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| Pellworm, den 05.02.2012 - 14:48 Uhr | ||||||||||||||||||||||||||
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Der Schnee auf PellwormAm Donnerstag, dem 28.12.1978 setzte Mittags leichter Schneefall ein. Was alles so schon nach Weihnachten aussah, entpuppte sich bald zu einer handfesten Katastrophe. Am Freitag, dem 29.12., wehte der Wind aus Südost Stärke 6. Es schneite immer noch, und es bildeten sich die ersten Verwe-hungen. Gegen Abend nahm der Wind an Stärke zu und er-reichte am Sonnabend früh fast Orkanstärke. Immer noch mehr Schnee. Der Verkehr auf den Straßen bricht zusammen. Nur noch einige Fußgänger haben die Möglichkeit voranzu-kommen. Am Mittag ist der Inselarzt noch einmal unterwegs zu Kranken, mit dem Schneepflug. Vereinzelt sind noch Schnee-räumer unterwegs und versuchen noch Luft zu schaffen, aber es nützt nichts mehr. Mittlerweile sind Schneewehen bis 4 Meter Höhe da. Der Wind bläst immer noch aus Ost bis Nordost mit Stärke 8 - 9 bei minus8 Grad. Nun müssen die Wegeverhält-nisse ihrem Schicksal überlassen werden. Nichts geht mehr. Die Schiffsverbindung muß schon im Hinblick auf die Weiter-verbindung von Nordstrand nach Husum eingestellt werden, und so ging dasJahr1978seinem Ende entgegen. Rummelpöt-te und die Neujahrskinder waren zum Zuhause bleiben verur-teilt. Nicht einmal die Nachbarn haben sich gegenseitig besucht. Immer noch Schnee - und starker Wind bei 9 Grad Frost. Die Insel bietet ein Bild wie in den Bergen. Häuser und Sträucher haben dichte weiße Mützen auf und teilweise sind die Fenster zugeschneit. Und dann kam die unheimliche Stille in der Nacht vom 1. zum 2. Januar. Es hörte auf zu schneien, und der Tag präsentierte sich mit strahlendem Sonnenschein. Nun kommt schon wieder Leben auf die Straßen. Fast 400 Gäste sind in den einzelnen Ferienwohnungen und müssen etwas zu Essen haben. Viele wollten schon vor Sylvester wieder weg sein, und nun wurde etwas gebraucht. Teilweise haben die Läden geöffnet, Rucksäcke werden, wieder hervorgeholt und ab gehts wie in alten Tagen. --Und nun, wo alles vorüber ist, muß eines gelobt werden, die Stromversorgung hat in keinem Falle versagt oder nur örtlich kleine Störungen gehabt. Es wäre nicht auszudenken gewesen, wenn auch noch tagelang die Heizungen nicht mehr gelaufen hätten oder nicht gekocht wer-den konnte. Alles hängt an dieser Strippe. Viele Landwirte konnten ihre Milch nicht zur Meierei bekom-men. Aber die Kühe konnten gemolken werden. Es zeigte sich einmal wieder, was unsere Zeit für Schwächen hat. Man hat alles vorgeschrieben, Feuerlöscher bei jeder Heizung, Über-prüfung der Anlagen durch den Schornsteinfeger usw., genau so müßten für jedes Haus ein Kanonenofen und ausreichend Briketts im Keller sein. Oder eine Vorrichtung, um jedenfalls einen Teil der Milch verbuttern oder zu käsen. Bei einem großen Milchviehbestand ist allerdings die Frage, ob so viele Behälter angeschafft werden können. Auch sollte wieder das Melken mit der Hand von den Jüngeren geübt werden. Fragt sich hier, ob überhaupt die Tiere damit zufrieden sind und die Milch geben. ' Es ist klar, daß bei einem so plötzlichen Wintereinbruch nicht an alles gedacht werden kann. Aber eine gewisse Vorratshal-tung, zumal an Heizöl und Viehfutter, könnte von Nutzen sein. Wir sind in diesem Fall noch einmal mit einem blauen (weißen) Auge davongekommen, es kann aber - und daran möchten wir erinnern - schon bald wieder einmal Winter werden. Jedenfalls sollten wir aus der Not lernen. Mit dem Wetter ist es nun einmal so, daß niemand eine langfristige Voraussage machen kann. Nun weiter zum Wintereinbruch. Am 3. Januar nimmt der West-küstenflug die Verbindung nach St. Michaelisdonn wieder auf. Nach Sylt oder Föhr zu fliegen, hatte wenig Aussicht auf Wei-terkommensmöglichkeiten, weil die Bahnverbindung auch zeitweilig unterbrochen war. Es wurden auf diesem Wege