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| Pellworm, den 29.07.2010 - 18:32 Uhr | ||||||||||||||||||||||||||
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Der Turmfalke von der Alten KircheIn "Gottes Zeigefinger", dem Turm der Alten Kirche von Peltworm, brüten seit vielen Jahren Turmfalken. Manchmal sieht man sie: mit schlankem Leib, langen, spitzen Flügeln und langem, schmalem Schwanz fliegen sie mit schnellen, flachen Flügelschlägen dahin. Sie "stehen" rüttelnd über Wiesen, hocken auf Zaunpfählen und Telegrafenmasten und stürzen sich aus vollem Fluge auf ihre Opfer. Siet öten ihre Beute nicht mit den Fängen, wie die anderen Greife, sondern durch einen blitzschnellen Schnabelhieb. Sie sind kleiner, als man denkt: selbst die etwas größeren Weibchen werden kaum über34 cm lang. Auf Pellworm sind die Turmfalken die einzigen ständigen Vertreter der Greife, jener Ordnung der Vögel, die man früher fälschlicherweise Raubvögel nannte und als eine Meute grau-samer Mörder ansah. (Vom Raub, verstanden als dem Töten und Fressen von Tiefen, ernähren sich genauso Störche, Kraniche, Möwen, Seeschwalben usw., und dazu der größte Teil der Singvögel bis hin zur Nachtigall). Man erzählte die unglaublichsten Schauergeschichten von den Greifvögeln, vom Hühner- bis zum Kinderraub. Man schoß blind auf alles, was größer als eine Taube war, schmückte Wohnstuben und Stammtische mit jenen ausgestopften Staubfängern, gab sich als kühner Adlerjäger. So starben viele Greife aus, viele sind nur noch in geringer Zahl und vom Aussterben bedroht anzutreffen. Nur ein paar beson-ders anpassungsfähige Arten, wie die Mäusebussarde und Turmfalken, konnten in nennenswerter Zahl überleben. Heute weiß man, daß Greife nicht schreckliche Schädlinge sind, sondern zu den wichtigen und unersetzbaren Gliedern im natürlichen Kreislauf gehören. Die Beutetiere von Mäuse-bussarden und Turmfalken z.B. besteht zu 95 % aus Feldmäu-sen. Der Wegfall der Greife bewirkte Mäuse- und Rattenpla-gen, Seuchen und Krankheitsbefall in sämtlichen Kleintierbe-ständen. Allzu oft kann der Mensch diese Folgen seines Handelns nicht meistern. Erst sehr spät, für viele Greife zu spät, erkannte man ihre notwendige Rolle im Naturhaushalt. Heute sind alle Greifvögel geschützt, aber schon gibt es Leute, die, wo sich Bestände etwas erholt haben, wieder Jagdzeiten einfüh-ren wollen (so beantragt und fast geschehen in Bayern). Doch zurück zu den Turmfalken: Auch letztes Jahr brüteten zwei Paare im Turm der Alten Kirche. Im Juli fand Pastor Hölzner bei der Kirche einen einjährigen Falken, der auf der rechten Seite gelähmt schien Und sich nur noch hüpfend fort-bewegen konnte. Der Vogel war vermutlich gegen eine Tele-grafenleitung geflogen. Er brachte ihn zu uns in die Schutz-station, da wir, soweit möglich, verletzte Vögel aufnehmen und zu pflegen versuchen. Wir ließen den jungen Falken vom Tierarzt untersuchen: Knochenbrücke oder andere ernsthafte Verletzungen lagen nicht vor. Solange wir keine bessere Bleibe für ihn fanden, brachten wir ihn in unsere alte Voiiere, aus derer jedoch zweimal entschlüpfte. Beide Male wurde er von eifrigen Feriengästen wiedergebracht. Wir stellten Mäusefallen auf und versuchten unseren Patienten mit Hackfleisch und Leber möglichst vielseitig zu ernähren. Vor einem Grünfinken, der sich zufällig in die Voliere verirrt hatte, zeigte sich unser Falke allerdings so ängstlich, daß er ,verschreckt in die andere Ecke flatterte. Langsam ging die Lähmung zurück, und der Falke wurde so zutraulich, daß er ruhig auf der Hand (die allerdings durch einen gefütterten Lederhandschuh geschützt war) saß und sich füttern ließ. Dann erfuhren wir von dem Wildpark Eekholt bei Segeberg, wo eine Aufzuchtstätte für junge und verletzte Greifvögel ist. In einem dunklen Kasten (um ihn vor allen unnötigen Reizen zu schützen) brachten wir den Falken dann nach zwei Monaten im Auto dorthin. Es wurde uns schwer, ihn fortzugeben, er war ein wundervolles Tier und wir hatten uns schon fast an ihn gewöhnt. Der Vogel war nun fast ganz geheilt und mußte nur noch ausgewildert werden, eine Arbeit, die nur ein Fachmann durchführen kann. Ich habe unseren Falken jetzt besucht, er ist wohlauf. Ich hoffe nur, daß er nicht, wie man mir sagte gezähmt und abgerichtet werden soll, sondern zurück in die freie Wildbahn darf, um auf Feldern und Wiesen wie seine Eltern jagen zu können. Herman Schuppe >> zurück zum Inhaltsverzeichnis Inselzeitung Pellworm >> Es wurde noch kein Suchbegriff eingegeben.
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