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Date: 10.03.10 Time: 01:48:22 User online: 6 Heute: 14 Gestern: 158 Gesamt: 10741 |
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Arbeitskreis
INSEL-ZEITUNG Studio Pellworm
2251 PELLWORM
04844/687
Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
Ludwig Faupel
Sönje Hansen
Dietrich Hölzner
Angelika Leners
Rolf Lohmeyer,
Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Johann Wilsterman |
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Pellwormer
Damm
In unterschiedlichen
Abstanden wird in den Zeitungen über den geplanten Damm von Pellworm
nach dem Festland berichtet. Wir finden einerseits Ausführungen darüber,
warum, der Damm erforderlich ist; andererseits ist die Rede davon, daß
ein Damm nicht gebaut werden dürfe, Ich will versuchen, einige Gesichtspunkte
zu diesem Thema kurz zu erläutern. So lange man an der schleswig
- holsteinischen Westküste Deiche gebaut hat, gibt es Dämme.
Aus Chroniken und alten Karten ist bekannt, daß das gesamte Wattengebiet
um Pellworm nördlich von Eiderstedt und bis zur Linie Westerhever
Leuchtturm - Süderoogsand noch vor 1000 Jahren Festland gewesen ist.
Seitdem brachen hier immer wieder Sturmfluten ein. Der Untergang Rungholts
um 1362 und die Zerstörung von Altnordstrand 1631 sind die hervorragendsten
Ereignisse; viele tausend Menschen und Tiere sind in den Katastrophenfluten
ertrunken. Hier ist aus einem Priel, dem Fall's Tief, die reißende
Hever entstanden. Der Schicksalsstrom Nordfrieslands hat sich bis zu 50
m tief' und 2 km breit, in das alte Kulturland hineingestrudelt und dabei
unentwegt Boden fortgeräumt. Diese auch heute noch andauernde Zerstörung
des Watt- sockels - im Rummelloch und in der Siideraue finden ebenfalls
solche Landverluste statt - konnte durch systematische Vergleichsmessungen
nachgewiesen werden. Noch um die Jahrhundertwende war der Fußweg
nach der Hamburger Hallig möglich. Als man 1906 den Damm vom Festland
nach Nordstrand baute, um die erodierende Strömung um die Insel zu
unterbinden, wurde der Wasser- weg durch das Pohnsley für die Wattschiffahrt
gesperrt. Als Ausgleich hat man den Priel westlich der Hamburger Hallig
so tief' ausgebaggert, daß die Schiffe hier nun auch bei niedrigen
Wasserständen verkehren konnten. Die Folge dieser Maßnahme
war, daß die Wasserscheide in 70 Jahren um fast 7000 m bis südlich
Gröde verschoben worden ist. Der Ausräumungsvorgang wurde also
durch einen künstlichen Eingriff in das natürliche Kräftespiel
erheblich beschleunigt. Der säkulare Anstieg des Meeresspiegels um
25 - 30 cm in l00 Jahren sowie die örtlich und zeitlich sehr unterschiedlichen
Tidehochwasser- und Tideniedrigwasser sind als die natürlichen hydrodynamischen
Kräfte anzusehen. Die Erfahrungen mit Dämmen vom Festland zu
den Inseln und den Halligen sowie die Auswertung umfangreicher Messungen
der normalen und extremen Tideverhältnisse und großflächige
Modellversuche haben gezeigt, daß man Priele und Wattströme
durchaus bändigen kann und darf. Es kommt darauf an, die Stoßkraft
des Meeres aufzufangen, indem man den Einzugsbereich abgrenzt und verkleinert.
Eine großzügige Vordeichung nördlich von Nordstrand -
mit dem Bau soll 1979 begonnen werden in Richtung auf den nach Osten drückenden
Wattstrom allein wurde den Vorgang der Wattzerstörung noch mehr beschleunigen.
Der Landverlust ist nur auf' den Watten bei hohler Ebbe sichtbar. Dann
werden z.B. auf dem Bupheverwatt Kulturspuren aus den früheren Besiedlungsstufen
freigelegt: Ackerfurchen, Reste von Häusern, Brunnen, Kirchen, Deiche
und Siele tauchen ans dem Wasser auf. Der Pellwormer Damm ist aus vorstehenden
Gründen Bestandteil des Generalplanes der Landesregierung Schleswig
- Holstein "Deichverstärkung, Deichverkürzung und Küstenschutz"
von 1961 geworden. Er dient im weitesten Sinne der Landerhaltung und der
Landschaftspflege. Bei der hier zu lösenden Aufgabe handelt es sich
um eine klare Abgrenzung der Hever gegen die Süderaue. Das kann erreicht
werden mit einem Damm, der etwa ein Meter über das mittlere Tidehochwasser
hinausreicht. Bei Sturmfluten streicht das Wasser darüber hinweg
: es entsteht kein Stau Eine Sturmflutfreie Landverbindung Landverbindungwürde
sich ähnlich auf den Wasserstau auswirken wie der Hindenburgdamm.
Wenn ein echtes Verkehrsbedürfnis vorhanden sein sollte oder sich
entwickeln kann, um einen solchen Aufwand zu rechtfertigen, dann müßte
der Damm mit einer Über- laufstrecke für den Wasseraustausch
bei Sturmfluten hergestellt werden. Die Bedeichung des Bupheverkooges
1918 war nur deshalb vertretbar, weil man 2 km der Deichlänge dem
inselseitigen Anschluß des Pellwormer Dammes zurechnete. Bei dem
verständlichen Wunsch, das Wattenmeer als Naturlandschaft zu erhalten,
hat man nun auch die Forderung angemeldet, den Bau von Deichen und Dämmen
im Watt grundsätzlich zu unterbinden. Vor nicht langer Zeit hat man
das gesamte nordfriesische Wattenmeer einschließlich der weiten
Außensände zum Naturschutzgebiet erklärt. Es steht der
Fischerei im begrenzten Maß zur Verfügung und bildet einen
wichtigen Erholungsfaktor. Auf den Schiffsverkehr zu den Inseln und Halligen
kann man nicht verzichten. Wegen der zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen
am Wattenmeer ist es notwendig, diese von Fall zu Fall abzustimmen, bevor
eine Entscheidung gefällt wird. Ich halte die Lösung mit einem
niedrigen Damm als Wattwasserscheide aus ökologischer und hydrologischer
Sicht für vernünftig. Die Insel Pellworm wird dann mit ihren
Vor- und Nachteilen der Randlage vor Sturmfluten und Menschenfluten geschützt
bleiben.
Dr. Marcus Petersen
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