Nordseeinsel Pellworm

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Pellworm, den 04.09.2010 - 05:47 Uhr

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Date: 04.09.10
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Heimathafen Pellworm

Küstenmotorschiffe zwischen Nord - und Ostsee

Hiermit möchte ich mit einer Fortsetzungsserie über unsere Frachtschiffe beginnen und Ihnen, liebe Leser, einen kleinen Einblick geben in die Schifffahrt. Und zwar von den Schiffen, deren Heimathafen nicht HAMBURG sondern PELLWORM ist. Hier im Hafen liegen vier Frachtschiffe, außerdem ein Stückgutschiff, Name: "Gustav". Die Eigner des Schiffes sind Boy und Heinrich Petersen. Die "Gustav" pendelt zwischen Husum und Pellworm und beliefert die Genossenschaft mit allen anfallenden Waren, die auf Pellworm gebraucht werden, Dann ist da noch das Schiff "Maria", deren Eigner Heinz von Holdt ist. Er ist mit seinem Schiff in der Wattfahrt tätig. Er bringt den Pellwormern je nach Bedarf Muscheln und Sand, die freibleibende Zeit dazwischen nutzt er dazu, für die Post Kabel zu legen, denn was wäre Pellworm ohne Telefonnetz? Nun werde ich mit dem beginnen was die vier Frachtschiffe von den bisher genannten unterscheidet. Sämtliche Angaben habe ich von den jeweiligen Schiffsführern übernommen. Zuerst einmal stelle ich Ihnen unsere Kürnos nach Traglast vor: 1. M.S. Brigitte M. Eigner: August Matthiesen (210 ts.) 2. M.S. Ernte Eigner : Hans Petersen (Hatje) (200 ts.) 3. M.S. Süderoog l Eigner: Hermann August Matthiesen (200 ts.) 4. M.S, Anja 1 Eigner: Boy Petersen (160 ts.) M.S. Brigitte ? Eigner: August Matthiesen August Matthiesen, geboten am 6.31919 auf Pellworm, ist dort noch in die alte Sielschule gegangen, Im 2. Weltkrieg war er dann bei der Handelsmarine, wurde nach Rußland verschlagen und kehrte am 18, Dezember 1945 nach anderthalbjähriger Gefangenschaft nach Pellworm zurück. 1947 heiratete ei, hier auf Pellworm seine Frau Irmgard, wonach er dann auch sein 3. Schiff nannte, die Irmgard M". Dieses Segelschiff wurde, als es die Werft unserer Nachbarn Holland verließ, auf den Namen "Erato" getauft. Es gehörte mit einer Traglast voll 120 Tonnen zu jenen Schiffen, die in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg in großen Stückzahlen die Werften Hollands verließen, da jene Werften wesentlich günstiger als die unsrigen liefern konnten, Die "Erato" war ein ausgesprochen schönes Schiff, mit starkem Sprung und einer aufwendigen Takelage. "Grot an Masten, lütt an Lasten" pflegte man halb bewundernd, halb spöttisch zu sagen. Die Beseglung des als Schoner getakelten Schiffes lastete 4 - 5 Mann sicher recht gut aus - wenn man bedenkt, daß jetzt bei den 200 ?Tonnen Schiffen mit nur einem Besatzungsmitglied gefahren wird.. 1928 wurde dann in die "Erato" ein 36 PS starker Diesel Motor als Hilfsantrieb eingebaut. 1952 wurde der Antrieb auf 45 PS erhöht. Mitte der 50iger Jahre wurde die "Erato" nach Nordstrand verkauft. Eigner wurde Heinz Reinhold, der mit dem in "Jan Reinhold" umbenannten Schiff Nordstrand mit den notwendigsten Gütern versorgte. Im Frühjahr 1963 schließlich kaufte August Mathiesen das inzwischen 50 Jahre alte Schiff und gab ihm, wie schon gesagt den Namen "Irmgard M". Es wurde weiterhin für die Versorgung der Inseln eingesetzt und versah seinen Dienst etwa bis 1968. Nach dem sich Kpt. Matthiesen dann nach einem Schiff mit höherer Traglast umgesehen und sich die jetzige "Brigitte M" gekauft hatte, wurde die ehemalige "Erato" in Husum aufgelegt (mit schwerem Maschinenschaden und bald darauf abgewrackt) Schon heute wird von vielen Liebhabern nach solchen Schiffen Ausschau gehalten um sie mit viel Liebe und Mühe wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück zu versetzten. In einigen Jahren wird man vergeblich nach diesen Schiffen suchen. Ostern 1969 begann August Matthiesen dann die Fahrt mit seinem bis jetzt letzten Schiff "Brigitte M.". Mit einer Traglast von 220 Tonnen fuhr er von da ab je nach Jahreszeit hauptsächlich Futtermittel, Dünger, Getreide und holt auch ab und zu für die hiesige Genossenschaft Zement und Steine von Ütersen und Itzehoe. In den letzten Jahren kamen dann noch Frachten für den Deich? und Straßenbau dazu: Grand, Teersplitt und Basaltsteine zu den umliegenden Inseln.


