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| Pellworm, den 29.07.2010 - 18:29 Uhr | ||||||||||||||||||||||||||
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DIE ÄRZTLICHE VERSORGUNG PELLWORMS IM VORIGEN JAHRHUNDERTAUS: Husumer Nachrichten Pellworm: Was es bedeutet, auf einer abgeschlossenen Insel oder Hallig eine gute ärztliche Versorgung zu haben, kann nur derjenige ermessen, der auf diesen Eilanden wohnt und noch mehr der, der ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muss. Das ist den Insel? und Halligbewohnern auch im letzten Eiswinter 71/72 wieder so recht deutlich geworden. Es sei nur daran erinnert, dass ein lebensgefährlich Erkrankter weder mit den Verkehrsschiffen, noch mit einem Hubschrauber oder einem Flugzeug abgeholt werden konnte, und es war nur dem vor Helgoland liegenden Seenotretter "HINDENBURG" zu verdanken, der unter unsäglichen Schwierigkeiten den Erkrankten ans Festland brachte. In einer solchen unwirtlichen Zeit Landarzt, Gemeindeschwester oder Hebamme auf der Insel zu sein, ist kein (Zuckerschlecken". Sie tun ihren Dienst an den hier lebenden Menschen in aller Stille, und sie wollen es nicht, daß um sie viel Aufhebens gemacht wird, gerade deswegen muss das einmal gesagt werden. Die gesundheitliche Betreuung und Versorgung auf der Insel war bis vor ganz kurzer Zeit noch gar nicht so selbstverständlich. Wir sind' so schnelllebig, dass wir es schon beinahe vergessen haben, dass noch vor einigen Jahren an zwei Tagen in der Woche von einem Festlandarzt Sprechstunden auf Pellworm abgehalten wurden. Heute kann die Praxiseinrichtung des Pellwormer Arztes es getrost mit jeder Festlandpraxis aufnehmen. Wie gesagt: Das war nicht immer so! Seit 200 Jahren war die ärztliche Versorgung das Sorgenkind der Gemeindevertretungen und der Vorsteherschaft, dies zieht sich wie ein roter Faden durch alle Memorial?Protokolle der Landschaft Pellworm. 1822 war der Pellwormer Arzt Dr. Koller ab 1801 auf Pellworm
infolge Altersschwäche nicht mehr imstande, seine Obliegenheiten
zu erfüllen. Selbst ein kranker Mann, musste er die Patienten vom
Bett aus behandeln. Dies konnte die Vorsteherschaft nicht verantworten,
und so schrieb am 10. Oktober 1822 der Landesvorsteher Boy Novock Friedrichsen
an das Königliche Physikat in Husum: "Seiner Hochwohlgeborenen
dem Herrn Doktor und Physikus Dr. Friedlieb zu Husum:
Köller war mit dieser Kündigung durchaus nicht einverstanden, er beruft sich auf seinen Vertrag von 1801, "daß ich als Landeschirurgus mit der Verheißung angenommen bin, mich ohne alle Loskündigung als solchen bis 'an mein Lebensende zu behalten. Der Contrakt sichert mir 400 Thaler vorm. Courant zu und daran halte ich mich, bis höheren Orts anders entschieden wird. Nach einigen polemischen Vorwürfen gegen die Vorsteherschaft lenkt Köller dann doch ein: "Unter keiner anderen Bedingung, als daß man mir das Gehalt von 400 ehem. Courant, die Hälfte zu May und die Hälfte zu Martini, als Pension auszahlen läßt, werde ich mich entschließen mein Amt als Landes?Chirurgus niederzulegen. Dessen ungeachtet erschien im Altonaer Merkur die "Vacanz?Anzeige" und wurde die "Königlich Schleswig?Holst. Lauenburgische Kanzley" unterrichtet. Die Supplicanten hatten Ihre Bewerbung an das Schlesw.?Holst. Sanitäts?Collegium in Kiel zu richten, es meldete sich aber niemand Schließlich hatte der leitende Arzt im Schloß vor Husum doch einen Arzt aufgetrieben: "Endlich bin ich so glücklich~ Ihnen einen Arzt anzukündigen, der soweit seine ziemliche richtige deutsche Schreibart schließen läßt, ein Mann von Bildung und Geschicklichkeit seyn dürfte." Es handelt sich um den Oberschiffsarzt Scheel, von dem man annehmen mußte, daß er sein Examen an'den chirurgischen Academie mit dem "zweiten Charakter", zumal er jetzt an der Entbindungsanstalt in Kopenhagen arbeite. Er empfiehlt, auf das Fixum 100 bis 200 Märk darauf zu legen, damit ich keine Vorwürfe bekomme, wenn er nachher sein Auskommen nicht hat und nicht zufrieden ist!" Am 22.Dez. 1822 schreibt dann der Oberschiffsarzt Scheel aus dem Entbindung hause in der Amalienstraße zu Kopenhagen, dass er die Stelle annehen möchte, "wenn ich mich dort mit mein Familie auf eine anständige Weise ernähren kann, zumal das Fixum nicht deutend ist. Sobald Sie mich des anständigen Auskommens versichern, wüsche ich noch, dass der alte Arzt schriftlich bekräftige, sich mit keinerlei ärztlicher Praxis abzugeben." Dies wurde ihm zugesichert. Nun brach auf Pellworm wieder einmal das Scharlachfieber aus und praktisch war man ohne Arzt. So bat die Vorslherschaft den Husumer Physikus Friedlieb um einen Interimsarzt. Man bot an, dass dieser sich mit Medikamenten versehen, ein Schiff auf "Communeksten" chartern und nach hier kommen