, um Groschen zu fegen." Ja, der tüchtige Bauer hat auch schwere Enttäuschungen hinnehmen müssen: In der Wildnnis baute er seine erste Farm in der Hoffnung auf, daß sie in Kürze in der Nähe des Bahnstrangs läge - sein Plan schlug fehlt, und er mußte von neuem beginnen; persönliches Leid folgte. Wir reden gern nur von denen, die in der neuen Welt Erfolg gehabt haben, und vergessen die, die in den Tafeln als "verschollen", »verschwunden" gelten, oder die, die nicht im ersten Anlauf wohlhabend geworden sind. Daß die letztgenannten "Amerikaner" nicht weniger tüchtige Leute waren als die, Zurückgebliebenen, beweisen oft die Nachkommen der zweiten und dritten Generation, die sich neben dem Farmer und Kaufmann als Elektrotechniker, Schiffbauer, Zeichner, Maschinist, Ingenieur, Bankbeamter, Dekorateur, Lehrerin, Tierarzt, Wissenschaftler und Abgeordneter im Bundesstaat behaupten. Betrüblich ist die Mitteilung, daß viele Familienangehörige im Zweiten Weltkrieg als junge amerikanische Staatsbürger gegen Deutschland eingesetzt waren und dabei den Tod fanden. Am Rande sei noch der erfreuliche Zusammenhalt der Familie Clausen in den USA erwähnt; am dritten Sonntag im August jeden Jahres trifft sie sich in Carroll, lowa, zum Clausen-Tag; 1961 nahmen etwa 80 Personen daran teil. Ein anderes Beispiel mag uns zeigen, wie stark noch nach Generationen die Verbundenheit mit. der Heimat bestehen bleibt. Matthias Albrecht, geb. 1859, Kaufmannssohn am Siel, wuchs nach dem Tode des Vaters und nach der Wiederverheiratung seiner Mutter Caroline, geb. Meesenburg (1832-1933), mit Matthias Jensen auf dessen Hof im Süderkoog auf. Er begab sich 1883 mit 24 Jahren als Kaufmann nach New York. Seine Tochter Bertha Bernd wurde dort Lektorin für Spanisch, und sein Enkel Clifford Albrecht Bernd (geb. 1929) ist heute als Professor für Germanistik und Direktor der Deutschen Abteilung an der Universität Sacramento in Kalifornien tätig. Wenn wir uns mit Clifford bei seinen Besuchen in der Heimat seines Großvaters unterhalten, wundern wir uns, daß er unser Pellwormer Platt ganz und gar beherrscht, und darüber, wie gut er in der Familiengeschichte Bescheid weiß. Er hat acht Jahre in Heidelberg stu-diert, hat sich eingehend mit Theodor Storm befaßt und hat auch mehr-fach vor der Theodor-Storm-Gesellschaft gesprochen. Vor kurzem be-schrieb er mir folgende Begebenheit: "Als mein Großvater Matthias Albrecht 1913 zum letztenmal von Amerika aus nach Pellworm fuhr und dort ankam, hatte der Pellwormer Dampfer geflaggt. Sämtliche Mitglieder der Familie Jensen standen am Hafen; sämtliche Mitglieder der Familie Albrecht waren auf dem Dampfer. So gab es, als der Dampfer landete, eine große Begrüßung. Damals wohnten meine Großel tern und Mutter den ganzen Sommer am Siel." Und nun zuletzt zur Peterssen-Familienchronik, die ich darum beson-ders schätze, weil mein Onkel Julius Peterssen nicht nur eine Stammtafel bringt, sondern gleichzeitig über Land und Leute in den vergangenen Jahrhunderten erzählt. Er schloß sie 1902 ab, und ich habe sie bis 1970 fortgeführt. Sie geht zurück bis 1559, als die ältesten bekannten Vor-fahren noch in Linnowhuus bei Norderhackstedt, Amt Flensburg, lebten. Von hier erwarb Peter Peterssen, genannt "Koopmann", Sohn des Kgl. Ge-vollmächtigten der Wiesharde, Besitzungen in Fahretoft und um 1750 auf Pellworm, zunächst im Süderkoog (Friedrich Knut Jensens Besitz). Er wollte mit dem Land spekulieren, docli wurden beide Söhne, denen die Höfe vorläufig übergeben worden waren, der eine in Fahretoft, der andere auf Pellworm, seßhaft. Auf der Insel stellte die Familie in drei nach-einander folgenden Generationen einen Ratmann, in der ersten dazu den Deichgrafen. Die Familie zog bald nach der Neuen Kirche, zunächst auf die heutige Bauernstelle Anton Tedsens, dann auf die Fritz-Thomas Peterssens. Alle drei Höfe der Vorfahren waren einst größer als 50 ha, Die Bauern betrieben wesentlich mehr Ackerbau als heute; die Stroh- lieferung war zur Bestickung der Deiche notwendig. Knechte, vorne an der "Bauknecht", Mädchen, die meistens nur Hausarbeit verrichteten, Dienstjungen und zeitweilig mehrere Arbeiter fanden ihre Beschäftigung auf den Höfen. Die Anzahl der Dienstboten und Arbeiter schwankte, w ' eil die erwachsenen Söhne und Töchter diese zeitweise voll ersetzten. Am' 22. Februar, dem Petritag, wechselten häufig die Knechte und Mädchen ihre Stellung, meistens blieben sie allerdings jahrelang auf dem gleichen Hof, und die Arbeiter, die durchweg ein kleines Eigentum mit Vieh und Fenne besaßen, hielten oft ihr ganzes Leben zum gleichen Betrieb. Es war schon vor 1914 selbstverständlich, daß die ganze Hausgemeinschaft an einem Tisch die Mahlzeiten einnahm. Es ist auffällig, daß es die Peterssens immer wieder nach dem Festland zog und sehr viele nach den USA, und überblicken wir die Ahnentafel von 1559 an, stellen wir auch fest, daß immer wieder junge Menschen sich der Theologie zuwandten. Das Familienwappen besteht wie die von Lucht und Meesenburg aus drei Teilen und zeigt wie diese den geschlossenen Helm als Zeichen des bürgerlichen Wappens. In dem genealogischen Hand-buch heißt es noch darüber: "Auf dem blauen Schild befindet sich ein von zwei goldenen Sternen begleiteter, mit einem grünen Eschenzweig be-legter goldener Schrägrechtsbalken; darüber auf dem blau-gqlden bewul-steten, geschlossenen Helm mit gleichen Decken zwischen zwei von Gold über Blau geteilten Büffelhörnern ein grüner dreiteiliger Eschenzweig." Darunter lesen wir den Spruch: "Rürny hart, klaar kimming, lewer dod as Slaw." Wird fortgesetzt >> zurück zum Inhaltsverzeichnis Inselzeitung Pellworm >>
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