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| Pellworm, den 05.02.2012 - 15:42 Uhr | ||||||||||||||||||||||||||
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Wir stellen vorAnto Kojemann ( A. Petersen)Die Pellwormer Vogelkoje, der einzige "Wald" auf Pellworm ist heute ein beliebtes Ziel für Spaziergänge. Obwohl die ganze Anlage sehr zugewachsen und verwildert ist, lässt sich die ursprüngliche Anordnung (Außenwall, Innenwall, See mit 6 Ausläufern noch gut erkennen. Dieser Anlage diente früher dem Entenfang. Und wer ganz genau wissen möchte, auf weiche Art und Weise hier Enten gefangen wurden, der muss sich an Anton Petersen wenden. Er war lange Jahre "Kojemann" auf Pellworm und er erzählt immer noch gerne und mit viel Elan, wie dieses seltsame Handwerk ausgeübt wurde. Die Pellwormer Vogelkoje wurde im Jahre 1904/05 gebaut. Thomas Andresen, dem das Land gehörte, verkaufte es dem Föhrer Heinrich Boysen und einem Holländer unter der Bedingung Mitinhaber der Koje zu werden. So hatte die Pellwormer Vogelkoje 3 Inhaber. Die Arbeiter, die damals die Koje bauten, kamen größtenteils zu Fuß von Tammwarft Alter Kirche oder Hooger Fähre (also 8 ? 10 km Hin? uni Rückweg), hoben den ca. 1 1/2 Meter tiefen See aus, bauten die Pfeifen (die Ausläufer), dann die Wälle, wobei das einzige Transportmittel natürlich die Schubkarre war. (Übrigens verdienten sie für 10 Std. Arbeit täglich 3,00 DM bis 3,50 DM) Nach der Fertigstellung war der erste Kojemann, der Holländer van Gounst, danach kam ein Herr Size Koistra und schließlich 1927 Anton Petersen. Anton Petersen wurde 1903 als ältester von drei Geschwistern am Tilly geboren. Sein Vater arbeitete in der Landwirtschaft, und auch die Kinder mussten tüchtig mit zupacken. Schon vor der Schule und nach der Schule, so blieb für Schulearbeiten nicht viel Zeit. Während des 1. Weltkrieges wurde er zwei Sommer lang ganz von der Schule "dispensiert" und fuhr in dieser Zeit Milch von der Meierei zur Gurde, zum Schütling usw. Nach der Konfirmation fing er dann mit 15 Jahren bei Bauer Martin E. Lorenzen (Süderkoog) an zu arbeiten und verdiente dort im ersten Jahr 80 Täler. Als im Mai des darauffolgenden Jahres der Bauer ihn fragte: "Anton, magst bi mi weern?" antwortete er: "Jo, mag ich noch, Martin." "Wist annern Johr bi mi bliewen?" "Jo, will ik noch." "Jo, dann will ik mol snaken mit dien Vadder." Vater regelte damals alles, und so wurde Anton Petersen wie er sagt: "för 100 Doler in Johr verpachtet." Er blieb ein weiteres Jahr bei Lorenzen und arbeitete dann bei verschiedenen anderen Bauern. Schließlich packte ihn das Fernweh und er ging 1925 nach Föhr in einen größeren landwirtschaftlichen Betrieb (zu Peter Martens), wo er zuerst gar nicht sein mochte ("De snaken jo friensch dor!"). Er packte seine Sachen und wollte wieder weg, doch der Bauer überredete ihn zu bleiben und bot ihm einen höheren Monatslohn von 75,? DM an. (Der Hof lag 5 km "vonne Dörp" entfernt, und im Dorf verdiente man damals 50,? DM in der Landwirtschaft) So blieb Anton Petersen 3 Jahre dort. In der Nähe des Hofes lag eine Vogelkoje, die damals von dem Sohn des Pellwormer Kojemanns van Gounst bewirtschaftet wurde. Das Wärterhäuschen stand auf der Warft von Peter Martens. Als der Bauer Anton Petersen anbot, das Entenfangen beim Kojemann zu lernen, sagte dieser sofort zu. Es dauerte nicht lange bis er das Handwerk beherrschte. Es ergab sich, dass er im Winter beim Milchausfahren häufig in das Haus Heinrich Boysens kam, des Mitinhabers der Pellwormer Koje.. Dieser bot ihm eines Tages an, doch auf der Heimatinsel Pellworm die Vogelkoje zu übernehmen. Die Arbeit war knapp damals und Anton Petersen willigte ein So verließ er 1927 Föhr, nähte im Somrner über noch auf Hooge, fuhr im Herbst Korn ein und wohnte im Winter in dem vom Vater gepachteten Haus an der Alten Kirche auf Pellworm. Im April 1928 heiratete er und zog am 1. Mai mit seiner Frau in das Wärterhäuschen an der Vogelkoje. Hauptfangzeiten waren die Monate Ende August bis Anfang November. Bis dahin galt es, die Koje in Ordnung zu bringen: die Kulissen mit den Sehschlitzen (Reetwände an den Pfeifen) auszubessern, die Netze, die über die Pfeifen gespannt waren, zu teeren und zu flicken und derlei Arbeiten mehr. 200 Lockenten waren vonnöten für einen wirksamen Fang; sie mussten beschnitten und gefüttert werden. Ca. 100 Pfd. Gerste verfütterte Anton Petersen pro Jahr an seine Lockenten. Allerdings fraßen da auch die auf Pellworm