Aus dem Schifferalltag
Das Leben an Bord ist nicht immer angenehm, ohne Frau und Kinder sind sich die Männer völlig selbst überlassen. Denn die Kapitäne sind nicht nur ihre eigenen Schiffsführer, sondern übernehmen noch die Aufgabe des Kochs (damit sie nicht verhungern), dann die einer Putzfrau, denn an Bord sind ja immerhin einige Kammern sauber? Zu halten: Schlafkammer, Wohnraum, Küche, Toilette und das Steuerhaus, der am meisten benutzte Raum. Und wenn Frau und Kinder (vor allem im Herbst und Winter) es gemütlich zu Hause haben, schaukeln unsere Männer unterdessen irgendwo draußen in der Nordsee und haben mitunter keinen Sonn und Feierabend. Und ich finde, daß dazu viel "ldealismus" gehört, dies immer und immer wieder durchzustehen. Wenn man manchmal so einige Leute hört, die jammern, wenn sie mal für einige Zeit von ihren Familie getrennt sind, sollten sie sich freuen, daß diese Zeilen immer noch abzusehen sind, sich aber in der Seefahrt in dieser Beziehnung nichts ändern läßt.
Deshalb ist dann das Anlaufen des "Heimathafens" immer ein Fest für die ganze Familie. Frau und Kinder leben auf und bilden wieder für einen kleinen Augenblick eine Gemeinschaft in der es auch viele Probleme gibt, die eine Frau nicht immer alleine ausfechten kann. Schon allein das Problem der Kindererziehung ohne Vater ist nicht einfach und auch nicht gut. Dazu kommt, daß viele Dinge zu erledigen sind, die normalerweise in anderen Familien von den Männern erledigt werden, Deshalb entsteht auch in der Situation der Seefahrerfrau schnell eine Selbständigkeit die für andere Frauen vielleicht gar nicht in Frage kommt, z.B. Entscheidungen zu treffen, die für gewöhnlich erst einmal mit dem Mann besprochen würden. Ich will nur damit sagen, daß es auch für die Frau nicht einfach ist, immer auf sich selbst gestellt zu sein.
Für gewöhnlich sind die Kapitäne, wenn sie im Heimathafen angekommen sind, nur für ihre Familien da, aber immer schon wissend, daß sich das jeden Moment ändern kann da unsere Schiffe von Husum aus durch unseren Schiffsmarkler befrachtet werden, mitunter genügt ein Anruf und die nächste Frachtroute ist perfekt. Der Makler kümmert sich darum, wann die einzelnen Schiffe laden können und wo sie hinfahren, um die Fracht wieder zu löschen. Er bespricht mit den einzelnen Schiffsführen den Tonnenpreis der Fracht, da geht es dann manchmal heiß her, denn meistens ist der Preisvorschlag nicht der, den man sich vorgestellt hat. Das erfordert von Seiten des Maklers Rückfragen bei der Firma, die bestellt hat, daß sie mehr ausgeben müßten, sonst lehnten die Schiffsführer die Fracht ab. Aber auch damit muß man heutzutage vorsichtig sein, denn dadurch, daß sich die 1000 ?Tonnen?Schiffe um die Hälfte billiger anbieten, kann es sein, daß die Firmen die ganze Fracht den großen Schiffen überlassen. Wenn dies dann wieder einmal der Fall gewesen ist, sagen sich die Schiffsführer oftmals: "Ich glaube, wir brauchen auch ein größeres Schiff, denn die 1000 -Tonnen ? Schiffe machen uns die Preise total kaputt". Und umsonst fahren können unsere Schiffe auch nicht.

Nun noch eine kurze Schilderung einer Fahrt z.B, von Hamburg nach Husum: Laut Makleranweisung: Mittwoch laden vom "Dampfer". das bedeutet für die Kapitäne, wenn das Wetter halt, Montag je nach Hochwasserzeit abfahren, meistens wer den zwei Stunden nach Hochwasser abgewartet und dann Maschine klar und los. Jetzt heißt es ca. 12 ? 13 Stunden Fahrtzeit bis zum Hamburger Hafen. Nun hat man vielleicht auch noch das Pech und liegt auch Donnerstag noch dort und kann erst Freitagmorgen laden weil sich der "Dampfer" von dem man laden sollte, es sei durch einen Sturm oder durch zu wenig Wasser unterm Kiel, wieder einmal verspätet hat. Dann hat man endlich geladen was man sollte, klariert beim Zoll noch aus Und und auf geht die Fahrt zum Löschhafen (entladen). Der ist in unserem Bei spiel nun Husum, zur Fa. Thordsen. Die Rückfahrt nach Husum dauert um vieles länger, erst einmal durch langsamere Fahrt, weil das Schiff Ladung trägt. Dann wird die günstige Tide abgewartet, damit das Schif nicht all zu sehr gegen den Strom ankämpfen muß. Wieder einmal, wie so oft, wird der "Schlaf" gestrichen, denn inzwischen ist es Nacht und die Fahrt geht weiter, Endlich dann nach ca. 18 Stunden lauft das Schiff in Husum ein. Eigentlich ist dei Kapitän ja nun rechtschaffen müde, aber man hat das "Gluck" und kann noch löschen. Schnell sind mit dem Leichtmatrosen die Luken geöffnet und ca. 3 Stunden später ist das Schiff entleert. Dabei kommt es natürlich auch Wieder darauf an, was man geladen hat. Je nach dem kann die Löschzeit länger oder auch kurzer sein. Nun aber wird der Schlaf nachgeholt (obwohl der verlorene Schlaf nicht nachzuholen ist). Und nicht immer macht das der Körper und Gesundheitszustand der Seeleute mit. Aber alle Strapazen sind vergessen wenn es heißt: "Auf nach Pellworm, denn am schönsten ist es doch zu Haus!



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