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Date: 29.07.10 Time: 18:44:24 User online: 5 Heute: 182 Gestern: 229 Gesamt: 8234 |
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INSEL-ZEITUNG
Studio Pellworm
2251 PELLWORM
04844/687
Redaktionelle Mitarbeiter: Josie Bey
Alfred Dethlefsen
Jons Drawert
Erwin Fiera
Wilhelm Gohde
Philipp Goedeking
Sönje Hansen
Angelika Leners
Rolf Lohmeyer,
Johann E. Lucht
Thies Martensen jr.
Hauke Martensen
Friedrich Petersen,
Dr. Markus Petersen
Hellfried Schulze
Gerda Smorra
Henry Smorra
Bernd Thornsen
Johann Wilsterman
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HIER HABEN SIE DAS WORT
Leserbrief von Herrn Uwe Süfke, Hamburg
Als sogenannter Zweitwohnsitzler habe ich in der Pellwormer Inselzeitung
Nr. 3 mit Interesse den Artikel über die Bevölkerungsstruktur
der Insel gelesen und sehe mich veranlaßt, zu den dort getroffenen
Feststellungen über Zweitwohnungen einmal einige Anmerkungen zu machen.
Der Verfasser des Artikels behauptet: Zweitwohnungen verlangen von der
Gemeinde erhebliche kommunale Leistungen und bringen andererseits keinerlei
Nutzen. Die Frage sei erlaubt, wo den diese "erheblichen kommunalen
Leistungen" liegen, oder anders gefragt, weiche Leistungen würden
für die Gemeinde entfallen, wenn die jeweils zum Verkauf stehenden
Gebäude nicht als Zweitwohnung genutzt würden? Wenn dem wirklich
so wäre, so ist es einigermaßen verwunderlich, daß die
Gemeinde einem Bebauungsplan zustimmt, der am Kaydeich ein Feriengebiet
mit ca. 100 Zweitwohnungen ausweist! Hat der Verfasser einmal überlegt,
daß es sich bei Zweitwohnungen ausschließlich um alte Gebäude
handelt? Wie viele Bauruinen ä la Teufelswarft gäbe es zwischenzeitlich
auf Pellworm, wenn nicht Zweitwohnsitzler mit viel Liebe und teilweise
erheblichen Kosten diese Gebäude renoviert hätten. Durch die
Beseitigung eventuell entstandener Bauruinen hätten der Gemeinde
allerdings Kosten entstehen können. Nach meiner Information liegt
der Durchschnittskaufpreis für die Zweitwohnungen bei ca. DM 45000,-.
Das ergibt die stolze Summe von ca. DM 4,5 Mio., die nach Pellworm geflossen
ist, und da mehr Kaufkraft auch mehr Steuerkraft bedeutet, sicherlich
indirekt der Gemeinde zusätzliche Steuererträge gebracht haben.
Alle Besitzer von Zweitwohnungen zahlen Grundsteuer und zusätzlich
Kurtaxe. Viele Zweitwohnsitzler vermieten zusätzlich an Kurgäste,
was wiederum Kurtaxe für die Gemeinde bringt! Die Behauptung, auch
für die Pellwormer Gewerbebetriebe würde sich kein Nutzen aus
den Zweitwohnungen ergeben, muß ais unrichtig bezeichnet werden.
Wer hat die Renovierungsarbeiten an den Gebäuden wie Türkenhof,
Ponyhof, Silberhof u.v.a. ausgeführt, wenn nicht die ortsansässigen
Handwerker? Hat man hierzu einmal die Baugeschäfte, Klempnerelen,
Elektriker, Maler, Dachdecker usw. befragt? Die Feststellung, Zweitwohnsitzler
brächten sich vom Festland mit, was auf der Insel zu teuer sei, ist
geradezu lachhaft. Es kann jederzeit der Beweis geführt werden, daß
beispielsweise Fleisch- und Wurstwaren in Hamburg bis zu 40% teurer sind
als auf Pellworm. Ähnliches gilt für Brot? und Backwaren und
eine ganze Reihe anderer Artikel. Zum Schluß noch etwas Grundsätzliches:
Mit der Erhebung einer Zweitwohnsitzsteuer glaubten bereits vor ca. 2
Jahren die Gemeindeväter der Gemeinde Timmendorferstrand das "Ei
des Kolumbus" gefunden zu haben. Einen anschließend um die
Rechtmäßigkeit dieser Steuern vor dem Verwaltungsgericht in
Schleswig geführten Prozeß hat die Gemeinde verloren, in zweiter
Instanz dann auch die beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg eingelegte
Berufung. Da ich mir nicht vorstellen kann, daß die Gemeinde Pellworm
interessiert ist, ähnliche Prozesse zu führen, sollte man das
Thema "Zweitwohnungssteuer" vorläufig zu den Akten legen.
Frisch wie eine Nordseekrabbe
Der Erfinder dieses Slogans hat ihn wahrscheinlich bildlich
aufgefaßt: er wird an ein hübsches, junges Mädchen gedacht
haben, das braungebrannt, in knappem Bikini den Nordseewellen entsteigt,
noch Wassertropfen im Haar, ein freundliches Lächeln zeigend. In
Pellworm kann man den Slogan wörtlich nehmen: Frisch wie eine Nordseekrabbe!
Frischer geht's wirklich nicht, als hier. Die Krabben kommen vom Kutter
direkt in das Fischgeschäft oder in die Gaststätten und Restaurants.
Die Krabben oder Porrn, wie man in Pellworm sagt, die sich ein paar Stunden
zuvor noch in der Nordsee tummelten, bereitet unsere Gastronomie zu schmackhaften
Gerichten zu. So gibt es Krabben mit Bratkartoffeln, Krabben mit Ei, Krabben
mit Käse überbacken, Krabben auf Schwarzbrot, mit Ei und Tomaten
garniert, das sogenannte Wattenbrot, Krabben als Verfeinerung einer Specksauce,
mit der man die große Nordseescholle übergießt, oder
Krabben in Form des "Hohnensteert", was als plattdeutsche Obersetzung
von "Cocktail" zu verstehen ist, und nicht zu vergessen die
Krabbensuppe und die Porru?Frikadellen, die in Pellworm hervorragend zubereitet
werden. Wenn man also an einem Auto den Aufkleber "Frisch wie eine
Nordseekrabbe" entdeckt, sollte man auf Pellworm eine kulinarische
Ausdeutung dieses Wortes nicht außeracht lassen.
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