sollte. Auch wollte man das Gehalt bedeutend erhöhen, wenn nur ein Arzt vor "Hernmung der Schiffahrt" ankomme. "Es ist äußerst unangenehm, dass wir diese Gehaltserhöhung bis jetzt verschoben haben, vielleicht hätten wir ein Arzt gehabt. Allein, werden oekonomischen Zustand der Interessenten kennt wird uns gewiss entschuldigen. wenn unsere Sparsamkeit nicht immer auf richtige Art anwenden. Offensichtlich sind wegen der Anstellung Dr. Scheel dann Briefe verloren gegangen, es kommen von dem Dr. Friedlieb vorwurfsvolle Briefe mit dem Schluss "Wenn sich die Herren Landesvorsteher nun nicht bald über die Wiederbesetzug des Landschaftschirurgus einigen können. so sehe ich mich genötigt, dem königlichen Sanitätscollegium solches zu melden. Am 20. Januar 1823 wurde dann Herr Schröder, der allerdings nur das Examen des 3. Charakters aufzuweisen hatte, als Wundarzt nach Pellworm gerufen, Er durfte "keine, innerliche Kuren verabreichen. "Über die richtige Behandlung des herrschenden Scharlachfieber habe ich Herrn Schröder instruiert und bei der Gelegenheit überzeugt. dass ihm jetzt an Kenntnisse in der Hinsicht mangelt." Die monatliche Vergütung betrug 10 Speciesthaler, und überhaupt waren die Vorsteher mit dieser Lösung zufrieden. In Hinsicht des uns zugesendeten Interims?Arztes können wir nicht umhin, Ew. Hochw, unsere vollkommene Zufriedenheit zu erkennen zu geben. Wir haben weder einen geschickteren Arzt noch billigere Bedingungen erwartet und nicht ermangeln wollen, unseren verbindlichsten Dank hiermit abzustatten. B. N. Friedrichs, L. H, Vorquardsen, Harrsen, H. H. Melfsen, Jac. Dethiefsi Arf. Peterssen, Hinr. Hucht, Samuel Hieronimus Samuelsen. Nun kam am 3. Februar 1823 ein Schreiben des Herrn Scheel,
mit dem er seinen Entschluss kundtat. Schröder erhielt nunmehr die Auflage, dass er auf Grund des eingeschränkten Examens 3. Charakter nur die wundärztliche Betreuung vornehmen dürfe und "bei der Verabreichung von inneren Kuren den pensionierten Arzt Köller konsultiere." Prompt kündigte Schröder. Dr. Friedlieb bot nun den Arzt Klaus Diederich Thedens an,
"der aber ein Sailair von 500 RBTH. erhalten solle. Aus dem Schreiben
an Thedens geht dann hervor, dass das Chirurgiat auf Pellworm 340 Haushaltungen
mit rd. 2000 Einwohnern und Hooge mit 50 Haush. und 200 Personen umfasst
und ihm somit ein gutes Auskommen garantiere. (Es folgt ein ganzer Wulst von Auflagen!) Das Collegium wird sich mit der Auffindung eines passenden Subjekts für die Stelle auf Pellworm beschäftigen." Seitens der Landesvorsteher wird nochmals auf die dringende Besetzung des Chirurgiats mit einem tüchtigen Arzt hingewiesen, zumal Schröder gekündigt hatte und Thedens noch nicht zusagte. Die isolierte Lage Pellworms musste uns zwar bewegen, alle unumgänglich erforderlichen Ausgaben als unvermeidliches Übel in Geduld zu übernehmen, um dafür am Ende durch einen geschickten Arzt einen dauernden Ersatz zu erhalten. Da indess der Zollverwalter Spiering, hierselbst, welcher auch Arzt ist, seine jedoch unentgeltliche Hilfe nicht versagte, wenn er in Notffällen angesprochen wurde, so konnten wir uns vorerst einigermaßen beruhigen." Nunmehr war aber auch Spiering bettlägerig wie auch Köller. Wenn nun auch Koller abwanderte, müsse man wie im vorigen Sommer die kranken Armen nach dem festen Lande in Chur geben und verursachten diese durch ihren Aufenthalt dortselbst der Commüne bedeutende Kosten. Zwar hatte Herr Schröder die Medikamente vorgehalten, sie auch ausgegeben und den Betrag dafür kassiert, allein, er hatte es unterlassen, dem Apotheker A. B.Becker in Husum diese zu bezahlen. Dieser schrieb nun nicht etwa an die Vorsteherschaft, sondern an Hochwürden Pastor BarteIssen. Dieser übergab das Schreiben dem Landesvorsteher, die Comüne übernahm die Bürgschaft, verlangte jedoch, dass ihr die Kosten für Jede Sendung avisiert werde. Der Apotheker antwortete zustimmend und schloss seinen Brief: "dass die Herren Vorsteher sowohl in Betreff der Preise als der Echtheit der Arzneimittel alles von mir erwarten dürfen, was von einem ehrlichen Mann dem sein guter Name und der gute Ruf seiner Apotheke über alles wertig ist, gefordert werden kann. Der Fortdauer Ihrer Freundschaft empfehle ich mich bestens. Ergebenst A. E. Becker Nunmehr war ein Contrakt mit dem Arzt Thedens zustande gekommen und trat dieser sein Amt an. Er blieb bis zum 1. November 1825. Nun ging die alte Geschichte wieder von vorn los. Es wurden
wiederum Dr. Friedlieb, das Collegium und die Academie in Copenhagen angeschrieben,
um einen Arzt, Friedlik wusste von einem Bataillonsarzt Kruse in Kopenhagen,
der nach hier wollte, machte auch im Schreiben noch die Belehrung: Ärzte auf Pellworm: Zusatz
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