jedenfalls etwa 100 Personen, die eilig ihre Beschäftigung antreten mußten, ausgeflogen. Es hat sich wieder gezeigt, daß der Außenlandeplatz bei Julius Marcussen doch einen guten "Notausgang" darstellt, wenn er auch ohne öffentliche Mittel zur Verfügung gehalten wird. Im Sommer wie im Winter eine dankenswerte Einrichtung. Es wäre wohl an der Zeit, auch im Hinblick auf den Fremdenverkehr, für eine ausreichende Zu-wegung zu sorgen. Das Amt für Land- und Wasserwirtschaft sorgte dann auch, so schnell es ging, eine Schutzbude nach dort zu bekommen, standen doch in den ersten Tagen verschiedentlich Fluggäste stundenlang in der Kälte. Die Damen vom DRK Pellworm ver-sorgten dann an einigen Tagen, genau wie beim Hubschrau-bereinsatz, die abfliegenden Gäste. - Am Donnerstag, den 4. Januar, brachte die "Pellworm" etwa 130 Passagiere und 16 Pkw nach Nordstrand, die von dort im Konvoi, weil noch Fahr-verbot herrschte, auf die Autobahn nach Schleswig geleitet wurden. Am Sonnabend, den 6. Januar, wurden 350 Gäste kostenlos nach Nordstrand ausgeflogen und von dort mittels Bussen nach Husum befördert. Nun gab es Luft auf der Insel, wenn auch viele Autos im Schnee stehen blieben. Mittlerweile wurde auch der Treibstoff knapp. Freiwillige Räumkolonnen schaufelten die wichtigsten Straßen 'frei und sorgten durch ihren uneigennützigen Dienst, daß wieder Leben auf die Insel kam. In einer Dankadresse Wurde diesen Helfern gedankt, wel-ches wir an dieser Stelle auch noch einmal wiederholen möch-ten. Die Schiffsverbindung wurde anfänglich mit Hilfe des starken Schleppers "Karin" der Husumer Schiffswerft aufrechterhal-ten, doch sind bis heute, Mitte Februar, die planmäßigen Fahr-ten ausgefallen. Während des ganzen Monats Januar hatten wir immer wieder Sturm und Schneetreiben. Es schien so, als wenn Petrusdie10 jährige Schneepause noch ordentlich nachholen müßte. Älte-re Leute sagen allerdings für Petritag (22. Februar) voraus, daß er dann einen heißen Stein ins Wasser wirft und das Eis dann von unten taut. Hoffentlich. - Wie kam es eigentlich zu dem plötzlichen überraschenden Wintereinbruch? - Polare Kaltluft aus Skandinavien mit Tem-peraturen unter minus40 Grad und in Hannover9GradWärme kennzeichnen die Luftmassengrenze. Die Kälte schob sich auf die Warmluft auf, und es mußte zu diesem riesigen Schneefall, vor allem an der Ostküste Schleswig-HoIsteins kommen. Hier auch noch der höhere Wasserstand mit Überschwemmungen infolge Ostwind. Und an der Nordsee dafür Wasserstände mit 1-1,50 m unter Normalnull. Was haben wir aus dieser Katastrophe gelernt? Eigentlich nicht viel, denn bei Fertigstellung dieses Berichts war schon ein ähnlicher Notstand da. Am Dienstag, den 13.2. fängt das Schneetreiben schon wieder an. Die Räumfahrzeuge können bald nichts mehr machen, weil die Wälle an den Seiten der Straßen so hoch sind, daß gebaggert werden muß. Am 14. Feb-ruar bricht der gesamte Verkehr auf der Insel wieder zusam-men. Einige Leute kommen bereits am Dienstag nicht mehr in ihre Wohnungen und müssen be~i Bekannten übernachten. Am Abend des 14.2. hält der Schneesturm immer noch an, Nordost Stärke 8-9, Frost minus 12 Grad. Nun muß wieder geschaufelt und gebaggert werden. Die Milch muß zur Meierei. Schulkinder zur Schule. Am Mittwoch des 14.2. gehen die Sirenen und verkünden: Katastrophenalarm. Auch am Donnerstag, dem 15.2., hielt der Sturm mit Schnee-treiben aus Ost bei einer Temperatur um minus 6 Grad an. Abends wird es frostig klar. Am Sonnabend holt MS "Pellworm" zwei schwere Räumgeräte von Nordstrand. Bis Sonntag abend sind ein Teil der Straßen wieder befahrbar. Am Montag und Dienstag normalisiert sich wieder das Leben auf der Insel. Schiffsverkehr geht wieder, wenn auch noch außer-planmäßig. Am Dienstag um 18 Uhr erfolgt Entwarnung -Schneekatastrophenalarm ist aufgehoben. Allen freiwilligen Helfern sei noch einmal Dank gesagt. 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