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Pellworm, den 05.02.2012 - 14:42 Uhr

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Date: 05.02.12
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Aus dem Kreis-Blatt für den Kreis Husum

Aus dem Kreis-Blatt für den Kreis Husum Sonnabend, den 9. Oktober 1915 Die durch den Krieg bedingte Knappheit an Petroleum bringt es mit sich, daß im kommenden Winter nur etwa 1/5 der in normalen Jahren zur Verfügung stehenden Petroteumsmenge an die Bevölkerung wird abgegeben werden können. Es liegt daher in deren dringendem Interesse, sich sobald als mög-lich der Beschaffung von Ersatzbeleuchtungsmitteln zuzuwenden. Gas- und elektrisches Licht stehen namentlich In kleineren Städten und auf dem platten Lande sowie insbesondere den unbemittelten Bevölkerungskreisen nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Der allgemeinen Verwendung von Acetylen-Tischlampen steht vor allem der Umstand hindernd im Wege, daß im kommenden Winter auch Karbid nur in beschränkter Menge im Handel erhältlich sein wird. überdies sind mit den Acetylen-Tischlampen bei nicht sehr sorgfältiger Ausführung und un-zweckmäßiger Behandlung der Lampen eine Reihevon Mängeln,ja sogarGefahren verbunden. Trag-bare Acetylen-Lampen eignen sich somit vorzugsweise nur für Außenbeleuchtungen, wo diese Mängel nicht so sehr hervortreten. Für Innenbeieuchtungen sollte daher im kommenden Winter zum Ersatz des Petroleums soviel wie irgend möglich das Spiritus-Glühlicht verwendet werden. Namentlich von den wohlhabenden Bevölkerungskreisen darf erwartet werden, daß sie von der Benutzung von Petroleumiampen absehen, damit das Petroleum den Minderbemittelten überlassen werden kann. Es ist deshalb von behördlicher Seite dafür gesorgt worden, daß sowohl Spiritus als auch geeignete Spiritusbrenner zum Auswechseln gegen Petroleumbrenner zu Beginn des Winters vorhanden sein werder. Den Vertrieb dieser Spiritusbrenner hat eine unter Mitwirkung und Aufsicht der obersten Reichs- und Staatsbehörden gebildete Vertriebsgesellschaft in Berlin, Leipziger Straße 2. Die Brenner lassen sich auf jede Petroleumlampe ohne weiteres oder durch Einschaltung eines Füll-stückes ausschrauben. Sie haben eine annähernd dreimal so große Lichtstärke, wie ein gewöhnlicher 14 Linien-Petroeumbrenner. Ihr Spiritusverbrauch beträgt etwa 1/12 Liter in der Stunde, so daß sich die Betriebskosten bei den gegenwärtigen Preisen des Brennspiritus von 60 Pfennig fürdas Literauf5 Pfennig für die Brennstunde stellen. Die Brenner werden an die Bevölkerung zum festgesetzten Preise von 4 Mk. abgegeben; die Zubehör-teile, wie Glühstrumpf, Zylinder, Füilkännchen und Füllstück kosten etwa 1,25 Mk. Die Splritus-Glüh-licht-Kriegsgesellschaft wird die Kleinhändler, die ihre Brennervertreiben, verpflichten, den Einheits-preis von 4 Mk. für den Brenner sowie angemessene Preise für die Zubehörteile Innezuhalten, deren besonders gute Beschaffenheit gewährleistet wird. Die Gemeindebehörden sind angewiesen worden, die Einwohnerschaft zu veranlassen, Bestellungen auf Brenner bei ihnen anzumelden. Sie werden dieAufträge der Kriegslicht- Gesellschaft übermitteln. Da sich bei größeren Sammelbestellungen der Bezugspreis vermindert, so werden die Gemeindebe-hörden infolge des Unterschiedes zwischen dem Bezugs- und dem Einheitsverkaufspreis in der Lage sein, nachweislich Unbemittelten die Brenner billiger oder auf Abzahlung gegebenenfalls auch ganz kostenlos zu überlassen.

W.S.




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