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Date: 05.02.12 Time: 14:51:18 User online: 6 Heute: 87 Gestern: 119 Gesamt: 489 |
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INSEL-ZEITUNG
Studio Pellworm
2251 PELLWORM
04844/687
Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
Erwin Fiera
Wilhelm Gohde
Philipp Goedeking
Sönje Hansen
Angelika Leners
Rolf Lohmeyer,
Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Bernd Thornsen
Johann Wilsterman
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PROBLEME DER PELLWORMER
JUGENDLICHEN AUF DEM FESTLAND
Der größte Teil der entlassenen Schüler auf Pellworm
zieht aufs Festland, um eine Lehre zu beginnen oder eine weiterführende
Schule zu besuchen. Diese Tatsache dürfte aber jedem bekannt sein,
und deshalb wollen wir uns nicht mit diesem Thema beschäftigen, sondern
versuchen, Ihnen einige Probleme der Pellwormer Jugendlichen auf dem Festland,
und vor allem in Husum, nahe zu bringen. Eine Feststellung ist, daß
man sich als Schüler der Schwierigkeiten zunächst gar nicht
bewußt wird. Voller Optimismus tritt man die erste Fahrt ans Festland
an, in der festen Oberzeugung, vom Taschengeld Unsummen sparen und sich
das Leben angenehm machen zu können: keine Eltern, die einem alles
verbieten, sich allein zu versorgen, viele neue Bekannte kennen zu lernen,
also kurz: so richtig erwachsen zu werden. Doch das große Erwachen
kommt dann, wenn man Mitte der Woche die letzten Pfennige im Portemonnaie
zusammenraffen muß. Inzwischen hat man festgestellt, daß das
mit den vielen neuen Bekannten auch nicht so einfach ist. Ganz im Gegenteil,
die meisten der Mitschüler haben nur ein mitleidiges Lächeln
übrig, wenn sie erfahren, daß man "Pellwormer" ist.
Dabei sind die Mitschüler die einzige Möglichkeit, sich einen
Bekanntenkreis aufzubauen.
Das zweite Problem, das von den meisten Eltern verkannt wird, ist, daß
man sich zwar vornimmt, fleißig für die Schule zu arbeiten
? zumal man Angst hat zu versagen ? aber doch der Versuchung schlecht
wiederstehen kann, die Möglichkeiten der neuen Umwelt in Erfahrung
zu bringen. Welche Möglichkeiten gibt es jetzt z.B. in Husum, seine
Freizeit zu gestalten und neue Kontakte zu knüpfen? Da wären
zuerst mal die drei Kinos, dann müssen die Discotheken und Kneipen
aufgeführt werden, und als positives Beispiel möchten wir auf
das Jugendhaus hinweisen. Außerdem werden Arbeitskreise von Schule
und Kirche angeboten, es besteht die Möglichkeit, in Vereine (Spielmannszüge,
Sportvereine usw.) einzutreten.
Kommen wir zunächst auf die Kinos zurück, die für Pellwormer
bestimmt einen großen Reiz darstellen, weil es auf der Insel keine
derartige Einrichtung gibt. Hier bietet sich jedoch keine große
Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. Die Wahrscheinlichkeit, Bekanntschaften
zu machen, ist in Discotheken und Kneipen zwar wesentlich größer,
aber man lernt dort meistens solche Leute kennen, die selbst wenig Freunde
haben und Kontakte suchen. Eine besonders empfehlenswerte Einrichtung
scheint uns das Jugendhaus zu sein.
Das hier angebotene Freizeitprogramm besteht aus einem Filmclub, Kochkursen
und verschiedenen Werk?Ag's (Weben, Tonwerken ... ). Den Jugendlichen
stehen bis 22.00 Uhr eine Teestube, ein Fernsehzimmer und ein Spielraum
zur Verfügung. Man kann diese Einrichtung als wirkliches Kommunikationszentrum
bezeichnen, weil hier eine Möglichkeit gegeben ist, nette Leute kennen
zu lernen. Die Wirklichkeit ist aber, daß kaum jemand von den Pellwormern
gern eine der oben genannten Freizeitmöglichkeiten wahrnimmt, weil
man davor zurückschreckt, allein irgendwo hinzugehen, wo einem niemand
bekannt ist. Also hockt man in der ersten Zeit allein in seinem Zimmer
oder trifft sich mit Pellwormern.
Apropos Zimmer: schon Wochen und Monate vor dem Umzug aufs Festland zerbricht
man sich den Kopf, wie und wo man unterkommen wird. Man setzt seine ganze
Hoffnung in Beziehungen, Bekannte u. Verwandte, oder in eine Zeitungsannonce.
Was einen erwartet, wenn man die Zimmer ansieht, ist oft eine Zumutung:
viele sind für einen verhältnismäßig hohen Preis
viel zu klein u. mit alten unansehnlichen Möbeln ausgestattet. Wer
ein preiswertes und dennoch wohnliches Zimmer findet, hat im wahrsten
Sinne des Wortes Glück gehabt.
Ein Beweis dafür, daß es mit der Zimmersuche alles andere als
einfach ist, ist die Tatsache, daß viele Pellwormer Jugendliche
zwei oder sogar mehrere Male umgezogen sind. Gründe sind dafür
Ärger mit den Vermietern, zu große Entfernungen von den Schulen
und Arbeitsplätzen und eben zu kleine Zimmer. Das Problem betrifft
auch die Berufsschüler, also die, die auf Pellworm ausgebildet werden
und einmal wöchentlich die Berufsschule in Husum besuchen müssen.
Es ist sicher vielen nicht bekannt, daß die Schüler, die nicht
bei Bekannten oder Verwandten unterkommen können, sich gezwungen
sehen, in der Bahnhofsmission zu übernachten, denn es lohnt sich
nicht, für eine Nacht in der Woche ein Zimmer zu unterhalten.
Das letzte Problem, auf das wir Bezug nehmen möchten, ist die Schiffsverbindung
zwischen Husum und Pellworm. Wir fragen uns, ob es nicht möglich
wäre, die Interessen der Schüler zu berücksichtigen und
das Wochenende zu verlängern. Denn oft kommen wir nur zum Schlafen
nach Hause. Dies sind bei weitem nicht alle Probleme, mit denen die Pellwormer
Schüler auf dem Festland konfrontiert werden, aber wir hoffen, hier
die wichtigsten Punkte angesprochen und Ihnen neue Informationen aus unserer
Sicht vermittelt zu haben.
A.G.
B.i.
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