überwinternden Stockenten mit, die dann nach guter Fütterung später mit ihren Küken zurück kamen. Auch die Lockenten, die nur ein Jahr flügellahm waren und danach mit ihren Artgenossen weiterzogen, trafen im nächsten Herbst als erste wieder in der Vogelkoje ein und brachten viele andere Enten mit. Auf diese Art und Weise vergrößerte die gute Fütterung das sonst eher zufällige Fangpotential. Im Winter musste Anton Petersen für seine Lockenten manches Mal ein Loch in das Eis schlagen oder auch festgefrorene Enten in die Küche nehmen und auftauen lassen. Wenn im Herbst dann die Grauenten, Pfeifenten, Krickenten und Knäckenten auf ihrem Flug von Norden hier Station machen, was während der Flut Tide der Süßwasserteich 6 Stunden lang bevölkert mit Enten. Anton Petersen, den ständig qualmenden "Torfpott.", der ihn vor frühzeitiger Witterung schützte, in der einen Hand, die Kornschürze umgebunden, lockte seine Lockenten mit Futter und mit den Pfeifen. Dabei halfen ihn seine Hunde Bobby später dann Robby. Der Hund hatte einfach die Aufgabe, die Enten neugierig zu machen. Wenn er aus seinem "Hühnerloch" herausgelassen wurde, sprang er mit tollen Sprüngen auf eine der Pfeifen zu. Die neugierigen Enten reckten die Hälse und schwammen hinterher, fanden dort das Futter und lockten die neuen Enten heran. Bei West?Wind bevorzugten sie die West?Pfeifen, bei Ost?Wind die Ost?Pfeifen, denn "Enten möch keen Wind inne Stert." Bei stillem Wetter ging der Kojemann um alle Pfeifen herum und streute sein Futter. War er bei der ersten Pfeife wieder angelangt, hatte sich dort bereits eine stattliche Auswahl fremder Enten angesammelt. Erschreckt durch das plötzliche Auftauchen eines Menschen flatterten sie hoch und immer weiter in die enger werdende Pfeife hinein auf ein Spiegelnetz zu, das Licht durchließ und sie anlockte. Wenn sie dann hinunterfielen, verfingen sie sich in Drahtstäbe, die in 20 cm Abstand schräg in den Pfeifen steckten. Sie konnten ihre Flügel nicht mehr ausbreiten und schwammen geradewegs dem Licht zu, das durch die rückwärtige Drahtbespannung eines großen Kastens am Ende der Pfeife fiel. Per Bindfaden ließ der Kojemann die Klappe herunterfallen, den Enten wurde der Hals umgedreht, der Darm entfernt, sie wurden zum Auswühlen in den Keller gesperrt mit Seidenpapier umwickelt, aufgehängt, schließlich zum Dampfer gebracht. Sie landeten in einer Konservenfabrik auf Föhr (wo übrigens die Frauen für das Rupfen 5 Pf. und die Federn pro Ente bekamen). Wenn Anton Petersen Pech hatte, fing er 3 Enten am Tag, wenn er Glück hatte 400. In seinem Rekordjahr fing er 11.000 Enten. Er verdiente dabei 60,? im Monat, hatte die Wohnung und eine Fenne frei und bekam für jede kleine Ente 5 Pf. und für jede große Ente 8 Pf. Das war für die Familie mit inzwischen 6 Kindern nicht allzu viel, so dass Anton Petersen sich bei der Heuernte im Sommer dazuverdiente. 9 Jahre lang, von 1928 bis 1937 arbeitete er als Kojemann. Als dann der Bupheverkoog eingedeicht wurde, verscheuchte der Lärm der Maschinen die Enten. Der Fang wurde geringer und Anton Petersen verdingte sich zwei Jahre beim Deichbau. Mit Stolz erinnert er sich an den damals hohen Verdienst von 100,? DM pro Woche, wofür er auch allerdings rund um die Uhr schuften musste. (Damals konnte er sich sein erstes Radio für 205,? DM kaufen ? Marke Kürting). 1939 konnte seine Familie in das neue Siedlungshaus im Bupheverkoog einziehen. Nach Anton Petersen fingen noch für kurze Zeit sein Onkel Krischan Eck und danach Hermann Volquardsen Enten in der Vogelkoje. Es lohnte sich jedoch nicht mehr, so dass der Fang dann ganz eingestellt wurde. Die Vogelkoje ist nach wie vor im Privatbesitz der beiden Enkeltöchter des damaligen Heinrich Boysen. Es stellt sich die Frage ob es. nicht möglich wäre, eine der ehemaligen Pfeifen wieder so herzurichten, dass den Besuchern der Vogelkoje anschaulich vor Augen geführt werden kann, wie sich in vergangenen Jahrzehnten durch solche Anlagen ein zwar nicht unbedingt humaner, aber recht einträglicher Gewerbezweig entwickelte. Die Vogelkoje auf Pellworm hat historischen Wert und sollte erhalten bleiben. Befragt, ob er mit seinem Wissen beim Ausbau einer solchen Pfeife mithelfen wurde, meinte Anton Kojemann: "Dat wart nix. Dat wart veel to Düür." Die Verantwortlichen sollten es sich trotzdem mal durch den Kopf gehen lassen. G.S. >> zurück zum Inhaltsverzeichnis Inselzeitung Pellworm >>
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