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Date: 29.07.10 Time: 18:30:42 User online: 6 Heute: 182 Gestern: 229 Gesamt: 8234 |
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| Impressum Arbeitskreis
INSEL-ZEITUNG
Studio Pellworm
2251 PELLWORM
04844/687
Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
Erwin Fiera
Wilhelm Gohde
Philipp Goedeking
Sönje Hansen
Angelika Leners
Rolf Lohmeyer,
Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Bernd Thornsen
Johann Wilsterman
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Mit dem Eisboot unterwegs
Der Winter ist ein harter Mann, kernfest und auf die Dauer,
sei h Fleisch fühlt sich wie Eisen an, er scheut nicht süß
noch sauer. ... So heißt es in einem alten Gedicht, welches wir
in der Schule - jedes Jahr aufs Neue lernen mußten. - Unsere Insel
hat diesen Frost und die strengen Winter mit viel Eis und Schnee in der
Vergangenheit recht oft zu spüren bekommen. Die Einwohner haben es
erlebt und überlebt. - Im vorigen Jahr-hundert wurde daher mit dem
Monat November die planmäßi-ge Dampfschiffahrt eingestellt,
weil der Raddampfer keine Eisbehinderungen bezwingen konnte. Es wurde
nur noch unregelmäßig bei offenem Wetter gefahren. Die Post
wurde dann einige Male in der Woche an den Hattstedter Deich gebracht
und die ankommende Post abgeholt. Von Husum aus wurde sie mittels Pferdefuhrwerk
dorthin geschafft. Gelegent-lich wurde dann auch mal ein Passagier mitgenommen.
Der Schiffer Dethlef Selmer vom Ostersiel, dessen Tochter im Dezember
1978 im hohen Alter von 98Jahren ierstarb, machte viele Jahre die Fahrten
mit seinem Segelschiff. Er hatte sich ganz darauf eingestellt und erhielt
auch dann in den Jahren eine k16ine Entschädigung, wenn er nicht
gebraucht wurde. Die Pellwormer Kaufleute waren mit der Bevorratung recht-zeitig
auf den Winter eingestellt und lagerten die notwendigen Güter vor
dem Frost ein.
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das Eisboot.
Ein ca. 6 Meter langes, geklinkertes Boot, offen, ohne Verdeck. Leicht
und dennoch stark gebaut, ähnlich der finni-schen Akjas. Es mußten
immer 5-6 Mann zum Ziehen durch die Eiswüste und zum Rudern über
die Norderhever darin Platz finden. Die Dampfergesellschaft war für
die Beförderung der Post verantwortlich und stellte auch das Boot.
- Die Postsa-chen waren in Ledertaschen, sogenannte Felleisen, verpackt
und wurden möglichst nach Nordstrand in die Nähe des Erich-sen
Hofes - zwischen Strucklahnungshörn und Norderhafen - gebracht. Manchmal
kamen die Nordstrander den Männern von Pellworm entgegen und dann
wurde die Post auf dem Eise getauscht. - Klappte dies manchmal nicht,
infolge Eistrift ' so kam es wohl auch mal vor, daß die Besatzung
auf Südfall landete und dann wurden die Felleisen umgehängt
und zu Fuß nach Nordstrand marschiert und dort die Post ausgetauscht.
Von der Insel ging nicht viel Post weg, aber vom"festen Wall"
mußte doch allerhand mitgebracht werden. Zuerst die Brief-post,
möglichst die neueste Zeitung oder das Husumer Wochenblatt, wie es
damals noch hieß.Wenn es nichtallzu kalt war, etwas Hefe für
die Bäcker und für den Arzt Medizin * -Gelegentlich wurde auch
noch manchmal ein eiliger Passa-gier auf eigene Verantwortung mitgenommen.
Wie ging nun so eine Fahrt vor sich?
Normalerweise hat man versucht vom Kraienhörn - Vogel-koje - Richtung
Nordstrand zu kommen. Aber es glückte nicht immer. Ebbe und Flut
sind auch noch in der Eiswüste des Wattenmeeres zu Hause und es kam
vor, daß das Boot bis Heversteert oder bis Süderoog runter
trieb, um dann doch noch, aber später, die Hallig Südfall zu
erreichen. Aus dem halbrunden Giebelfenster des alten Kapitänshauses
am Hafen konnte meine Großmutter mit einem langen Fernrohr beob-achten,
wenn die Männer die Halligwarft raufgingen. Manch7 mal wurde auch
noch ein Korb am Fahnenmast aufgezogen zum Zeichen, das die Besatzung
über Nacht dort blieb und die Nordstrander dann mit der Post rüber
kamen.
In der Zeit gab es noch kein Telefon oder Telegraf. Man kann sich vorstellen,
wie die Angehörigen - Frauen und Kinder -wohl gebangt haben, wenn
Nebel aufkam. In diesem Falle wurde mittels Nebelhörner Signal geblasen.
- Drei Töne am Süderoog, zwei Töne am Tammensiel und ein
Ton an der Vogelkoje. - So kamen sie immer wieder gut, wenn auch manchmal
naß und durchfroren zur Insel zurück. Waren sie zu weit vom
Hafen gelandet, wurde ein Boot zu der Familie Clausen-Hermann und später
Nicolai geschickt, die dann die Sachen mit dem Fuhrwerk zur Post brachten.
Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf der Insel "Dat lesboot
is werrerdor". Nach etwa zwei Stunden konnte man dann die Post vom
Postamt am Hafen abholen, egal wie spät es inzwischen geworden war.
Was waren diese Eisbootfahrer eigentlich für Menschen?
Meistens altgediente Männer der Marine. Wie konnte es sonst sein,
daß einige dieser beher'zten Leute ihre Heuer für den Winter
aufgaben, um hierzu Hause die Eisbootfahrten gegen ganz geringe Entlohnung
mitmachten. Sie standen auf Abruf bereit
Wie geht es nun heute vor sich mit der Postver-sorgung im
Winter?
Seit 1928 hat das Flugzeug und gelegentlich auch mal ein Hubschrauber
den Eisnotdienst übernommen. Sollten in Zukunft Schwierigkeiten mit
der Versorgung auftreten, wird eine private Fluggesellschaft den Notdienst
übernehmen. Pellworm hat ja einen Außenlandeplatz, der mit
Ausnahmege-nehmigung benutzt werden darf.
Wo ist das letzte Eisboot-geblieben?
Es hatte bis etwa 1932 im Güterschuppen gelegen und wurde dann praktisch
an Sönke Petersen von Oland verschenkt. Er mußte damals zwei
Fahrten als Matrose mit nach Husum machen und erhieltesals Lohn dafür.
Nach Umbau und Einbau eines Motors hat es den Halligleuten noch bis zum
Sturm 1962 gedient. Es ist damals weggetrieben und wie Sönke darüber
berichtet, ist bisher nichts davon gefunden worden. Heute noch sei ein
Dank diesen tapferen und beherzten Männern gesagt.
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