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Pellworm, den 10.03.2010 - 01:48 Uhr

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Date: 10.03.10
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Pellwormer Damm

In unterschiedlichen Abstanden wird in den Zeitungen über den geplanten Damm von Pellworm nach dem Festland berichtet. Wir finden einerseits Ausführungen darüber, warum, der Damm erforderlich ist; andererseits ist die Rede davon, daß ein Damm nicht gebaut werden dürfe, Ich will versuchen, einige Gesichtspunkte zu diesem Thema kurz zu erläutern. So lange man an der schleswig - holsteinischen Westküste Deiche gebaut hat, gibt es Dämme. Aus Chroniken und alten Karten ist bekannt, daß das gesamte Wattengebiet um Pellworm nördlich von Eiderstedt und bis zur Linie Westerhever Leuchtturm - Süderoogsand noch vor 1000 Jahren Festland gewesen ist. Seitdem brachen hier immer wieder Sturmfluten ein. Der Untergang Rungholts um 1362 und die Zerstörung von Altnordstrand 1631 sind die hervorragendsten Ereignisse; viele tausend Menschen und Tiere sind in den Katastrophenfluten ertrunken. Hier ist aus einem Priel, dem Fall's Tief, die reißende Hever entstanden. Der Schicksalsstrom Nordfrieslands hat sich bis zu 50 m tief' und 2 km breit, in das alte Kulturland hineingestrudelt und dabei unentwegt Boden fortgeräumt. Diese auch heute noch andauernde Zerstörung des Watt- sockels - im Rummelloch und in der Siideraue finden ebenfalls solche Landverluste statt - konnte durch systematische Vergleichsmessungen nachgewiesen werden. Noch um die Jahrhundertwende war der Fußweg nach der Hamburger Hallig möglich. Als man 1906 den Damm vom Festland nach Nordstrand baute, um die erodierende Strömung um die Insel zu unterbinden, wurde der Wasser- weg durch das Pohnsley für die Wattschiffahrt gesperrt. Als Ausgleich hat man den Priel westlich der Hamburger Hallig so tief' ausgebaggert, daß die Schiffe hier nun auch bei niedrigen Wasserständen verkehren konnten. Die Folge dieser Maßnahme war, daß die Wasserscheide in 70 Jahren um fast 7000 m bis südlich Gröde verschoben worden ist. Der Ausräumungsvorgang wurde also durch einen künstlichen Eingriff in das natürliche Kräftespiel erheblich beschleunigt. Der säkulare Anstieg des Meeresspiegels um 25 - 30 cm in l00 Jahren sowie die örtlich und zeitlich sehr unterschiedlichen Tidehochwasser- und Tideniedrigwasser sind als die natürlichen hydrodynamischen Kräfte anzusehen. Die Erfahrungen mit Dämmen vom Festland zu den Inseln und den Halligen sowie die Auswertung umfangreicher Messungen der normalen und extremen Tideverhältnisse und großflächige Modellversuche haben gezeigt, daß man Priele und Wattströme durchaus bändigen kann und darf. Es kommt darauf an, die Stoßkraft des Meeres aufzufangen, indem man den Einzugsbereich abgrenzt und verkleinert. Eine großzügige Vordeichung nördlich von Nordstrand - mit dem Bau soll 1979 begonnen werden in Richtung auf den nach Osten drückenden Wattstrom allein wurde den Vorgang der Wattzerstörung noch mehr beschleunigen. Der Landverlust ist nur auf' den Watten bei hohler Ebbe sichtbar. Dann werden z.B. auf dem Bupheverwatt Kulturspuren aus den früheren Besiedlungsstufen freigelegt: Ackerfurchen, Reste von Häusern, Brunnen, Kirchen, Deiche und Siele tauchen ans dem Wasser auf. Der Pellwormer Damm ist aus vorstehenden Gründen Bestandteil des Generalplanes der Landesregierung Schleswig - Holstein "Deichverstärkung, Deichverkürzung und Küstenschutz" von 1961 geworden. Er dient im weitesten Sinne der Landerhaltung und der Landschaftspflege. Bei der hier zu lösenden Aufgabe handelt es sich um eine klare Abgrenzung der Hever gegen die Süderaue. Das kann erreicht werden mit einem Damm, der etwa ein Meter über das mittlere Tidehochwasser hinausreicht. Bei Sturmfluten streicht das Wasser darüber hinweg : es entsteht kein Stau Eine Sturmflutfreie Landverbindung Landverbindungwürde sich ähnlich auf den Wasserstau auswirken wie der Hindenburgdamm. Wenn ein echtes Verkehrsbedürfnis vorhanden sein sollte oder sich entwickeln kann, um einen solchen Aufwand zu rechtfertigen, dann müßte der Damm mit einer Über- laufstrecke für den Wasseraustausch bei Sturmfluten hergestellt werden. Die Bedeichung des Bupheverkooges 1918 war nur deshalb vertretbar, weil man 2 km der Deichlänge dem inselseitigen Anschluß des Pellwormer Dammes zurechnete. Bei dem verständlichen Wunsch, das Wattenmeer als Naturlandschaft zu erhalten, hat man nun auch die Forderung angemeldet, den Bau von Deichen und Dämmen im Watt grundsätzlich zu unterbinden. Vor nicht langer Zeit hat man das gesamte nordfriesische Wattenmeer einschließlich der weiten Außensände zum Naturschutzgebiet erklärt. Es steht der Fischerei im begrenzten Maß zur Verfügung und bildet einen wichtigen Erholungsfaktor. Auf den Schiffsverkehr zu den Inseln und Halligen kann man nicht verzichten. Wegen der zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen am Wattenmeer ist es notwendig, diese von Fall zu Fall abzustimmen, bevor eine Entscheidung gefällt wird. Ich halte die Lösung mit einem niedrigen Damm als Wattwasserscheide aus ökologischer und hydrologischer Sicht für vernünftig. Die Insel Pellworm wird dann mit ihren Vor- und Nachteilen der Randlage vor Sturmfluten und Menschenfluten geschützt bleiben.
Dr. Marcus Petersen

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