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Date: 17.03.10 Time: 08:05:48 User online: 6 Heute: 125 Gestern: 131 Gesamt: 11818 |
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INSEL-ZEITUNG
Studio Pellworm
2251 PELLWORM
04844/687
Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
Erwin Fiera
Wilhelm Gohde
Philipp Goedeking
Sönje Hansen
Angelika Leners
Rolf Lohmeyer,
Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Bernd Thornsen
Johann Wilsterman
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Wir stellen
vor
Rudlof Boysen & Familie
Wer nach Pellworm kommt, lernt ihn unweigerlich irgendwo
kennen: auf der Pellworrn 1, im Watt, am Haus oder Boot werkelnd, ständig
unterwegs zwischen Hafen und der Alten Kirche, immer in Aktion, selten
Zeit erübrigend für seine Hobbys: Fotographie, Motorbootfahren,
philosophische Bücher, Wattwandern. Rudof Boysen, Maschinist auf
der Pellworm und engagierter Wattführer, wurde am 24.11.23 auf Pellworm
geboren. Sein Vater war Schmiedemeister an der Alten Krche che. Dort in
der Schule an der Alten Kirche, drückte er auch die Schulbank, wurde
1939 konfirmiert und hatte nur einen Berufswunsch die Seefahrerei. Doch
aus diesem Juqendtraum wurde zunächst mal nichts: der Krieg brach
aus, die Arbeitskräfte waren knapp, da galt es, das Schmiedehandwerk
zu erlernen und dem Vater im elterlichen Betrieb zu helfen. Nach der Gesellenprüfung
sollte er dann zur Infanterie, zur fahrenden Einheit eingezogen werden
Doch der damals 19jährige wollte seinem ursprünglichen Berufswunsch
ein Zipfelchen näher kommen und meldete sich freiwillig zur Marine.
Er machte 1942 in Stralsund seine Grundausbildung und ging dann zur Maschinenschule
in Neustrelitz. Die Kriegswirren zwischen 1943?1945 verschlugen ihn nach
2jährigem Einsatz an das nördliche Eismeer, von wo er 1945 auf
Heimaturlaub geschickt wurde. Kaum auf Pellworm eingetroffen, erreichte
ihn dann die Nachricht vom Kriegsende, d.h., ganz vorbei war alles auf
Pellworm noch nicht: Eine Feldgendarrnerie landete kurz darauf auf der
Insel, nahm 30 Pellwormer, unter ihnen Rudolf, fest und schleppte sie
in ein Kriegsgefangenenlager bei Marrie. Die Gefangenschaft war nach 6
Wochen beendet. Rodolf Boysen nahm 2 Jahre lang seine Arbeit in der Schmiede
wieder auf, nicht nur, um seine Familie in der geldlosen Zeit über
die Runden zu bringen, sondern auch, um endlich reell handwerklich tätig
zu sein. Er machte dann in Hamburg sein Zivilpatent und erhielt am 8.
August 1948 das Angebot der Pellwormer Dampfschiffahrtsgesellschaft auf
dem Fährschiff, damals als Maschinist, anzufangen. Das damalige Schiff
konnte übrigens schon Autos befördern und zwar 5 an der Zahl
Seit nun bald 20 Jahren pendelt er also zwischen Pellworm und Husum, bzw.
heute Nordstrand, hin und her, täglich mindestens einmal. Zweimal
konnte nicht gefahren werden, weil durch zu starken Ostwind einfach kein
Wasser da war, und natürlich war es auch am 2. Januar 1976 ausgeschlossen,
die Fähre zu starten. Die alte Fähre hat übrigens sogar
mal ein ganzes Vierteljahr aussetzen müssen, weil Pellworm völlig
eingefroren war. Was das für die Versorgung der Insel bedeutete,
kann sich jeder vorstellen. Aber wie gesagt, das waren Ausnahmen. Was
allerdings an lustigen und seltsamen Vorkommnissen auf den Tausenden von
Fahrten erzählt werden könnte, würde ein ganzes Buch füllen:
ob es nun darum ging, einen Ochsen wieder an Bord zu bekommen, der ein
stundenlanges Herumplantschen in der Nordsee dem Eingeklemmtsein zwischen
brüllenden Artgenossen vorzog, oder ob es sich um mehr menschliche
Situationen handelte, die ihren Ursprung in einer stark kömgeschwängerten
Atmosphäre hatten. Gleichviel, Rudolf Boysen müßte viel
Zeit und Ruhe haben, um all dies zu erzählen. Er müßte
überhaupt mehr Ruhe haben für das, was ihn intensiv beschäftigt.
Diejenigen, die mit ihm zu den Seehundsbänken hinauswanderten, mögen
dies schon erfahren oder gespürt haben: seine ganz innige Beziehung
zu der Landschaft, mit der er aufgewachsen ist. Die Naturverbundenheit
und das Anliegen, auch andere, wie er sagt, "der Natur näher
zu bringen", waren der Anlaß, vor vier Jahren mit den Wattführungen
zu beginnen. Außerdem war ? wie so oft ? damals auch einfach kein
anderer da, der diese Aufgabe übernehmen wollte. Einsatzbereitschaft
für eine Sache, die man für notwendig hält und die intensiv
betrieben auch sehr viel Freude bereitet, kennzeichnet auch Rudolf Boysens
Frau Lore Boysen aus. Lore Boysen, in den Kriegsjahren als Fernschreiberin
tätig und Flugzeugbau bei Berlin, kam während des Krieges zu
einem sogenannten "Landjahr" nach Pellworm, lernte ihren Mann
hier kennen und heiratete ihn 1945. Obwohl Nicht Pellwormerin, lernte
sie sehr schnell Plattdeutsch und zeigte großes Interesse für
die speziellen Inselbelange. Schon früh begannen sie und ihre Tochter
Antje sich für Trachten zu interessieren und es blieb nicht beim
Erarbeiten all dessen, was die Trachtenforschung an Literatur herausgab,
sie setzten zusammen das Erfahrene in die Tat um. Viel Zeit, Mühe
und auch viel Geld wurden investiert in die Nacharbeitung von drei Trachten,
der friesischen Sonntagstracht und Festtagstracht und der festlandfriesischen
Tracht, den drei für diesen Bereich in Frage kommenden Trachten.
Wer sich auf diesem Gebiet auskennt, weiß, wie viel Suchen und Ausdauer
vonnöten sind, wirklich originale Trachten zu erstellen. Lore Boysen
und, wenn es ihre Zeit zuläßt, auch Antje Boysen (Antje ist
Lehrerin auf dem Festland), tragen ihre Trachten im Sommer bei den wöchentlichen
Orgelkonzerten in der Alten Kirche. Lore Boysen versieht übrigens
das Küsteramt in der Alten Kirche. Noch ein weiteres Mitglied der
Familie Boysen ist inzwischen auch vielen Gästen bekannt: Jens, er
macht im Sommer Wattführungen nach Süderoog. Und wer im Winter
hier ist, mag auch den Zweitältesten, Hauke Boysen, kennen: er betätigt
sich mit viel Elan am Wochenende als Diskjockey. Komplett wird die Familie
Boysen durch die beiden Jüngsten, Maike und Ole. Befragt, was er
nach seiner Pensionierung wohl hauptsächlich machen würde, ist
Rudolf Boysens selbstverständliche Antwort: "Wattwandern, Wattwandern,
Wattwandern"
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