|
|
|
||||||||||||||||||||||||||
| Pellworm, den 17.03.2010 - 08:06 Uhr | ||||||||||||||||||||||||||
|
Wir stellen vorFamilie Thomsen - Süderoog Süderoog, am westlichen Ufer des Wattenmeeres gelegen, hat zusammen mit dem kleineren Norderoog die exponierteste Stellung aller Halligen im Wattenmeer. Süderoog ist weit über Schleswig Holsteins Grenzen bekannt geworden durch Hermann Neuton Paulsens Idee, in den 20er Jahren mit Hilfe von internationalen Ferienlagern Völkerverständigung auf eigene Faust zu betreiben. Ja, für seine Hallig die Eigenstaatlichkeit zu erkämpfen. Die geringe Größe der Hallig konnte seit je nur wenige Menschen ernähren, obwohl wie das für Halligverhältnisse sehr stattliche Warfthaus zeigt ? die Besitzer nicht ärmlich waren (1906 wurden noch 40 Stück Hornvieh und 80 Schafe gehalten). Jahrhundertelang wurde Süderoog von der Familie Paulsen bewirtschaftet, zunächst in Lehnspacht, seit 1871 als Eigenbesitz. Nach Hermann Neuton Paulsens Tod 1951 wurde die Hallig verpachtet, 1971 erwarb das Land Schleswig Holstein Süderoog. Es wollte sich vor allem eine sichere Basis für den Küstenschutz erhalten. Die Verwaltung wurde dem Amt für Land und Wasserwirtschaft übertragen. Doch der Bestand der Hallig konnte nur gesichert werden, wenn sie weiterhin von menschlicher Hand bewirtschaftet wurde. Ein Pächter kann Schäden an den Steinbesetzungen der Ufereinfassung sofort feststellen und kleinere sofort selbst beheben. Durch Schaf und Rindviehgräsung sorgt der Pächter auch für eine gesunde Grasnarbe. Doch wer diese Aufgabe übernimmt, muß eine ganz besondere Beziehung zu dieser Landschaft haben. Er muß absolute Einsamkeit ertragen und nutzen können, er muß uns bereits fremde Unbequemlichkeiten auf sich nehmen und vieles allein und mit wesentlichen Mühen tun, was uns als selbstverständliche Dienstleistungen unverzichtbar erscheint, und er muß der Gefahr als Lebensbegleiter intensiv und bewußt ständig begegnen können. Was sind das für Menschen, die es zu solch einem Leben zieht? Gerd Thomsen bewirtschaftet jetzt zusammen mit seiner Frau seit April 1976 die Hallig. 1937 auf Hooge geboren, zog Gerd Thomsens Familie 1939 nach Pellworm, wo er in die damalige Tammensielschule ging. Nach der Schulzeit arbeitete er bis 1958 in der Landwirtschaft und faßte dann den Entschluß, nach Amerika auszuwandern. Als Zwanzigjähriger betrat er amerikanischen Boden und arbeitete als Landwirt und Fliesenleger. Anfang der 60er Jahre wurde er zur US?Army eingezogen und kam zur Zeit der Berlin?Krise als amerikanischer Soldat nach München. Hier lernte er seine heutige Frau kennen (manch Süderoog?Besucher wird sich schon über den süddeutschen Dialekt gewundert haben). 1963 wurde geheiratet, 1967 zog es den Auswanderer dann wieder nach Pellworm zurück, wo er beim Amt für Land? und Wasserwirtschaft arbeitete. Nach 3jährigen, mit recht feuchten und ungemütlichen Erinnerungen beladenem Wohnen im heutigen Haus des "Studio Pellworm", konnte die Familie Thomsen 1972 in ihr neugebautes Haus in Bupheverkoog einziehen. Als dann 1976 für Süderoog ein neuer Pächter gesucht wurde, griff Gerd Thomsen nach reiflichen Oberlegungen und Gesprächen mit seiner Frau zu. Man tauschte das relativ sichere und bequeme Pellwormer Leben gegen die Einsamkeit Süderoogs. Sohn Rudi, Bäckerlehrling, verblieb in dem Pellwormer Haus, das ansonsten als Ferienwohnung vermietet wird. Tochter Sonja, 9 Jahre alt und damit schulpflichtig, zog zu Pellwormer Bekannten. Gerd Thomsen ging bereits im Januar 1976 auf die Hallig, um die Schäden der großen Sturmflut vom 2. Januar mit zu beseitigen. Als seine Frau dann im April nachkam, richtete man es sich in dem schönen alten Hallighaus gemütlich ein. Die Thomsens haben heute 4 eigene Kühe und 34 sogenannte "Pensionskühe" von Pellworm, außerdem 30 Schafe. Im oberen Geschoß des Haupthauses sind 4 hübsche Gästezimmer eingerichtet, so daß Frau Thomsen den Sommer hindurch auch Feriengäste betreuen kann. Die im Nebengebäude eingerichtete Bewirtungsmöglichkeit für Tagesgäste bietet im Sommer weiterhin kurzfristige Begegnungen mit Gästen, Nach der Saison jedoch ist Heini Liermann, der Pellwormer Halligbriefträger, der einzige mehr oder weniger regelmäßige Kontakt zur Außenwelt. Den Einkauf tätigen die Thomsens größtenteils selbst indem sie, wenn Flut und Wetter eszulassen, mit ihrem kleinen Boot nach Pellworm einkaufen fahren. Strom gibt es auf der Süderoog nicht. Zwar hat die Familie ein Aggregat, das jedoch aus Kostengründen nicht ständig eingeschaltet sein kann. Gegen Abend werden darum Petroleumlampen und Kerzen angemacht. Für die Trinkwasserversorgung steht eine Hydrophoranlage mit Druckkessel und Wasserleitung zur Verfügung. Der Notwasserversorgung dienen 2 weitere Tanks mit 4000 Liter Inhalt. Das übrige Wasser kommt wie ?eh und jeh aus dem Fething, den zu jedem Hallighaus gehörenden Süßwasserteich. Wer etwas länger unter diesen Lebensbedingungen auf einer Hallig gelebt hat, der weiß, wie schnell sich scheinbare Nebensächlichkeiten zu Existenzkrisen? ausweiten können, und wie einseitige Planungsmaßnahmen das hier noch herrschende Gleichgewicht von Mensch und Natur beenden kann. Denken wir z.B. an die Geschichte mit den Wildgänsen. Die Gänse fressen Gras, von dem ein Herde Vieh leben könnte; ohne Vieh aber lebt ein Pächter nicht rentabel. Heute schafft ein ? wie von vielen Seiten behauptet wird ? übertriebener Naturschutz viel Platz allein für die Wildgänse. Die Folge davon ist ein ökologisches Ungleichgewicht, denn die Kühe finden nicht genügend Nahrung mehr. Bereits ehemalige Süderooger und auch die Bewohner anderer Halligen können lange ? und nicht immer amüsante ? Geschichten erzählen von ihren Erfahrungen mit mehr und minder einsichtigen oder kompetenten Vogelschützern. Wir wünschen der Familie Thomsen auf Süderoog, daß sie weiterhin genügend Mut und Durchhaltevermögen aufbringt für ihr Leben auf der Hallig. G. S. >> zurück zum Inhaltsverzeichnis Inselzeitung Pellworm >> Es wurde noch kein Suchbegriff eingegeben.
Suche Version 1.0
|
|
||||||||||||||||||||||||
|
copyright 2005 by creative - edesign pellworm |
||||||||||||||||||||||||||